Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Rasant verbreitet sich im Zuge der Digitalisierung der Wille, alltägliches Geschehen nicht nur im Spektrum der Worte, sondern in Form von Zahlen zu dokumentieren. Im Kontext von Diabetes und Quantified Self analysiert Lisa Wiedemann in dieser Studie das sogenannte Self-Tracking als medizinisch indizierte und als „selbstinitiierte“ Praxis. Dabei werden die Vermessungspraktiken empirisch als veralltäglichte, selbstbezogene und verkörperte Praxis in den Blick genommen. Zur Diskussion steht, wie Self-Tracking in den Alltag übersetzt und in Interaktivität mit technisch-materiellen Akteuren im (in)stabilen Vollzug bedeutsam gemacht wird.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Der Wecker klingelt: es ist 8.30 Uhr. Ich habe drei Mal zu oft das Aufwachen durch die Schlummer-Funktion des Handys hinausgezögert. Zu spät, um heute mit der Bahn zur Arbeit zu fahren – das dauert im Durchschnitt bei dreimaligem Umsteigen 50 Minuten. Mit dem Fahrrad lässt sich die Strecke von acht Kilometern in ungefähr 30 Minuten zurücklegen und ich könnte es noch schaffen, pünktlich um 10.00 Uhr meine Zeitwertkarte mit einem meinen Arbeitsbeginn bezeugenden Stempel zu versehen.
Lisa Wiedemann

Kapitel 2. Kontextualisierungen

Zusammenfassung
Das folgende Kapitel kontextualisiert das Self-Tracking-Phänomen historisch, sozial- und kulturwissenschaftlich. Ziel ist es, sowohl einen Überblick hinsichtlich bisheriger Forschungen zum Thema zu geben als auch wichtige soziologische Konzepte und im Rahmen der Arbeit einge-nommene Blickwinkel, die die Analyse der Vermessungspraktiken anleiten, zu operationalisieren.
Lisa Wiedemann

Kapitel 3. Praxistheoretische Rahmung

Zusammenfassung
Nachdem das vorausgegangene Kapitel das Self-Tracking auf eine große gesellschaftsdiagnostische Leinwand gezogen hat, gilt es im Folgenden, die Perspektive zu verkleinern, um das Phänomen anschließend als alltägliche, selbstbezogene und verkörperte Praxis beobachten zu können. Folglich wird mit dem hiesigen Kapitel die empirische Wendung der Arbeit eingeleitet, indem die vorherigen Kontextualisierungen mit dem praxistheoretischen Analyserahmen verschaltet werden. Immerhin ist es Ziel der Arbeit, die digitalen Vermessungspraktiken nicht ausschließlich im Spiegel soziologischer Kontextualisierung zu erblicken, sondern in ihrer Verlaufsform.
Lisa Wiedemann

Kapitel 4. Das Schreiben einer mobilen Ethnographie. Reflexion zum Forschungsvorgehen

Zusammenfassung
Im vorliegenden Kapitel werde ich mein gewähltes forschungspraktisches Einklinken in die Self-Tracking-Thematik als ethnographisches Vorgehen beschreiben. Es sollte als eine Art Fahrplan für mein offenes, empirisches Vorgehen gelesen werden, das sich nicht in methodische Regelabfolgen gießen lässt. Das Verwobensein von Feldkontakten, Datenerhebung und dem Finden einer Fragestellung ist typisch für ethnographische Feldforschung und wird hier rekonstruiert.
Lisa Wiedemann

Kapitel 5. Das alltägliche Doing Pancreas – Indizierte Selbst- und Körpervermessung im Kontext Diabetes

Zusammenfassung
Die Bauchspeicheldrüse ist „schlau“, da sie das Hormon Insulin produziert, welches die Zellen dazu anregt, Glukose aus dem Blut zu transportieren und in Energie umzuwandeln. Sie ist ein zentrales Rädchen, um den Blutzuckerhaushalt des Körpers zu regulieren. Ist diese organische Selbstregulation gestört, entsteht ein medizinisches Problem: Diabetes.
Lisa Wiedemann

Kapitel 6. Zahlen in der Praxis bedeutsam machen? – Zu den Selbsteffekten „selbstinitiierter“ Vermessungspraktiken

Zusammenfassung
Im Mittelpunkt dieses Kapitels stehen die Praktiken der Selbst- und Körpervermessung, die nicht aus einer lebensbedrohlichen Dringlichkeit heraus, sondern vielmehr „selbstinitiiert“ aufgenommen werden. Gemeint ist jenes angestrebte Leben nach Zahlen, das unter der Bezeichnung Quantified Self (QS) viel diskutiert wurde. Anhand meines empirischen Materials werde ich insbesondere die in den Vermessungspraktiken hervorgebrachten Bedeutungszuschreibungen in den Blick nehmen. Denn was die Einzelnen mit den im Self-Tracking produzierten Zahlen, Daten und Kurven tatsächlich tun und wie diese in den Selbst- und Körperbezug gesetzt werden, blieb lange Zeit unterbelichtet.
Lisa Wiedemann

Kapitel 7. Verkörperungen – Die leiblich-affektive Dimension des Self-Trackings

Zusammenfassung
Im letzten inhaltlichen Kapitel dieser Arbeit wird dezidiert die leiblich-affektive Dimension von Körperlichkeit in den Fokus gerückt. Bereits Kapitel 5 und 6, die das Self-Tracking in jeweils unterschiedlichen Kontexten betrachteten, machten den Körper zum Gegenstand der Analyse. Er wurde dort als Speicherort eines numerischen Sinns dargestellt, in seiner materiellen Erscheinung als multipler Zahlen-, Daten- und Kurvenkörper thematisiert, implizit als Empfänger gouvernementaler Leitlinien besprochen und als Vollzugspunkt der konkreten Praktiken beschrieben.
Lisa Wiedemann

Kapitel 8. Schluss

Zusammenfassung
Vom ersten Verkauf eines Smartphones 1994 bis ins gegenwärtige Jahr 2019 hat sich das Gerät als allgegenwärtiges Gebrauchsobjekt in den Alltag eingeschrieben. Neben seiner Funktion als Telefon ist es zugleich Fotoalbum, Kalender, Notizblock, Nachrichtenjournal, Adressbuch, E-Mail-Postfach, Musikanlage und Echtzeit-Postkarte. Für die hiesige Thematik zentral ist jedoch die Tatsache, dass das Smartphone zudem entscheidendes Instrument der Körper- und Selbstvermessung wurde – oder schon fast „das Gehirn des Diabetes“ ist, wie mein Interviewpartner Max es ausdrückte. Waren Fitnessarmbänder und Aktivitätstracker 2013 zu Beginn meiner Feldforschung noch sehr teuer, zieren sie mittlerweile viele Supermarktkassen oder werden von Unternehmen an Beschäftigte verteilt. Es ist also kein Privileg klinischer Apparate, den Substanzkörper als Zahlen-, Daten- und Kurvenkörper zu erblicken: smarte Messgeräte können dies mittlerweile ebenso gut.
Lisa Wiedemann

Backmatter

Weitere Informationen