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04.09.2020 | Sportwagen | Fahrbericht + Test | Onlineartikel

Der Lamborghini Huracán Spyder Evo im Sommer-Test

Autor:
Sven Eisenkrämer
4 Min. Lesedauer

Er ist der Kleine unter den Stieren und doch strotzt er nur so vor Kraft und Eleganz: Der Lamborghini Huracán Evo. Wir haben ihn in der Cabrio-Version im Rahmen unserer Sportwagen-Sommerserie getestet. 

Jetzt ist ein Italiener dran: Mit dem "Evo" hat Lamborghini seinen Huracán als Nachfolger des Gallardo auf die nächste Stufe gehoben. Im extrem aerodynamischen Design ist vor allem das Heck mit hoch-integrierten Endrohren deutlich aggressiver und schöner als noch vor dem Facelift beim LP580-2 oder LP610-4. Scherentüren fehlen – sie sind bei Lamborghini den V12-Modellen vorbehalten, der Huracán fährt "nur" mit einem V10. Innen ist vieles digital-modern-futuristisch aber auch funktional gehalten, ohne die Lamborghini-DNA aus dem Auge zu verlieren. Als Spyder haben Springer Professional, ATZ, MTZ und ATZelektronik den Extremsportler aus dem VW-Konzern getestet.

Gesamtfahrzeug:

Der Evo ist 4.520 mm lang, 1.933 mm Breit (ohne Spiegel) und mit 1.180 mm Höhe nicht nur gefühlt flach wie eine Flunder. Man sitzt erwartungsgemäß sehr tief und eng. Für allzu großgewachsene Menschen dürfte der geschlossene Huracán gar zu klein sein, vor allem auf dem Beifahrerplatz ist wenig Raum für lange Beine.

Das Chassis besteht aus einem Aluminium-CFK-Mix, die Außenhaut aus Aluminium und Verbundwerkstoffen. Das adaptive Fahrwerk mit magnetorheologischen Stoßdämpfern bietet eine herausragende Straßen- und Renntauglichkeit und je nach Belieben für einen solchen Boliden sehr guten Komfort oder auch sehr harte Rennstreckenlage mit direkten Rückmeldungen des Untergrunds und automatischer Anpassung an die Verhältnisse. In der integrierten Fahrzeugdynamik (LDVI) spielen Allradantrieb, Allradlenkung, Traktionskontrolle und Torque Vectoring mit diversen Sensoren zusammen und sorgen für stets perfektes Handling. Vor allem die Lenkung der Hinterachse ist intensiv und bringt enormen Kurvenspaß im 1.542 kg leichten Sportler.

Motor + Antrieb:

Hinter der Fahrerkabine hat der Evo einen 5.2-Liter-V10-Ottomotor mit dualer Einspritzung (Direkteinspritzsystem und Saugrohreinspritzung) verbaut, der 470 kW (knapp 640 PS) bei 8000/min liefert und seine 600 Nm maximalen Drehmoments über den Allradantrieb mit hydraulischer Lamellenkupplung auf die vier Räder verteilt. Aus dem Aggregat holt Lamborghini damit etwa 14 kW mehr Leistung als Audi aus seinem R8 (4S) V10 Performance 5.2 FSI, in dem der technisch identische Motor verbaut ist. In 9,3 Sekunden beschleunigt der Sportwagen – natürlich auf 200 km/h. Für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h sind es gerade einmal 3,1 Sekunden. Die gefühlte Wucht, die der Huracán auf die Straße bringt, wird durch den sehr kräftigen und lauten V10-Klang noch verstärkt. Der Vortrieb ist auch in Richtung der Spitzengeschwindigkeit von 325 km/h jederzeit gegeben. Der Huracán wird niemals müde. Was uns überrascht: Auf dem Infoschild am Tankdeckel steht groß und breit: E10 – Super Plus fordert der Stier gar nicht erst.

Elektronik + Connectivity:

Der Evo setzt auf eine volldigitale Darstellung der Fahrerinformation und der meisten Einstellungen, basierend auf dem Audi MMI und dem Audi Virtual Cockpit. Die Displays (8,4-Zoll-Multi-Touch in der Mittelkonsole, 12,4 Zoll hinter dem Lenkrad) sind hochauflösend, auch bei Tageslicht und Sonneneinstrahlung hell und gut ablesbar. Die Menüführung ist anders als im Audi-System, teils sogar intuitiver und nicht überfrachtet. Das Design der Nutzeroberfläche lehnt sich überall an die Hexagone der Lamborghini-Form an. Die gesamte Infotainmentlösung ist angenehm übersichtlich integriert. Navigation und andere Dienste sind internetverbunden. 

Der Huracán setzt im Zusammenspiel mit diversen Systemen der Fahrdynamik (Lamborghini Dinamica Veicolo Integrata) auf eine Trägheitsnavigation mit Beschleunigungs- und Gyroskopsensoren. Es soll anhand des Verhaltens des Fahrers, der äußeren Bedingungen und des Fahrmodus (Strada, Sport oder Corsa) in Sekundenbruchteilen Situationen vorausberechnen und die Komponenten des Fahrzeugs darauf einstellen. Im kurzen Testzeitraum konnten wir lediglich das herausragende Handling an sich bewerten, aber keine Rückschlüsse auf die prädiktiven Eigenschaften des LDVI ziehen.

Kritik + Fazit Lamborghini Huracán Spyder Evo

Pro:

  • Der Huracán Evo ist eins der emotionalsten Fahrzeuge auf dem Weltmarkt, als Spyder ist er noch schöner als geschlossen.
  • Seine Antriebs- und Handlingeigenschaften sind sensationell, bei jeden Bedingungen.
  • Die sichtbare Verarbeitung und verwendeten Materialien sind absolut makellos.

Contra: 

  • Der Huracán ist nicht für große Menschen geeignet.
  • Die hydraulische Front-Anhebung zum Bewältigen von kleineren Hindernissen hatte in unserem Test zwei Aussetzer und ließ sich erst nach komplettem Neustart wieder aktivieren.
  • Wir haben keine Möglichkeit gefunden, den Huracán gemäßigt anzulassen, der V10 dröhnt beim Start obligatorisch mit offenen Klappen und voller Lautstärke.

Preis:

Der Huracán Spyder Evo beginnt bei 202.437 Euro Bruttolistenpreis. Aufpreispflichtige Optionen finden sich vor allem im Design, technisch ist der Huracán als Basismodell bereits weitgehend komplett.


In dieser losen Sommerserie berichten die Redaktionen von springerprofessional.de, ATZ – Automobiltechnische Zeitschrift, MTZ – Motortechnische Zeitschrift und ATZelektronik über Tests von Sportwagen diverser Hersteller. Diese und alle weitere Fahrzeugtests finden Sie in unserer Kategorie Fahrbericht + Test

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