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01.08.2012 | Social Media | Im Fokus | Onlineartikel

Dossier: Twitter wird vom Nerd- zum Massenmedium

Autor:
Andrea Amerland
4 Min. Lesedauer

Twitter wird in Deutschland immer beliebter. Rund 4,5 Millionen Menschen nutzen den Microblogging-Dienst. Twitter liefert Informationen in Echtzeit - und längst nicht mehr nur für Nerds aus der IT- oder Beraterbranche.

Ob Lady Gaga, Barack Obama oder Peter Altmaier: Twitter hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2006 von einem Medium für Spezialisten aus der Kommunikationsbranche zu einem Kanal für die Massen gemausert. Weltweit nutzen etwa 500 Millionen Menschen Twitter, so eine Untersuchung des französischen Marktforschungs-Instituts Semiocast. Das macht den Kurznachrichten-Dienst für die PR immer interessanter. "Jeder Pressesprecher sollte twittern", rät daher Dirk von Gehlen, Leiter Social Media/Innovationen bei der Süddeutschen Zeitung im Zimpel-Blog-Interview. "Durch diese Form der persönlichen Kommunikation ist das sowohl für die Pressesprecher/Innen als auch für die Journalisten ein großer Gewinn", so von Gehlen.

Insgesamt hat Twitter im Vergleich zum Vorjahr 37 Prozent mehr Besucher. Wie eine Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts ComScore zeigt, zählte Twitter im Mai 2012 rund 1,3 Millionen Unique Visitors mehr als noch im Mai 2011. Damit ist Twitter in Deutschland das beliebteste Social Media-Portal nach Facebook und Xing. Twitter bringt zudem die größten Unternehmen der Welt (Fortune Global 100) am häufigsten ins Gespräch, so das Ergebnis einer Studie von Burson-Marsteller. 82 Prozent der untersuchten Firmen haben demnach mindestens einen Twitter-Account. Jeder Konzern wird durchschnittlich fast 56.000 Mal pro Monat erwähnt. Fast 80 Prozent der Firmen reagieren mit @Replies und Retweets. Twitters Bedeutung als Instrument für PR- und Marketing kann nicht mehr ignoriert werden.

Anteil an privaten Twitterern nimmt zu

Die Zeiten, in denen Fachleute unter sich blieben und ihr Twitter-Image pflegten, sind vorbei. Inzwischen gibt es viele Neu-Zwitscherer, die sich über Twitter mit Freunden verabreden oder böse Kommentare zu Leistungen und Darbietungen beim Fußball oder Großveranstaltungen wie dem Eurosvision Songcontest abgeben. Wer wissen möchte, was die Welt bewegt, erfährt es in Echtzeit auf Twitter. Das macht diesen Kanal als Rechercheinstrument für Journalisten so interessant. Selbst die Politik hat Twitter für sich entdeckt. Rund ein Drittel aller Bundestagsabgeordneten hat einen Account, berichtet DPA.

Die Nachrichtenagentur hat eine Nutzertypologie erstellt. Folgende Twittertypen lassen sich demnach unterscheiden:

  1. Der PR-Twitterer: Unternehmenssprecher und Marketing-Profis
  2. Der Medien-Profi: Autoren, Blogger, Berater
  3. Der Journalisten-Twitterer: Medienschaffende und Redakteure
  4. Der Politiker-Twitterer: @peteraltmaier
  5. Der Künstler oder Sportler-Twitterer
  6. Der Privat-Twitterer
  7. Das Twitter-Gewächs: Wortakrobaten und Twitter-Berühmtheiten wie etwa @HappySchnitzel
  8. Die Stalker: Folgen jedem, haben aber kaum selbst Follower oder Tweets
  9. Der Spammer: Schütten Twitterer mit Werbebotschaften zu

Twitter als Werkzeug der Unternehmenskommunikation

Doch wie kann Twitter in der Unternehmenskommunikation genutzt werden? Carmen Hillebrand beschreibt das Ziel von Vodafone, über Twitter als offenes Unternehmen und Meinungsführer des mobilen Internets wahrgenommen zu werden. Als das Telekommunikations-Unternehmen mit Microblogging an den Start ging, sollten Geeks und Nerds als wichtige technische Multiplikatoren angesprochen werden. Zusätzlich standen Web 2.0-Konferenzen, BarCamps und Bloggermeetings zur Verbreitung von Tesprodukten auf dem Programm. Bevor @vodafone_de startete, hat ein Kommunikations-Team die Persönlichkeit des Kanals bestimmt, der zum Agenda Setting und persönlichen Kommunikation genutzt wird. Hillebrand rät, Twitter keinesfalls den Werbern zu überlassen und unüberlegt in die Twitter-Kommunikation zu stolpern.

Twitter ist überall

Wie Twitter und andere Anwendungen das Internet zur sozialen Austauschplattform machen, beschreibt Dagobert Hartmann im Marketing Review St. Gallen. Der Autor sieht eine ideale Symbiose aus Live Communication und Social Media. Insbesondere Messen und Events, aber auch Promotion- und Sponsoring-Aktivitäten lassen sich demzufolge gut in Echtzeit kommunizieren. Wer eine Veranstaltung mit Dialog via Twitter oder Facebook kombiniert, verlängert das Live-Erlebnis medial.

Marcel Bernet erklärt in seinem Buch "Social Media in der Medienarbeit" Microblogging in Kürze, welchen Stellenwert Twitter in der Öffentlichkeitsarbeit hat und wie der Kanal praktisch für die Medienarbeit genutzt werden kann. Der Autor formuliert acht Leitfragen, die sich jede Organisation stellen sollte, bevor sie sich in das Gezwitscher stürzt.

Wie Twitter funktioniert, was ein Hashtag ist, wie und warum Links gekürzt werden oder wie man auf andere Nutzer verweist und Konversationen führt, erklären Martin Böhringer und Peter Gluchowski in ihrem Beitrag Microblogging. Ihr Artikel eignet sich vor allem als Einführung für Leser mit wenig Twitter-Know-how, die sich zu diesem Thema einlesen möchten.

Dass eine gute Online-Reputation durch Twitter sogar Jobchancen erhöht, beschreiben Branko Woischwill und Lukas Große Klönne. Jeder zweite Personaler sucht demnach im Internet nach Informationen über Bewerber. Die Autoren empfehlen, unter eigenem Namen nicht nur Banalitäten, sondern Informationen zu speziellen Themen zu twittern, etwa einem Hobby.

Auch im Wahlkampf ist Twitter relevant. Der Beitrag "Wahlkampf vom Sofa aus" zeigt, welche Rolle Twitter bereits im Wahlkampf 2009 spielte. Ein Ausblick auf die Bundestagswahlen 2013?

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Quelle:
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