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Über dieses Buch

In diesem Lehr- und Fachbuch finden Sie den aktuellen Stand der Stanz- und Feinstanztechnik. Gestaltungsregeln und Kennwerte aus der Praxis geben Hilfestellung bei der Konstruktion von Werkzeugen. Die rechnerische Bestimmung der Einflussgrößen, werkstofftechnische Grundlagen und funktionale Zusammenhänge unterstützen bei der Auswahl von Maschinen. Durch die zahlreichen Berechnungsbeispiele und vollständigen Lösungswege eignet sich dieses Buch sehr gut für das Selbststudium. In der 12. Auflage wurden Aktualisierungen und Neugestaltungen bei verbesserter Übersichtlichkeit vorgenommen. Neue Entwicklungen bei den Vorschubapparaten an Hochleistungsstanzautomaten sowie grundsätzliche Hinweise und Beispiele für die Hard- und Software zur Steuerung von Stanzprozessen wurden einbezogen. Völlig neu ist ein Kapitel, das alternative Schneidverfahren zur Erzielung hoher Schnittflächenqualitäten darstellt und einen direkten Vergleich zwischen einhubigen Schneidverfahren gestattet.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Was bietet die Stanztechnik der globalen Wirtschaft?

Die Fertigungstechnik bestimmt weitgehend den Stand der technischen Entwicklung. Fertigungstechniker bestimmen, ob ein erdachter Gegenstand verwirklicht werden kann und mit welchen Verfahren er optimal hergestellt wird. Die überwiegenden Fertigungsaufgaben sind jedoch, die existierenden Werkstücke durch ein neues oder anderes Fertigungsverfahren zu verbessern und preiswert auf den Markt zu bringen. Dem nach Fertigungsmöglichkeiten suchenden Praktiker soll eingangs an einigen Beispielen gezeigt werden, welche Vielfalt von Werkstücken, d. h. Stanzteilen, mit der Hochleistungs- und der Feinstanztechnik produziert werden kann. Die mit der Hochleistungsstanztechnik erzeugten Werkstücke werden beispielsweise in der Elektro-, Computer-, Telekommunikation-, Fernsehgeräte-, Video-, Automobil-, Uhren-, Messgeräte-, Haushaltsgeräte-, Leuchten-, Getränke- und Konservenindustrie sowie im allgemeinen Maschinenbau und der Feinwerktechnik verwendet. Stanzteile sind in fast allen Geräten des täglichen Gebrauchs, aber auch im Schmuck anzutreffen.Mit der Feinstanztechnik werden Präzisionsteile aus Blechen bis zu 15 mm Dicke mit glatten Schnittflächen vorwiegend für hoch belastbare Teile im Fahrzeug-, Getriebe und Gerätebau, in der Hausgeräte- und Schlosstechnik sowie Bestecke hergestellt.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

2. Verfahren und Begriffe der Stanztechnik

Das Stanzen integriert mehrere Fertigungsverfahren in einem Arbeitsgang innerhalb einer Hubbewegung einer Presse. Der Begriff Stanzen ist nicht genormt, hat sich aber in der Praxis nicht nur erhalten, sondern – wie bereits erwähnt – erweitert. Die einzelnen in das Stanzen einbezogenen Fertigungsverfahren nach DIN 8580 und weitere Unterteilungen zeigt Tab. 2.1. Jedem Verfahren ist eine Ordnungsnummer zugeteilt.Das Feinschneiden (Abb. 2.2) ist ein Ausschneiden oder Lochen, bei dem die Scherzone auf der gesamten Schnittfläche erzeugt wird.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

3. Werkstoffe für Stanzteile

Stanzteile können aus fast allen Werkstoffen, die als Bänder, Platten oder Folien vorliegen und nicht splittern, hergestellt werden. Neben Metallen, die den Hauptanteil stellen, werden nichtmetallische Werkstoffe verarbeitet.Die nichtmetallischen Werkstoffe dürfen nicht zu weich sein und nicht schmieren, d. h. nicht am Werkzeug oder Zuführeinrichtungen haften. Sie dürfen nicht zu spröde sein und nicht splittern. Die unter diesen Gesichtspunkten geeigneten Werkstoffe sind: Papiere, Pappen, Laminate, Hartfaserstoffe, Kunststoffe z. B. PVC, faserverstärkte Kunststoffe, Filz, besonders ausgerüstete und beschichtete Textilien.Der spezifische Schneidwiderstand $$k_{\text{S}}$$ ist bei diesen Werkstoffen relativ klein, sodass die Werkzeuge aus Werkzeugstahl hergestellt werden können.Für Werkstücke, die vorwiegend durch Schneiden hergestellt werden, eignen sich nahezu alle zu Bändern oder Blechen verarbeiteten Stähle bis zu einem spezifischen Schneidwiderstand von $$k_{\text{S}}=1500$$ N$$/$$mm$${}^{2}$$. Je feiner die Karbidkornverteilung und -größe, desto kleiner der Verschleiß der Werkzeuge und weniger Verformung der erzeugten Stanzteile.Bei gehärteten Stählen liegt die Dehngrenze $$R_{p0{,}2}$$ nahe an der Zugfestigkeit $$R_{\text{m}}$$. Auch bei anderen Stahlwerkstoffen, bei denen dies zutrifft, muss bei der Werkzeugauslegung mit einem Dynamikfaktor gerechnet werden (siehe Abschn. 4.4.2).

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

4. Grundlagen des Schneidens

Schneiden ist ein spanloses Zerteilen von Werkstoff entlang einer Schnittlinie (siehe Tab. 2.2), die beim Ausschneiden einer Außen- oder Innenform (Scherschneiden) in sich geschlossen (geschlossene Schnittlinie), beim Abschneiden bzw. Ausklinken dagegen offen (offene Schnittlinie) ist. Das dazu verwendete Werkzeug hat als Hauptbestandteile Schneidstempel und Schneidplatte bzw. Matrize. Deren Schneidkanten $$S_{\text{k}}$$, Schneiden genannt, bilden sich aus den beiden Schneidflächen, der Druckfläche $$A_{\text{D}}$$ und Freifläche $$A_{\text{F}}$$ (Abb. 4.1). Die Druckflächen$$A_{\text{D}}$$ des Stempels und der Matrize üben die Schneidkraft auf den zu trennenden Werkstoff aus, sie sind der Werkstückoberfläche zugekehrt. Nach dem Trennen gleiten die Schnittflächen des Werkstoffes entlang den Freifläche$$A_{\text{f}}$$.Beim Ausschneiden (geschlossene Schnittlinie) wirken auf den Werkstoff durch den eindringenden Schneidstempel Druckkräfte $$F_{\text{S}}$$ (Abb. 4.1).Beim Schneidvorgang wird der zu trennende Werkstoff zunächst elastisch verformt. Beim Zusammendrücken weicht er auch seitlich aus. Daraus entstehen Seitenkräfte $$F_{\text{F}}$$. Danach erfolgt eine plastische Verformung ohne Trennung. So entsteht eine abgerundete Kante. Nun folgt durch vorauseilende Rissbildung ein Trennvorgang, wobei die Werkstoffteile aufeinander gleiten. Folge davon ist die Gleitfläche, auch Glattfläche genannt (Abb. 4.4), in der der Werkstoff fließt.Nach Beendigung des Fließvermögens entstehen Kerbrisse, denen der Bruch und somit die Bruchebene (Bruchfläche, Abb. 4.4) folgt.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

5. Schneidwerkzeuge

Bei kleinen Stückzahlen werden zum Ausschneiden oder Lochen Schneidwerkzeuge ohne Führung angewandt. Der Schneidstempel (Lochstempel) ist zum Werkzeugunterteil innerhalb des Werkzeuges nicht geführt. Die Führung des Stempels zur Schneidplatte erfolgt nur über die Stößelführung der Presse. Man gibt deshalb der Stößelführung ein kleines Führungsspiel.An Hochleistungsstanzmaschinen mit hoher Präzision sind die Führungen in der Bandlaufebene angeordnet und nahezu spielfrei eingestellt. Außerdem sind die Führungen so konstruiert, dass sich auch bei unterschiedlichen Temperaturen von Stempel und Stempelplatte die Mitte der Werkzeughälften nicht gegenseitig verschiebt. Unter diesen Voraussetzungen können Präzisionswerkzeuge auch ohne eigene Führungen für große Stückzahlen verwendet werden. Vor dem Einspannen der Werkzeuge in der Presse müssen Ober- zu Unterwerkzeug möglichst exakt, z. B. mittels hydraulischen Dornen ausgerichtet und dann mit verdrehfreien Spannmitteln nur ziehend gespannt werden.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

6. Grundlagen des Biegeumformens

In Stanzwerkzeugen wird vorwiegend das Keilbiegen angewendet. Es kann als freies Biegen (Abb. 6.1 aI) und als formschlüssiges Biegen (Abb. 6.1 aII), auch Gesenkbiegen genannt, erfolgen. Falls das Schwenkbiegen (Abb. 6.2) um eine Achse benutzt wird, muss auf die Symmetrie zwecks Aufhebung von Seitenkräften geachtet werden. Die Biegekräfte sind in der Regel gegenüber dem Schneiden klein, sodass sie in der Praxis weniger berücksichtigt werden.Die hinreichend genaue Gleichung für die Biegekraft beim Keilbiegen lautet nach Oehler [1]: 6.1$$\displaystyle F_{\text{bVmax}}=K\cdot\frac{R_{\text{m}}\cdot b\cdot s^{2}}{l}\quad\text{in N}$$a)für freies Biegen und Bleche unter 3 mm Dicke: $$K=\frac{2{,}2}{\sqrt{l}}$$b)für formschlüssiges Biegen im V-Gesenk: $$K=1+\frac{4s}{l}\geq 1{,}2$$In Verbundwerkzeugen bei hartaufsitzendem Stempel $$F_{\text{bVhart}}\approx 2$$ … $$3\cdot F_{\text{bV}}$$ (N).Für das Abbiegen: 6.2$$\displaystyle F_{\text{bL}}=(0{,}20\,{\ldots}\,0{,}25)\cdot z\cdot R_{\text{m}}\cdot b\cdot s\quad\text{in N}$$ mit $$z=$$ Anzahl der KantenAusstoßkraft $$\approx 15$$ … 25 % von $$F_{\text{bL}}$$ in N

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7. Biegewerkzeuge

Um die Werkstückform werden zuerst Stempel und Gegenstempel konstruiert und dann entsprechend der Umformkraft die Dicke der Platten und die Größe sowie die Art der Presse ausgewählt. Die Umformkraft kann im Werkzeug mittig oder außermittig angreifen.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

8. Grundlagen des Tiefziehens

Tiefziehen ist nach DIN 8584 das Zugdruckumformen eines ebenen Blechzuschnittes (einer Folie oder einer Platte) zu einem Hohlkörper oder eines Hohlkörpers zu einem Hohlkörper mit kleinerem Umfang ohne beabsichtigte Veränderung der Blechdicke. Oft sind mehrere Folgezüge zur vollständigen Herstellung eines Teils nötig. Man unterscheidet den Erst- oder Anschlagzug und den Folge- oder Weiterzug. Ob nur der Erstzug oder ein bzw. mehrere Weiterzüge zur Herstellung eines Ziehteils ausreichen, entscheiden der Werkstofffluss, die Verfestigungsgrenzen und die Endform dieses Teils. Die Konstruktion der Tiefziehwerkzeuge richtet sich nach der Umformart (Erst- oder Folgezug), dem Umformverhalten des umzuformenden Werkstoffes, nach der geforderten Standzeit und der eingesetzten Presse.Im Rahmen dieses Buches, das das Stanzen behandelt, wird das Tiefziehen mit starrem Stempel und Ziehring behandelt. Tiefziehen mit gasförmigen oder flüssigen Druckmitteln wird bislang innerhalb der Stanzfolge nicht angewendet.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

9. Ziehwerkzeuge

Der Aufbau eines Ziehwerkzeuges ist von der gewählten Pressenart abhängig (siehe Abschn. 8.5). Auswechselbare Werkzeugaufbau- und Umformteile zum Tiefziehen zylindrischer Näpfe auf doppeltwirkenden Ziehpressen zeigt Abb. 9.1. Ziehstempel müssen wegen der Zipfelbildung am Zargenrand der gezogenen Näpfe um mindestens 20 … 40 mm länger als die Ziehteilhöhe sein; Auswechselstempel sind meist 100 mm lang. Im Ziehstempel verhindern Luftkanäle (d. h. eine oder mehrere Bohrungen, 3 … 8 mm $$\varnothing$$) die Entstehung eines Vakuums im Ziehteil beim Abstreifen (Abb. 9.2). Ohne Belüftung ist das Abstreifen der Näpfe vom Stempel erschwert; dünnwandige Teile könnten infolge des äußeren Luftdruckes zusammengedrückt werden.Der Zuschnitt wird mittig eingelegt:1.meist mittels verstellbarer Anschläge (Abb. 9.1, Teil 6);2.selten mittels federnder Stifte (Abb. 9.1, Teil 8) oder gedrehtem Einlegering, teuere Konstruktion, außerdem können Ziehringe durch Stiftlöcher aufreißen;3.vielfach mittels einstellbarer Zentriereinrichtung (Abb. 9.3).Durch den sich abwärts bewegenden Blechhalterstößel B’ werden die beiden Zentrierbacken über das Kurvenstück K auseinandergeschwenkt und während des Rücklaufhubes durch Federkraft wieder in die Anschlagstellung zurückgedreht.Außer den Ziehwerkzeugen für Anschlag- und Folgezug setzt man auch Doppelziehwerkzeuge oder Umstülpwerkzeuge ein, die auch mit Auswechselteilen ausgerüstet werden.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

10. Verbundwerkzeuge

Verbundwerkzeuge (VW) vereinigen die technologisch verschiedenen Arbeitsverfahren Schneiden, Umformen und gegebenenfalls zusätzliche Verfahren.Das Zusammenlegen mehrerer Arbeitsgänge in ein einziges Werkzeug bringt u. a. folgende Vorteile:1.Die Werkzeugkosten eines VW sind in der Regel niedriger als bei Einzelwerkzeugen, wenn komplizierte Teile hergestellt werden.2.Die Pressen sind wirtschaftlicher ausgenützt; Rüst- und Stückzeiten werden eingespart. Eine Arbeitskraft kann gleichzeitig mehrere Pressen überwachen, wenn diese auf Dauerhub eingestellt, mit Walzen- oder Zangenvorschub ausgerüstet und die Werkzeuge durch Kontakte überwacht sind.3.Die Durchlaufzeit im Betrieb wird gekürzt; Kosten für Transport, Zwischenkontrollen, Terminüberwachung, Aufsicht und Organisation werden eingespart.4.Es können Stanzteile mit vielfältigeren Formen hergestellt werden.Nachteilig ist, dass bei Änderung der Werkstückform meist das gesamte Werkzeug unbrauchbar wird und hohe Instandhaltungskosten entstehen.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

11. Verbundwerkzeuge „Schneiden-Ziehen“

Die Entscheidung, ob ein Folge- oder Gesamtverbundwerkzeug geeignet ist, richtet sich nach der Ziehteilform und der zur Verfügung stehenden Presse. Folgeverbundwerkzeuge (FVW) mit hintereinanderliegenden Arbeitsfolgen (z. B. Einschneiden-Ziehen-Lochen-Ausschneiden) dienen zur Herstellung von Teilen mit geringer Ziehtiefe aus Streifen oder Bändern (Abb. Abb. 10.12). Für Hohlteile mit größeren Ziehteilhöhen werden Gesamtverbundwerkzeuge (GVW) mit übereinanderliegenden Arbeitsstufen eingesetzt; sie ermöglichen zusätzlich geringeren Blechverbrauch, erfordern jedoch für die Außenform meist ein Nachschneidwerkzeug. Abbildungen Abb. 9.3 und Abb. 9.6 b zeigen GVW, die unter teilweiser Verwendung auswechselbarer Umform- und Aufbauteile gestaltet sind.Nachfolgend werden noch einige grundlegende Werkzeugausführungen in Gesamtbauweise für verschiedene Pressenarten besprochen, die zur Umformung gut tiefziehfähiger Bleche bei größeren Stückzahlen vorgesehen sind und daher mit Säulenführungen arbeiten.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

12. Werkstoffe für den Werkzeugbau

Zum Werkzeugaufbau dienende Konstruktionsteile unterliegen meist nur einem unwesentlichen Verschleiß; sie sind, außer bei Fließpresswerkzeugen, daher selten gehärtet. Säulengestelle werden aus Sonderguss (Kugelgraphitguss, Meehaniteguss), Ober- und Unterwerkzeuge im Großwerkzeugbau auch aus Grauguss hergestellt. Die Güte der eingesetzten Baustahlsorten, ebenso die Plattendicken, richtet sich nach der im Werkzeug wirkenden Schneid- bzw. Umformkraft. Die Platten werden entsprechend den Dicken der Grobbleche, nach Berücksichtigung der Bearbeitungszugabe, vermaßt. So wird z. B. eine Grundplatte nicht 30 mm, sondern nur 26 … 28 mm dick angegeben. Gießt man Stempelführungsplatten, Stempelhalteplatten, Führungsbuchsen für Säulengestelle mit Kunstharzen (Abschn. 5.3.2 und Abschn. 7.3) aus, dann wird Passarbeit eingespart.Die Umformwerkstoff formen den zu verarbeitenden Werkstoff mittels Schneidstempel und Schneidplatte, Biegestempel und Gegenstempel oder Ziehstempel und Ziehring spanlos um. Hier wurden Werkzeugstähle, Sintermetalle und Hartmetalle sowie verschiedene Gusswerkstoffe entwickelt. Ziehstempel, Blechhalter und Ziehringe für große Ziehformen werden aus GG-26 oder GG-30, aus Sonderguss mit Zusätzen von Silicium, Chrom, Nickel und Mangan, aus Hartguss, Meehanite-, Kugelgraphitguss, zum Tiefziehen rostbeständiger Stahlbleche aus Sonderaluminiumbronzen (siehe Abschn. 9.6) angefertigt. Für die Auswahl der Umformwerkstoffe ist die Art des zu verarbeitenden Werkstoffes, die erforderliche Standmenge und die noch zulässige Maßabweichung infolge des Härteverzuges maßgebend.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

13. Werkzeuge der Feinschneidtechnik

Nach ihrer Arbeitsweise werden die Feinschneidwerkzeuge nach [1] wie folgt eingeteilt:Gesamtschneidwerkzeuge,Folgeschneidwerkzeuge,Folgeverbundwerkzeuge,Werkzeuge mit Teiletransfer.Im Gesamtschneidwerkzeug entstehen die feingeschnittenen Teile mit Innen- und Außenkonturen in einem einzigen Hub. Der Schnittgrat beider Konturen liegt auf einer Seite. Vorschubungenauigkeiten entfallen, sodass die mit Präzisionswerkzeugen hergestellten Teile optimale Maß- und Formtoleranzen erreichen.In Folgeschneidwerkzeugen entstehen die Teile in mehreren aufeinanderfolgenden Schneidstufen. In der ersten Stufe wird ein Vorloch zwecks Positionierung in den darauffolgenden Stufen erstellt. Die Schnittgrate von Innen- und Außenform liegen wechselseitig gegenüber. Die Werkstücke können nicht so eng toleriert werden wie bei der Herstellung mit Gesamtschneidwerkzeugen.Mit Folgeverbundwerkzeugen werden außer Schneidoperationen auch Umformoperationen, z. B. Biegen und Prägen in einzelnen Stufen durchgeführt. Hinsichtlich der Toleranzen der Werkstücke gelten die Hinweise wie für die Folgeschneid Werkzeuge.In der Technologie Feinschneiden wird mit zwei Werkzeugsystemen innerhalb der Werkzeugarten gearbeitet:1.Beweglicher Schneidstempel,2.Fester Schneidstempel.

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14. Federn im Werkzeugbau

In Werkzeugen werden oft Druckfedern eingebaut; hauptsächlich handelt es sich um Blatt-, Kunststoffdruck- und Tellerfedern sowie zylindrische Schraubendruckfedern. Diese werden von einschlägigen Firmen in großer Auswahl vorrätig gehalten.

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15. Kriterien für Hochleistungswerkzeuge

Die Anforderungen an Hochleistungswerkzeuge richten sich nach den allgemeinen Anforderungen an Werkzeugmaschinen. Sie zielen auf die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und Stanzteil-Qualität sowie der Formenvielfalt. Die Wirtschaftlichkeit wird mit höherer Hubfrequenz (Hubzahl$$/$$min), größerer Standmenge (Standzeit) der Werkzeuge und kürzerer Rüstzeit (Werkzeugwechselzeit) erreicht. Einen Einfluss hat auch die Verfügbarkeit (Zuverlässigkeit) von Werkzeug und Presse.Die Qualität der Stanzteile, d. h. das Herstellen der Teile in engen Toleranzen innerhalb der Standmenge wird nicht nur wegen besserer Funktion der Teile selbst angestrebt, sondern auch wegen der Handhabung beim automatischen Transport und automatischem Fügen.Die Erhöhung der Formenvielfalt erlaubt, die Stanzteile in immer größeren Technikbereichen einzusetzten. Die Teile werden immer komplexer, deshalb werden auch andere Techniken wie Nieten, Widerstand- und Laserschweißen, Fügen und Gewindeherstellung in den Stanzprozess einbezogen (Tab. 2.5). Die Anzahl der Stanzfolgen in der Bandlaufrichtung steigt damit bis 90.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

16. Überwachung von Stanzwerkzeugen

Die Werkzeugüberwachung soll die Qualität der Stanzteile bei fortschreitendem Verschleiß des Werkzeuges sichern und den Werkzeugbruch verhindern. Das bedeutet auch Schutz des Werkzeuges und der Stanzmaschine vor Überlastung. Ein weiteres Ziel ist die Ermöglichung der automatisch ablaufenden Fertigung.Die Werkzeugüberwachung in der Stanzmaschine soll:Beim Werkzeugbruch die Maschine anhalten.Bei Überlastung (zum Beispiel Banddopplung oder Fremdkörpereinfall) die Maschine anhalten.Nach Überschreiten einer allmählich ansteigenden Kraft bei Werkzeugverschleiß die Tendenz der Kraftveränderung anzeigen, eventuelle Stellglieder regeln und bei Überschreiten einer vorgegebenen Toleranz die Maschine anhalten.Bei Formabweichung des Stanzteils infolge einer Verstellung des unteren Totpunktes eine Stößelverstellung vornehmen, eventuell die Abweichung anzeigen oder die Maschine anhalten.Bei Vorschublängen-Fehlern die Vorschublänge korrigieren.Eine vollständige Überwachung der Werkzeugkontur ist sehr aufwendig, kann sich jedoch sehr lohnen.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

17. Hochleistungsstanzautomaten und Feinstanzpressen

Stanzteile werden mit einem Werkzeug in einer Stanzpresse hergestellt, die eine geradlinige Hauptbewegung ausführt. Werkzeug und Presse meistens mit angebauten Vorschubapparat sind deshalb als eine Fertigungseinheit zu behandeln. Eine Presse mit angebauten Vorschubapparat wird gewöhnlich als Stanzautomat bezeichnet, im Bereich höchster Hubfrequenzen als HochleistungsstanzautomatDie wichtigste Forderung ist daher: Hochleistungswerkzeuge sollen unbedingt in Hochleistungsstanzpressen gleicher oder noch höherer Genauigkeit eingesetzt werden, weil die Führungen der Presse um eine Zehnerpotenz steifer sind als die des Werkzeugs und deshalb das Oberwerkzeug zum Unterwerkzeug unzulässig verschieben oder verformen können, wenn sie selbst ungenauer sind als die Werkzeugführungen. Die Werkzeugführungen haben die Aufgabe, Ober- zu Unterwerkzeug während der Montage der Einzelelemente, des Transports und beim Spannen in der Presse zu führen. Nach dem Spannvorgang übernehmen die Führungen der Presse das Führen. Hochleistungs-Stanzpressen (Schnellläuferpressen) sind mechanische Exzenterpressen für Nennkräfte von etwa $$F_{\text{n}}=180$$ bis $$2500/$$kN mit maximalen Hubfrequenzen je nach Pressengröße von n = 800 bis 2500 H$$/$$min. Hochleistungs-Feinschneidpressen sind entweder modifizierte, durch Exzenter angetriebene Kniehebelpressen oder hydraulische Pressen für Nennkräfte von etwa $$F_{\text{n}}=250$$ bis 25.000 kN und Hubfrequenzen von n = 15 bis 160 H$$/$$min.

Matthias Kolbe, Waldemar Hellwig

18. Einbezug verschiedener Technologien in den Stanzprozess

Um komplexe Stanzteile vollständig herstellen zu können, werden in der neuzeitlichen Stanztechnik außer Schneiden und Umformen (Biegen, Ziehen, Prägen) auch Nieten, Schweißen (Widerstands- und Laserschweißen) und Gewindedrücken bzw. -schneiden in einem Stanzprozess ausgeführt. Eine Übersicht darüber gibt Tab. 2.5. Die Vielzahl der Folgen erfordert in der Bandlaufrichtung gesehen längere Werkzeuge und breitere Stanzpressen. Zwei ausgewählte Beispiele für den Einbezug verschiedener Technologien in die Stanzfolge werden behandelt.

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