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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

1. Einleitung

Zusammenfassung
Auf EU-Ebene wird zur Zeit eine Neuregelung der Solvabilitätsvorschriften diskutiert.1 Ziel der Diskussion ist es, Modelle und Verfahren zu entwickeln, die die speziellen Risiken der Versicherungsunternehmen adäquat abbilden, und darauf basierend EU-weit einheitliche Vorschriften über die Aufsicht von Versicherungsunternehmen abzuleiten.2 Zu diesem Zweck wurde im Jahr 2000 von der Europäischen Kommission bei KPMG eine Studie in Auftrag gegeben, die grundlegend die verschiedenen Methoden zur Ermittlung der finanziellen Lage von Versicherungsunternehmen aus der Sicht der Aufsichtsbehörden erörtert.3
Peter Ott

Modelle zur Messung der Solvabilität

2. Begriffliche Grundlagen

Zusammenfassung
„Das risikopolitische Mittel Versicherung, das dazu dient, die Restitution realisierter Abweichungen („Schäden“) in den Plänen von privaten Haushalten und Unternehmen zu finanzieren, muss möglichst sicher sein“.18 Um diese Sicherheit zu gewährleisten, wird die Branche der Versicherungswirtschaft sowohl in Deutschland19 als auch international einer Regulierung unterworfen.20 Eines der wesentlichen Ziele der Regulierung der Versicherungsmärkte ist der Schutz der Interessen der Versicherungsnehmer.21 Allerdings ist dieses Ziel sehr allgemein,22 so dass eine Operationalität dieses Zieles durch Zielvorgaben erfolgen muss.23
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3. Vergleichende Darstellung von Modellen zur Messung der Solvabilität

Zusammenfassung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Klassifizierung der Modelle zur Messung der Solvabilität. Üblich ist die Einteilung in vier unterschiedliche Klassen:135 Kennzahlengestützte Modelle, Risk-Based-Capital-Modelle, auf deterministische Szenarien gestützte Modelle und stochastische interne Modelle. Teilweise werden die sog. prospektiven, auf Planungen des Versicherungsunternehmens basierenden Verfahren, als weitere Verfahrensklasse bezeichnet.136 Die IAA unterteilt die Verfahren zur Messung der Solvabilität weiterhin in standardisierte und fortgeschrittene Verfahren.137
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Anforderungen an stochastische interne Modelle zur Solvabilitätsmessung

4. Grundlegende Fragestellungen

Zusammenfassung
Die Herausforderung, aber auch die Schwierigkeit bei der Entwicklung von Anforderungen an interne Modelle besteht in den konkurrierenden Zielen, dass einerseits die Modelle die bei den Unternehmen verwendeten und individuell ausgestalteten Risikomodelle sein und die individuellen Risiken des Versicherungsunternehmens abbilden sollen, andererseits die Anforderungen eine ausreichende Vergleichbarkeit der Modelle zwischen den Unternehmen und damit auch eine Vergleichbarkeit der Qualität der Berechnungsergebnisse sicherstellen sollen. Einigkeit besteht darüber, dass Anforderungen an interne Überwachungssysteme unternehmensindividuell auszurichten sind und daher nur den Rahmen setzen können.268
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5. Vollständige Erfassung der Risiken

Zusammenfassung
Eine der unabdingbaren Voraussetzungen tur die Eignung eines Modells zur Abbildung der Risiken des Versieherungsunternehmens ist die Fähigkeit, alle Risiken, die sich auf den Kapitalbedarf des Versieherungsunternehmens und damit auf die Ruinwahrscheinliehkeit auswirken, zu erfassen, damit darauf aufbauend in einem zweiten Schritt eine Modellierung dieser Risiken erfolgen kann. Diese Anforderung führte, wie bereits beschrieben, zur Nichteignung des in Deutschland derzeit gebräuchlichen kennzahlenbasierten Solvabilitätsmodells,417 aber auch zahlreicher standardisierter Solvabilitätsmodelle, da sie durch ihre Konzeption her nicht geeignet sind, alle wesentlichen unternehmensindividuellen Risiken zu erfassen.418 Die Herausforderung ist die Entwicklung einer Vorgehensweise, die zur Identifizierung und konkreten Formulierung aller wesentlichen Risiken fuhrt, die einerseits vollständig, aktuell und unternehmensindividuell ist, andererseits aber noch zeitnah419 modelliert werden kann.
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6. Quantifizierung der einzelnen Risiken durch Teilmodelle

Zusammenfassung
Eine der grundlegenden Fragestellungen bestellt nun darin, aus welchen Teilkomponenten das interne Modell bestehen soll und welche Anforderungen an die Bildung der Teilmodelle zu stellen sind. Das ermittelte individuelle Risikoprofil des Unternehmens bildet die Basis für eine weitergehende Modellierung.434 Ausgehend von der in Kapitel 2 beschriebenen Zielhierarchie ist eine Risikohierarchie für die Ruinwahrscheinlichkeit des Unternehmens zu entwickeln. In dieser Risikohierarchie werden die Auswirkungen der einzelnen Risiken auf andere Risiken435 und auf die Ruinwahrscheinlichkeit des Versicherungsunternehmens dargestellt. Diese Risikohierarchie ist durch ein Modell abzubilden. Da durch dieses Modell alle wesentlichen externen Risiken und internen Risiken erfasst und modelliert werden müssen, ergibt sich eine hohe Komplexität des Modells und zwangsläufig die Frage der Einteilung in einzelne Teilmodelle. Eine sinnvolle Vorgehensweise ist die Aufteilung des internen Modells gemäß dem „Bottom-Up“-Ansatz zur Ermittlung des Gesamtrisikos, der in Kapitel 2 dargestellt wurde. Man beginnt mit der (stochastischen) Modellierung externer Variablen, die auf das Versicherungsunternehmen einwirken, in einem Teilmodell. In einem zweiten Schritt modelliert man stochastisch den finanziellen Datenfluss der einzelnen Geschäftsprozesse, wobei man diese externen Variablen als Inputgrößen für die Modellierung der einzelnen Prozesse des Versicherungsunternehmens verwendet. Die Orientierung an den Geschäftsprozessen führt zu einer klaren und systematischen Vorgehensweise.436 Die Ergebnisse aus der Modellierung der Teilprozesse fließen dann in das sog. Bilanzmodell ein, das die Auswirkungen der Risiken der einzelnen Prozesse auf das Eigenkapital modelliert.
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7. Berücksichtigung der Interdependenzen zwischen den einzelnen Risiken

Zusammenfassung
Eine der interessantesten, aber auch anspruchsvollsten Fragestellungen im Rahmen der Gestaltung der internen Modelle stellt die Frage der Modellierung der Interdependenzen zwischen den einzelnen Teilrisiken und die Zusammenführung zu einer Modellierung des Gesamtrisikos des Unternehmens dar.816 Diese Fragestellung ist von großer Aktualität, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt Trends bei Unternehmen bestehen, verstärkt das Gesamtrisiko des Unternehmens zu untersuchen und dazu mathematische Modelle zur „Aggregierung“ der Risiken zu entwickeln.817 Für Unternehmen ist es aus einer Reihe von Gründen818 sinnvoll, die Interdependenzen der einzelnen Risiken im Rahmen der Modellierung von Kapitalanforderungen für die Aufsichtsbehörden zu berücksichtigen, denn unter anderem kann die Berücksichtigung von Interdependenzen zu niedrigeren Kapitalanforderungen führen.
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8. Ableitung der Auswirkungen auf das Eigenkapital

Zusammenfassung
Aufgabe dieses Teilmodells ist es, die Auswirkungen der Ergebnisse der einzelnen Teilmodelle auf das Eigenkapital zusammenzuführen, um die durch die Teilmodelle nicht berücksichtigten Bilanzpositionen zu ergänzen und damit als Ergebnis die Wahrscheinlichkeitsverteilung des resultierenden Eigenkapitals zum Ende des Geschäftsjahres zu ermitteln. Dies ist notwendig, damit das DFA-Modell nicht nur ein valides Simulationsmodell ist, sondern damit das DFA-Modell auch als valides Simulationsmodell angesehen wird.846 Deshalb muss auch Aufmerksamkeit auf die übrigen Bilanzpositionen wie sonstige Rückstellungen, sonstige Forderungen und Verbindlichkeiten usw. gelegt werden.
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9. Plausibilisierungen der Ergebnisse

Zusammenfassung
Es ist nicht ausreichend, ein Modell zu konzipieren, Berechnungen durchzuführen und Ergebnisse zu ermitteln, ohne diese zu analysieren und einer Plausibilitätsprüfung durch das Unternehmen zu unterziehen.880 Dies geschieht mittels sog. analytischer Prüfungshandlungen. Darunter versteht man Plausibilitätsbeurteilungen von Verhältniszahlen und Trends, durch die Beziehungen von relevanten Daten eines Unternehmens zu anderen Daten aufgezeigt sowie auffällige Abweichungen festgestellt werden.881 „Hierzu gehört z.B. die Untersuchung von Schwankungen und Zusammenhängen, die in Widerspruch zu anderen einschlägigen Informationen stehen oder von erwarteten Beträgen abweichen“.882
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10. Sonstige Anforderungen

Zusammenfassung
Die Messung der Solvabilität erfolgt mit dem Ziel, regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Daher sind bestimmte Anforderungen an die Ordnungsmäßigkeit des Verfahrens der Messung der Solvabilität zu stellen. Die Anforderungen können von den einschlägigen allgemeinen Vorgaben an die externe Rechnungslegung abgeleitet und konkretisiert werden.898 Dazu zählen vor allem Vollständigkeit,899 Richtigkeit,900 Zeitgerechtheit,901 Ordnung,902 Nachvollziehbarkeit903 und Unveränderlichkeit.904
Peter Ott

Anforderungen an die Prüfung der stochastischen internen Modelle

11. Allgemeines zur Prüfung der internen Modelle

Zusammenfassung
Die Bedeutung des Vorhandenseins ausreichenden Kapitals für die Existenz des Versicherungsunternehmens wurde bei der Diskussion der Idee der Solvabilität und der Notwendigkeit einer Regelung für Mindestanforderungen an die Höhe des Eigenkapital in Kapitel 2 beleuchtet. Die Versicherungsaufsicht und die übrigen Adressaten der Ergebnisse der Berechnungen des internen Risikomodells benötigen verlässliche Informationen über die Fähigkeit des Versicherungsunternehmens, seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Die Ergebnisse der Berechnungen des stochastischen internen Modells sind also von großer Bedeutung für das Versicherungsunternehmen und für die Versicherungsaufsichtsbehörden. Um sich auf diese Berechnungen stützen zu können, ist es notwendig, dass sichergestellt ist, dass die an die Unternehmen gestellten Anforderungen im Hinblick auf das interne Modell eingehalten werden, und dass die Ergebnisse der Berechnungen richtig aus dem Modell abgeleitet werden.
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12. Planung und Durchführung der Prüfung des internen Modells

Zusammenfassung
Für die Prüfung des Risikomodells ist eine Konzeption zu entwickeln. Daraus werden dann die konkreten Prüfungshandlungen abgeleitet. Der Eigenart des Risikomodells, das Schnittstellen zur Bilanz; zu den internen Kontrollen und zum Risikofrüherkennungssystem aufweist, entsprechend, wird die Prüfungstechnik der Prüfung des internen Modells durch die Prüfungstechnik der Jahresabschlussprüfung, der Prüfung des internen Kontrollsystems, der IT-Systeme sowie der Risikofrüherkennungssystemprüfung gemäß § 317 Abs. 4 HGB beeinflusst.
Peter Ott

13. Abgrenzung zu sonstigen Prüfungen

Zusammenfassung
Es ist von großer Bedeutung, die Abgrenzung zur Prüfung des Risikofrüherkennungssystems nach § 317 Abs. 4 HGB herauszuarbeiten, da auf diese Weise geklärt werden kann, inwieweit sich bei der Prüfung des internen Modells auf die Ergebnisse der Prüfung des Risikofrüherkennungssystems gestützt und diese verwertet werden kann.
Peter Ott

14. Dokumentation und Berichterstattung

Zusammenfassung
Die Prüfung selbst muss dokumentiert werden.1058 Dies kann analog zur Jahresabschlussprüfung in sog. Arbeitspapieren erfolgen. Unter den Arbeitspapieren des Prüfers versteht man gemäß IDW PS 460 alle Aufzeichnungen und Unterlagen, die der Prüfer im Zusammenhang mit der Prüfung selbst erstellt, sowie alle Schriftstücke und Unterlagen, die er von dem geprüften Unternehmen oder von Dritten als Ergänzung seiner eigenen Unterlagen zum Verbleib erhält.1059 Diese dienen in erster Linie dem Nachweis, dass die Prüfung des internen Modells in Übereinstimmung mit den Grundsätzen ordnungsmäßiger Prüfung interner Modelle erfolgt ist.1060 Es ergeben sich folgende allgemeine Anforderungen an die Arbeitspapiere:1061 Sie sind klar und übersichtlich und insgesamt so zu führen, dass ein sachverständiger Dritter, der nicht mit der Prüfung befasst war, sich in angemessener Zeit ein Bild über die Abwicklung der Prüfung machen kann.1062
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Ergebnis und Ausblick

15. Zusammenfassung und Ergebnis

Zusammenfassung
Auf EU-Ebene wird z.Zt. eine Neuregelung der Solvabilitätsvorschriften von Versicherungsunternehmen diskutiert. Aktuell wird ein sog. Drei-Säulen-Ansatz vorgeschlagen, dessen erste Säule sich mit den Modellen zur Ermittlung des notwendigen Mindesteigenkapitals eines Versicherungsunternehmens auseinandersetzt.
Peter Ott

16. Ausblick: Zusatznutzen der internen Risikomodelle

Zusammenfassung
Abschließend stellt sieh die Frage, ob ein Unternehmen den Aufwand einer Entwicklung eines derartigen Modells freiwillig in Angriff nehmen sollte. Auf den ersten Blick erscheint es nicht einleuchtend, warum ein Unternehmen die Option zur Verwendung eines internen Risikomodells bei der Solvabilitätsmessung ausüben und diese Anstrengungen durchfuhren sollte.1107 Dennoch liegt ein gewichtiger Vorteil eines internen Modells in der voraussichtlichen Besserstellung durch niedrigere Kapitalanforderungen als bei Verwendung eines standardisierten Verfahrens.1108 Denn schon heute schaffen die Aufsichtsbehörden im Bankenbereich Anreize dergestalt, dass ein Unternehmen, welches ein internes Modell verwendet, durch im Vergleich zum Standardverfahren niedrigere Eigenkapitalanforderungen belohnt wird. Dies ist gerechtfertigt, denn ein Unternehmen mit einem weiter entwickelten Risikomodell kann die eigenen Risiken tendenziell besser erkennen und steuern als ein Unternehmen, das über ein solches Modell nicht verfugt und benötigt daher auch weniger an Eigenkapital. So ist bspw. bei der Berechnung des Value at Risk für das Marktrisiko bei Banken der mit internen Modellen berechnete Value at Risk oft bis zu 50% niedriger als der mit Standardmodellen berechnete, da Korrelations- und Kompensationseffekte viel besser berücksichtigt werden können.1109
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