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So schlägt sich der Kia Sorento PHEV im Test

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Kia Sorento im Fahrbericht: Während der Plug-in-Hybridantrieb überzeugen kann, stellt sich die Bedienung teilweise als komplex heraus.

Kia Sorento PHEV


Modern und beeindruckend groß kommt der Kia Sorento der aktuellen Generation daher. Das Design orientiert sich an einer einerseits klassischen Linie mit geraden Kanten und großen Flächen, wie man sie von typischen Geländewagen kennt. Andererseits sind Anklänge an das große elektrische SUV EV 9 unverkennbar. Mit einer Länge von 4.815 mm, glatten 1.900 mm Breite und 1.700 mm Höhe ist klar: An Platz wird es mit dem Kia nur außen, in engen Innenstädten und Parkhäusern mangeln. Der lange Radstand von 2.815 mm sorgt dabei für relativ kurze Überhänge und verspricht sowohl einen guten Geradeauslauf als auch fürstliche Platzverhältnisse in der zweiten Sitzreihe, verringert allerdings den Überfahrwinkel, wobei hier schon klar zu sagen ist: Ein echter Hardcore-Offroader will der Sorento ohnehin nicht sein.

Die Frontansicht dominieren der breite Kühlergrill und die schmalen, weit außen liegenden Scheinwerfer, was den mächtigen Auftritt des Kias zusätzlich verstärkt. Das klar gezeichnete Heck schließt gerade ab, maximiert somit den Laderaum und schafft bei Bedarf den notwendigen Platz für eine dritte Sitzreihe.

Interieur + Elektronik 

Das gewölbte Panoramadisplay integriert ein 12,3" großes Kombiinstrument anstelle eines klassischen Tachos mit dem ebenso großen Touchscreen. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hat man die wichtigsten Menüpunkte verinnerlicht, allerdings ist das Gesamtsystem sehr komplex. Dabei sind zwar die grafisch aufbereiteten Ansichten, etwa für die Sicherheitssysteme gruppiert um das Fahrzeug, schick anzusehen, erschweren aber die Bedienung erheblich. Gewöhnungsbedürftig ist auch die Multi-Mode-Bedieneinheit mit zwei Drehreglern und einer Reihe von Sensortasten unter dem Display. Durch Tastendruck zeigt sie entweder Kurzwahltasten für Infotainment- oder Klimatisierungsfunktionen an. Aber zumindest gibt es noch einen Drehregler für die Lautstärkeverstellung. Die Regelsysteme sind nicht nur bei jedem Motorstart aktiv, sondern auch stets scharfgestellt. So beendet ein langer Druck auf die Lautstärkeregeltaste am Lenkrad zumindest die Tempowarnung. Für die Bedienung des insgesamt recht komplexen Systems sollte man sich anfangs etwas Zeit nehmen. Schade: Das Nutzerkonto, dass man in der Kia-App und im Auto anlegen kann, benötigt bei jedem Start etwas Zeit zum Hochfahren und die aktuellen EU-Regeln lassen leider nicht zu, dass hier Präferenzen bezüglich der aktivierten Assistenten hinterlegt werden. Das könnte vieles vereinfachen.

Die großen, bequemen Sitze im getesteten Topmodell sind beheizt und belüftet sowie elektrisch verstellbar, Kia-typisch gibt es extra Steuerelemente, mit denen man den Beifahrersitz vom Fahrerplatz aus verschieben kann. Das beheizbare Lenkrad ist elektrisch höhen- und tiefenverstellbar. Den Erwartungen entsprechend ist das Raumangebot in Reihe zwei sehr großzügig. Die zweite Sitzreihe lässt sich im Ganzen um 146 mm verschieben und geteilt umklappen (60:40). Auch der Laderaum ist enorm: 693 l stehen beim 5-Sitzer mindestens zur Verfügung, durch Verschieben der Rückbank und Ausnutzen des Staufachs unter dem Ladeboden werden daraus unter der Fensterkante 898. Bei umgelegter Bank sind 2077 l Volumen bei dachhoher Beladung erreichbar.

Antrieb + Fahrwerk

Der 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid-Antrieb kommt auf eine Systemleistung von 185 kW (252 PS) und ist mit einer Sechsstufen-Automatik und Allradantrieb kombiniert. Den Fahrmodus wählt man über einen schicken Automatikdrehknopf, über Schaltwippen am Lenkrad kann die Bremsenergierückgewinnung eingestellt werden. Im Sportmodus oder in den Terrain-Programmen des Allradsystems werden die Gangstufen gewechselt. Tatsächlich gibt es auch einen automatischen Modus des Rekuperationssystems, dass immer dann aktiv ist, wenn länger keine manuelle Einstellung erfolgt ist. Dann wird die Rückgewinnung an das Straßengefälle oder an das Verhalten des vorausfahrenden Verkehrs angepasst, dabei aber nicht bis zum Stillstand gebremst. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dabei, dass sich die Gleiteigenschaften des Fahrzeugs ständig verändern.

Bis zu 65 km soll der Sorento mit einer Batterieladung in der Stadt zurücklegen können, die Realität liegt eher im Bereich von 50 km, was allerdings für die meisten täglichen Strecken völlig ausreicht. Bis zu 140 km/h schnell kann man mit der 67-kW-PSM und ihren 304 Nm Drehmoment rein elektrisch fahren, danach werden die 118 kW des Verbrennungsmotors zugeschaltet. Bei Beschleunigungsmanövern oder an der Grenze der rein elektrischen Fahrgeschwindigkeit muss der Motor mit erheblicher Drehzahl zugeschliffen werden, was akustisch recht angestrengt wirkt. Tatsächlich sind das aber Ausnahmesituationen. In der Regel geht das Zusammenspiel von verbrennungsmotorischem und elektrischem Antrieb recht harmonisch vonstatten.

Die sportlichen Ambitionen der Marke verkörpert im Sorento lediglich das Fahrwerk. Es soll sportlich hart daherkommen, ist aber eigentlich nur etwas überdämpft, was bei kurzen Wellen besonders in Kurven bockig wirkt. Von einem so großen Schiff erwartet doch wirklich niemand Sportwagenattitüden. Außerdem können die Fahrleistungen da auch nicht mithalten: In 8,8 s beschleunigt der Sorento aus dem Stand auf 100 km/h, bei Tempo 183 wird abgeregelt – für ein SUV absolut in Ordnung. Ebenfalls im Rahmen hält sich der Verbrauch. Kia gibt wie gewohnt einen gewichteten Verbrauch nach WLTP an, der dann bei 1,6 l liegen soll. Bei entladener Batterie stehen hier kombiniert 7,5 l, der Stromverbrauch soll 18,2 kWh/100 km betragen. Beide letzten Werte sind durchaus realistisch, im Test verbrauchten wir im Schnitt 8 l.

Fahrerassistenzsysteme

Selbstverständlich ist die Topversion des Sorento mit allen nur erdenklichen Assistenzsystemen ausgestattet, den übergriffigen Aufmerksamkeitsassistenten bekommen wir aber während der gesamten Testphase nicht unter Kontrolle. Schon nach kurzer Autobahnfahrt beginnt er Pausen einzufordern. Beruhigen lässt er sich besonders durch das Aktivieren der Spurassistenten. Den Lenk- und Spurhalteassistent kann man mit Lenkradtasten aktivieren und abschalten. Der Autobahnassistent 2.0 kann nun auch automatisiert die Spur wechseln und zeigt seine Verfügbarkeit auch im Display an. Setzt man nun den Blinker, wird der Rückraum überprüft und der Spurwechsel eingeleitet. Soweit die Theorie. Leider überschneiden sich hier die Bedürfnisse der Systeme, denn einerseits muss der Kontakt zum Lenkrad aufrechterhalten werden und spürbar sein, andererseits bricht ein zu starker Lenkimpuls den Spurwechsel ab. Selbst wenn alles funktioniert, geht der Wechsel, gelinde gesagt, konservativ vonstatten. Man tendiert also dazu, den Vorgang zu beschleunigen.

Der aktive Frontkollisionswarner verfügt neben der Abbiegefunktion jetzt auch über eine Querverkehrerkennung, die auch beim Ausparken hilft. Der aktive Totwinkelassistent mit Monitoranzeige im Cockpitdisplay ist top! Beim Manövrieren ist die neue Rundumsichtkamera mit 3D-Darstellung hilfreich, leider ist die Taste dafür zu weit rechts hinter dem Fahrer auf der Mittelkonsole platziert.

Fazit Kia Sorento PHEV

Der Kia Sorento erfüllt die an ihn gesetzten Anforderungen umfassend: Er bietet enorm viel Platz, auf Wunsch bis zu sieben Sitzplätze und verfügt nicht nur über einen modernen Antrieb, sondern auch über nahezu alle Komfort- und Assistenzsysteme, wenn auch besonders letztere recht konservativ agieren. Das etwas überdämpfte Fahrwerk ist Geschmackssache. Im Alltag kann der Plug-in-Hybridantrieb die meisten Strecken vollelektrisch absolvieren, Leistung und Batteriegröße sind dazu ausreichend. Das Topmodell Platinum ist schlicht voll ausgestattet es gibt nur noch wenige Optionen, wie etwa ein Glasdach, andere Sitzkonfigurationen oder einen digitalen Fahrzeugschlüssel zuzubuchen. Weiß lackiert und ohne Zusatzoptionen kostet der Wagen dann 68.140 Euro. Der Startpreis für den Basis PHEV in Ausstattung Vision liegt bei 59.640 Euro.

Pro und Contra Kia Sorento PHEV

Pro

+ Raumangebot

+ vollständige Ausstattung

+ Allradantrieb

Contra

- Bedienung über Touch/Multi-Mode

- Ladeleistung

- konservativ regelnde ADAS

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Fahrerassistenzsysteme

Mittlerweile gibt es eine Fülle von Fahrerassistenzsystemen auf dem Markt. Zunächst soll eine Übersicht über die bereits erhältlichen und serienreifen sowie zeitnah realisierbaren Systeme gegeben werden, die für diese Untersuchung relevant sind.

Kundenfokussierte Entwicklung von Hybridantrieben und Optimierung für reale Randbedingungen

  • Titelthema

FEV hat das Treibhauspotenzial von batterieelektrischen und elektrifizierten verbrennungsmotorischen Antrieben in Verbindung mit erneuerbaren Kraftstoffen analysiert und mithilfe von Lebenszyklusanalysen in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit …

    Bildnachweise
    Kia Sorento PHEV/© Marc Ziegler | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, AVL List GmbH/© AVL List GmbH, dSpace, BorgWarner, Smalley, FEV, Xometry Europe GmbH/© Xometry Europe GmbH, The MathWorks Deutschland GmbH/© The MathWorks Deutschland GmbH, IPG Automotive GmbH/© IPG Automotive GmbH, HORIBA/© HORIBA, Outokumpu/© Outokumpu, Hioko/© Hioko, Head acoustics GmbH/© Head acoustics GmbH, Gentex GmbH/© Gentex GmbH, Ansys, Yokogawa GmbH/© Yokogawa GmbH, Softing Automotive Electronics GmbH/© Softing Automotive Electronics GmbH, measX GmbH & Co. KG