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10.10.2019 | Sportwagen | Fahrbericht + Test | Onlineartikel

Chapeau, BMW! Das Sportcoupé M850i im Test

Autor:
Sven Eisenkrämer

Mit dem neuen Achter will BMW an die Ikonen vergangener Zeiten anknüpfen und ersetzt auch den alten Sechser. Bietet der Oberklasse-Hingucker aus München auch in Sachen Fahrleistung, Spaß und Komfort das, was er verspricht? springerprofessional.de, ATZ und MTZ haben den M850i als Coupé getestet und mal geschaut, wie die Sportwagen-Konkurrenz so reagiert, wenn der 8er vorfährt.

Multimedia-Testbericht zum M850i:

Chapeau, BMW! – Der M850i im Test


Der Beitrag als Fließtext:

Wie bekommt man Mitarbeiter eines deutschen Premium-Sportwagenherstellers dazu, sich kollektiv umzudrehen? Indem man mit einem M850i Sportcoupé der Konkurrenz im röhrenden Fahrmodus Sport+ auf den Parkplatz zu einer ihrer Veranstaltungen fährt! 

Wenn sich Experten für schnelle und auch laute Autos einem so zuwenden und interessiert begutachten, was da auf den Hof rollt, scheint BMW einiges richtig gemacht zu haben. Es geht um den neuen 8er. In "Sunset Orange" rollt er als M850i xDrive Coupé zum Parkplatz. Tief, flach, breit und beeindruckend sind die Attribute des ersten Impulses. Die M-Sportpaket-Front versprüht mit den breiten Nieren, langgezogenen LED-Scheinwerfern und den fast schon dezent wirkenden Lufteinlässen des unterhalb des Kennzeichenträgers dennoch eine beinahe bedächtig anmutende Sportlichkeit – Aggressivität sieht anders aus, dominante Eleganz ist der passendere Ausdruck.

Die Coupé-Form und auslaufende Linienführungen von Luftauslässen hinter den Radkästen über die Türen zum hinteren Kotflügel und bis auf die Kofferraumklappe lassen den 8er wiederum vor allem sehr elegant wirken. Neben einem (optionalen) Dach aus Kohlefaserverbundwerkstoff bietet das Spektakulärste an der Optik das Heck: Eine Spoilerapplikation auf geformtem Kofferraumblech bildet nicht den Abschluss sondern den Beginn eines massiven, breiten Hinterns des 8er. Vor allem die großen Heckleuchten und die beiden kantigen, trapezförmigen Auslässe der Klappenabgasanlage lassen das sportlichste Oberklassenfahrzeug der Münchner so massiv-luxuriös und doch rennsportlich wirken.

4851 mm ist das Coupé lang, 1902 mm breit (inkl. Spiegel: 2137 mm) und 1346 mm hoch. Der Radstand beträgt 2822 mm. 1965 Kilogramm Leergewicht bringt das M850i xDrive Coupé auf die Straße. Und wir dürfen den Bayer einmal ausgiebig testen – natürlich hauptsächlich vor und nach der Konkurrenzveranstaltung.

Motor + Antriebstechnik

München hat den altbekannten N63 V8-Biturbo im M850i xDrive Coupé platziert. Der 4,4 Liter große TwinPower-Turbo-Achtzylinder-Ottomotor liefert hier 390 kW (530 PS) bei 5500 bis 6000 Umdrehungen pro Minute und entwickelt ein maximales Drehmoment von 750 nm (bei 1800 bis 4600 U/min). Diese Kraft schießt das Zwei-Tonnen-Gefährt in realistischen 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das 8-Stufen-Automatikgetriebe von ZF, von BMW "Steptronic Sport" genannt, gibt den Vortrieb an das xDrive-Allradsystem. Das Zusammenspiel des Antriebsstrangs ist über die Farhmodi quasi perfekt reguliert. Wer "Comfort" wählt, bekommt eine gemütliche Abstimmung mit genügend Leistungsreserven, wer sich hocharbeitet bis hin zum "Sport+ Traction", bekommt pure Kraftentfaltung.

Bei 250 km/h ist allerdings sehr plötzlich Schluss mit der Kraft. Hier regelt BMW ab und lässt den Vmax-Tester quasi betrübt stehen. Denn aus der nicht enden wollenden Beschleunigung heraus ist dann auf einmal Schluss und auf freier Autobahn fühlt man sich, als ob man stehen bleibt. Es würde verwundern, wenn der M850i offen die 300 km/h nicht schaffen würde.

Wer aber 300+ fahren möchte, muss auf den M8 Competition ausweichen, der mit dem aufgeplusterten S63-Motor und 625 PS versehen ist. Dort gibt's optional das M Driver's Package und eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 305 km/h. Der 8er wird aktuell auch noch als 840i (R6-TwinPower-Otto mit 340 PS) und als R6-Diesel im 840d mit 320 PS angeboten.

Fahrwerk + Sicherheit

Natürlich bedient sich BMW bei einem Modell mit einem M in der Bezeichnung – auch wenn es ja gar kein "echtes" M-Modell ist wie der M8 Competition – des einen oder anderen Features aus dem Motorsport. Unser Testwagen hatte beispielsweise das adaptive M-Sportfahrwerk an Bord, das gemeinsam mit dem intelligenten Allradantrieb, dem M-Sportdifferenzial, der Allradlenkung als Teil der Integral-Aktivlenkung und der elektromechanischen Wankstabilisierung für ein immer perfektes Handling sorgt. Der Wagen lässt sich wie ein Streckensportler absolut präzise in jeder noch so kniffligen Kurve steuern. Besonderes in den sportlichen Fahrmodi scheinen manchmal gar die Grenzen der Physik zu verschwimmen, lässt sich der 8er mit aktivierten Helferlein doch einfach nicht aus der Ruhe bringen. Natürlich hat man zwei Tonnen Masse zu bewegen und sitzt nicht im Leichtbau-Supersportler. Aber relativ gesehen ist der M850i im Handling schon sehr nah dran am wahren Sportwagen. Daher will BMW den 8er auch eher als Konkurrenz zum 911er jenes anfänglich erwähnten Sportwagenherstellers verstehen als beispielsweise zu einem Panamera.

Die Lenkung auch an der Hinterachse sorgt übrigens neben einem sehr präzisen Handling bei zügigen Fahrten auch für einen kleinen Wendekreis und hervorragende Rangierbarkeit bei niedriger Geschwindigkeit.

Reichweite + Verbrauch

Bei dieser Größe, Masse und V8-Motorisierung ist klar, dass der Münchner nicht mit 7 Litern Super auf 100 Kilometern unterwegs ist. Er hat zwar sogar einen Eco-Fahrmodus, in dem er sich gemächlich bewegt und der Kraftstoffverbrauch sogar einstellig vor dem Komma sein kann und sich an den Herstellerangaben von 9,7 bis 9,8 Litern Super orientiert. Aber realistisch ist der BMW M850i mit einer gewissen minimalen Fahrspaßausbeute nicht unter elf bis zwölf Litern zu bewegen. Nach oben hin ist natürlich noch sehr viel Luft – bemüht man die 530 Pferde unter der Haube, schlucken sie ganz schnell deutlich mehr als 20 Liter pro 100 Kilometer und die 68 Liter aus dem Tank sind doch ziemlich flott leer.

Kosten + Nutzen

Günstig ist der 8er als Oberklasse-Fahrzeug selbstredend nicht. Der Startpreis des M850i liegt bei 125.700 Euro und damit etwa im Bereich des Einstiegspreises eines Porsche 911 Carrera 4S (450 PS). Die günstigste Basisvariante der Modellreihe gibt es im 840i Grand Coupé ab 91.500 Euro. Stattet man den M850i allein technisch voll aus, sind die 140.000 Euro schnell erreicht, ohne individuelle Anpassungen bei Sitz- und Farbwahl, etc.

Als 2+2-Sitzer-Coupé ist er nicht sonderlich für Langstrecken-Transport von mehr als zwei Personen geeignet. In den Fond müssen sich Passagiere hineinwinden und haben nicht gerade üppig Platz. Der Kofferraum ist mit 420 Litern Volumen aber recht passabel, von außen vermutet man weniger Platz fürs Gepäck oder für Einkäufe.

Der 8er ist außerdem ein Gesellschaftsinstrument erster Güte: Mit diesem Fahrzeug ist man selten allein, Passanten kommen gerne näher und schauen sich das sportliche Geschoss aus der Nähe an und wollen viel übers Auto wissen. Aber das kennt man von besonderen BMW-Modellen ja zu gut, wie beispielsweise vom i8.

Kritik + Fazit

Ach... Was sollen wir an diesem Fahrzeug denn überhaupt kritisieren? Dass es als Coupé hinten vielleicht ein wenig Eng ist für zwei großgewachsene Mitreisende? Dafür gibt es ja ein Grand Coupé mit vier Türen und mehr Platz. Dass er in Zeiten von Klimadiskussionen kein Spritspartalent ist? Also bitte! Wir fahren ein luxuriöses Sportcoupe mit viel Leistung – das ist ein Auto zum Spaßhaben und keins, um sich möglichst Grün zu geben!

Nein, es wird schwierig, ehrliche Kritikpunkte am BMW M850i zu finden, die nicht durch das Gesamtbild schnell egalisiert werden. Am ehesten stört bei diesem Fahrzeug tatsächlich die bei 250 km/h abgeregelte Höchstgeschwindigkeit mit dem Abrupten "Nichts mehr".

Eins sei erwähnt, denn das verwundert am Konzept insgesamt: Einerseits bekundet BMW eine strikte Elektrifizierung und hat über den i8 schon vor mehreren Jahren gezeigt, wie das Konzept Sportwagen mit Downsizing und Plug-In-Hybridisierung funktionieren kann. Andererseits bietet der neue Achter genau diese Technologie nicht, obwohl Unterstützung durch einen Elektromotor doch gerade im Segment der leistungsorientierten Fahrzeuge vom Spaßfaktor her sinnvoll erscheint. Was mit 130 PS mehr aus einem Elektromotor da möglich wäre! Der 8er scheint aber schlichtweg nicht für eine Hybridisierung gedacht und gemacht worden zu sein.

Wir haben es schon erwähnt: Der 8er soll auch in Konkurrenz zum 911er von Porsche stehen. Das schafft er nicht. Zu globig, zu gediegen-luxuriös ist er dafür. Trotzdem lässt der M850i die Endorphine sprudeln, beim Fahrer, den Mitfahrern und beim Betrachter von der Konkurrenz. Als sportliches Oberklasse-Coupé ist er insgesamt hervorragend umgesetzt. Chapeau, BMW!

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