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Über dieses Buch

Anhand der politischen Rhetorik untersucht Anne-Kerstin Tschammer die symbolisch-repräsentative Arbeit an der deutschen Einheit in der Zeit der friedlichen Revolution, des Mauerfalls und der Wiedervereinigung. Es ist die erste wissenschaftliche Studie, die sich diesem Aspekt widmet und die Rhetorik dieses für die politische Gegenwart so bedeutsamen Zeitraumes umfassend behandelt. Damit geht die Autorin an den Ursprung noch heute bestehender ost- und westdeutscher Identitäten sowie der gesamtdeutschen Integration und ergänzt die Literatur zu den formalen Aspekten der Wiedervereinigung um die Analyse der politischen Ansprache der Menschen. Es zeigt sich, dass die Wiedervereinigung ein großer rhetorischer Erfolg war. Doch offenbarten sich in der Rhetorik auch ihre Mängel. So war die Sprache der Einheit nicht zuletzt auch eine Sprache der Differenz.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
„Die deutsche Einheit war voller Merkwürdigkeiten“, urteilte Andreas Rödder (2009: 12) in seiner Gesamtdarstellung der Wiedervereinigung. Dass die DDR unterging, kaum dass ihr die jahrzehntelang geforderte Anerkennung durch die BRD und damit Legitimität und Souveränität zuteilgeworden war, dass sie, die sich „Ewigkeitswert zumaß“ (Jesse 1992: 114), dem Provisorium Bundesrepublik beitrat und auch dass die Wiedervereinigung trotz massiver internationaler Vorbehalte durchgesetzt wurde, mutet noch heute merkwürdig an (vgl. ebd.: 114-116; Rödder 2009: 36-37, 45-49), zumal die deutsche Einheit nicht so recht dem Zeitgeist entsprechen wollte. Sie schien nicht nur der im Rahmen der europäischen Integration und Globalisierung vollzogenen Distanzierung von der Idee des Nationalstaates zu widersprechen, sondern auch den Erwartungen der westdeutschen Bevölkerung, die kaum noch an die Wiedervereinigung geglaubt hatte.
Anne-Kerstin Tschammer

Kapitel 2. Theorie und Methodik

Zusammenfassung
Die Diskussion um ein neues Selbstverständnis des vereinten Deutschlands fand vor dem Hintergrund eines umfassenden gesellschaftlichen Wandels statt, der das Erreichen eines solchen Selbstverständnisses in Zweifel zog und es zugleich verlangte. Während in Westdeutschland noch vor der Wende die Integrationsfrage aufgrund eines regelmäßigen wirtschaftlichen Wachstums, weitreichender sozialstaatlicher Sicherung und korporativer Übereinkünfte zwischen Interessengruppen weitgehend gelöst schien (vgl. Heitmeyer 1997a; Herzog 1971: 9), zeigten sich nun Tendenzen der Globalisierung und des Bedeutungsverlusts von Nationalstaaten, der Individualisierung und Auflösung von traditionellen Bindungen sowie der Pluralisierung und des Schwindens von Ressourcen der gesellschaftlichen Kohäsion (vgl. Berger/Luckmann 1995; Weidenfeld 1997; Winkel 1999; Heitmeyer 2004a; Linden 2006: 21-45). Anstelle nationaler Identität stand transnationale Integration auf der Tagesordnung.
Anne-Kerstin Tschammer

Kapitel 3. Analyse

Zusammenfassung
In der Einleitung wurde die zentrale These formuliert, dass sich die politischen Akteure vor dem Hintergrund der Ausnahmesituation der Wiedervereinigung dem besonderen Bedarf an symbolischer Repräsentation in ihrer integrationsstiftenden Funktion nicht verweigern konnten. Im Folgenden sollen nun die Identitäts- und Repräsentationsformulierungen in den im Methodenteil definierten Reden über die dort formulierte Methode rekonstruiert werden. Dabei stehen die Fragen im Mittelpunkt, welche Gemeinsamkeiten und Konfliktlinien, Selbstbilder, Legitimationen und Identifikationsangebote im Rahmen der rhetorischen Repräsentation sichtbar und erfahrbar gemacht wurden, wie politische Realität strukturiert, wie Sinn vermittelt, welche Vorstellungen demokratischer Repräsentation aktiviert und wie Repräsentationsverhältnisse hergestellt wurden.
Anne-Kerstin Tschammer

Kapitel 4. Fazit

Zusammenfassung
Einleitend wurden die zentralen Forschungsfragen gestellt, wie die Wiedervereinigung legitimiert und rhetorisch durchgesetzt wurde, wie das wiedervereinte Deutschland – insbesondere auch im Verhältnis zu seiner Vergangenheit – identifiziert und wie ein gemeinsames Verständnis über die Bedeutung der Ereignisse geschaffen wurde, welche Gemeinsamkeiten, Konfliktlinien, Selbstbilder und Identifikationsangebote als Basis der neuen nationalen Identität formuliert wurden, welche Vorstellungen demokratischer Repräsentation aktiviert und wie Repräsentationsverhältnisse hergestellt wurden, wie insbesondere die westdeutschen Politiker zu Repräsentanten der ostdeutschen Bevölkerung werden konnten und schließlich wie beide Seiten, Ost wie West, eingebunden wurden und ob und wie bereits abgrenzende Identitäten markiert wurden. Es stellte sich die Frage, wie der Topos von der inneren Einheit aufkam und die zuvor jahrzehntelang vorausgesetzte nationale Einheit ablösen konnte. Zusätzlich wurde die Frage aufgeworfen, ob das Repräsentationsdefizit durch die ausbleibende Verfassunggebung anderweitig ausgeglichen wurde.
Anne-Kerstin Tschammer

Backmatter

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