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14.07.2020 | Sportwagen | Fahrbericht + Test | Onlineartikel

Komfortabler McLaren GT mit 456 kW und Rennstrecken-Genen

Autor:
Sven Eisenkrämer
4 Min. Lesedauer

Rennsport für die Langstrecke? Mit dem McLaren GT haben die Briten einen angeblich sehr alltagstauglichen Sportwagen auf die Straße gestellt. Wir haben ihn getestet. Teil eins der Sportwagen-Sommerserie.

Bei Sport- und Supersportwagen von McLaren ist in der Regel alles auf Track-Performance ausgerichtet. Mit dem McLaren GT geht die Marke nun weg vom Rennstreckenfahrzeug und quasi auf Kuschelkurs mit luxusverliebten Langstreckenliebhabern, die aber bloß nichts von Understatement halten. springerprofessional.de, ATZ und MTZ haben den Grand Tourer aus England für eine Sportwagen-Sommerserie getestet. 

Gesamtfahrzeug:

Wer mit dem McLaren GT unterwegs ist, der sitzt nicht nur in einem CFK-Monocoque, sondern dem ist auch äußerlich Aufmerksamkeit garantiert. McLaren-typische Linien machen den Sportler sehr breit, lassen ihn noch flacher wirken, als er sowieso schon ist. Im Vergleich zu den bisherigen Sportwagen des Hauses wie 4.683 Millimeter Länge und 2.095 Millimeter Breite massiver. Gediegener ist die Erscheinung durch die etwas weniger aggressiv gestaltete Front und das schon fast zurückhaltende Heck. Und dennoch ist dieser Grand Tourer sofort und ohne Zweifel als echter McLaren zu erkennen. Große Lufteinlässe und der in die Karosserie integrierte feste Flügel sind Design-Highlights. Die Scherentüren machen den GT im Stand noch interessanter. Im Inneren ergänzen die sehr komfortablen Sportsitze eine extravagante Ausstattung voller Leder. Selbst die Golftasche passt ins Heck über den vollverkleideten, nicht einsehbaren Motor.  

Für einen einstellbaren Mix aus Komfort und Sportlichkeit ist ein adaptives Fahrwerk mit einer proaktiven Dämpfungskontrolle vorhanden, das über Sensoren die Federung an die Straßenverhältnisse anpasst. Das macht den GT vor allem im Komfort-Modus sehr angenehm-leicht auch auf langen Strecken zu fahren. Im Sport- und vor allem im Track-Modus wird er aber zum Biest mit einer extrem präzisen, sportlichen Lenkung. 

Motor + Antrieb:

Im McLaren GT kommt der doppelt turboaufgeladene 4.0-l-V8-Motor M840TE von Ricardo zum Einsatz, eine Variante des M840T aus dem McLaren 720S. Im GT liefert der Antrieb 456 Kilowatt (620 PS) bei 7500 Umdrehungen pro Minute. Von den maximal 630 Newtonmeter Drehmoment (5500-6500/min) stehen mindestens 95 Prozent stets zwischen 3000 und 7250 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung und sorgen nach einem spannenden Turboloch für eine plötzliche Kraftentfaltung und brachiale Beschleunigung. Eine 7-Gang Seamless-Shift-Gearbox, ein zugkraftunterbrechungsfrei schaltendes Schnellschaltgetriebe (SSG), ermöglicht eine lineare Beschleunigung: Die Schaltvorgänge des Doppelkupplungsgetriebes im GT sind zu hören, aber faktisch nicht zu spüren. In echten 3,2 Sekunden ist der dank Carbon-Zelle nur 1530 Kilogramm schwere Brite bei 100 km/h, Schluss ist erst bei 326 km/h. Der Antriebsstrang lässt sich unabhängig vom Fahrwerk auch in die Modi Comfort, Sport oder Track schalten. 

Elektronik + Connectivity:

Zweifelsohne ist dieses Fahrzeug das luxuriöseste Gefährt des Sportwagenherstellers aus Woking in England, daher darf eine modere Infotainment-Lösung und volldigitale Anzeigen nicht fehlen. Modern ist hier allerdings Auslegungssache. Während das Kombiinstrument sich zumindest bedingt individualisieren lässt und eine gute Übersicht bietet, erinnert der Rest des Systems über das relativ kleine und nicht sehr hochaufgelöste Touch-Display in der hochgezogenen Mittelkonsole eher an bis zu zehn Jahre alte Lösungen aus dem Premium-Massensegment anderer Hersteller. Innovativ ist es im GT nicht, auch die Connectivity ist nicht auf dem Stand der Technik. An Assistenzssystemen spart McLaren und beruft sich eher auf seine Rennsport-Gene, selbst Standards wie eine ordentliche Smartphone-Integration oder größere Online-Funktionen sind nicht vorhanden. Neben den elektronischen Regelungen für Antrieb und Fahrwerk fehlt in diesem Fahrzeug der technische Aha-Effekt. 

Kritik + Fazit McLaren GT:

Pro: 

  • Der McLaren GT ist ein scharfer Sportwagen und zugleich enorm komfortabel auch auf langen Strecken zu bewegen.
  • Das herausragende Handling des Hecktrieblers ermöglicht höchst agile Manöver und hohe Kurvengeschwindigkeiten mit einem enormen Grip auf der Straße.
  • Extrovertierte Eleganz: Der GT ist ein absoluter Hingucker, mit dem man sich gern sehen lässt.

Contra: 

  • Der GT wirkt nicht auf dem Stand der Technik. Von einem modernen hochluxuriösen Sportwagen hätten wir auch die eine oder andere Innovation erwartet. 
  • Die Verarbeitung lässt beim genauen Hinsehen zu Wünschen übrig: Ungleiche Spaltmaße, halb-lockere Verkleidungsteile nicht in Flucht und sichtbare Falten und Umschlagsnähte am Leder sind einer Luxus-Karosse nicht würdig.
  • Die McLaren-typische Bremse (gefühlt ohne Bremskraftverstärker, fordert hohen Kraftaufwand) passt nicht zu einem komfortablen GT.

Preis:
Der Grundpreis des McLaren GT liegt bei 198.000 Euro. Mit einigen Extras wie bei unserem Testwagen landet man schnell bei über 250.000 Euro Gesamtpreis.



In dieser losen Sommerserie berichten die Redaktionen von springerprofessional.de, ATZ – Automobiltechnische Zeitschrift, MTZ – Motortechnische Zeitschrift und ATZelektronik über Tests von Sportwagen diverser Hersteller. Diese und alle weitere Fahrzeugtests finden Sie in unserer Kategorie Fahrbericht + Test

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Quelle:
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