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09.03.2016 | Simulation + Berechnung | Nachricht | Onlineartikel

IPG Open House 2016: Der virtuelle Fahrversuch boomt

Autor:
Michael Reichenbach
3:30 Min. Lesedauer

Auf seinem Open House konnte IPG einen Rekord vermelden: 415 Interessierte wollten in Karlsruhe Neues über die Disziplinen virtueller Fahrversuch, Testing und autonomes Fahren hören.

"Wir wollen Ihnen zeigen, wie durch Weiterentwicklung unserer Tools Ihre Systeme für Fahrerassistenz, Antriebsstrang und Fahrdynamik verbessert werden können“, mit diesen Worten eröffnete Geschäftsführer Steffen Schmidt gestern, 8. März 2016, das 12. Open House des Simulationsexperten IPG im Karlsruher Kulturzentrum Tollhaus vor 415 Teilnehmern. Was haben diese drei Domänen miteinander zu tun? Gemein haben sie, dass es bei allen dreien um vernetzte Systeme geht: bei den Fahrerassistenzsystemen um die Verknüpfung mit der Umwelt, Stichworte Radar, Lidar, elektronischer Horizont und Car-to-X-Kommunikation, beim Antriebsstrang um prädiktive Fahrstrategien und bei der Fahrdynamik um moderne adaptive Fahrwerksregelung. Den IPG-Ingenieuren ging es in Karlsruhe um den Gedankenaustausch mit ihren Kunden. In den Produktvorstellungen für CarMaker, TruckMaker und MotorcycleMaker und kurzweiligen Livevorführungen wurde immer wieder hervorgehoben, was Simulationswerkzeuge auf PC-Basis leisten können, um bei OEMs und Zulieferern, aber auch Entwicklungsdienstleistern und Hochschulen komplex werdende Prozesse der Produkt- und Systementwicklung effektiver und kostengünstiger zu gestalten.

Release 5.1 der CarMaker-Produktfamilie

"Ein System ist mehr als die Summe seiner Subsysteme", stellte Schmidt weiterhin fest, "daher müssen sie im Paket getestet werden - wir testen im Gesamtkontext". Erst dann offenbarten sich die Schwächen des Konstrukts, wofür das szenariobasierte Testen die Erfolgsbasis sei. Nur so ließen sich eventuelle Schwächen bei Softwareänderungen entlarven. Martin Elbs, Leiter Business Development bei IPG, stellte die Neuerungen Software CarMaker 5.1 im ADAS-Bereich vor. Dazu zählen unter anderem Rück- und Außenspiegel-Darstellung, ein Karten-Plug-in namens Road 5 für Here ADAS RP und das Nachstellen von Situationen mit einer Replayfunktion, die die realen Messdaten des Ibeo-Laserscanners mit denen des virtuellen Fahrversuchs synchronisiert. So käme man von der unvorhersehbaren zur reproduzierbaren Funktionsentwicklung von Fahrsituationen, konstatierte Schmidt. Bei den Sensormodellen gibt es einiges Neues zu vermelden: Die IPG-Entwickler haben einen virtuellen Driver-Assistance-Eingabesensor aufgebaut, um beispielsweise einen Lkw als Verkehrsobjekt und Überdeckungen zu erkennen, und einen Free-Space-Sensor nachgelegt, der den Freiraum um das Fahrzeug herum detektiert. Die in CarMaker mögliche Objektanzahl wurde in der Version 5.1 von 255 auf 10.000 erhöht. Und neue Produkte folgen: In der Vorentwicklung befinde sich ein spezieller Free-Space-Sensor auf GPU-Basis, der - nun auf der Grafikkarte positioniert - wesentliche schnellere 3-D-Bilddarstellungen zuließe. 3000 Prozesse könnten jetzt parallel verarbeitet werden.

Bei allen Anwendungsbeispielen spielt der Ursprung von IPG mit hinein: die Fahrdynamik- und Reglerentwicklung. Als plakatives Beispiel nennt Schmidt das Testen und Validieren eines Notbremsassistenten. So zeigt sich nur dann eine Abbildung der Realität im PC, wenn die Nickbewegung des Fahrzeugs beim Notbremsen - und damit der veränderte Blickwinkel der Kamera - in der virtuellen Simulation beachtet wird. Sonst ergeben sich falsche Ergebnisse in Test und Feld. Für den Markt gesprochen, beobachtet Schmidt zudem eine stärkere Zusammenarbeit der OEMs mit dem Zulieferern, wofür Modelle verschlüsselt ausgetauscht würden - ganz im Sinne eines echten Frontloadings.

Der Simulationsspezialist IPG ist klar auf Wachstumskurs. Im Juli 1984 zu dritt gegründet, waren es 2010 schon 30 Mitarbeiter, hat aber heute nun 130 Arbeiter vorzuweisen - und das sogar international. Denn 2014 konnte eine Tochterfirma in Japan gegründet werden, ein Jahr später folgten China und die USA, und im Februar 2016 Südkorea. An diesen vier Orten arbeiten heute schon 15 bis 20 Menschen für IPG. Auch die Veranstaltung Open House boomt, hat eine ebenso beachtlichen Anstieg hinter sich. Waren es 2014 noch 270 Teilnehmer konnten zwölf Monate später 350 begrüßt werden und heuer 415. Die Anfänge des Events gehen ins Jahr 2005 mit 15 Besuchern in einem Bürozimmer zurück. Ursprüngliches und heutiges Ziel sei der Austausch der IPG-Entwickler mit ihren Kunden. Um zu zeigen, welche interessanten Applikationen die Kunden mit der Simulationssoftware erfolgreich umsetzen können, lädt IPG zur Konferenz "Apply & Innovate" am 20. und 21. September 2016 wieder ins Tollhaus nach Karlsruhe ein.

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Quelle:
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