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Über dieses Buch

Das Buch Sozialstaat als Produkt einer Staatselite – Die Türkei im s- europäischen Vergleich ist das Ergebniss meiner Dissertation an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Mannheim. Ausgangspunkt für diese - beit war der Versuch, den in der internationalen Sozialstaatsforschung bisher stiefmütterlich behandelten türkischen Sozialstaat in der Familie der - ropäischen Sozialstaaten einzuordnen. Anders als viele türkische Forscher v- mied ich es dabei, den türkischen Sozialstaat mit den “fortschrittlichen” Sozialstaaten Nord- und Mitteleuropas zu vergleichen. Vielmehr versuchte ich mögliche Erklärungen für seine Instituionalisierung aus einem historisch mak- soziologischen Vergleich mit den ähnlich gelagerten südeuropäischen Sozi- staaten herauszuarbeiten. Ob mir dies gelungen ist, ist dem Leser überlassen. Dennoch hoffe ich, mit dieser Betrachtung des türkischen Sozialstaates aus einer südeuropäischen Perspektive, einen Beitrag für die türkische und südeuropäische Sozialstaatsforschung geleistet zu haben. Oft herrscht das Bild, dass eine Dissertation in kreativer Einsamkeit - schrieben wird. Dem ist nicht so, weil solch eine langjährge Arbeit nicht in einem sozialen und intellektuellen Vakuum entsteht. Sie ist nur durch die Unt- stützung vieler Menschen möglich, die einen motivieren, aufmuntern und wichtige gedankliche Impulse geben. Diesen Menschen hier zu danken, sehe ich als meine Pflicht an. Einen besonderen Platz gebührt meinen Eltern Lokman und Güleser sowie meiner Schwester Betül Dinç, deren Unterstützung mir die Gewissheit gegeben hat, mein Ziel zu erreichen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung: Forschungsstand und inhaltlicher Aufbau

Als Forschungsthema stieß der türkische Sozialstaat bisher auf wenig Interesse. Wenn er mit anderen „fortschrittlichen“ Sozialstaatsmodellen verglichen wurde, nahm man meist die Rückständigkeit und Ineffizienz der türkischen Institution wahr. In der Öffentlichkeit verband man mit dem türkischen Sozialstaat den finanziellen Kollaps der Sozialversicherungskassen, die langen Warteschlangen in den Notaufnahmen der öffentlichen Krankenhäuser und die Unfähigkeit des (Sozial-) Staates bei der Armutsbekämpfung.

Cüneyd Dinç

2. Zur Entwicklung des türkischen Sozialstaates

Die europäischen Gesellschaften wurden vor mehr als zweihundert Jahren von tief greifenden Veränderungen erfasst. Die Industrielle Revolution in England führte neue Arbeitsformen ein, welche das Leben des Einzelnen prägten. Die politischen Folgen der Französischen Revolution beeinflussten und veränderten die politischen Institutionen der meisten Länder. Die in den meisten europäischen Staaten bisher absolute Herrschaft des Fürsten wurde durch parlamentarische Repräsentation und demokratischer Wahlen der Kontrolle des „Volkes“ unterworfen. Nicht mehr der Fürst war der einzige Souverän der politischen Macht, sondern das Volk. Es schickte seine politischen Vertreter in die Parlamente, welche den Fürsten „kontrollierten“ und sich am Gesetzgebungsprozess beteiligten. Gleichzeitig ging aus dieser Transformation der Nationalstaat hervor, der mit neuer Legitimität ausgestattet wurde. Der Staat begann in immer weitere gesellschaftliche Bereiche einzudringen. Er übernahm Aufgaben und Funktionen, die mit den traditionellen Aufgabenbereichen der Familie und anderer intermediärer Institutionen, z. B. den Zünften oder Kirchen, konkurrierten. Die Säkularisierung als weiteres Merkmal dieser globalen gesellschaftlichen Transformation hinterfragte und veränderte die jahrhundertealte Beziehung zwischen Staat und Religion. Eine religiöse Ordnung und Definition des Lebens wurde durch ein weltlich- positivistisches Weltbild ersetzt. Der gesellschaftliche Einfluss der Kirche wurde eingeschränkt.

Cüneyd Dinç

3. Das türkische Wohlfahrtsregime im Vergleich

Das türkische Sozialversicherungssystem teilt mit dem spanischen und griechischen Sozialversicherungssystem eine Reihe von institutionellen Merkmalen. Alle drei werden durch Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanziert. Sie kompensieren durch Transferleistungen den Verdienstausfall von Erwerbstätigen, wenn diese vorübergehend oder permanent nicht mehr erwerbstätig sind. Die Sozialversicherungssysteme bestehen aus einzelnen Berufskassen mit unterschiedlich hohen Versicherungsbeiträgen und Sozialleistungen, wobei das Ausmaß dieser institutionellen Segmentierung jedoch variiert. In der Türkei existierten bis Mitte 2008 drei, ab Mitte 2008 aber nur noch eine einheitliche Versicherungskasse, in Spanien gibt es acht Berufskassen und in Griechenland existieren über 300 Kassen.

Cüneyd Dinç

4. Schluss

Primäres Ziel dieser Dissertation war es, anhand eines historisch- makrosoziologischen Vergleiches mit Spanien und Griechenland, die institutionellen und strukturellen Besonderheiten des türkischen Wohlfahrtsstaates bzw. Wohlfahrtsregimes zu untersuchen. Dabei stellte sich die Frage, ob das türkische Wohlfahrtsregime einem gemeinsamen südeuropäischen Typus des Wohlfahrtsstaates bzw. Wohlfahrtsregimes zugeordnet werden kann, eine Frage, die eine Analyse der historischen Entwicklung und sozialstrukturellen Merkmale der drei Länder voraussetzt.

Cüneyd Dinç

Backmatter

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