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Über dieses Buch

Dieses Buch stellt 21 Forschungsarbeiten zur Erforschung des Sozialraums vor und beschäftigt sich im Zuge dessen mit (1) dem Theorie-Methoden-Verhältnis, (2) der konkreten methodischen Umsetzung eines Forschungsprojektes und (3) den notwendigen Reflexionen im Hinblick auf das geographische Handeln. Denn geographisches Denken und Forschen ist durch Paradigmen- und Methodenpluralismus geprägt. Beides befruchtet die Geographie, stellt Studierende und Doktorierende jedoch auch vor große Herausforderungen, da für die Vielzahl von Forschungsfragen nicht eine allgemeingültige Theorie und generalisierende Methode zur Anwendung kommen kann. Fragen wie „Welche sozialräumlichen Praktiken können mit welcher Theorie und Methode analysiert werden?“, „Wie kann Forschungslogik und Gegenstandsangemessenheit gewährleistet werden?“ und „Welche Gütekriterien garantieren ‚gute Forschung‘?“ sind Fragen, die innerhalb von Forschungsprozessen immer wieder aufkommen. Die Beiträge geben forschungspraktische Antworten und motivieren für einen kreativen, transparenten und nachvollziehbaren Forschungsprozess.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Feldzugang und Positionalität

Frontmatter

Kapitel 1. „Wir sind Penner. Wir sind Abschaum. Wir sind asozial. Wir gehören entfernt“

Feldzugang im Rahmen einer qualitativen Erforschung von Verdrängungsprozessen und ihren Auswirkungen auf die Alltagswirklichkeiten Obdachloser
Obdachlosigkeit ist nach wie vor ein gesellschaftlich tabuisiertes und in der geographischen Forschung unterrepräsentiertes Thema. Ein qualitativer Zugang zur Erforschung sozialer Randgruppen stellt Forschende vor große Herausforderungen und schlägt sich in einer geringen Anzahl feldbasierter Studien nieder. An dieser Stelle wird für die Notwendigkeit einer feldbasierten Forschung plädiert, die maßgeblich dazu beiträgt, dass Handeln, Verstehen und Ausdruck in den jeweiligen gesellschaftlichen, biographischen und kulturellen Kontexten verortet werden können. Im Folgenden werden Möglichkeiten zum Feldeinstieg sowie Schwierigkeiten und hemmende Faktoren während der Feldforschung thematisiert, analysiert und reflektiert. Ebenso werden Strategien aufgezeigt, die während der feldbasierten Forschung erprobt und erfolgreich angewendet werden können.
Daniela Boß

Kapitel 2. (Un-)Informed Consent? Regulating and Managing Fieldwork Encounters in Practice

Interactive methods of qualitative social research such as interviews bear the possibility that the mere fact of researchers visibly conducting research may influence the behaviour e.g. of respondents. This empirically proven aspect of interviews, group discussions and observations leads to problems for the current practice of procedural ethics that call for a specific form of informed consent. We, in contrast, illuminate the complex relationships researchers and respondents engage in. Based on these insights, we highlight the need for consciously managing one’s identity in the course of fieldwork. Using examples from our own empirical work, we elaborate on the delicate balance between this essential impression management and the need to avoid deception which would compromise our research from an ethical point of view.
Dorit Happ, Frank Meyer, Judith Miggelbrink, Kristine Beurskens

Kapitel 3. Positionalität in Forschungsprozessen

Eine (selbst-)reflexive Beobachtung
Davon ausgehend, dass Wissen und Macht verwoben sind, tragen Forschende eine ethische Verantwortung, Machtungleichheiten während der Wissensgenerierung nicht zu (re-)produzieren. Bei meiner Masterarbeit war ich mir dessen nicht von Beginn an bewusst. Meine Aufgabe bestand darin, einen Klassifizierungsansatz für die Landnutzung und Bodenbedeckung eines Einzugsgebietes in Kenia auf der Grundlage von Satellitenbildern von Landsat 8 zu entwickeln. Die Erstellung der Landnutzungs- und Bodenbedeckungskarten reproduziert epistemische, das heißt auf Wissen basierende, Machtbeziehungen in folgenden Punkten: 1) durch den unreflektierten Zugang zum Feld, 2) meine persönlichen Einstellungen und Positionalität gegenüber der lokalen Bevölkerung, 3) durch fehlende Partizipation der lokalen Bevölkerung und 4) durch das fehlende Bewusstsein, dass Karten Machtinstrumente sind. Der folgende Beitrag bietet Strategien, solches zu vermeiden.
Fabienne Kaufmann

Grounded Theory und Ethnographie

Frontmatter

Kapitel 4. „Hinten ist Beverly Hills und hier ist einfach Ghetto, The Bronx“

Grounded Theory im Kontext der narrativen Strukturierung eines Sozialraums
Wie entwickelt sich die Identifikation mit einem Sozialraum bzw. gibt es Identitätsaspekte, die sich auf ein städtisches Quartier beziehen und aus räumlichen Orientierungen gewonnen werden? Der folgende Beitrag geht diesen Fragen nach, indem er mithilfe des qualitativ-interpretativen Verfahrens der Grounded Theory (GT) zeigt, wie Individuen bestimmten Bereichen ihres Lebensraums Sinn zumessen. Ein Hauptbefund, der hier kurz vorgestellt wird, ist das sensibilisierende Konzept einer identitätswirksamen subjektzentrierten Partitionierung des Sozialraums. Der Beitrag enthält zudem Hinweise auf die Arbeit mit dem Kodierparadigma der GT ebenso wie mit der spezifischen Strategie einer sukzessiven Fallauswahl, also des sogenannten theoretical sampling.
Oliver Dimbath, Michael Ernst-Heidenreich , Matthias Roche

Kapitel 5. Denken und empirisch arbeiten mit der Grounded Theory

Eine anwendungsorientierte Reflexion eigener Forschungserfahrungen
Die Grounded Theory (GT), welche die systematische Konzeption von Theorien aus der Empirie zum Ziel hat, entwickelte sich in den letzten 50 Jahren von einer revolutionären Idee zu einem etablierten Forschungsstil der qualitativen Sozialforschung. Ihre große Offenheit, das beständige Streben nach Reflexivität sowie der explizite Praxisbezug üben auf Forschende verschiedener Generationen eine Anziehung aus. Leider bleibt jedoch oft für eine detaillierte anwendungsorientierte Debatte ihrer Stärken und Schwächen wenig Raum. Dieser Beitrag widmet sich deshalb speziell Herausforderungen, die beim Umgang mit externem Wissen, im sampling sowie beim Kodieren entstehen können. Darauf aufbauend werden mögliche Strategien aufgezeigt, die beim Denken und empirischen Arbeiten mit der GT hilfreich sein können.
Cornelia Bading, Claudia Bosch

Kapitel 6. Relationale Räume verstehen

Schritt für Schritt durch diskursives Archiv und ethnographisches Feld
Mit der Humangeographin Doreen Massey über Raum nachzudenken, heißt, Raum als relationale Konstruktion sozialräumlicher Wirklichkeit ernst zu nehmen. Für die Erforschung von Raum hat dies Konsequenzen. In meinem Beitrag schlage ich deshalb ein systematisiertes Vorgehen vor, in welchem mittels Triangulation ethnographischer und diskursanalytischer Zugänge zu Raum, die Rekonstruktion der komplexen Beziehungen zwischen den symbolischen und materiellen Dimensionen eines Sozialraumkonstrukts möglich wird. Der Raum wird in seiner Relationalität erforschbar.
Sebastian Grieser

Kapitel 7. Familiengartengemeinschaften im Wandel

Zur Ethnographie der Wirklichkeit sozialräumlicher Gemeinschaften
Der Beitrag zeigt am Beispiel der Untersuchung von zwei Familiengartengemeinschaften in der Schweiz, wie mit einem ethnographischen Zugang im sozialräumlichen Kontext explorativ und qualitativ geforscht werden kann. Außerdem gibt der Beitrag einen Einblick in den Forschungsprozess und die Erfahrungen, die mit dieser Methode gemacht werden bzw. welche Erkenntnisse damit generiert werden können.
Nicola Thomas, Patrick Oehler, Timo Huber

Triangulation und mixed methods

Frontmatter

Kapitel 8. Das sozial gemischte Quartier

Ein sozialer Bezugspunkt in der Stadt?
Der folgende Artikel beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit ein sozial gemischtes Quartier einen sozialräumlichen Bezugspunkt für Bevölkerungsgruppen schafft, die vermehrt auf das Quartier als integrierendes Wohnumfeld angewiesen sind. Zur Beantwortung wird die Triangulation als eine Kombination aus quantitativ-analytischen und qualitativ-interpretativen Methoden der empirischen Sozialforschung anhand der Fallstudie Ackermannbogen in München angewendet. Diese Methodenkombination ermöglicht einen vertieften Einblick in die Lebenswelten innerhalb eines sozialräumlich gemischten Quartiers. Erste Ergebnisse zeigen, dass sozialen Netzwerke von Frauen innerhalb des Quartieres weiträumiger erscheinen als die von Männern. Ebenso ist festzustellen, dass eine zu große soziale Distanz zwischen Individuen die Entwicklung sozialer Beziehungen unterbindet, wohingegen ähnliche Sozialstrukturen und gegenseitiges Vertrauen als förderlich zur Schaffung und den Erhalt des Quartiers als sozial-lokalen Bezugsort einzustufen sind.
Verena Texier-Ast

Kapitel 9. Raumbezogene Handlungen und die Wahrnehmung der städtischen Umwelt

Der Virtual Urban Walk 3D
Menschen erleben Räume selektiv und aus Handlungskontexten heraus. Um ein erweitertes Verständnis davon zu entwickeln, wie Menschen Räume erleben, warum sie sie auf welche Art beurteilen und in ihnen handeln, ist es unserer Ansicht nach zielführend, die konkret erlebte Umwelt vor dem Hintergrund antizipierter Handlungen und Handlungskontexte zu analysieren. Mittels einer innovativen Forschungsmethode, die 3D-Filmtechnik und qualitative Interviewtechniken in sich vereint, wollen wir diese Fragen adressieren und den virtuellen Stadtspaziergang, den Virtual Urban Walk 3D, als Forschungsmethode diskutieren – eine Kombination des qualitativen Interviews als bekanntem und erprobtem Erhebungsinstrument mit einem neuen Stimulus, einer 3D-Filmsequenz mit Surround Sound. Die Filmsequenz ist dabei dem realen Durchlaufen und visuell-akustischem Erleben von Stadträumen aus der Ich-Perspektive nachempfunden und ermöglicht es, den Forschenden, Interviewten, einen ihnen zuvor unbekannten Stadtraum möglichst realitätsnah visuell und akustisch erleben zu lassen. Das Medium Film erlaubt es zudem, alle Teilnehmenden den völlig gleichen audio-visuellen Eindrücken bezüglich eines Raumausschnitts auszusetzen. Damit schließt diese Methode an existierende Forschungen zur Verwendung visueller Materialien in der qualitativen Forschung an (Lynch, Das Bild der Stadt, Birkhäuser, Basel, [1965] 2007; Dirksmeier, Social Geography 2(1):1–10, 2007; Pink, Doing Visual Ethnography: Images, Media and Representation in Research. 2. Aufl. Sage, London, 2007a; Schlottmann und Miggelbrink, Social Geography 4(13):13–24, 2009), geht aber durch die Verwendung von Filmsequenzen mit akustischer Realkulisse entscheidend darüber hinaus. Die verwendete Interviewtechnik stellt eine Kombination aus narrativem Interview sowie eines Tiefeninterviews mittels des sogenannten laddering (Reynolds und Gutman, Journal of Advertising Research 28:11–31, 1988) dar: Durch den Einsatz von dynamischen Filmbildern wird der Einfluss sprachlicher Elemente des Interviews reduziert und es wird möglich, andere Kommunikationsformen stärker in den Vordergrund zu rücken sowie Personen mit eher schwächerem Ausdrucksvermögen ebenfalls eine Stimme zu geben. Der Einsatz von 3D-Filmmaterial ist dabei mit der Nähe des dreidimensionalen Seherlebnisses zum realen menschlichen Raumerleben begründet und damit durch besondere Eignung für Studien, die der Erklärung räumlicher Wahrnehmung und Handlung dienen. In diesem Beitrag wird die Methode vorgestellt und ihre Anwendung kritisch diskutiert.
Andreas Müller, Anna-Lisa Müller

Kapitel 10. Qualitative Geographische Informationssysteme

Kontextsensible räumliche Analysen, mixed methods und Geovisualisierungen
Qualitative geographische Informationssysteme (GIS) bezeichnen methodische Ansätze, die qualitative Informations- und Datenformen in GIS-Anwendungen integrieren und anhand von verstehenden und interpretierenden Verfahren analysieren. Vielfach werden qualitative GIS mit dem Ziel verwendet, marginalisierten und subalternen Perspektiven in Politik und Planungsprozessen Gehör zu verschaffen. Sie können als eine praktische Umsetzung der Kritiken an GIS verstanden werden, die die scheinbare Objektivität und Aussagekraft von GIS-Analysen mit abstrakten und standardisierten quantitativen Datensätzen in Zweifel zogen. Anstelle von positivistischen Grundannahmen betonen qualitative GIS daher die Widersprüchlichkeit, Perspektivität und Situiertheit räumlichen Wissens und streben, häufig durch Einbeziehen verschiedenartiger empirischer Daten, eine größtmögliche kontextuelle Tiefe an. Dieses sich dynamisch entwickelnde Methodenfeld hat verschiedenste Verfahren hervorgebracht, um qualitative Informationen in einem GIS darzustellen und zu analysieren. Dabei spielen insbesondere Techniken der Geovisualisierung eine große Rolle.
Christian Bittner, Boris Michel

Kapitel 11. Qualitative Forschung und Geographische Informationssysteme

Die zunehmende Verbreitung von Geographischen Informationssystemen (GIS) in der sozialwissenschaftlichen Forschung als Analysewerkzeug und als Forschungsperspektive erfordert es, die theoretischen Grundlagen sowie die methodologischen Rahmenbedingungen zu erläutern. Da dies in aktuellen Lehrbüchern der Humangeographie nur marginal getan wird, zielt dieser Beitrag darauf ab, GIS als Analysewerkzeug im Zuge von mixed-method-Ansätzen zu thematisieren und gleichzeitig aber auch die vielfältigen Möglichkeiten von GIS-Praktiken als Forschungsperspektive zu erörtern. Dabei geht es einerseits um die technischen Grundlagen, aber auch um grundlegende epistemologische und methodologische Fragen im Kontext humangeographischer Forschung.
Susann Schäfer, Jannes Muenchow, Benjamin Harnisch

Kapitel 12. Soziales und (ihre) Architektur

Über Möglichkeiten und Grenzen, die Wirksamkeit von Architektur zu erforschen
Anna-Lisa Müller und Juliana Hutai stellen in Soziales und (ihre) Architektur. Über Möglichkeiten und Grenzen, die Wirksamkeit von Architektur zu erforschen folgende Fragen: Wie lässt sich erfahren, wie Gebautes auf Individuen wirkt? Auf welche Weise lässt sich bestimmen, ob und wie das Soziale das Gebaute beeinflusst und verändert? Zur Beantwortung greifen die Forschenden auf die teilnehmende Beobachtung und fotografische Dokumentation zurück und kombinieren diese mit den von Kevin Lynch entwickelten mental maps und bislang kaum erprobten Methoden wie das Schreiben von Architekturbiographien durch die Befragten, die Analyse von Wohnungsanzeigen sowie die Begleitung von Menschen auf Wohnungssuche durch shadowing. Dieser methodische Vorschlag wird anhand eines Fallbeispiels aus einer ethnographischen Forschung zu Kindergärten diskutiert.
Anna-Lisa Müller, Juliana Hutai

Kapitel 13. Freiräume in Schallmoos, Salzburg

Methodologische Überlegungen zur Funktions- und Sozialraumanalyse als Instrument der Landschafts- und Stadtplanung
In diesem landschaftsplanerischen Beitrag wird das Planungsinstrument der Funktions- und Sozialraumanalyse zur sozial-räumlichen Erfassung und Bewertung von Freiräumen in der Stadt und in Siedlungen vorgestellt und kritisch reflektiert. Eingangs wird ein kurzer Einblick in die sozial- und alltagsweltliche Orientierung der Landschaft- und Freiraumplanung sowie ihre Bezüge zu ähnlichen Debatten in weiteren raumrelevanten Disziplinen gegeben. Im Zentrum der Betrachtung stehen die unterschiedlichen Nutzenden mit ihren verschiedenen Nutzungsmustern und ihre alltäglichen Aushandlungsprozesse zur Herstellung von (urbanen) Räumen. Exemplarisch wird an der Fallstudie Funktions- und Sozialraumanalyse Salzburg in Österreich das Instrument von der Analyse bis zur praktischen Umsetzung vorgestellt. Abschließend werden die Herausforderungen und der Mehrwert des inter- und transdisziplinären Zuganges zum Verständnis der Räume als alltäglich sozial produziert vorgestellt.
Doris Damyanovic, Marlene Mellauner, Irene Bittner, Florian Reinwald

Sprache und Diskurse

Frontmatter

Kapitel 14. Die Bedeutung gesprächsanalytischer Zugänge für qualitative empirische Forschung und Lehrendenbildung in der Geographie

Dieser Beitrag bietet einen Einstieg in die gesprächsanalytische Feinanalyse gesprochensprachlicher Daten. Anhand eines Beispiels wird gezeigt, welche analytische Haltung und welche interpretativen Schritte diese Methode auszeichnen. In einem zweiten Schritt werden Vergleiche zu anderen gängigen qualitativen Methoden der geographischen Forschung gezogen und die Spezifik der Gesprächsanalyse herausgearbeitet. Drittens wird die Bedeutung gesprächsanalytischer Kompetenzen für die geographische Lehrendenbildung aufgezeigt.
Inken Carstensen-Egwuom, Birte Schröder

Kapitel 15. Diskurse, Räume, (Online-)Medien. Eine Methodendiskussion anhand empirischer Beispiele

Der Beitrag diskutiert, wie textbasierte Diskurse aus einer humangeographischen Perspektive analysiert werden können. Dabei wird auf der Grundlage aktueller Debatten zur Besonderheit internetbasierter Daten und Kommunikation deren Einfluss auf die Entwicklung der raumbezogenen Diskursanalyse erläutert. Beispielhaft werden diese Aspekte anhand des Online-Mediendiskurses zum jährlich stattfindenden Kunstfestival 48 h Neukölln diskutiert. Das methodische Vorgehen wird detailliert beschrieben und schrittweise vorgeführt, wie eine Kritische Diskursanalyse zur journalistischen Berichterstattung und ihrer Online-Rezeption anhand einer aktuellen sozialräumlichen Fragestellung praktisch umgesetzt werden kann.
Maximilian Hoor, Eva Fraedrich, Charlotte Räuchle, Robert Kitzmann

Kapitel 16. Geographische Medienanalyse im „Kreislauf der Kultur“

Raumbezogene Weltbilder und Praktiken sind in unsere Gesellschaft immer stärker von Medien beeinflusst. In dem vorliegenden Beitrag wird eine Möglichkeit aufgezeigt, mediale Geographien analytisch zu fassen und zu erforschen. Die Grundlage dafür bildet das in den cultural studies entwickelt Modell des circuit of culture. Dieses legt einerseits den Fokus auf die mediale Repräsentation von Wirklichkeit, setzt diese aber immer in konkrete Relation zu praktischen Kontexten und somit zum „alltäglichen Geographie-Machen“. Der Beitrag stellt zunächst das Modell und dessen konzeptionelle Implikationen dar, weist auf mögliche Probleme hin und gibt abschließend ein Anwendungsbeispiel. Dieses bezieht sich auf die populäre mediale Geographie von Landmagazinen wie Landlust und zeigt, wie dieses erstaunliche Phänomen im „Kreislauf der Kultur“ analysiert werden kann.
Christoph Baumann

Materialität und Visualität

Frontmatter

Kapitel 17. Bilder und Narrationen zu Räumen

Die Zeichnung als visueller Zugang zur Erforschung sozialräumlicher Wirklichkeiten
Die Relevanz von Bildern zur Erforschung sozialräumlicher Wirklichkeiten, das Visuelle in der Geographie und die Vielfalt visueller Zugänge und ihrer Implikationen für die Forschungspraxis werden im Beitrag diskutiert. Speziell wird die Zeichnung als visuell-qualitatives Datenmaterial vorgestellt, Möglichkeiten und Grenzen sowie ihre sozial- und kulturwissenschaftliche Verwendung anhand eines Beispiels aus der eigenen Forschungspraxis zum Thema „Kinderräume“ erläutert. Dabei wird ersichtlich, inwiefern Zeichnungen sozialräumlicher Alltagswelten eine ergiebige Quelle von Narrationen zu Raumwahrnehmung, Raumaneignung und der subjektiven Bedeutung von Räumen darstellen können.
Raphaela Kogler

Kapitel 18. Raumwahrnehmungen reflektieren und visualisieren

Erforschung sozialer Räume mittels reflexiver Fotografie
Ausgehend von der theoretischen Darstellung der geographischen Perspektive auf soziale Räume mittels der Konzepte space, place, everyday geographies und emotional geographies diskutiert der Beitrag die Potenziale der Methode reflexive Fotografie. Neben einem Abriss über Entwicklung und Etablierung der Methode werden Positionalität und Formen der Partizipation dargestellt. Als Anwendungsbeispiele werden ein Einblick in ein humangeographisches Forschungsprojekt zu Alltagskulturen und Raumkonstruktionen von Jugendlichen in den Slums von Nairobi/Kenia sowie fachdidaktische Möglichkeiten zur methodischen Arbeit mit Schülerinnen und Schülern gegeben.
Andreas Eberth

Kapitel 19. Partizipatives Kartieren als Praxis einer kritischen Kartographie

Methoden des partizipativen Kartierens begreifen Karten und die Praxis des Kartierens als wirkungsvolle Instrumente, um nicht nur räumliches Wissen zu visualisieren, sondern auch neue Wege der Wissensproduktion und Kommunikation zu gehen. Partizipatives Kartieren bringt Ansätze der partizipativen Sozialforschung mit Kartographie und Geographischen Informationssystemen (GIS) zusammen. Kartographie und GIS sind zwei der zentralen Visualisierungs- und Analyseinstrumente in der Geographie. Dieser Beitrag gibt einen einführenden Einblick in das Feld partizipativer Kartographie bzw. partizipativen Kartierens.
Christian Bittner, Boris Michel

Kapitel 20. Methodische Herangehensweise an soziologische Kapitalsorten für die Darstellung im sozialen Raum

Pierre Bourdieus Sozialtheorie geht davon aus, dass die soziale Welt aus sozialen Feldern besteht, die jeweils nach einer eigenen Logik funktionieren. Innerhalb eines Feldes kann mithilfe der Auslotung von sozialen Positionen von Subjekten ein abstrakter Sozialraum festgestellt werden. Die Positionen der Subjekte bestimmen die Möglichkeiten, über die jemand aufgrund der Kapitalakkumulation verfügt. Je nach Position und Kapitalausstattung bestehen Handlungsmöglichkeiten. Besonders wichtig sind dabei das ökonomische und das kulturelle Kapital, wobei der Fokus auf Letzterem liegt. Der Beitrag stellt anhand des Beispiels des sozialen Feldes urbaner Landwirtschaft in Detroit ein Verfahren vor, wie sich mit qualitativ erhobenem Datenmaterial ein soziales Feld definieren lässt, welche Bedeutung das kulturelle Kapital hat und welcher Wert diesem beigemessen wird. Es zeigt sich hier, dass die Berücksichtigung der drei Formen des kulturellen Kapitals (inkorporiert, objektiviert und institutionalisiert) besonders zielführend ist, wenn es darum geht, die Positionen der Subjekte anhand ihrer Kapitalien bestimmen zu wollen. Dabei ist es wichtig, die Komplexität der feldspezifischen Logik stärker in der schematischen Darstellung mit einzubeziehen. Es wird eine Methode vorgestellt, wie die drei Formen des kulturellen Kapitals an das untersuchte soziale Feld angepasst und graphisch dargestellt werden können. Diese neue Methode der graphischen Darstellung erfolgt in Quadern und ermöglicht eine Vergleichbarkeit der Strukturen und des Volumens hinsichtlich des kulturellen Kapitals.
Cosima Werner

Synthese

Frontmatter

Kapitel 21. Netzwerk-Broker als interdisziplinäres Forschungsthema

Einblicke in die qualitative Metasynthese zur Aggregation und Reflektion empirischer Studien
Qualitative Syntheseverfahren eignen sich besonders für interdisziplinäre Forschungsthemen, wie sie in der sozialräumlichen Forschung eine lange Tradition haben. Der Beitrag beleuchtet die Metasynthese als Forschungsansatz zur Zusammenfassung, Strukturierung und Reflexion qualitativer Daten, die aus bereits durchgeführten qualitativen Fallstudien stammen. Es werden die Vorteile, aber auch die grundsätzlichen und praktischen Herausforderungen des Verfahrens anhand eines Beispiels aus der Wirtschaftsgeographie dargestellt.
Birgit Leick, Susanne Gretzinger

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