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09.06.2016 | Sicherheit fahrbezogener Daten | Im Fokus | Onlineartikel

Das Auto als Sammler

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Autos sind mobile Datensammelstellen. Viele der erhobenen Daten haben einen wirtschaftlichen Wert. Doch was geschieht mit den Fahrzeugdaten und wer verfügt darüber?

Moderne Pkw sind fahrende Computer, die ständig Daten erheben, speichern und senden. Durch die fortschreitende Vernetzung der Fahrzeuge entstehen zusätzliche Daten und Informationsströme. Bis zum Jahr 2020 werden laut Gartner 220 Millionen vernetzte Fahrzeuge auf den Straßen sein. Das hat Vorteile: Denn vernetzte Autos bieten Fahrern Funktionen wie Navigation, Remote-Pannenhilfe und mobile Internet-Hotspots, die den Komfort erhöhen. Doch das Datensammeln hat auch eine Kehrseite: Bisher wissen meist nur die Fahrzeughersteller, welche Daten erhoben werden - Verbraucher haben darüber meist keinerlei Kenntnis.

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Der ADAC hat deshalb kürzlich eine Mercedes B-Klasse, einen Renault Zoe, einen BMW 320d und einen BMW i3 untersucht. Das Ergebnis: Die Hersteller sammeln vielfältige Daten, die unter anderem Rückschlüsse auf den technischen Zustand des Pkw oder das Nutzungsprofil des Fahrers zulassen.

Verbrauch, Reifendruck oder Abstellposition: Hersteller sammeln jede Menge Informationen

Bei der Mercedes B-Klasse, die mit dem System Me-Connect ausgestattet ist, fanden die vom ADAC beauftragten Experten beispielsweise heraus, dass das System etwa alle zwei Minuten die GPS-Position des Fahrzeugs sowie Kilometerstand, Kraftstoffverbrauch oder Reifendruck an den Hersteller übermittelt. Auch die Zahl der Gurtstraffungen wird laut ADAC gespeichert, etwa aufgrund starken Bremsens.

Beim Elektroauto Renault Zoe sei aufgefallen, dass der Hersteller via Mobilfunkverbindung beliebige Informationen auslesen und im Pannenfall Ferndiagnosen vornehmen kann, berichtet der Automobilclub. Außerdem könne Renault das Aufladen der Batterie verhindern, etwa aufgrund nicht bezahlter Leasing-Rechnungen.

Bei den BMW-Fahrzeugen, die bereits im August 2015 untersucht wurden, konnten die IT-Experten im Datensatz unter anderem die Anzahl der eingelegten CDs und DVDs (320d) beziehungsweise die 100 letzten Abstellpositionen des Autos (i3) auslesen.

Rollen und Rechte im Auto

Der Datentransfer birgt sowohl Chancen als auch Risiken. Es kann ein Vorteil sein, an Wartungsintervalle erinnert zu werden oder den in einer fremden Stadt geparkten Wagen wiederzufinden. Nachteilig kann sich auswirken, dass die Autokonzerne und die nachgelagerten Versicherungen oder Finanzdienstleister Informationen über den Fahrstil eines Autofahrers bekommen und entsprechend ihre Prämien anpassen.

Hinter der Debatte um den Datentransfer stehen Fragen nach Rollen und Rechten im Auto. Bei den in Fahrzeugen generierten Daten handelt es sich überwiegend um personenbezogene Daten, die aus juristischer Sicht dem Halter zustehen. "Wenn und soweit die erzeugten Automobildaten personenbezogen oder personenbeziehbar sind, ist der Schutzbereich des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung eröffnet", schreibt der Jurist Professor Dr. Gerrit Hornung von der Universität Passau im Artikel Verfügungsrechte an fahrzeugbezogenen Daten aus der DuD 6-2015. Der Anwendungsbereich des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung sei nur zu verneinen, sofern Daten technisch sicher anonymisiert werden. 

Daher ist die Erhebung dieser Informationen und ihre mögliche Auswertung und weitere Verwendung besonders kritisch - und umso dringlicher, je näher das vernetze und autonome Fahren rückt. "Der Halter kann bestimmen, was damit passiert. Nach jetzigem Datenschutzrecht", erklärt der Jurist Professor Dr. Dr. Eric Hilgendorf von der Universität Würzburg im Interview Die Änderung des Wiener Übereinkommens kommt jetzt fast zu spät aus der ATZ 5-2015. Der Verbraucher muss also entscheiden, wer die Daten erhält - und zu welchem Zweck. Wenn der Halter zum Beispiel eine Speicherung gewisser Daten ablehnt, kann er bestimmte Dienste auch nicht in Anspruch nehmen.

Zudem gilt das Prinzip der Datensparsamkeit und das Gebot der Zweckbindung: Danach sollen nicht mehr Daten als unbedingt notwendig und nur für den Zweck verarbeitet werden, für den sie erhoben worden sind. Damit lassen sich Big Data und das bisherige Datenschutzrecht nicht vereinbaren. Autos als mobile Datensammelstellen sind demnach ein Problem, sollte das deutsche Datenschutzrecht nicht geändert werden, wie auch aus dem Artikel Wie das Recht automatisiertes Fahren hemmt aus der ATZ 4-2015 hervorgeht. Der immer stärker werdende Griff von Google und Apple nach den Fahrzeugdaten, dürfte die Debatte weiter befeuern.

Transparenz für Verbraucher

Für den ADAC ist entscheidend, dass Verbraucher detailliert Kenntnis über die Art des Datenaustausches erhalten und diesem aktiv zustimmen. "Der Verbraucher hat nicht nur einen Anspruch auf Datentransparenz. Er muss auch frei wählen können, ob und welche Daten er dem Hersteller zur Verfügung stellt. Er braucht Wahlfreiheit für den Datentransfer", betont Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik.

Dies beinhalte, dass der Nutzer auch anderen Anbietern als herstellereigenen Werkstätten oder Pannendiensten freien Zugang zu allen Daten im Auto erteilen können muss. Die Sicherheit der Daten müsse ebenfalls gewährleistet sein. Der ADAC plädiert deshalb für eine Verpflichtung der Hersteller, die IT-Sicherheit ihrer Systeme per neutralem Zertifikat nachzuweisen. In der IT-Branche werden solche Nachweise zum Beispiel vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erteilt.

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