Skip to main content
main-content

24.11.2021 | Sensorik | Nachricht | Onlineartikel

Valeo misst den Regen mit Laserscannern

Autor:
Michael Reichenbach
4 Min. Lesedauer

Lidarsysteme messen Abstände sehr genau, auch dann, wenn es Kameras zu hell oder dunkel wird. Valeo kündigte seine dritte Generation Laserscanner an, deren Auflösung zwölfmal besser wurde. 

Der Systemlieferant Valeo hat gestern (23. November 2021) in Paris (Frankreich) die dritte Generation seines Lidarsensors für Assistenzsysteme in einer virtuellen Pressekonferenz vorgestellt. Der neue Lasersensor soll 2024 auf den Markt kommen und liefere außergewöhnliche Werte in Bezug auf Auflösung, Bildwiederholfrequenz und Reichweite. Er rekonstruiert ein 3-D-Echtzeitbild der Fahrzeugumgebung mit 4,5 Millionen Pixeln und 25 Bildern pro Sekunde bei bis zu 450 m Abstand. Im Vergleich zur vorherigen Generation wurde die Auflösung um das Zwölffache, die Reichweite um das Dreifache und der Blickwinkel um das 2,5-Fache vergrößert.

Der Vorgänger namens Scala hatte 2018 den Automotive News Pace Award gewonnen. Er bietet ein weites Sichtfeld (145°) und die Fähigkeit, sowohl stehende als auch sich bewegende Objekte bis zu einer Entfernung von 150 m bei jedem Wetter bei Tag und Nacht zu erkennen. Der Sensor war das erste in Serie hergestellte Lidarsystem auf dem Automobilmarkt. Die ATZ-120-Jahre-Jubiläumsausgabe berichtete 2018 in dem Fachartikel Lidar als Schlüsseltechnik für das automatisierte und autonome Fahren Näheres zum Sensor. Scala ist bei den OEMs Mercedes-Benz und Honda im Einsatz.

Mit Lidar das automatisierte Fahren sicherer machen

Zu den Eigenschaften des neuen Laserscanners stellte Geoffrey Bouquot, Senior Vice President, F+E und Strategie bei Valeo, fest: "Die dritte Lidargeneration von Valeo ist ein großer technologischer Fortschritt auf dem Weg zum autonomen Fahrzeug. Dieses Upgrade stärkt die technologische und industrielle Führungsposition von Valeo in diesem Bereich, nachdem das Unternehmen bereits der einzige Anbieter auf dem Markt war, der derzeit einen Laserscanner für die Automobilindustrie in Serie produziert. Unser wichtigstes Ziel mit diesem Gerät bleibt das gleiche – Leben im Straßenverkehr zu retten".

Dank seiner Detektionsfähigkeit kann das neue Messsystem Objekte erkennen, die Menschen, Kameras und Radare nicht sehen können. Das bedeutet, dass das Fahren in vielen Situationen (ab SAE-Automatisierungsstufe 2) an das Fahrzeug delegiert werden kann – auch auf der Autobahn bei Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h. Das Scanning-Lidar schützt die Menschen im Pkw und die Personen in seiner Umgebung wie Fußgänger, Roller- und E-Scooterfahrer oder Radler. Über die Cloud warnt es andere Fahrzeuge vor Gefahren im Straßenverkehr.

Lidarsystem basiert auf dem Spiegelrotationsprinzip

Das neue Lidarsystem von Valeo, das auf dem Spiegelrotationsprinzip (im Gegensatz zur Solid-State-Technik ohne bewegliche Teile) basiert, erfasst, erkennt und klassifiziert alle Objekte in der Umgebung des Fahrzeugs. Wenn sich die Objekte bewegen, misst es ihre Entfernung, Geschwindigkeit und Richtung. Das Lasersystem kann sich an alle Lichtverhältnisse anpassen, egal ob die Sonne blendet oder es nachts stockdunkel ist.

Es messe sogar, wie dicht Regentropfen fallen, um den richtigen Bremsweg zu berechnen. Das System nutzt KI-Algorithmen, um Trajektorien der Verkehrsteilnehmer zu antizipieren und die erforderlichen Sicherheitsmanöver einzuleiten. Die KI-basierte Software könne sowohl auf dem Sensorchip beziehungsweise seinem Steuergerät als auch in der Cloud laufen.

Valeo entwickelt und fertigt das gesamte System, einschließlich der Hardware, der Software und den damit verbundenen Algorithmen der künstlichen Intelligenz, die die gesammelten Daten kombiniert, auswertet und es dem Fahrzeug ermöglicht, sofort die richtige Entscheidung zu treffen. Das seit zwölf Jahren gesammelte Know-how bleibe von A bis Z innerhalb des Hauses Valeo erhalten, sagte Bouquot, sodass Produktverbesserungen in Abstimmung mit den Kunden leicht vorgenommen werden könnten.

Lidarmarkt wächst

Die Lidarsysteme werden in Deutschland im Valeo-Werk in Wemding (Bayern) hergestellt, wo die Komponenten mit einer Präzision im Mikrometerbereich montiert werden. Die Produktionslinien des Werks stützen sich auf das Wissen von Valeo in den Bereichen Optik, Mechanik und Photonik. 300 Ingenieure von Valeo widmen sich ausschließlich dieser Technologie, für die bereits über 500 Patente angemeldet wurde.

Valeo ist das erste und ist bis heute das einzige Unternehmen, das ein Scanning-Lidar in industriellem Maßstab herstellt, betonte Bouquot mehrmals. Sein Unternehmen habe bereits mehr als 150.000 Einheiten produziert. Und 99 % der weltweit mit einem Scanning-Lidar ausgestatteten Fahrzeuge seien mit einem System von Valeo ausgestattet. Bis zum Jahr 2030 sollen bis zu 30 % der Premium-Neufahrzeuge die SAE-Automatisierungsstufe 3 erreichen und müssen dafür mit Lidartechnik ausgestattet werden. Neben Pkw werden auch autonome Shuttles, Robotaxis, Lieferdroiden, autonome Lastwagen mit einem oder mehreren Lidars ausgestattet sein müssen. Es wird erwartet, dass der Lidarmarkt bis zum Jahr 2030 mehr als 50 Milliarden US-Dollar ausmachen wird.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

15.09.2021 | Sensorik | Themenschwerpunkt | Onlineartikel

Lidar und die Zukunft des automatisiertes Fahrens

Premium Partner

    Bildnachweise