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Über dieses Buch

Im vorliegenden Band werden die Entwicklungslinien der Soziologie mit ihrem kultur-, wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Hintergrund verdeutlicht. Jede neue Etappe bzw. soziologische Theorie wird durch hier relevante Sozialdaten veranschaulicht, beginnend mit der Demographie, der Siedlungsstruktur, den Arbeitsverhältnissen, den Familienstrukturen und Primärgruppen, den technischen und industriellen Neuerungen und schließlich der fortschreitenden Globalisierung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

A Aufklärung und Industrielle Revolution führen zu einer neuen Sicht auf Mensch und Gesellschaft

Frontmatter

Grundzüge der Aufklärung. Ein neues Bild vom Menschen: Jean-Jacques Rousseau – Immanuel Kant – Adam Smith

Zusammenfassung
Die Theorie der Domestizierung konzentriert zunächst ihr Interesse auf den Faktor sozialer Einflusskräfte im Kontext der Aneignung von Medientechnologien und rückt die Verwobenheit technischer Aneignungsprozesse im Rahmen einer „moral economy of the household“ (Silverstone/Hirsch/Morley 1992) in den Fokus des Interesses. Medientechnologien werden im Rahmen von Domestizierungsprozessen in die zeitlichen wie auch örtlichen Bedingungen des Haushalts integriert und damit die dort alltagswirklichen Rahmenbedingungen verändert. Diese Herangehensweise hebt sich damit deutlich von technikdeterministischen Diffusionstheorien ab, da der Prozess der Aneignung von Technologie im Rahmen von Alltagskontexten nicht von einer Außenposition her betrachtet wird, sondern vom Standpunkt der sozialen Konfiguration der darin Handelnden aus erfolgt. „Technology is produced in environments and contexts, as a result of the actions and decisions, interests and visions, of men and women in organisations and institutions of complex and shifting politics and economics. […] Technologies emerge […] as a result of these complexes of actions and objects, politics and cultures.“(Silverstone/Hirsch 1992, 3) Auf der anderen Seite hebt sich die Domestizierungstheorie auch von ausschließlich
Bernhard Schäfers

Die Veränderung der Lebensgrundlagen durch die Industrielle Revolution

Zusammenfassung
Die Aufklärung, in Verbindung mit der Französischen Revolution, kann als ideelles Element der Doppelrevolution bezeichnet werden, die Industrielle Revolution als ihr materielles.
Hier wird die These vertreten, dass erst durch die um 1770 in England, Schottland und Wales einsetzende Industrielle Revolution die Voraussetzungen dafür geschaffen wurden, Forderungen der Aufklärung zu realisieren. Die Industrielle Revolution verstärkte zunächst auf Grund der sukzessive wegfallenden Heimarbeit das Massenelend auf dem Land, weil die Maschinen, zumal in der Textilherstellung, zahllose Menschen arbeitslos machten. Viele zogen in die entstehenden Industriezentren, deren menschenunwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen Friedrich Engels (1820 – 1895) anschaulich beschrieben hat (1845/1964). Nur durch fabrikmäßige Fertigung, die Mechanisierung der Landwirtschaft, neue Transportmittel usw. konnte der Bedarf an Kleidung und Nahrungsmitteln bei schnell anwachsender Bevölkerung befriedigt und der Übergang von der Subsistenz- zur Geldwirtschaft erreicht werden.
Bernhard Schäfers

B Die bürgerlich- industrielle Gesellschaft: Grundlagen und Kritik

Frontmatter

Die bürgerlich-industrielle Gesellschaft als neue soziale Wirklichkeit: Hegel – Saint-Simon – Tocqueville – Comte

Zusammenfassung
Die bürgerliche Gesellschaft basiert auf dem autonomen Handeln von Individuen. Dazu war eine durch das Recht garantierte „genaueste Bestimmung und Sicherheit der Grenzen dieser Freiheit, damit sie mit der Freiheit anderer bestehen könne“ (Kant) erforderlich. An diesen Kern der bürgerlichen Rechtsgesellschaft knüpfte Hegel an. Er hatte, zumal mit seiner Rechtsphilosophie, erheblichen Einfluss auf die deutsche Staatsrechtslehre und die Anfänge der Gesellschaftstheorie. Karl Marx wäre ohne ihn nicht denkbar.
Bernhard Schäfers

Kapitalismus und kapitalistischer Geist. Kritik von K. Marx. Familie als Ordnungsfaktor: W. H. Riehl, F. Le Play

Zusammenfassung
Nach Eric Hobsbawm (1980: 12) fand der Begriff Kapitalismus erst in den 1860er Jahren „Aufnahme in den ökonomischen und politischen Wortschatz der Welt“. Doch bereits zuvor hatte sich der „Geist des Kapitalismus“ (Max Weber) verbreitet. In England trat er ungeschminkt als Manchester-Liberalismus hervor, benannt nach der Industriemetropole Manchester, in der die Lehre von der vorwärts treibenden Kraft des Egoismus, der nach Adam Smith auch dem Allgemeinwohl dient, besonders krasse Blüten trieb. Friedrich Engels hat darüber in dem bereits erwähnten Werk, Die Lage der arbeitenden Klasse in England, anschaulich berichtet.
In Frankreich kam diese Einstellung im Motto von François Guizot, Minister des Bürgerkönigs Louis-Philipp, zum Ausdruck: Enrichissez vous ! Eric Hobsbawm (1962: 462) weist darauf hin, dass Guizot Hugenotte war und – wie die protestantische Minderheit überhaupt – dem Liberalismus in ökonomischen und politischen Fragen viel näher stand als der Katholizismus. Dies war auch die Kernthese von Max Webers bekanntester Abhandlung, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (zuerst 1904/05). In einer „Vorbemerkung“ zu den gesammelten Aufsätzen zur Religionssoziologie hatte Max Weber den Kapitalismus als die „schicksalsvollste Macht unseres modernen Lebens“ bezeichnet (Weber 2002: 560). Die „Vorbemerkung“ ist eine gute Einführung in die Besonderheiten des „okzidentalen Kapitalismus“ (Weber) mit seiner an Profit ausgerichteten Wirtschaftsweise (zu den anthropologischen, sozialgeschichtlichen und sozialphilosophischen Grundlagen des Kapitalismus vgl. Vogl 2011). Ein im Jahr 1828 verfasstes Gedicht des romantischen Dichters Achim von Arnim skizziert diese Wirtschaftsgesinnung:
Bernhard Schäfers

C Industrialisierung und Urbanisierung verändern die Sozialstruktur. Die Etablierung der Soziologie

Frontmatter

Die Veränderung der Lebenswelt und Sozialstruktur durch Industrialisierung und Urbanisierung

Zusammenfassung
Für die industrielle und politische Entwicklung Deutschlands war die Herstellung eines einheitlichen Zoll- und Handelsraumes von größter Bedeutung. Der Europa neu ordnende Wiener Kongress von 1815 hatte auf dem Territorium des alten deutschen Reiches 34 souveräne Fürstentümer und vier freie Reichsstädte belassen, die lose im Deutschen Bund vereinigt waren. Zunächst schuf Preußen, das größte Land im Deutschen Bund, durch ein Zollgesetz 1818 einen einheitlichen Markt für seine damals 10,5 Mill. Einwohner.
Bernhard Schäfers

Grundlegende Theorien im sozialgeschichtlichen Kontext: H. Spencer – F. Tönnies – É. Durkheim – G. Simmel – M. Weber

Zusammenfassung
Das soziologische Werk von Herbert Spencer, die erste systematische Soziologie überhaupt, verkörpert den Zeitgeist industriell-kapitalistischer Gesellschaften, zumal den Expansionsdrang und Fortschrittswillen des Britischen Empire, der damals politisch und ökonomisch führenden Weltmacht.
Bernhard Schäfers

Etablierung der Soziologie in den USA und in Deutschland

Zusammenfassung
In den Zahmen Xenien von Johann Wolfgang von Goethe heißt es:
Amerika, Du hast es besser
als unser Kontinent, der alte.
Hast keine verfallenen Schlösser
Und keine Basalte.
Dich stört nicht im Innern,
Zu lebendiger Zeit,
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.
Bernhard Schäfers

D Strukturfunktionalismus als universale Theorie.Modernisierung der Lebenswelt in der Nachkriegsära. Nivellierte Mittelstandsgesellschaft und Klassenbegriff

Frontmatter

Strukturfunktionalismus als universale Theorie: Talcott Parsons, Robert K. Merton, William J. Goode

Zusammenfassung
Mit dem Kapitel über den Strukturfunktionalismus wird die Systematik des vorliegenden Werkes: soziologische Theorien auf den Entwicklungsstand der Ökonomie und Technik, der Kultur und Sozialstruktur zu beziehen, vorübergehend verlassen. Das Besondere des Strukturfunktionalismus ist darin zu sehen, dass er den Grad der Verallgemeinerung soziologischer Begriffe und analytischer Konzepte in abstrakte Höhen schraubte und dadurch seine Anwendbarkeit zeitlich und räumlich ausweitete.
Bernhard Schäfers

Modernisierung der Lebenswelt in der Nachkriegsära. Nivellierte Mittelstandsgesellschaft und Klassenkonflikt. Neuformulierung des Klassenbegriffs: Pierre Bourdieu

Zusammenfassung
Vom vorsokratischen Philosophen Heraklit ist der Ausspruch überliefert: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“. Das gilt in besonderem Maße für technische Innovationen, die nach den beiden Weltkriegen die Lebenswelt der Menschen grundlegend veränderten. Der Erste Weltkrieg führte u. a. dazu, dass sich das Auto, zumal Lastkraftwagen, als Verkehrs- und Transportmittel durchsetzten, dass das im Krieg entwickelte Rundfunknetz in den 1920er Jahren flächendeckend wurde, erste Flughäfen gebaut und der Linienverkehr aufgenommen werden konnte (z. B. von Köln nach Berlin). Von besonderer Bedeutung für die Verbesserung des Lebensstandards war die Elektrifizierung der Haushalte, die bis in abgelegene Dörfer und Höfe vordringen konnte – was zur Vereinheitlichung der Lebensstile ebenso beitrug wie zur Verringerung des Gegensatzes von Stadt und Land.
Bernhard Schäfers

E Soziologie der Wissens-, Informations- und Netzwerkgesellschaft: Die digitale Revolution

Frontmatter

Grundlagen der Wissens-, Informations- und Netzwerkgesellschaft. Erste Analysen: Daniel Bell, Manuel Castells

Zusammenfassung
Mit dem Begriff digitale Revolution werden technologische Entwicklungen auf dem Sektor der Elektronik und der Informationsverarbeitung zusammengefasst, die die Entwicklung zur Wissens-, Informations- und Netzwerkgesellschaft möglich machten (Übersicht 4). Bisherige Einteilungen des Industriezeitalters nach den jeweils vorherrschenden Energiequellen, Fortbewegungsmitteln und Produktionsformen lassen sich seit Beginn der digitalen Revolution um 1970 nicht einfach fortschreiben. Sie markiert den Umbruch in eine grundlegende Neuorganisation der Produktion und Kommunikation, der Transportwege und Distributionen und damit verbunden der gesellschaftlichen Basisstrukturen. Ihre Bezeichnung als Informations- und Netzwerkgesellschaft erscheint angemessen.
Bernhard Schäfers

Kommunikation als Schlüsselbegriff: Niklas Luhmann

Zusammenfassung
Nicht nur in der Soziologie, seiner eigentlichen Disziplin, sondern auch in der Politikwissenschaft, der Rechtswissenschaft, der Philosophie, der Geschichts-, Literatur- und Kunstwissenschaft, ja selbst in der Religionswissenschaft und Pädagogik gehört Niklas Luhmann zu den theoretischen Leitfiguren (vgl. Schäfers 2014, Treibel 2006).
Bernhard Schäfers

F Neue Determinanten der Sozialstruktur. Wandel des Geschlechterverhältnisses. Globalisierung

Frontmatter

Veränderungen in der Sozialstruktur. Differenzierung der Lebensstile

Zusammenfassung
Unter dem programmatischen Titel: „Jenseits von Klasse und Schicht“ veröffentlichte Ulrich Beck 1983 einen Aufsatz, der zusammen mit Arbeiten von Stefan Hradil die Diskussion um die Klassen- und Schichtungsstruktur in eine neue Richtung lenkte. Die Grundzüge dieses Aufsatzes, der erst durch seine Aufnahme in den Band „Risikogesellschaft“ (Beck 1986; vgl. Kap. XIV) größere Resonanz erhielt, lassen sich wie folgt zusammenfassen: In der Geschichte der Bundesrepublik sei die Verteilungsrelation sozialer Ungleichheit (vgl. hierzu Tab. 8) zwar relativ gleich geblieben, aber die Lebensbedingungen der Menschen hätten sich stark verändert. Dadurch sei es zu einer sich von Klassen und Sozialschichten mehr und mehr ablösenden Individualisierung der eigenen sozialen Lage gekommen, verstärkt dadurch, dass sich durch die Veränderungen der Berufs- und Arbeitsplatzstrukturen völlig neue soziale Milieus heraus gebildet hätten. Auch gegenüber der Solidarität mit Parteien, Gewerkschaften und weiteren gesellschaftlich relevanten Großorganisationen habe sich sukzessiv eine sozial und institutionell ungebunden fühlende Individualisierung durchgesetzt. Bekanntschaften, Wohnverhältnisse und neue Familienformen seien diesem Ablösungsprozess gefolgt und hätten zu einer bisher unbekannten Vielfalt an sozialen Milieus und Lagen geführt.
Bernhard Schäfers

Wandel des Geschlechterverhältnisses. Veränderungen der Sozialstruktur

Zusammenfassung
Seit den 1980er Jahren wurden Theorien zum Geschlechterverhältnis für unterschiedliche Problemfelder entwickelt: Familie, Sozialisation, Arbeitswelt, Gefühlslebens usw. (vgl. die Darstellungen bei Treibel 2006, Bublitz 2016).
Bekannt wurde die These von der „doppelten Vergesellschaftung der Frauen“ von Regina Becker-Schmidt. Frauen seien durch Klassen- und Geschlechtszugehörigkeit vergesellschaftet. Im Gegensatz zu Männern würden Frauen doppelt sozialisiert: Für die Familien- und für die Erwerbsarbeit. Nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Reproduktion ihrer eigenen Arbeitskraft in der Familie würden sie ausgebeutet. Frigga Haug, die in der Studentenbewegung als Theoretikerin hervortrat, und Christian Thürmer-Rohr sind Urheber der These von der „Mittäterschaft der Frau“ bei der Fortsetzung des Patriarchalismus (ausführlich hierzu, auch im Hinblick auf sexuelle Gewalt, Treibel 2006: 289 ff.).
Bernhard Schäfers

Auswirkungen der Globalisierung auf Sozialstruktur und Lebensstile

Zusammenfassung
Erst seit den 1980er Jahren wird der Begriff Globalisierung häufiger benutzt. Er ist nur dann aussagekräftig, wenn er heutige Spezifika globaler Vernetzung und Abhängigkeit deutlich macht. Weltweite Handelsbeziehungen gab es bereits in der Antike, z. B. Luxuswaren aus Arabien und Indien und Seidenwaren aus China auf römischen Märkten, worauf schon der Historiker Theodor Mommsen (1817 – 1903) in seiner „Römischen Geschichte“ hinwies (Mommsen 1976, Bd. 7: 297 ff.).
Bernhard Schäfers

Schlussbemerkungen: Die Doppelrevolution und die Soziologie

Zusammenfassung
In der Einführung zu dieser Arbeit wurden jene Faktoren genannt, die seit Beginn der Doppelrevolution bis heute die gesellschaftlichen Prozesse vorantreiben. Sie sind die wichtigsten Ursachen für die Veränderungen der Sozialstruktur und die jeweils gegebenen Handlungsmöglichkeiten von Individuen und kollektiven Gebilden. Diese Zusammenhänge und die Wechselwirkungen zwischen den genannten Faktoren kenntlich zu machen, wurde zur Aufgabe der Soziologie. Ein Ranking der hier im Vordergrund stehenden Einflussfaktoren ist nicht möglich. Nur einige seien abschließend heraus gegriffen.
Bernhard Schäfers

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