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Über dieses Buch

Mit diesem sechsbändigen Werk erscheint erstmals eine vollständige Edition der Aufsätze und Vorträge Niklas Luhmanns zum Thema Organisation. Die Bände präsentieren schwer auffindbare Texte und bisher unveröffentlichte Materialien. ​Auch der dritte Band enthält Texte aus den Jahren 1970-1998. Analysiert werden Organisationstypen in Funktionssystemen der Gesellschaft: Kirchen, Schulen, Universitäten, Unternehmen, Parteien, Verwaltungen, Gerichte, usw.

„Viel spricht aber dafür, daß die Organisationen autonom geworden sind in der Frage, wie sie intern über Abhängigkeiten und Unabhängigkeiten im Verhältnis zur Umwelt disponieren. Und eben das setzt sie instand, Autoritätsverluste, die gesellschaftlich unvermeidlich geworden sind, auf eine hochdifferenzierte, heterogene und unübersichtliche Weise zu kompensieren.“

Niklas Luhmann, 1994

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Religion

Frontmatter

Die Organisierbarkeit von Religionen und Kirchen

Zusammenfassung
„Achtet man nicht auf die besonderen Funktionen oder Zwecke der Einzelsysteme, sondern auf die Selektionsweise selbst, dann lassen sich drei verschiedene Ebenen der Komplexität von Systembildungen unterscheiden: Gesellschaftssysteme, organisierte Sozialsysteme und einfache Sozialsysteme elementarer Interaktion. […] Wir können das Verhältnis dieser Ebenen zueinander nicht einfach als konstant annehmen als eine Art notwendige kategoriale Differenz. Vielmehr ändert sich mit zunehmender Komplexität des Gesellschaftssystems diese Differenz selbst, und zwar in Richtung auf zunehmende Verselbständigung und Unabhängigkeit der Ebenen voneinander; jede gewinnt in ihrem spezifischen Selektionsstil größere Bedeutung, wenn insgesamt mehr Möglichkeiten zu ordnen, mehr Informationen zu bearbeiten, mehr Unsicherheiten zu absorbieren sind. Eben deshalb schiebt sich in rasch wachsendem Umfange Organisation als Mittler zwischen Gesellschaft und Interaktion. Diese Hypothese soll uns als Leitfaden dienen für die Untersuchung der Frage, inwieweit und in welchem Sinne Religion in der Form von Kirche als Organisation begriffen und betrieben werden kann.“
Niklas Luhmann

Kirchliche Organisation

Zusammenfassung
„Ein Interesse an Organisationsformen und Organisationsmerkmalen religiöser Vereinigungen hat sich in der Soziologie erst in den 60er Jahren entwickelt und seitdem sehr rasch die bis dahin vorherrschende Typisierung nach dem Unterschied von Kirchen und Sekten ersetzt. Erst in den letzten Jahren beginnt man mit mehr Bedacht, Begriffe und Hypothesen der allgemeinen Organisationstheorie auf Organisationen des Religionssystems zu übertragen. Theoretisch so sorglose Formulierungen wie: ‚To perform such functions, a church necessarily becomes an organized body of human beings‘ sind durch diese Entwicklung überholt. Andererseits sollte ein Wechsel des forschungsleitenden Paradigmas nicht allzu abrupt und nicht ohne Kontrolle erfolgen.“
Niklas Luhmann

Religiöse Organisationen

Zusammenfassung
„In allen Funktionssystemen der modernen Gesellschaft spielen organisierte Sozialsysteme eine wichtige, eine unentbehrliche Rolle. Es sollte daher verwundern, wenn dies im Falle der Religion anders wäre. Andererseits ist es aber auch schwer vorstellbar, daß organisierte Entscheidungsprozesse in der Form von religiösen Handlungen ablaufen, daß Entscheidungen, die die Organisation binden, in der Form eines gemeinsamen Gebets getroffen oder auch nur von der Bitte um göttliche Inspiration begleitet werden. Registraturen sind selbst in Kirchenverwaltungen keine sakralen Objekte, und Mehrheitsbeschlüsse müssen gefaßt und durchgesetzt werden, auch wenn einzelne Teilnehmer meinen, daß sie von Gottes erklärtem Willen abweichen.“
Niklas Luhmann

Erziehung und Wissenschaft

Frontmatter

Organisation des Erziehungsprozesses

Zusammenfassung
„Von denen, die an Lehr-/Lernprozessen des Erziehungssystems beteiligt sind, wird Organisation zumeist unter dem Gesichtspunkt eines notwendigen Übels betrachtet; sie bringen einige der Kommunikationen, etwa Berichte, die sie anfertigen müssen, oder Zahlungen oder Weisungen unter diesen Gesichtspunkt. Ihre eigentliche Tätigkeit, das Lehren bzw. Lernen, erleben sie als qualitativ different. Diese Trennweise wird der Wirklichkeit des modernen Erziehungswesens nicht gerecht. Schulen und Hochschulen sind Organisationen, und alle Prozesse, die in ihnen ablaufen, haben darin die Bedingung ihrer Möglichkeit. Ohne Organisation würden Lehrer nicht mit der Aussicht auf einen Beruf studieren, würden Kinder nicht mit der Aussicht auf eine anspruchsvolle Erziehung aufwachsen können.“
Niklas Luhmann

Organisation in der Wissenschaft

Zusammenfassung
„In fast allen Funktionssystemen der modernen Gesellschaft, ausgenommen eigentlich nur die Familie, spielt Organisation eine bedeutende Rolle. Organisationen sind die einzigen sozialen Systeme, die in der Lage sind, intern erarbeitete Resultate nach außen zu kommunizieren. Oder anders gesagt: Wenn man ein soziales System in Kommunikationsprozessen repräsentieren (vertreten) will, muß man es organisieren. […] Organisation greift über die Ordnungsebene einfacher Interaktionen und über die Zufallsstreuung der Lektüre hinaus und sucht sicherzustellen, daß vieles, was zugleich geschieht, dennoch synchronisiert und in Sequenzen von Folgehandlungen zu einem guten Ende zusammengefügt werden kann. Früher oder später setzt sich in den großen Funktionssystemen Organisation als Form der Funktionserfüllung und Leistungserbringung unwegdenkbar und irreversibel durch. Kein Wunder, daß man „reife“ Wissenschaft als organisierte Wissensproduktion charakterisiert hat.“
Niklas Luhmann

Forschungsprojekte

Zusammenfassung
„Allgemein kann man feststellen, daß bei zunehmender Systemkomplexität die Tendenz zunimmt, Komplexität zu temporalisieren, das heißt: als Nacheinander des Verschiedenen zu ordnen. Durch Kommunikation wird diese Möglichkeit nahegelegt, denn Kommunikation ist, im Unterschied zu Wahrnehmung, ein notwendig sequentiell geordnetes Operieren. Aber erst komplexere Gesellschaften sehen sich genötigt, mehr und mehr von raumlimitierten zu zeitlimitierten Ordnungen überzugehen.“
Niklas Luhmann

Die Universität als organisierte Institution

Zusammenfassung
„‚Institution‘ und ‚Organisation‘ sind zwei recht verschiedene Beschreibungen sozialer Sachverhalte. Beide sind in der Soziologie, aber auch in der Politikwissenschaft und in der Rechtswissenschaft, in Gebrauch. Beide können auf die Universität angewandt werden. Normalerweise tendieren Autoren dazu, entweder die eine oder die andere Form der Beschreibung zu bevorzugen. Das muß Gründe haben, die nicht ohne weiteres ersichtlich sind. Jedenfalls ergeben sich bei näherem Zusehen erhebliche, auch theoriesteuernde Unterschiede, und es lohnt sich deshalb, am Fall der Universität zu klären, was mit der Wahl der einen oder der anderen Beschreibung erreicht werden kann und ob sie eventuell kombinierbar sind.“
Niklas Luhmann

Respezifikationen: Organisation und Professionalisierung

Zusammenfassung
„Das Zentralsymbol, an dem die Erziehung sich selbst erkennt, nämlich die Absicht, etwas für den Lebenslauf Brauchbares zu vermitteln, ist so allgemein gefaßt, daß ihm keine Information entnommen werden kann. Es soll ja für alle Kommunikationen des Erziehungssystems gelten. In dieser Hinsicht sollen sie sich nicht unterscheiden. Dies kann aber natürlich nicht heißen, daß die Ausfüllung dieser Leerformel dem individuellen Belieben überlassen bleibt. Wie wird aber diese Lücke ausgefüllt, wenn nicht durch individuelles Gutdünken?“
Niklas Luhmann

Wirtschaft

Frontmatter

Organisationen im Wirtschaftssystem

Zusammenfassung
„Anlaß zu den folgenden Überlegungen sind zwei Entwicklungstrends in der neueren Organisationssoziologie. Der erste Trend betrifft das Verhältnis von allgemeiner Theorieentwicklung zu Forschungen, die nur für besondere Bereiche, etwa nur für Schulen, nur für Produktionsbetriebe, nur für politische Parteien zu gelten beanspruchen. […] Der zweite Trend, an den wir anknüpfen wollen, ist das zunehmende Interesse an „gesellschaftstheoretischen“ Grundlagen der Organisationssoziologie. […] Mangel an theoretisch fundierter Dekomposition der allgemeinen Organisationssoziologie für unterschiedliche Wirkungsbereiche von Organisationen und Mangel an gesellschaftstheoretischer Fundierung. Könnten aber diese Mängel sich nicht wechselseitig stimulieren? Könnten die beiden Tunnels, die im dunkeln enden, nicht verbunden und für eine Durchfahrt geöffnet werden? Könnte man, anders gesagt, das, was Organisationstypologien auf den begrifflichen Grundlagen der Organisationstheorie vergeblich zu leisten versucht haben, einer Gesellschaftstheorie entnehmen? Und wie müßte diese Theorie aussehen?“
Niklas Luhmann

Medium und Organisation

Zusammenfassung
„Daß und wie Organisation ihr Medium in Form bringt, läßt sich vor allem an der zeitlichen Entkopplung von Zahlungsereignissen ablesen. Weder die Organisation noch ein sonstiger, an der Wirtschaft teilnehmender Beobachter ist gehalten, das Geld im Zeitlauf, im Nacheinander seiner Verwendungen, in der Zirkulation zu identifizieren. […] Man blickt nicht dem ausgegebenen Geld hinterher, man blickt in die eigene Bilanz oder in das eigene Budget und vergegenwärtigt sich die Zukunftsaussichten des eigenen Systems anhand von Einnahmen und Ausgaben. Die Entlastung von Beobachtungen der Geldverwendungssequenz (was daraufhin ideologisch als „Freiheit“ gerühmt werden kann) ermöglicht eine Konzentration des Beobachtens in Richtung auf organisierte Kapitalverwendung; und nur so können dann Märkte gebildet werden, auf denen Teilnehmer anhand von Preisen sogar die Beobachtungen anderer beobachten und sogar die Kalküle anderer kalkulieren können.“
Niklas Luhmann

Wirtschaftsethik – als Ethik?

Zusammenfassung
„Ich muß es gleich am Anfang sagen: Es ist mir nicht gelungen, herauszubekommen, worüber ich eigentlich reden soll. Die Sache hat einen Namen: Wirtschaftsethik. Und ein Geheimnis, nämlich ihre Regeln. Aber meine Vermutung ist, daß sie zu der Sorte von Erscheinungen gehört wie auch die Staatsräson oder die englische Küche, die in der Form eines Geheimnisses auftreten, weil sie geheimhalten müssen, daß sie gar nicht existieren.“
Niklas Luhmann

Recht und Politik

Frontmatter

Die Stellung der Gerichte im Rechtssystem

Zusammenfassung
„Die Gesamtordnung des umfassenden Systems (in unserem Falle: des Rechtssystems) kommt also darin zum Ausdruck, daß das allgemeine System/Umwelt-Verhältnis der Teilsysteme eingeschränkt ist durch Ordnungsvorgaben für System-zu-System-Beziehungen. Und diese können unterschiedliche Freiheitsgrade, also unterschiedliche Integrationsdichte vorsehen je nach der Komplexität, die in der Evolution des Gesamtsystems erreicht und zu bewältigen ist. Nur ein sehr geringes Komplexitätsniveau kommt mit Segmentierung aus. Es gibt eine Mehrzahl von Gerichten, die einander gleichen und als gleiche zu respektieren haben. Aber darüber hinaus haben sich seit langem Differenzierungsformen auf der Basis von Ungleichheit – etwa Gerichte und Anwälte, Gerichte und gesetzgebende Parlamente – gebildet, die auf der Basis von Ungleichheit mehr Unterschiede und damit größere Freiheitsgrade in das System einführen. Das Beispiel zeigt, daß verschiedene Differenzierungsformen einander keineswegs ausschließen. Es obliegt dann der jeweils dominanten Form von Ungleichheit, zu regulieren, wo und wieviel andere Differenzierungsformen nötig und zugelassen sind […]. Von diesen Vorgaben ausgehend fragen wir nach den Formen interner Differenzierung des Rechtssystems.“
Niklas Luhmann

Politische Organisationen

Zusammenfassung
„Obwohl […] das politische System der Gesellschaft keine Organisation ist und niemand, auch der Staat nicht, für das politische System auftreten kann, sind politische Organisationen unentbehrlich – und zwar gerade in sogenannten demokratischen Systemen, die sich bemühen, eine möglichst große Zahl von Interessen und Meinungen zuzulassen und an die Entscheidungsprozesse heranzuführen. Aber wenn diese Tendenz besteht, muß die Gleichsetzung von politischem System und (organisiertem) Staat aufgegeben werden. Die Abhängigkeit von Organisation wird dann zur Abhängigkeit von einer Mehrheit von Organisationen.“
Niklas Luhmann

Strukturelle Kopplung über Organisation

Zusammenfassung
„Daß Organisationen der strukturellen Kopplung von Funktionssystemen dienen, und in einigen Fällen mehr so als in anderen, liegt mithin daran, daß sie eine Hypertrophie von Entscheidungsmöglichkeiten erzeugen, die dann durch die Entscheidungspraxis und ihre ‚Selbstorganisation‘ reduziert wird.“
Niklas Luhmann

Funktionale Differenzierung

Frontmatter

Die Differenzierung von Politik und Wirtschaft und ihre gesellschaftlichen Grundlagen

Zusammenfassung
„Eine Gesellschaft kann als funktional differenziert bezeichnet werden, wenn sie ihre wichtigsten Teilsysteme im Hinblick auf spezifische Probleme bildet, die dann in dem jeweils zuständigen Funktionssystem gelöst werden müssen. […] Will man auf diesen Grundlagen Wirtschaftssystem und politisches System vergleichen, dann muß man Fragestellungen entwickeln, die komplexen Anforderungen genügen. Sie müssen mit dem theoretischen Ansatz der Theorie selbstreferentieller Systeme kompatibel sein, müssen sich sowohl im Wirtschaftssystem als auch im politischen System verfolgen lassen und müssen gleichwohl diese Systeme nicht als ähnlich, sondern als verschieden und als unkoordinierbar behandeln können. Wir wollen dies mit Hilfe der Unterscheidung von Medium und Organisation versuchen […].“
Niklas Luhmann

Differenzierung – 11. Vorlesung

Zusammenfassung
„Das Thema der heutigen Stunde heißt ‚Funktionale Differenzierung‘. Wir sind also in dem Kontext ‚Differenzierungsformen‘. Und ich möchte heute die Stunde im wesentlichen darauf verwenden, den Zusammenhang zwischen einer Theorie der modernen Gesellschaft und dieser Differenzierungsform ‚funktionale Differenzierung‘ zu erläutern.“
Niklas Luhmann

Backmatter

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