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05.10.2020 | Sport Utility Vehicle | Fahrbericht + Test | Onlineartikel

Erster Eindruck von Jeeps 4xe-Antrieb in den Kompakt-SUV

Autor:
Marc Ziegler
5:30 Min. Lesedauer

Jeep verabschiedet sich in den Modellen Compass und Renegade vom konventionellen Allradantrieb. In den neuen Hybrid-SUV arbeitet der elektrifizierte 4xe-Antrieb.

Die beiden Kompakt-SUV Renegade und Compass sind die ersten Jeeps, die mit dem neuen 4xe-Antriebsstrang auf den Markt kommen. Dabei wird die Hinterachse ausschließlich von einem 44 Kilowatt (60 PS) starken Asynchronmotor von LG angetrieben, der ein maximales Drehmoment von 250 Newtonmeter bereitstellt. Ein einstufiges Planetenradgetriebe übersetzt mit 10,008:1. Die Maximaldrehzahl der E-Maschine liegt bei 15.500 Umdrehungen pro Minute. An der Vorderachse arbeitet ein turboaufgeladener 1,3-Liter-Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung. 

Das Aggregat ist in drei Leistungsstufen mit maximal 96 Kilowatt (130 PS), 110 Kilowatt (150 PS) oder 133 Kilowatt (181 PS) erhältlich. Die Maximalleistung liegt bei den schwächeren Varianten bei 5.500 Umdrehungen pro Minute an, die 133-Kilowatt-Variante erreicht ihre Spitzenleistung erst bei 5.750/min. Das Drehmoment von 270 Newtonmetern steht bei 1.850 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung. 

Integrierter Startergenerator mit 33 Kilowatt

Das Multiair-III-Evolution-System ermöglicht zudem eine vollvariable Steuerung der Ventilöffnungszeiten, was die Effizienz des Motors erhöht. Lediglich die Versionen mit 96 und 133 Kilowatt kommen im PHEV zum Einsatz. Der vorne zusätzlich verbaute Startergenerator in P1-Position kann kurzfristig mit maximal 33 Kilowatt boosten, dient aber eher dazu, die Umschaltung zwischen rein elektrischem und hybridem Betrieb zu verschleifen. So erreicht der Einstiegshybrid (Limited) eine Systemleistung von maximal 140 Kilowatt (190 PS), die Topmodelle (S und Trailhawk) von maximal 177 Kilowatt (241 PS). Das Systemdrehmoment beträgt stets 520 Newtonmeter.

Im einstigen Kardantunnel sitzt bei den PHEVs nun die ebenfalls von LG gelieferte Hochvolt-Lithium-Ionen-Batterie mit einem Energieinhalt von 11,4 kWh. Das gesamte Pack umfasst 96 Zellen und hat eine Nennspannung von 346 Volt. Im WLTP soll sie für eine rein elektrische Reichweite von 43 Kilometern ausreichen, laut NEFZ kommen die SUVs rund 50 Kilometer weit ohne auf den Ottomotor zurückgreifen zu müssen. Die Ladeleistung der Jeeps liegt bei 7,4 Kilowatt. Damit soll die Batterie an einer Gleichstromladesäule in unter zwei Stunden voll aufgeladen werden. Jeep rechnet aber eher mit einer Ladung am 230-Volt-Hausnetz und einer Ladedauer von etwa 3,5 Stunden. Zusammen mit dem Anbieter Engie stehen dafür zwei Wallboxen mit maximal 22 Kilowatt Ladeleistung zur Verfügung.

Etwas ruppiges Einschleifen

Die Hybridstrategie der kompakten Hybride sieht vor, möglichst große Weganteile mit reinem Elektroantrieb zurückzulegen. Dazu genügen die 44 Kilowatt und 250 Newtonmeter des hinteren Motors. Erst bei Anforderung der maximalen Kraft, etwa durch einen Kickdown oder das Erreichen von Geschwindigkeiten über 130 km/h oder einer entleerten Batterie, wird der Verbrennungsmotor zugeschaltet. Die dann relativ hohe Einstiegsdrehzahl des Vierzylinders und das bei mittlerer Kraftanforderung etwas ruppige Einschleifen stört ein wenig, grundsätzlich scheint der Antrieb sonst aber harmonisch geregelt zu sein. 

So schaltet der Motor bei geringer Batterieladung und wenig Last deutlich angenehmer zu. Lediglich fehlt es der 140-Kilowatt-Variante im größeren Compass etwas an Nachdruck und Spritzigkeit. Die 200 Kilogramm Zusatzgewicht, allein 145 Kilogramm durch die Batterie, machen sich hier bemerkbar. Der Antrieb mit 177 Kilowatt Systemleistung kann hier deutlich mehr überzeugen, das hohe Fahrzeuggewicht von 1.845 Kilogramm (Renegade) und 1.935 Kilogramm (Compass) lässt sich aber besonders in Kurven nicht verbergen. Zugegeben, die faktischen Fahrleistungen können sich durchaus sehen lassen. So benötigt auch der schwächere Compass 4xe für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h nur 7,9 Sekunden, das Topmodell benötigt 7,3 Sekunden. Beim Renegade sind die 100 km/h nach 7,5 beziehungsweise 7,1 Sekunden erreicht.

Drei Fahrmodi

Der Antrieb lässt sich mit den aus den meisten PHEVs bekannten Fahrprogrammen regeln. Nach dem Motorstart ist stets der Hybridmodus aktiv, bei dem das elektrische Fahren bevorzugt und der Verbrennungsmotor nur im Bedarfsfall aktiv zugeschaltet wird. Der Electric-Modus nutzt bis zur vollständigen Entleerung der Batterie den rein elektrischen Betrieb. Bei einem Kickdown wechselt das System automatisch zurück in den Hybridmodus. Im E-Safe-Modus wird die Batterieladung bei 80 Prozent der Kapazität gehalten oder entsprechend aufgeladen. Hier wird dann vorrangig der Verbrennungsmotor eingesetzt. Alle drei Modi können durch das eCoasting, eine zweistufig regelbare Rekuperation, unterstützt werden. Im Schubbetrieb fungieren der hintere Traktionsmotor und der Starter-Generator gleichermaßen als Generatoren und beladen die Batterie.

Allradantrieb und Geländefahrt

Einen konventionellen Allradantrieb mit Kardanwelle zur Hinterachse wird es in den kompakten Jeeps nicht mehr geben. Immer dann, wenn der Allradantrieb benötigt wird, muss der Verbrennungsmotor an der Vorderachse aktiviert sein, oder bei unvorhergesehenen Traktionsevents gestartet werden. In allen Geländesituationen mit allen Fahrprogrammen für Schnee, Sand/Matsch oder im Topmodell Trailhawk auch Felsen, sowie im 4WD-Lock- und im 4WD-Low-Modus ist der Verbrennungsmotor immer aktiv, ein geräuschloses Klettern ist also nicht möglich. 

Wer häufiger ins Gelände möchte, sollte jeweils zum Topmodell Trailhawk greifen. Der bietet bessere Böschungswinkel an Front und Heck (28 statt 19 vorn und 27 Grad hinten beim Renegade, 30,4 vorn und 33,3 Grad hinten statt 16 und 32 Grad beim Compass), mit 201 Millimeter (Compass: 213 Millimeter) etwas mehr Bodenfreiheit dank größerer Räder, angesprochenen Felsenklettermodus (Rock) und einen zusätzlichen Unterfahrschutz aus Metall. Alle Elektronikkomponenten der 4xe-Modelle sind wasserdicht gekapselt, um auch bei Watfahrten bis zu einer Wassertiefe von 400 Millimeter (Compass: 500 Millimeter) zuverlässig zu funktionieren.

Kompakte Jeep-SUV nur mit E-Allrad

Mit den 4xe-Modellen von Renegade und Compass zeigt Jeep die ersten elektrifizierten Modelle der Marke. Die Hybridmodelle sind ab sofort die einzigen verfügbaren Modelle mit Allradantrieb, den konventionellen automatisch zuschaltenden Allrad wird es nicht mehr geben. Bei unseren ersten Fahrkilometern konnten die PHEVs weitestgehend überzeugen, das zusätzliche Gewicht von Batterie und Elektromotoren (knapp 200 Kilogramm gesamt) machen den kleineren Renegade 4xe mindestens 1.845 Kilogramm schwer, der größere Compass wiegt als PHEV sogar 1.935 Kilogramm.

Zudem steigert der elektrifizierte Antrieb auch den Preis. Der Renegade 4xe kostet mindestens 37.236 Euro, für den Compass 4xe müssen nicht weniger als 41.136 Euro ausgegeben werden. Das ist ein Mehrpreis von 5946 Euro beim Renegade und 5.458 Euro beim Compass. Das Konzept geht also nur dann auf, wenn die Förderung von Plug-in Hybriden (derzeit bis zu 6.750 Euro) weiter bestehen bleibt. Ob sich das Abwenden von einem traditionelleren Antrieb für die kleinen SUVs auszahlt, wird sich bald zeigen, denn bisher waren die kompakten Jeeps mit Abstand die erfolgreichsten Modelle. Der Verkauf der 4xe-Modelle ist bereits angelaufen.

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