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23.01.2019 | Smart Meter | Im Fokus | Onlineartikel

Mit Ablesen beginnt Digitalisierung des Energieverbrauchs

Autor:
Frank Urbansky

Noch immer dominieren manuelle Systeme das Ablesen der Verbrauchsdaten für Strom, Wärme und Wasser. Mithilfe der Digitalisierung lassen sich nicht nur Fehlerquellen eliminieren, es ergeben sich auch neue Geschäftsmodelle.

Alle Submetering-Daten, also jene für die Verbräuche aller in einer Immobilie benötigten Energien sowie des Wassers, können digitalisiert werden. „Das Submetering, also die Messung, Visualisierung und Abrechnung der Energieverbräuche sowie die Heizungssteuerung zählen diesbezüglich zu den wichtigsten Anwendungen“, beschreibt die Springer Gabler-Autorin Astrid Schultze in ihrem Buchkapitel Die Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft – Aktuelle Trends und zukünftige Herausforderungen auf Seite 182 die Bedeutung dieses Schrittes. 

Empfehlung der Redaktion

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Die Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft – Aktuelle Trends und zukünftige Herausforderungen

Die Lebens- und Arbeitswelt der Gesellschaft hat sich durch die Informations- und Kommunikationstechnologien tiefgreifend verändert. Digitalisierung in fast allen Lebensbereichen ist für den Großteil der Bevölkerung zur Selbstverständlichkeit geworden.

Lösungen am Markt gibt es bereits. Doch sie setzen sich nur langsam durch. Angestoßen wurde diese Entwicklung von Pixolus, das eine entsprechende Software entwickelte. Diese lässt sich wie folgt kurz umreißen: Mittels einer Handy-App, die Zugriff auf die Fotofunktion des Mobiltelefons hat, fotografiert man den Zählerstand und ordnet ihn einem Medium zu. Die so aufgenommenen Daten können in Beziehung zu vorangegangen Daten gesetzt werden.

OCR als Grundlage

So lassen sich schnell die tatsächlichen Verbräuche ermitteln – ohne jede Fehlerquelle. Die Technologie nennt sich OCR, was für optical character recognition oder optische Zeichenerkennung steht. Sie wird auch von staatlichen Behörden genutzt, um etwa Kfz-Kennzeichen zu identifizieren.

Diese Technologie wird inzwischen von anderen Anwendern weiterentwickelt. Auch erste Wohnungsunternehmen lassen so ihre Mieter die Verbräuche ablesen. Die Einsparungen sind enorm, zumal Reklamationen durch händisch falsch erfasste Daten, die zu nicht korrekten Rechnungen führen, dann gegen Null gehen.

Eines dieser Unternehmen, die Apps und Software bereitstellen, ist anyline aus Wien. Genutzt wird deren Entwicklung unter anderem bereits von den Energieunternehmen E.ON, Vattenfall und Edison. Eine Besonderheit: Die Zähler werden direkt über die Seriennummer identifiziert. Das ermöglicht automatisch das richtige Zuordnen der Daten zu Medium und Zäherstelle.

Für das Stromablesen wird es in Deutschland für alle Wohnungen den Smart Meter Rollout geben – wenn auch erst in ein paar Jahren. Die Verbrauchsdaten können dann fernausgelesen werden, da alle Daten über smartes Metering ermittelt und über ein Gateway gespeichert und weitergegeben werden. In Wien ist dieser Wechsel bereits in vollem Gange. Hier müssen 1,6 Millionen Stromzähler ersetzt werden. Die App von anyline sorgt dabei für ein exaktes Erfassen der alten Zählerstände, die zudem mit einem Beweisfoto gesichert werden. Die Nachbearbeitungskosten konnten so nach Angaben des Unternehmens um 80 Prozent gesenkt werden.

Selbst Messdienstleister sein

Vor allem kleine und mittlere Stadtwerke sieht anyline als Kunden für die App. In Frage kommen auch Wohnungsunternehmen selbst, die daraus ein eigenes Geschäftsmodell entwickeln könnten. Denn die Messdienstleistung, die bisher teuer von wenigen Spezialisten eingekauft wird, könnten sie dann selbst in die Hand nehmen. Gleichzeitig bekommen die Mieter ein besseres Verhältnis zu den eigenen Verbräuchen. Dies wiederum kann für Effizienzmaßnahmen, etwa mit Belohnungssystemen für niedrigere Verbräuche, kombiniert werden.

"Submetering leistet im Sinne der nachhaltigen Ausgestaltung der Energiewende einen wichtigen Einzelbeitrag: Es hilft nicht nur, Kosten und CO2-Emissionen nachhaltig zu reduzieren. Für mich besteht die Hauptleistung der gleichermaßen einfachen wie wirksamen individuellen Heizkostenabrechnung darin, dass sie den Mieter mit in die Energiewende integriert. Sie schafft individuelle Transparenz und macht ihn damit zum Akteur, der selbst entscheiden kann, wie wichtig ihm Energieeffizienz, energetisches Verhalten und damit letztlich auch die Energiewende sind. Die Energiewende bleibt eben kein Projekt in der Ferne, an dessen Horizont sich Windräder drehen und Solaranlagen still glänzen. Die Energiewende wird als Energiesparwende zur Mieter- und Bürgersache", beschreibt genau dies Springer Gabler-Autor Mirko-Alexander Kahre auf Seite 254 seine Buchkapitels Energiewende 4.0 – Made in NRW.

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