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23.04.2020 | Social Media Recruiting | Im Fokus | Onlineartikel

Kununu, Glassdoor & Co. fürs Recruiting nutzen

Autor:
Luisa Czora
4 Min. Lesedauer

Kandidaten informieren sich vor Bewerbungen auf Arbeitgeber-Bewertungsportale wie Kununu oder Glassdoor. Unternehmen können dort mit einem seriösen Auftreten im Employer Branding punkten und diese Kanäle fürs Recruiting nutzen.

Informationen sind im Zeitalter der Digitalisierung immer einfacher zu erhalten. Dies machen sich auch Arbeitgeber-Bewertungsportale zunutze, die als unabhängige Plattform eine Möglichkeit bieten, dass Mitarbeiter, Auszubildende und Bewerber Unternehmen anonym bewerten können. Unter anderem fallen hierbei Kriterien wie Arbeitsatmosphäre, Vorgesetztenverhalten, Kollegenzusammenhalt oder interessante Aufgaben ins Gewicht.

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Diese Plattformen sind mittlerweile eine feste Größe im Bewerbungsprozess vieler Arbeitssuchender. Laut einer Bitkom-Studie informiert sich jeder vierte Jobinteressent vor der Bewerbung auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen. Auch einige Online-Jobportale haben dies erkannt und verknüpfen ihre Anzeigen mit den einschlägigen Plattformen. So wird dem Arbeitssuchenden sofort die Bewertung des Unternehmens angezeigt. Oft hat dies enormen Einfluss auf die Kandidaten, die bei zu vielen schlechten Kommentaren gegebenenfalls von einer Bewerbung absehen.

Die Reichweite dieser Portale ist enorm. In einer Studie der DRSP Group zu Kununu ergab, dass die Plattform rund 7,5 Millionen Visits pro Monat hat. Auf Kununu finden sich 920.000 Unternehmen und 3.752.000 Bewertungen. Und auf Glassdoor sind aktuell rund 600.000 Unternehmen vertreten. Wegen dieser großen Reichweite sollten Personalabteilungen in Erwägung ziehen, solche Arbeitgeberbewertungsportale aktiv für sich zu nutzen.

So können Arbeitgeber Bewertungsportale nutzen

Die Plattform Kununu bietet Unternehmen ein kostenpflichtiges Profil an. Diese können damit mit verschiedenen Inhalten ihre Seite ausbauen und so attraktiver für potenzielle Bewerber machen. Laut der DRSP-Studie nutzen bereits 68 Prozent der Unternehmen in Deutschland diese Profile. Es besteht somit für sie die Möglichkeit eines einheitlich geprägten, kanalübergreifenden Employer Branding. Mit den unabhängigen Bewertungsportalen schaffen sich Unternehmen so zusätzlich Werbefläche und eröffnen einen neuen Kommunikationsweg für Mitarbeiter und potenzielle Kandidaten. Wer also diese Plattformen für sich nutzen kann, schafft sich einen Vorteil, vor allem in Hinblick auf den vorherrschenden Fachkräftemangel.

Strategien für erfolgreiches Social Media Recruiting

Damit Unternehmen die Plattformen erfolgreich nutzen können, müssen sie einiges beachten. Ein besonders effektives Tool sind vor allem Stellungsnahmen zu Bewertungen. Dabei ist wichtig, dass Unternehmen die Bewertungen genau analysieren. Hier kann es sinnvoll sein, mit den betroffenen Personen Rücksprache zu halten und ihnen das Feedback weiter zu leiten. Dies kann zur Optimierung der Abläufe und Verbesserungen in den Prozessen führen. Wichtig ist, das die Unternehmen auf die Bewertungen individuell eingehen.

Ein gutes Grundgerüst für eine solche Stellungnahme bieten die Springer-Autoren Nikolaus Reuter und Carolin Junge in ihrem "Praxishandbuch Social Media Recruiting":

  1. Der Grundton der Antwort ist immer freundlich.
  2. Zunächst werden immer positiv erwähnte Dinge wiederholt und hervorgehoben. 
  3. Nie in eine Rechtfertigungshaltung verfallen, sondern beispielbasiert erklären.
  4. Nie eine Kritik negieren, die in der Bewertung geäußert wurde. 
  5. Verbesserungspotenzial einräumen und nicht das perfekte Unternehmen oder die beleidigte Leberwurst mimen.
  6. Die Gegendarstellung ist stets sachlich und ohne persönliche Angriffe. 
  7. Das Unternehmen zeigt Lösungen auf, die es bereits gibt, aber die wohl noch nicht bekannt sind. 
  8. Der Reagierende zeigt Verständnis und signalisiert, dass man sich intern um das Thema kümmert und es auch ernst nimmt. 
  9. Die Antwort richtet den Blick in die Zukunft und beschäftigt sich nicht mit der Vergangenheit. 
  10. Das Unternehmen fordert zu weiterem Dialog und/oder Feedback beziehungsweise Unterstützung auf.

Allerdings gibt es auch einige Maßnahmen, von denen die Autoren grundsätzlich abraten. So fallen Fake-Bewertungen schnell auf und lässt Jobinteressenten an der Seriosität des Unternehmens zweifeln. Auch besonders zufriedene Mitarbeiter zu ermutigen, Bewertungen zu schreiben, kann sich schnell negativ auswirken. Bei ausschließlich positiven Bewertungen wirkt das Meinungsbild verzerrt und die Bewertungen unglaubwürdig. Auch sollte von der Löschung von negativen Bewertungen abgesehen werden. Dieser Prozess ist zum einen sehr aufwändig und zum anderen lässt er an der Authentizität der Unternehmen zweifeln.

Stellt sich ein Unternehmen mit guten Reaktionen besonders gelungen auf den Arbeitgeber-Bewertungsportalen dar, kann dies positive Auswirkungen auf den Recruiting-Prozess haben. Da Social-Media-Recruiting zudem immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist es wichtig, möglichst viele Kanäle zu bespielen.

Grenzen der Arbeitgeber-Bewertungsportale

Die Plattformen haben aber auch ihre Grenzen. Einige Bewerber sehen diese als ideales Drohmittel, um sich eine besonders gute Position zu sichern. Einer Androhung von einer schlechten Bewertung haben Arbeitgeber wenig entgegenzusetzen, vor allem, weil die Bewertungen anonym sind. Zudem zweifeln einige Jobinteressenten an der Echtheit von Bewertungen, auch wenn die Unternehmen sich an die oben genannte Strategien halten. Es scheint aber auf jeden Fall sinnvoll, dass sich Unternehmen kritisch mit Plattformen wie Kununu und Glassdoor auseinandersetzen.

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