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29.08.2016 | Schwere Lkw | Nachricht | Onlineartikel

Scania optimiert seine Euro-6-Motoren

Autor:
Andreas Burkert
3:30 Min. Lesedauer

Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania reduziert mit zahlreichen Verbesserungen an seinen Euro-6-Motoren den Verbrauch. Auch das Opticruise-Getriebe schaltet dank Vorgelegewellenbremse effizienter.

Mit überarbeiteten Euro-6-Motoren präsentiert Scania sich auf der diesjährigen IAA in Hannover. Im Fokus der Entwicklungen stand unter anderem die Verbrauchsminimierung. So wurde das Motormanagement verbessert sowie Komponenten, wie Verbrennungsräume, Injektoren oder Ladeluftkühler komplett überarbeitet. Hinzu kommen weitere verbrauchssenkende Maßnahmen wie eine bessere Aerodynamik oder die Möglichkeit, eine Achse mit schnellerer Übersetzung (2,35) für Situationen zu wählen, in denen die entsprechenden Fahrbedingungen gegeben sind, sowie exakt abgestimmte Konfigurationen für jede Transportaufgabe.

Laut Björn Westman, Head of Engine Development bei Scania, konnte dadurch der Kraftstoffverbrauch der Motoren um rund 3 Prozent gesenkt werden. Auch durch die dadurch verbesserte Kühlleistung bei den neuen Fahrerhäusern sollen etwa weitere 3 Prozent Kraftstoffeinsparung möglich sein. Darüber hinaus setzt der Hersteller bei allen vier 13-l-Motoren und der neuen Ausführung des 367 kW starken Motors bei der Abgasnachbehandlung auf eine reine SCR-Technik. Der Grund hierfür sind die positiven Erfahrungen, die Scania mit dieser Technik gemacht hat. Dazu gehören ein niedrigerer Verbrauch und eine noch höhere Zuverlässigkeit durch SCR-only.

13-l-Motor mit überarbeiteten Brennraum

Zu den Neuerungen beim 13-l-Motor zählen ein überarbeiteter Brennraum und neue Injektoren, die für eine Einsparung von 0,2 bis 0,5 Prozent Kraftstoff sorgen. Die allgemein höhere Betriebstemperatur und die thermostatische Ölkühlung ergeben zudem weitere Einsparungen. Die Kühlerlüfter (in einigen Fällen mit größerem Durchmesser), die nun anstelle einer energieintensiven Übersetzung direkt angetrieben werden, leisten einen weiteren Beitrag. Dies kann laut Datenblatt zu einer Kraftstoffersparnis von bis zu 1 Prozent führen, da selbst bei niedriger Leistung und niedrigen Außentemperaturen stets eine optimale Öltemperatur gegeben ist.

"Zusätzlich zu den Modifizierungen am Motor können Kunden mit weiteren Einsparungen von einigen Prozenten rechnen", erklärt Björn Fahlström, Vice President, Product Management bei Scania Trucks. Er weist zudem drauf hin, dass auch in die Aerodynamik und in intelligentes Motormanagement Entwicklungsarbeit investiert wurde. Verglichen mit dem aktuellen Scania Streamline soll sich die Kraftstoffeinsparung auf rund 5 Prozent belaufen, erklärt Scania.

Kürzere Schaltzeiten dank Vorgelegewellenbremse

Auch mit der Einführung einer serienmäßigen Vorgelegewellenbremse beim automatisierten Scania Opticruise-Getriebe will der Hersteller die Effizienz steigern. Anstelle von Synchronringen zur Synchronisierung der unterschiedlichen Drehzahlen von Vorgelege- und Hauptwelle beim Schalten – wie dies bei den meisten herkömmlichen Getrieben der Fall ist – kommt bei Scania eine Vorgelegewellenbremse beim Hochschalten zum Einsatz. Möglich ist dies dank des Scania Konzeptes der vollständig integrierten Antriebsstränge. Dies bedeutet, dass die Drehzahlanpassung der Wellen erheblich schneller erfolgt und das nächste Zahnrad – der nächste Gang sozusagen – fast sofort eingelegt werden kann.

Laut Scania kann damit das Getriebe für Fernverkehr-Lkw, das GRS905, innerhalb von 0,4 Sekunden einen Gang hochschalten. Dies entspricht fast einer Halbierung der bisherigen Schaltzeit. Die Schaltung erfolgt in der Praxis so schnell, dass sie andere Arten von komplizierten, energieverbrauchenden und schweren Lösungen für schnellere Schaltzeiten überflüssig macht. Die Verwendung einer Vorgelegewellenbremse anstelle einer herkömmlichen Synchronisierung sorgt nicht nur für kürzere Schaltzeiten, sondern auch für verbessertes Aufrechterhalten des Ladedrucks.

Euro-6-Motoren fahren mit bis zu 100 Prozent HVO

Alle Scania Lkw mit Euro-6-Motoren können im Übrigen Herstellerangaben zufolge problemlos mit bis zu 100 Prozent HVO (hydriertes Pflanzenöl) betrieben werden. Unter günstigsten Bedingungen können die CO2-Emissionen gegenüber Dieselkraftstoff somit um 90 Prozent gesenkt werden. "Wir werden nach und nach mehr Motoren für alternative Kraftstoffe in der neuen Lkw-Baureihe einsetzen. Davon ausgenommen ist HVO, das bei allen unseren Euro-6-Motoren – unabhängig von der Lkw-Baureihe – verwendet werden kann. Somit wird in naher Zukunft in der neuen Fahrzeug-Generation für jede Fahrzeugapplikation ein entsprechender Antriebsstrang erhältlich sein, der auch für den Einsatz alternativer Kraftstoffe ausgelegt ist“, erklärt Scania.

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