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Über dieses Buch

Der Band ist ein erstes Übersichtswerk zu vorzeitig abgesetzten oder längerfristig unterbrochenen Fernsehserien. Er analysiert diese im Hinblick auf ihren Fragmentstatus und erprobt Ansätze, wie mit diesem umgegangen werden kann: Das Spektrum reicht von essayistischen Perspektiven bis zu Beobachtungen aus der ethnologischen Feldforschung; Fan Studies, Serialitätsstudien, philosophische Betrachtungen kommen ebenso zum Tragen wie Analysen, die Fragmenttheorien aus der Architektur und Fotografie hinzuziehen. Der Begriff und der Eigenwert des Fragments werden damit erstmals im Kontext der Fernsehserie anhand zahlreicher Beispiele diskutiert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

„And one fragment emerged to me …“ Gedanken zur Einleitung

Zusammenfassung
Diese Einführung leitet in die Auseinandersetzung mit frühzeitig abgesetzten oder längerfristig unterbrochen Serien ein, die als Serienfragmente bezeichnet werden. In einem ersten Schritt wird der Gegenstand beschrieben und definiert. Zudem wird dargelegt, inwiefern er als Impuls dient, sich mit Serien zu beschäftigen, deren besonderer Fragmentstatus bisher weniger im Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung lag. In einem zweiten Schritt wird erörtert, wie sich die Fragmentarität als Denkfigur für eine Analyse der formalen Beschaffenheit und Operationsweise von Serien eignet. In einem dritten Schritt werden Entwicklungen betrachtet, die nach dem Abbruch einer Serie eintreten können: Anhand der Serien Penny Dreadful, Forever, Jericho und The Borgias werden die Aspekte Teilhaftigkeit und Vollendung, Endlichkeit und Endlosigkeit, Aktivierung und Enttäuschung sowie Autor und Autorität beleuchtet.
Vincent Fröhlich, Maren Scheurer

ALF

„Consider Me Gone“: Der non-finite Finalecliff als Fragment
Zusammenfassung
Als non-finiter Finalecliff soll die letzte Sequenz einer Fernsehserie in der finalen Episode einer Staffel verstanden werden, welche zwar per Cliffhanger auf einen Fortgang verweist, demgemäß diverse Handlungsstränge demonstrativ in einem gefahrensituativen Schlussbild offen stehen lässt, aber einen solchen nicht mehr anbieten kann; aufgrund einer Absetzung der Serie. Dies stellt ebenso das Symptom einer ökonomischen Krise dar, wie auch den Beginn einer transmedialen Verschiebung vom Fernsehen zum Film. Solche Überlegungen sollen an der Serie ALF angestellt werden, denn dabei handelt es sich fernsehhistorisch markant um die erste Sitcom mit einem unaufgelösten Staffel-Cliffhanger.
Markus Kügle

Awake

Vom Widerstand und Trost des Fragmentarischen
Zusammenfassung
Über die Parallelen zwischen der äußeren und der inneren Fragmentarität der NBC-Serie Awake (2012) stellt dieses Kapitel heraus, welche Widerstände fragmentarisches Erzählen und Erleben erzeugt und welches Potenzial sich daraus ergibt. Die komplexe Anlage der Serie, die fragmentiertes Erleben unterschiedlicher Realitäten darstellt und diese Fragmentierung in den Therapiesitzungen des Protagonisten als Gefahrenherd, Trostspender und Inspirationsquelle reflektiert, erscheint dabei als potenzielle Ursache der Absetzung ebenso wie für den Wunsch nach Fortsetzung, der sich in der „Save Awake“-Kampagne der Fans abzeichnet, die im letzten Abschnitt des Kapitels analysiert wird.
Maren Scheurer

Battlestar Galactica

Das gedoppelte offene Ende: Serieller Fragmentarismus als rezeptionsästhetisches Ärgernis oder kreative Chance?
Zusammenfassung
Sowohl die von 1978 bis 1979 gedrehte und im Weltraum angesiedelte Serie Battelstar Galactica als auch das kostengünstigere und beim Publikum floppende Sequel Galactica (1980), welches hauptsächlich auf der Erde der frühen achtziger Jahre spielt, verzichten nicht nur auf eine Finalisierung ihrer Erzählstränge, sie verhalten sich auch seltsam unverbunden zueinander, was nicht nur die Identifikation der Rezipient_innen mit Plot und Figuren erschwert, sondern diese auch mit vielen Fragen zurücklässt. Damit werden die Segmente des Science-Fiction-Epos zu Teilen „einer nie gewesenen oder erst noch im Entstehen begriffenen Ganzheit“, wie es Eberhard Ostermann in Rekurs auf den frühromantischen Fragmentbegriff Friedrich Schlegels formuliert. Diese Unabgeschlossenheit wird auf der Rezeptionsebene zur Provokation und nötigt den Zuschauer_innen die imaginative Mitwirkung an der Gestaltung einer sich lediglich im Werden befindlichen Ganzheit auf. Die verschiedenen Fragmentarismen der seriellen Zyklen und die sich daraus bietende Möglichkeit zur Co-Autorschaft als Rezeptionsmodus sollen im vorliegenden Beitrag bestimmt werden.
Torsten Voß

Chasing Life

Erzählen gegen den Tod?
Zusammenfassung
Die US-Serie Chasing Life folgt der jungen April Carver, die in der ersten Folge erfährt, dass sie an Leukämie erkrankt ist. In zwei Staffeln schildert die Serie, wie April und ihr Umfeld mit dieser Diagnose umgehen. Die Serie endet als April beschließt, den Kampf gegen den Krebs aufzugeben und sich auf ihren Tod vorzubereiten. Der Beitrag untersucht das Zusammenfallen von Serienende und Lebensende der Protagonistin auf mehreren Ebenen, wie zum Beispiel in Bezug auf erzählerische Konventionsbrüche, den kulturellen Kontext, die subjektive Darstellung einer Krankheitsgeschichte sowie die sowohl direkte als auch indirekte Thematisierung der Unvorhersehbarkeit des Endes. Vor diesem Hintergrund versteht der Beitrag Chasing Life als Metakommentar über die Konventionen des seriellen Erzählens.
Anita Wohlmann

Eerie, Indiana

Ein Serienfragment in der Wiederholungsschleife
Zusammenfassung
Eerie, Indiana (1991–1992; im Folgenden kurz Eerie) ist wohl den meisten, die in den 1990ern aufgewachsen sind, ein Begriff. Doch bevor die Kinder-und Jugendserie im Fernsehen zum Dauerbrenner wurde, galt sie zunächst als Flop und wurde nach nur einer Staffel abgesetzt. Der Artikel beleuchtet die Ausstrahlungshistorie von Eerie, Indiana mit einem Fokus auf die ökonomische und kulturelle Bedeutung der Fernsehwiederholung. Berücksichtigt werden auch der damals erst langsam aufkeimende Trend zum all age entertainment im Fernsehen sowie die ökonomischen Besonderheiten von Kinder-und Jugendserien.
Maria Verena Peters

Firefly

„Skies over Serenity Valley“: Fragment, transmediale Serialität und Joss Whedons Erzähluniversum
Zusammenfassung
Der Beitrag diskutiert die Serie Firefly im Kontext ihrer Fortschreibungen in anderen medialen Formaten, insbesondere im Film und im Comic. Beobachtet wird, inwiefern transmediales Erzählen auf Prozessen der Umschreibung bzw. einer Transkription fragmentarischer (Story-)Elemente und Erzählstrukturen innerhalb des durch die Serie geschaffenen Serien- bzw. Erzähluniversums (Serenityverse) beruht. Vor dem Hintergrund der Diskussion einer Ästhetik des Fragments wird aufgezeigt, wie das Serien- bzw. Erzähluniversum als Fragment eines auteur-zentrierten und fanseitig beeinflussten ästhetischen Ganzen firmiert (Serenityverse bzw. Whedonverse) und hieraus einen wesentlichen Moment seiner Fortführung und Erweiterung bezieht.
Elke Möller

Heroes

Das Fragment als serielles Prinzip
Zusammenfassung
In Heroes (NBC) sind die Serienfiguren stets Teil von etwas Größerem: der Evolution, der Weltrettung oder einer Revolution. Fünf Jahre nach der Absetzung 2010 beginnt Heroes Reborn und setzt tatsächlich auch intradiegetisch fünf Jahre nach dem letzten Cliffhanger an. These des Beitrags ist, dass nicht nur Produktion und Ausstrahlung von Heroes fragmentarisch sind, sondern dass hier das Fragment zum seriellen Prinzip erklärt ist. Den Rezipierenden wird eine mögliche Vollständigkeit versprochen, an welche sich diese, durch den Konsum der Fragmente und das Sammeln von Wissen, annähern sollen. Dieser essenziell fragmentarische Prozess ist der treibende serielle Aspekt der Fernsehsendungen und entscheidend für die interaktiven und transmedialen Auswüchse.
Anne Ganzert

The Hour

Enden, Brüche und Tode in der BBC-Miniserie
Zusammenfassung
Die BBC-Miniserie The Hour (2011–2012) dreht sich um die Entstehung eines neuen Nachrichtenmagazins zur Zeit der Sueskrise, welches die Trivialität der allgemeinen journalistischen Berichterstattung überwinden will. Dabei revolutioniert es nicht nur auf innerdiegetischer Ebene die Geschichte des Fernsehjournalismus, sondern fungiert auch auf extradiegetischer Ebene als eine Art Spiegel für die Serie selbst. Tatsächlich weist sie eine interessante mise en abyme-Struktur auf und denkt den Moment des Endes beziehungsweise auch des Fragmentarischen, des Bruchs, des Tods wie kaum eine andere stetig mit. Konkret geht es dabei unter anderem um den Einsatz von Selbstreflexivität, die Thematisierung von geschichtlichen Umbrüchen oder die Einbindung des Mediums der Fotografie.
Judith Ellenbürger

Kanzleramt

Das Scheitern eines politischen Unterhaltungsprojekts
Zusammenfassung
Eine politische Fernsehserie stellt immer den Versuch dar, politische Wirklichkeit in der Form einer mehrteiligen fiktionalen Erzählung zu konstruieren. Jede politische Serie enthält dabei das explizite oder implizite Versprechen, den Zuschauer_innen einen Blick auf die Hinterbühne des Politikbetriebs zu gewähren und damit einen Zugang zum Geschehen zu eröffnen, der über die sonst übliche Medienberichterstattung nicht möglich wäre. Darüber hinaus verheißt jedes Serienangebot Unterhaltungserlebnisse, sei es in Form von Spannungsbögen bei Dramaserien oder sei es in Form von lustigen Szenen bei Satire- und Comedyformaten.
Andreas Dörner

Madso’s War

Das Fragment eines Fragments: Medialität, Materialität und mise-en-scène
Zusammenfassung
Dieser Beitrag nimmt eine medienphilosophische Perspektive auf Serienfragmente ein. Genauer, es geht ihm um genuine Fragen der Ästhetik. Sie werden bezogen auf die im Sinne eines Flexionspunktes der Evidenz zu verstehende Singularität eines Artefakts: den Serienfragment gebliebenen Backdoor-Piloten Madso’s War (2010).
Ivo Ritzer

Moonlight

Der Vampirserien-Flop kurz vor dem Hype: Eine ethnografische Annäherung ex post
Zusammenfassung
Die US-amerikanische TV-Serie Moonlight (2007–2008) bediente viele Themen, die im nur wenig später folgenden Vampir-Hype der Jahre 2009 bis 2013 allgegenwärtig waren – sie floppte dennoch. Der vorliegende Beitrag betreibt retrospektiv Rezeptionsforschung und fragt nach dem Umgang der Zuschauenden mit dem verfrühten Ende sowie nach der Wahrnehmung des Produkts in der Zweitverwertung. Einen thanatologischen Ansatz aus den Fan Studies aufgreifend überlegt der Aufsatz zudem, ob es überhaupt so etwas wie die ‚richtigen Bedingungen‘ für eine (vorzeitige) Serien-Einstellung geben kann. Der Aufsatz fokussiert deutschsprachige fankulturelle Tätigkeiten und beschreibt gängige Praktiken und Deutungen, die aus den noch auffindbaren Artefakten hervorgehen.
Sophie G. Einwächter

The Mystic Knights of Tir Na Nog

Zum vervielfachten Fragmentstatus der Medieval-Fantasy-Serie auf Narrations-, Produktions- und Distributionsebene
Zusammenfassung
Medieval Fantasy meets Power Rangers – so ließe sich die Kinder- und Jugendserie The Mystic Knights of Tir Na Nog (USA 1998–1999, Fox Kids) grob beschreiben. Der Fragment-Charakter der 50 Episoden langen Serie lässt sich auf mehreren Ebenen beobachten: Konzeptuell setzt sich Mystic Knights aus der Grundformel des Power-Rangers-Franchise und losen Erzählelementen aus irischen Sagen zusammen. Auf narrativer Ebene entstanden durch das spezifische Wechselverhältnis aus episodischer und episodenübergreifender Handlung und den TV-Sendeterminen immer wieder unterschiedlich kohärente Erzählsegmente innerhalb der ersten und einzigen Staffel. Durch eine bislang unvollendete Distribution auf VHS und DVD bleibt die Serie schließlich auch im Rahmen ihrer ökonomischen Auswertung als Fragment zurück.
Jana Zündel

The New Normal

Eine schwule Familiensitcom mit Fragmentcharakter
Zusammenfassung
The New Normal begleitet das schwule, wohlsituierte Paar Bryan und David dabei, wie es eine Surrogatmutter engagiert, um seinen Kinderwunsch zu realisieren. Auf ihrem Sendeplatz im Network NBC war die halbstündige Sitcom nur mäßig erfolgreich, sodass sie nach Staffel eins abgesetzt wurde. Der Beitrag diskutiert Gründe für dieses frühe Ende im Zusammenhang mit der Darstellung von Homosexualität, Familie und Diversität. Die Kurzlebigkeit, der fragmentarische Charakter, aber auch das Weiterleben der Serie sind eng mit ihren Gender- und Identitäts-Repräsentationen und mit ihren elementaren Themen, allen voran der schwulen Elternschaft mittels einer Leihmutter, verwoben.
Florian Krauß

Persons Unknown

„Welcome to Level Two“: Überlegungen zum Fragmentcharakter der NBC-Serie
Zusammenfassung
Ein close reading von Persons Unknown macht deutlich, dass die nach nur einer Staffel abgesetzte Serie sowohl textuelle Signale für ihre Abgeschlossenheit als auch für ihre potenzielle Ausbreitung sendet und darüber hinaus ihren Status als Fragment reflektiert. Um den als unbefriedigend empfundenen Abschluss zu kompensieren, erweitern Zuschauer_innen die Serie durch Fan Fiction oder füllen die entstandene Leerstelle durch Serien mit vergleichbaren Erzählmustern, sodass in der Rezeption eine Serialität des Genres entsteht. Diese Praktiken zeigen das Bedürfnis der Zuschauer_innen, das Serielle zum Werk zu transformieren, wohingegen die Forschung Segmentierung und Unabgeschlossenheit als Kriterien seriellen Erzählens hervorhebt.
Franz Kröber

Planet of the Apes

Medienevolutionäres Déjà-Vu
Zusammenfassung
Im Jahr 1974 produzierte Twentieth Century Fox die Fernsehserie Planet of the Apes, basierend auf der selben Ausgangsprämisse wie der sechs Jahre zuvor veröffentlichte, gleichsam betitelte, Kinofilm. Im Folgenden wird die insgesamt vierzehn Folgen umfassende Serie mit besonderer Bezugnahme auf ihren auf verschiedenen Ebenen existierenden fragmentarischen Charakter vorgestellt. Analysiert wird dafür ihre narrative Struktur, ihr Verhältnis zum ebenso betitelten Kinofilm und dessen Fortsetzungen, ihr Aufgreifen von Elementen verschiedener Filmgenres und schlussendlich ihr Nachleben nach der frühzeitigen Absetzung.
Claudius Stemmler

Police Squad!

Karneval der (Un-)Ordnungshüter
Zusammenfassung
Bei der 1982 auf ABC ausgestrahlten, bereits nach wenigen Folgen mangels Erfolg wieder vom Bildschirm verschwundenen Polizei-Comedy Police Squad! handelt es sich um den Fernsehvorläufer der später im Kino erfolgreichen Persiflage The Naked Gun (1988) um den debilen, von Leslie Nielsen gespielten Lt. Frank Drebin. Das Kapitel verortet Police Squad! in der Tradition des amerikanischen police procedural, stellt zentrale humoristische Strategien der Serie vor, und diskutiert schließlich auch, weshalb das vom Komödiantentrio ZAZ (Jim Abrahams, David Zucker und Jerry Zucker) geschaffene Format im Fernsehen keinen Anklang fand.
Wieland Schwanebeck

The Prisoner

Ästhetik des Fragments im Kultklassiker
Zusammenfassung
In den 1960er Jahren entstanden, avancierte The Prisoner (19671968) mit seinen nur 17 Episoden zu einer Kritik und Mainstream schockenden, weil das traditionelle episodische Tele-Drama gekonnt unterlaufenden ‚Kult‘-Serie (vgl. Angelini 2010, S. 103). Als The Prisoner im September 1967 in Großbritannien erstmals ausgestrahlt wird, ist Patrick McGoohan den Zuschauer_innen bereits aus der Fernsehserie The Danger Man (19601968) vertraut. McGoohan spielt darin die Hauptfigur John Drake und beeindruckt mit seiner Schauspielkunst niemand geringeren als Orson Welles (McGuire 2014, S. 647).
Corinna Dziudzia

Rubicon

Un/wissen ist Ohnmacht: Der post-9/11-Spionagethriller im US-Fernsehen
Zusammenfassung
Die Absetzung der von Kritiker_innen gelobten Serie Rubicon des Kabelsenders AMC nach nur dreizehn Folgen im Herbst 2010 kam unerwartet. Sie schien Ausdruck davon zu sein, dass der Spionagethriller im US-amerikanischen Fernsehen sich deutlich von der kritischen Auseinandersetzung mit der amerikanischen Befindlichkeit im sogenannten „War on Terror“ distanzierte und zugunsten eher unkritisch patriotischer und action-betonter Abenteuerserien umorientierte. Rubicons Rückgriff auf die radikale politische Skepsis des amerikanischen post-Watergate Kinos der 1970er Jahre – in Thematik, Ton und Stil – erlangt allerdings durch den unfreiwilligen Fragmentcharakter der Serie eine neue Dimension von Ambiguität und Paranoia, welche der Serie langfristig Relevanz verleiht.
Steffen Hantke

Sense8

Serielle Offenheit und Anschlusskommunikation in sozialen Medien
Zusammenfassung
Der Text analysiert die US-amerikanische Serie Sense8 (20152018), die von Lana und Lilly Wachowski mit J. Michael Straczynski für den Streamingdienst Netflix produziert wurde. Der Text diskutiert die Ästhetik der Vielfalt der Serie durch die narrative Verknüpfung acht sogenannter Sensates, die an unterschiedlichen Orten der Welt zum selben Zeitpunkt geboren und zu einem ‚Cluster‘ verbunden wurden. Zudem arbeitet der Text die Online-Kommunikation der Fan-Community nach der Absetzung der Serie im Anschluss an die zweite Staffel auf. Soziale Netzwerke funktionierten dabei als „affective publics“ (Papacharissi 2016) und stellten ein Instrument für Fans dar, um eine Öffentlichkeit zu erreichen. So konnte immerhin bewirkt werden, das Netflix nachträglich ein zweistündiges Finale beauftragte.
Sven Stollfuß

Space: 1999

Ein persönliches Fragment
Zusammenfassung
In dem Text geht es um die persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen mit der stark fragementierten, britischen Science Fiction-Fernsehserie Space 1999 von 1975–1977. Der Autor entwickelt aus den Erinnerungen, wie er versucht hat, mit dem fragmentarischen Charakter umzugehen und bezieht das auf verschiedene Versuche aus der Fankultur diesen Charakter entweder zu akzeptieren oder nachträglich zu ‚heilen‘.
Jens Schröter

Space: Above and Beyond

Scheitern im Goldenen Zeitalter
Zusammenfassung
Veränderungen der Sehgewohnheiten, neue Standards der Technik und die Reaktionen auf die Herausforderungen der sogenannten Postmoderne aufseiten der Produktion führten zu einem Goldenen Zeitalter der Science-Fiction auf den heimischen Bildschirmen. 1994 startete mit Space: Above and Beyond eine Science-Fiction-Serie, die sich neben dem Genre selbst einer anderen Form und Genealogie verpflichtet sah – und bereits nach nur einer Staffel abgesetzt wurde: Als Military-Science-Fiction griff sie inhaltlich auf Romane wie Robert A. Heinleins Starship Troopers (1959) oder Joe Haldemans The Forever War (1974) zurück, in ihrer Bildgestaltung auf Vorlagen wie Enemy Mine (USA 1985) oder Aliens (USA 1986), affektrhetorisch auf die Poetiken des US-amerikanischen Kriegsfilms.
Tobias Haupts

The Tripods

Eine Trilogie auf zwei Beinen: Vom ‚chockierenden‘ Ende der Dreibeinigen Herrscher
Zusammenfassung
Weltende, Serienende – selten entsprachen sich diese beiden Zäsuren so sehr ie bei der unerwarteten Absetzung der auf drei Staffeln geplanten BBC-Serie Tripods (Die Dreibeinigen Herrscher, 1984/1985). Der Beitrag geht von der persönlichen Zäsurerfahrung des Autors als jugendlichem Rezipienten aus. Aus heutiger Sicht stellt er sich die Frage, wie die mittelalterlich gezeichnete postapokalyptische Welt der Serie und das verfrühte Ende ihres Erzählens es ermöglichten, den zweibeinigen Tripods eine beinahe existenzialistische Bedeutung zu verleihen. Nach dieser wird der Abbruch als Erfahrung des ‚Chocks‘ (W. Benjamin) zur eigentlichen bedeutungstragenden Einheit einer idealiter unendlichen Serialität.
Matthias Däumer

Twin Peaks

„Ruins in Reverse“: Serialität, Fragmentarität und David Lynchs Poetik der Aufgelassenheit
Zusammenfassung
David Lynchs Twin Peaks zählt seit der Erstausstrahlung 1990 zu den bekanntesten „unvollendeten“ Serien, und an diesem Eindruck der Fragmentarität haben auch der nachgereichte Film und die schließlich realisierte dritte Staffel nichts wesentlich geändert. Entgegen diesem Rezeptionsmuster entwickelt der Beitrag eine Lesart, die in der Fragmentarität eine durchgehende Leitlinie in Lynch’s Schaffen erkennt. Unter dem Schlagwort einer „Poetik der Aufgelassenheit“ zeichnet er nach, wie der Faktor der Unvollständigkeit als wesentliches Element in Lynchs TV- und Filmarbeiten und ihren diversen Paratexten agiert; ein Faktor, der einerseits als Beschränkung und Amputation erfahren wird, andererseits aber gerade darin paradoxerweise das Versprechen der Fortsetzung enthält und Lynchs Schaffen damit programmatisch zur Serialität hin öffnet.
Martin Lampprecht

Nachwort

Von Enden und Anfängen: Serienfragmente in Fankultur und Wissenschaft
Zusammenfassung
Im Folgenden möchten wir resümieren, wie sowohl fankulturell als auch wissenschaftlich mit Serienfragmenten umgegangen wird: Zuschauer_innen (oder gar Fans) sind von Serienfragmenten auf besondere Weisen emotional betroffen, Wissenschaftler_innen werden in ihrer Forschung zu Serienfragmenten mit methodischen Herausforderungen konfrontiert. Zudem werden wir in einem Ausblick Aspekte des Serienfragments festhalten, welche wir aktuell und zukünftig für besonders relevant halten. Hierbei wird uns die mehrfach wiederbelebte Serie Veronica Mars (2004–2005, 2014, 2019) als weiteres Fallbeispiel dienen.
Sophie G. Einwächter, Vera Cuntz-Leng
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