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03.02.2021 | Social Media Marketing | Im Fokus | Online-Artikel

Clubhouse mischt die Sozialen Medien auf

verfasst von: Johanna Leitherer

3:30 Min. Lesedauer
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Audio pur und derzeit hoch exklusiv: Clubhouse ist anders als die bereits bekannten Sozialen Medien. Marketer und Influencer könnten Zielgruppen über die App mit völlig neuen Inhalten erreichen. Einige Punkte gibt es dabei allerdings zu beachten.

Dank intelligenten Smart Speakern, Sprachnotizen im Messenger und Podcasts erfährt das Auditive als Kommunikationskanal einen regelrechten Boom. "Es ist unbestreitbar, dass der Bedarf am gesprochenen Wort zunimmt", meint Springer-Autorin Carmen Brablec, Inhaberin einer Podcast-Marketing-Agentur, im Buchkapitel "Podcasts" (Seite 17). Etablierte Social Media haben Ton bislang jedoch eher hinten angestellt und stattdessen auf Fotos, Bewegtbild und Text gesetzt. Diese Lücke nutzt die reine Audio-App Clubhouse aus dem Silicon Valley nun als Basis für ihr Geschäftsmodell. 

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Im Wesentlichen geht es bei Clubhouse um Live-Gespräche in Echtzeit, die in so genannten Räumen stattfinden. Diese werden von den Nutzern spontan oder zu einem bestimmten Zeitpunkt eröffnet. Moderatoren leiten die Konversation der Speaker, während Zuhörer nur nach erteilter Erlaubnis sprechen können. User haben darüber hinaus die Möglichkeit, "Clubs" zu folgen, die sich einem bestimmten Interessengebiet widmen und dazu passende Räume eröffnen. Clubhouse erinnert folglich an eine Mischung aus Podcast und Telefonkonferenz, vereint in einem Sozialen Netzwerk. 

Clubhouse brilliert durch Exklusivität

Das Konzept ist bislang einzigartig und gilt als vielversprechend. Bereits im Mai 2020, kurz nach ihrer Einführung, wurde die noch junge App mit 100 Millionen US-Dollar bewertet, wie das Forbes Magazine berichtete. Neben bekannten Persönlichkeiten aus dem US-amerikanischen Raum, darunter etwa Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey, nutzen seit dem Launch in Deutschland vor wenigen Wochen jetzt auch Promis wie Entertainer Joko Winterscheidt oder FDP-Chef Christian Lindner fleißig das neue Soziale Medium. Der Hype um Clubhouse wird dadurch maßgeblich befeuert. 

Laut einer Umfrage der Mediaagentur OMD Germany haben rund 24 Prozent der 2.016 Befragten im Alter von 18 bis 59 Jahren schon von Clubhouse gehört. Mit 0,74 Prozent ist der Anteil derer, die die App bereits hierzulande nutzen, allerdings äußerst gering. Das liegt zum einen daran, dass Clubhouse bislang nur auf Apple-Geräten verfügbar ist. Zum anderen ist ein Beitritt ausschließlich mit einer Einladung eines bereits registrierten Nutzers möglich, was eine künstliche Exklusivität erzeugt. Entgegen anderer Plattformen geht es Clubhouse offenbar nicht um die Quantität, sondern die Qualität seiner User.

Kommunikation auf hohem Niveau

Herkömmliche Podcasts sind zwar in der Regel frei zugänglich. Doch auch hier tummelt sich häufig ein bestimmter Personenkreis: "40 Prozent dieser Hörerschaft sind zwischen 30 und 49 Jahre alt. Sie besitzen einen hohen Bildungsgrad, bekleiden Entscheiderpositionen und verfügen damit über hohe Kaufkraft. Das Trendbewusstsein und die Technikaffinität machen sie zu einer leicht erreichbaren Zielgruppe und sie zeichnen sich durch eine hohe Loyalität aus", weiß Springer-Autorin Brablec (Seite 19).

Audio als Kommunikationskanal gewinnt daher vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Bildung an Relevanz. Auf Clubhouse lassen sich Themen in diesen Bereichen interaktiv und dadurch besonders lebendig behandeln. Da sich der Zutritt in die Talk-Räume auch auf eine ausgewählte Zuhörerschaft beschränken lässt, sind sogar private Unterhaltungen möglich. Mit Blick auf aktuelle Nutzer- und Medienrezensionen zählen zu den aussichtsreichen Formaten etwa

  • Gesprächsrunden mit mehreren Speakern zu Branchenthemen
  • Fragerunden zu Produkten und Dienstleistungen
  • Interviews mit Unternehmensvertretern oder externen Experten
  • Nutzerbefragungen zu Co-Kreationszwecken
  • allgemeines Networking, zum Beispiel mit Zielgruppen und Branchenvertretern

Knackpunkte Datenschutz und Hate Speech

Clubhouse könnte Unternehmen und Marken also große Chancen eröffnen, sich mit ihrer Expertise zu positionieren und so Kunden besonders nachhaltig zu binden. Auch für Influencer birgt das neue Medium großes Potenzial, da es hier auf echte Inhalte ankommt, die nicht erst über Bilder oder Videos um Aufmerksamkeit buhlen müssen wie auf Facebook & Co. Doch nicht auf allen Ebenen kann Clubhouse begeistern. So bemängeln Datenschützer, dass die Audio-App auf das Adressbuch des Nutzers zugreift und darüber auch Daten von Nicht-Usern abschöpft.

Die AGBs seien nur auf Englisch verfügbar, ein Impressum fehle, twittert Klaus Müller, Vorsitzender der Verbraucherzentrale Bundesverband. Hinzu kommt, dass Clubhouse erst kürzlich dazu übergegangen ist, Gesprächsteile stichprobenartig zu speichern und auf Hate Speech zu untersuchen. Auch hier sehen Kritiker noch große Schwachstellen des Sozialen Netzwerks. Stephan Naumann, Director Insight Planning bei OMD, meint: "Die nächsten Monate werden zeigen, wie nachhaltig der Clubhouse-Hype ist und ob die datenschutzrechtlichen Bedenken überwunden werden können. Schon jetzt steht bei audiofähigen Chaträumen auch Twitter Spaces als Konkurrent bereit".

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