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2024 | Buch

Sozialklimawandel in der Komfortgesellschaft

Konsumbasierte Verletzungen und Illusionen

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Über dieses Buch

Anlass für dieses Buchs sind die zunehmende Kälte im Umgang der Bürger miteinander und ihre mangelnde Empathie: normenverletzendes Handeln zulasten der Mitmenschen, Hassausbrüche in sozialen Netzen, Übergriffigkeiten jeder Art. Oft wird vor einem Auseinanderfallen des gesellschaftlichen Zusammenhangs gewarnt, manche Protestformen gewinnen gar bürgerkriegsähnlichen Charakter. Welche Rolle spielen dabei hedonistischer Konsum, Identitätszweifel, die Suche nach Selbstwert und eskapistisches Verhalten? Wo die Ursachen dieses Sozialklimawandels zu suchen sind, untersucht das Buch anhand zeittypischen Verhaltens.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Es zieht was auf
Zusammenfassung
Man wollte es nicht für möglich halten, dass einmal derart dunkle Wolken über der deutschen Gesellschaft aufziehen. Der Angriff russischer Truppen auf die Ukraine 2022 und das Massaker von Hamas-Terroristen an Zivilisten in Israel 2023 führten zu politischen Unwettern und ökonomischen Turbulenzen in der Welt. In Deutschland zerstörte beides das Vertrauen der Bürger in gesicherten Frieden und Wohlstand.
Günther Rosenberger
Kapitel 2. Dunkle Wolken: Verletzungen Dritter
Zusammenfassung
Konsumieren ist konstitutiv für menschliches Befinden und Verhalten, ohne Nutzung und Verbrauch zumeist marktvermittelter Güter ist zivilisatorisches Leben nicht vorstellbar, ebenso wenig moderner Konsum ohne seine Stimulierung von Fantasien und Tagträumen. Man könnte auch sagen, „Niemand kann nicht nicht konsumieren“, um Paul Watzlawicks (2016) bekannten Spruch zum Kommunizieren zu paraphrasieren, und den Satz Arnold Gehlens ergänzen, der Mensch sei von Natur ein Kulturwesen (Gehlen, 2016, S. 88): „Der Mensch ist von Kultur ein Konsumwesen“.
Günther Rosenberger
Kapitel 3. Starkregen: Verletzungen durch Dritte
Zusammenfassung
Nicht wenige Menschen fühlen sich schnell persönlich angegriffen. Beeinträchtigt oder verletzt sehen sie sich durch vielerlei Einflüsse, auch wenn man sie nicht umstandslos als „vulnerabel“ bezeichnen kann. Musik beispielsweise hat bekanntlich nachdrückliche emotionale und mentale Wirkungen und – sie kann auch verletzen. Ob Klassik oder Pop, Volkslied oder Crossover, Marschmusik oder Protestsong, Oper oder Rap, alle Musikgenres werden auch von öffentlichen oder privaten Förderern unterstützt: mit kommerziellen Anreizen, Steuergeldern, kulturpolitischen Stellungnahmen, Spenden etc. Je nachdem zu Zwecken der Erbauung, Gewinnerzielung, Betäubung, des Spaßes, der Kampfbereitschaft oder Demagogik. Musik kann Hochkultur veredeln und Subkulturen stabilisieren. Oft spielt sie eine Rolle für die Entwicklung von Selbstidentität und Lebensstil, insbesondere bei Kindern und juvenilen Erwachsenen.
Günther Rosenberger
Kapitel 4. Zwischenbetrachtung: Täter und Opfer
Zusammenfassung
„Die Gewohnheit, sich beleidigt zu fühlen, breitet sich leider nicht nur unter Einzelpersonen aus.“ (Ash, 2016, S. 343) Doch eine Attribuierung wie snowflakes als eine ironisierende Infragestellung allzu empfindsamer und wehleidiger Seelen gilt in Europa trotz der bildhaften Plausibilität von „Schneeflocken“ als diskriminierend. Sie soll Vertreter linker Identitätspolitik stigmatisieren, ein verächtlicher politischer Kampfbegriff sein, wird eingewendet.
Günther Rosenberger
Kapitel 5. Überflutungen: Selbstverletzungen
Zusammenfassung
Unvermeidlich bringen Veränderungen der Zeitläufte Probleme mit sich, die sie den Individuen aufladen. Überfordert von neuer Unübersichtlichkeit durch Krisen und Transformationen scheint ihnen die Welt aus den Fugen. In verunsichernden Zeiten wächst das Bedürfnis nach Beruhigung, Ablenkung und Tröstung, nach Selbstvergewisserung und Bestätigung auch im Konsum.
Günther Rosenberger
Kapitel 6. Selbstregulation in der Komfortgesellschaft
Zusammenfassung
Die Zeiten ändern sich, heißt es, besonders in einem frostigen Sozialklima. Die Postmoderne mit ihren Manierismen – „Es gibt keine Realität jenseits der Sprache“, so Michel Foucault und Jacques Derrida (nach Rödder, 2015, S. 100) – hatte ab den 1980er Jahren „(…) Folgen für das Denken und die Kultur der westlichen Welt. Sie führte zum einen zu einer verstärkten Pluralisierung, zum anderen zur Dekonstruktion überkommener Ordnungsvorstellungen.
Günther Rosenberger
Kapitel 7. Sozialisationsklima und kognitive Strukturiertheit
Zusammenfassung
Träume sind Schäume, heißt es, und auch mentaler Schaum kann ins Auge gehen, den Blick verschleiern und Illusionen befördern. Dabei scheinen Illusionen und Wahnvorstellungen, Tagträume und Sphärenflüge verbreiteter zu sein, als manche Pädagogik es zugestehen mag. Die Macht individueller Träume und Fantasiewelten ist auch Makrotrends der Komfortgesellschaft geschuldet, die als Treiber von Flucht und Eskapismus wirken.
Günther Rosenberger
Kapitel 8. Sozialklimakrisen
Zusammenfassung
„In Augenblicken sozialer Desorganisation, in denen die Gehäuse der Tradition zerfallen und Moral an Überzeugungskraft einbüßt, werden Verhaltenslehren gebraucht, die Eigenes und Fremdes, Innen und Außen unterscheiden helfen. Sie ermöglichen, Vertrauenszonen von Gebieten des Mißtrauens abzugrenzen und Identität zu bestimmen. Die zwanziger Jahre sind ein Augenblick tiefwirkender Desorganisation.“ (Lethen, 2018, S. 7) Das bemerkt der Kulturwissenschaftler Helmut Lethen über die Weimarer Republik, in der überkommene Orientierungskategorien wie Normen, Werte und Traditionen ihre stützende Funktion einbüßten und neue Verhaltenslehren aufkamen, die auf Härte und Kälte bauten.
Günther Rosenberger
Kapitel 9. Die weiteren Aussichten: unbeständig und kühl
Zusammenfassung
Die Zwiespältigkeit der Wohlstandsgesellschaft erfordert für die erfolgreiche Bewältigung von Stress und Identitätskrisen eine Gratwanderung zwischen eskapistischem Abtauchen in Ersatzwelten und reflektierter Rückkehr in die soziale Realität. Es geht um die „gebrochene Idylle“, wie Hermann Glaser (1969) die gelungene eskapistische Selbstregulation auf den Begriff brachte. Der Komfortbürger ist gleichsam ein Blade Runner, ein Traumtänzer auf der Rasierklinge konsumbasierter Traumwelten und Fantasien. Aber erfolgreiche Belastungsbewältigung stellt ihn vor eine Aufgabe.
Günther Rosenberger
Backmatter
Metadaten
Titel
Sozialklimawandel in der Komfortgesellschaft
verfasst von
Günther Rosenberger
Copyright-Jahr
2024
Electronic ISBN
978-3-658-44132-6
Print ISBN
978-3-658-44131-9
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-44132-6

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