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Was ein Social-Media-Verbot für Junge und Unternehmen bedeutet

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Australien macht es vor, der Druck auf das Europäische Parlament wächst: Wird es bald auch hierzulande ein Social-Media-Verbot für Jugendliche geben? Nicht nur für die Konsumenten, sondern auch für Werbetreibende bahnt sich eine Zäsur an.

Strengere Regulierungen, um Kinder und Jugendliche im Netz zu schützen, werden in Zukunft wohl auch den europäischen Wirtschaftsraum zum Umdenken im Marketing bewegen. Werbetreibende Unternehmen müssen vor allem im Konsumgüterbereich ihre Strategien neu ausrichten.


Für Anbieter Sozialer Netzwerke weht in Australien spätestens ab dem 10. Dezember 2025 rechtlich ein anderer Wind. Denn ab diesem Stichtag gilt ein neues Gesetz, das der Commonwealth of Australia verabschiedet hat. Jugendlichen soll damit fortan der Zugang zu Sozialen Plattformen untersagt werden. Erfolgreiche Dienste wie die Multimedia-App Instagram, das Kurzvideoportal Tiktok oder die Videoplattform Youtube sind betroffen. Wer die neuen Regelungen missachtet, muss mit Geldstrafen bis zu 50 Millionen Australische Dollar rechnen. 

Bevölkerung wünscht Regulierungen

Weltweit ist das Echo zum Thema groß, sowohl in Politik und Medien als auch bei den Konsumenten selbst. Bereits im September 2025 veröffentlichte das Ifo Institut, das sich mit wirtschaftswissenschaftlicher Forschung und Politikberatung beschäftigt, ein Bildungsbarometer mit 2.982 befragten Erwachsenen. Demzufolge wünschen sich 85 Prozent ein Mindestalter von 16 Jahren für die Einrichtung eines eigenen Social-Media-Accounts. Sogar unter den 14- bis 17-Jährigen befürworten 47 Prozent eine solche Regulierung.

Die Ergebnisse zeigen: Die Sorgen in der Bevölkerung über mögliche Risiken sozialer Medien sind groß,"

sagt Ludger Wößmann, Leiter des Ifo Zentrums für Bildungsökonomik. Die Digitalisierung und Technologisierung im Allgemeinen löst übrigens nicht pauschal Bedenken aus. Vielmehr befürworten 66 Prozent der Jugendlichen, dass der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) Teil des Unterrichts wird, um besser auf die Zukunftstechnologie vorbereitet zu sein.

Dringender Handlungsbedarf

Viele Verbraucher haben offenbar über die Jahre die Kompetenz entwickelt, fundiert zwischen Nutzen und Risiken einzelner digitaler Anwendungen zu differenzieren. Das  Suchtpotenzial Sozialer Medien ist in der Vergangenheit deutlich belegt. In diesem Zusammenhang verweist das Europäische Parlament auf einen Report, der ergeben hat, dass 97 Prozent der Jugendlichen täglich eine Stunde auf Sozialen Plattformen verbringen und 78 Prozent der 13- bis 17-Jährigen sogar stündlich zum Smartphone greifen.

  • Weitere Gefahren, die Soziale Medien mit sich bringen, lauern in frei zugänglichen, gewaltvollen und sexuellen Inhalten.
  • Auch die Radikalisierung junger Menschen ist auf den Social Media denkbar einfach und zu einem schwerwiegenden Problemen geworden, wie etwa das Online-Magazin des Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) berichtet.
  • Immer häufiger wird zudem KI-generierter Content publiziert. Diese Deepfakes, die von realen Menschen und Szenen schwer zu unterscheiden sind, lassen sich von Jugendlichen häufig nicht einordnen. Dass sich Heranwachsende mit unerreichbaren Idealen vergleichen und Komplexe entwickeln, verschärft sich so abermals.

Wie sehen Alterskontrollen aus?

Die Problematiken rund um Soziale Plattformen liegen also auf der Hand. Dass politisch gehandelt werden muss ebenso. Die Frage ist nur, wie genau entsprechende Regularien aussehen und durchgesetzt werden könnten. Ende November hat das Europäische Parlament nun eine nicht-bindende Resolution vorgelegt, die vorsieht, Jugendliche von Sozialen Medien und KI-Chats auszuschließen: 13- bis 16-Jährige sollen nur noch mit der Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten Zugang erhalten.

Sichere Verifikations-Apps sind angedacht, um eine strikte Alterskontrolle sicherzustellen. Und genau in dieser liegt auch die Crux: Stand jetzt ist es schließlich auch möglich, Inhalte bestimmter Sozialer Netzwerke auch ohne Anmeldung browserbasiert zu konsumieren. Generell sollte es eigentlich darum gehen, das Problem bei der Wurzel zu packen, was Rachel Lord, die leitende Managerin für politische Öffentlichkeitsarbeit (Public Policy) von Google und Youtube in Australien, unrealistisch findet:

Die Gesetzgebung wird nicht nur äußerst schwer durchzusetzen sein, sie hält auch nicht das Versprechen, Kinder online sicherer zu machen."

Werbetreibende Unternehmen müssen umdenken

Kinder und Jugendliche werden vermutlich auch künftig einen Großteil ihrer Freizeit online verbringen. Brechen Soziale Plattformen weg, sollten vertrauenswürdige Alternativen bereitstehen, um neue Netzwerke, die sich wieder um die Regulierungen winden, direkt im Keim zu ersticken. Soziale Medien, die alterskonforme Inhalte und Moderation garantieren, könnten auch eine interessante Aussicht für werbetreibende Unternehmen sein, welche sich seit Jahren darauf konzentrieren, die junge Zielgruppe via Social-Media-Marketing zu adressieren.

Ebenfalls denkbar ist, dass Unternehmen sich stärker auf Out-of-Home-Kampagnen konzentrieren müssen, etwa im Rahmen von Events oder an Veranstaltungsorten, die von Jugendlichen besucht werden. An dieser Stelle entsteht möglicherweise auch ein neuer Raum für Influencer, um mit ihren jungen Fans in Verbindung zu bleiben und in gewohnter Manier mit Produktempfehlungen zu versorgen. Noch bleiben diese Überlegungen hypothetisch, doch dass es zu Veränderungen kommen wird, scheint unausweichlich.

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    Bildnachweise
    Regulierung Gesetz/© Steffen Kögler / stock.adobe.com