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Über dieses Buch

Dieser Sammelband widmet sich dem komplexen Zusammenhang zwischen Sprachhandeln und Fachunterricht aus interdisziplinärer Perspektive: Er bringt fachdidaktische sowie bildungs-, sprach- und kulturwissenschaftliche Ansätze miteinander in den Dialog, fragt nach Voraussetzungen und Effekten von sprachlicher Interaktion in Lehr- und Lernprozessen und identifiziert so unterschiedliche Dimensionen von Sprachsensibilität als Chance und Herausforderung im schulischen Kontext. Er beleuchtet zudem die nicht selten impliziten sprachlichen Anforderungen des Fachunterrichts sowie deren normative Referenzen und spricht sich für eine stärkere Berücksichtigung der Sprachlichkeit von Fachunterricht in der Lehrkräftebildung aus.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Umgang mit Mehrsprachigkeit und sprachsensibler Unterricht aus pädagogischer Sicht: Ein einführender Überblick

Zusammenfassung
Wie ist mit Mehrsprachigkeit im Unterricht umzugehen? Was ist und was bedeutet eigentlich sprachsensibler Unterricht? Diese Fragen sind zu Gegenständen teils kontroverser Diskussionen avanciert. Der vorliegende Beitrag führt in das Thema ein und skizziert Anforderungen an unterrichtliches Handeln. Bildungsund sprachwissenschaftliche Befunde belegen die Aktualität und Relevanz einer verstärkten Förderung unterrichtssprachlicher Kompetenzen (Kapitel 2).
Vera Busse

Komposita als Herausforderung in Schulbuchtexten?

Zusammenfassung
Als Sprecherinnen und Sprecher des Deutschen sind wir permanent mit Komposita konfrontiert – wir können uns kaum einen Text ohne Komposita vorstellen (s. Abschnitt 2), und zwar sowohl altbekannte und lexikalisierte wie Bundeskanzlerin, Bildungsminister als auch neue wie beispielsweise Jamaikaverhandlungen, Klimaziel, Migrationspolitik, CSU-Bedingung (im Oktober 2017). Um diese Wörter zu verstehen, bedarf es sowohl einer Menge Weltwissen und Kontextwissen (für Jamaikaverhandlungen reicht es hier nicht, Jamaika als ein Land zu identifizieren, s. Abschnitt 2.1) als auch Wissen um sprachliche Strukturen, denn Jamaikaverhandlungen sind eine spezielle Art der Verhandlungen (s. Abschnitt 1.2).
Nanna Fuhrhop, Sarah Olthoff

Textuelles Parsen kohäsiver Strukturen im sprachsensiblen Literaturunterricht

Zusammenfassung
„Für einen optimalen Leseprozess müssen die Lesekompetenz von Lesenden und Text optimal aufeinander abgestimmt sein“ (Bredel und Maaß 2016, S. 138). Das gilt für kompetente Leser/innen wie für Leser/innen auf dem Weg dorthin. Dass es im Unterricht auf eine optimale ‚Passung‘ zwischen Lerngegenstand und Lernvoraussetzungen ankommt, dürfte ebenso konsensfähig sein - und das nicht erst seit der Fokussierung heterogener, integrativer und inklusiver Lernklassen, die die Entwicklung entsprechender differenzierender Lernangebote nach sich zog.
Birgit Mesch

Von Paketen, Klötzchen und Wolken – Auf der Suche nach geeigneten Sprachbildern für den Informatikunterricht

Zusammenfassung
Kinder und Jugendliche nutzen digitale Medien tagtäglich (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2016), doch im internationalen Vergleich steht es schlecht um die Computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von deutschen Schüler/innen (Bos et al. 2014). Zahlreiche fachdidaktische Untersuchungen befassen sich wissenschaftlich mit auftretenden Fehlvorstellungen von Lernenden. Während ein besonders ausführlich untersuchtes Gebiet dabei Untersuchungen zu Schüler/innenvorstellungen zum Aufbau und zur Funktionsweise des Internets betrifft (bspw. Diethelm und Zumbrägel 2010, Dinet und Kitajima 2011, Seifert et al. 2013), sind fachsprachliche Untersuchungen zu diesen Zusammenhängen bislang rar.
Arne Saathoff, Nils Pancratz, Ira Diethelm

Sprachsensibel unterrichten in den Naturwissenschaften – Kontextorientierung als Lernhilfe oder zusätzliche Barriere?

Zusammenfassung
Der naturwissenschaftliche Unterricht, insbesondere die ‚harten‘ Naturwissenschaften Physik und Chemie, gelten bei Schüler/innen häufig als besonders anspruchsvoll. Daher fällt es teilweise schwer, genügend Lernende für diese eher unbeliebten Fächer zu begeistern und damit dem Fachkräftemangel im MINT-Bereich zu verringern. Dies trifft in ganz besonderem Maße auf die Mädchen zu, die diesen Bereich wegen seiner Konnotation als männliche Domäne meiden (siehe dazu Jahnke-Klein 2010, 2014; Fruböse 2010; Herwartz-Emden, Schurt und Waburg 2012; Merzyn 2008).
Sylvia Jahnke-Klein, Vera Busse

Handlungsorientierter Technikunterricht als Zugang zum Spracherwerb

Zusammenfassung
Laut aktuellem Migrationsbericht des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat die Zuwanderung nach Deutschland in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich zugenommen (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2016, S. 9). Neben verschiedenen Zuwanderer/innengruppen wie EU-Binnenmigrierenden, Erwerbsmigrierenden und Spätaussiedelnden ist seit 2008 ein deutlicher Anstieg von Menschen zu verzeichnen, die einen Antrag auf Asyl gestellt haben (genaue Zahlen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2016, S. 52ff.).
Marietta Campbell, Katharina Dutz, Jan Landherr, Sarah Olthoff

Mathematische Modellierung und Sprachkompetenz

Zusammenfassung
Seit einiger Zeit ist bekannt, dass die Mathematikleistung der Schüler/innen in Deutschland stärker von ihrer Herkunft abhängt, als dies in anderen Ländern der Fall ist. In Studien zu genaueren Zusammenhängen konnte nachgewiesen werden, dass die Mathematikleistung mit dem sozioökonomischen Status, mit dem Migrationshintergrund sowie mit der Mehrsprachigkeit korreliert. Der größte Zusammenhang zeigte sich jedoch mit der Sprachkompetenz (vgl. Prediger et al. 2015). Sprache ist auch im Mathematikunterricht zentral als Lernmedium (Erklärungen, Argumente, Beschreibungen), als Ausdrucksmittel und zur Entwicklung kognitiver Funktionen.
Birte J. Specht, Lena Tokarski

Transkriptanalyse einer Informatik-Unterrichtsstunde

Zusammenfassung
Informatik spielt im Alltag eine große Rolle. Vielerorts wird die digitale Revolution ausgerufen, das Digitale ist aus der Lebenswelt nicht mehr wegzudenken. Um sich in einer digitalisierten Welt zurechtzufinden, wird der Ruf nach digitaler Kompetenz, der sogenannten Digital Literacy, immer größer.
Timo Lampe, Ira Diethelm

Sprachsensibles Handeln im Physikunterricht

Zusammenfassung
Der Gedanke des sprachsensiblen Lernens und Lehrens im Physikunterricht ist vor dem Hintergrund der großen Unbeliebtheit des Faches bei Schüler/innen (Muckenfuß 2006, S. 76; Körber Stiftung 2017) und angesichts der Forderungen nach Inklusion und Integration herausfordernder denn je. Schüler/innen mit oft sehr unterschiedlichen Voraussetzungen lernen im selben Unterricht, der durch eine physikspezifische Fachsprache gekennzeichnet ist. Gerade im Physikunterricht ist die Fachsprache im Vergleich zur Alltagssprache in ihrer Konstruktion deutlich schwieriger als in anderen Schulfächern (Leisen 2011). Sprachsensibel müssen (angehende) Physiklehrkräfte also nicht nur hinsichtlich verschiedener Muttersprachen ihrer Schüler/innen sein, sondern auch hinsichtlich dessen, wie ihre Schüler/innen Alltags-, Bildungs- und Fachsprache nutzen oder eben auch nicht (ebd.).
Janine Freckmann, Michael Komoreck

„Ja, das ist auch so ein Begriff“ Zum Potenzial von Scaffolding als Unterstützungsstrategie zur Begriffsbildung im Geschichtsunterricht

Zusammenfassung
Die Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Geschichte sowie alle damit verbundenen Operationen historischen Denkens finden mittels und in Sprache statt (vgl. Handro 2013, S. 325; Rüsen 1986, S. 120; Rüsen 1989, S. 93ff.; Rüsen 1983, S. 28). Im Geschichtsunterricht ist Sprache daher nicht nur Lerngegenstand und Lernstruktur, sondern vor allem auch Lernvoraussetzung (Handro 2013, S. 329). Sprachliches Lernen muss im Sinne einer „durchgängigen Sprachbildung“ (Gogolin et al. 2011) also auch im Fach Geschichte ein wesentlicher Bestandteil des regulären Unterrichts sein.
Sinje Eichner, Max-Simon Kaestner, Dietmar von Reeken

„Darf man nicht machen. Ist ein Foul“ Eine rekonstruktive Fallstudie zur moralischen Kommunikation und Subjektivierung im Sportunterricht

Zusammenfassung
Sprachsensibilität war in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht nur für außenstehende Beobachter/innen kein zentrales Thema der Sportdidaktik. Das lag u. a. daran, dass die Sportdidaktik in ihren dominanten Fachdiskursen nicht die Sprache, sondern vielmehr die Bewegung und den Körper als fachlich genuine Medien der Weltbegegnung fokussierte und dabei „den nicht-verbalen konstitutiven Bedingungen der Erfahrungsmodi“ (Franke 2018, S. 255) körperlicher Tätigkeit ihre besondere Aufmerksamkeit schenkte (Laging 2018).
Matthias Schierz, Esther Serwe-Pandrick

„Język Şekillendirmek“ Entzug von Sprachverstehen als Potential von Kunstunterricht

Zusammenfassung
Angesichts von Kunst kann es passieren, dass die Sprache versagt. Versagt die Sprache, dann zieht das sehr unterschiedliche Reaktionsmuster nach sich.
Rahel Puffert, Juliane Heise

Sprechen und Erfahrung – Der Patient ‘Sprache’ Stichworte zur digitalen (Un-)Kultur unserer Zeit

Zusammenfassung
Das menschliche Weltverhältnis ist sprachlich verfasst, geht aber nicht in dieser Verfasstheit auf. Denn unser Sprechen über die Welt ist nur ein Aspekt unseres Lebens in der Welt. Gleichwohl ist die Kommunikation wohl das wichtigste Bindeglied des menschlichen Miteinanders (Jaspers 1948; Habermas 1981), weil Worte nicht nur gesprochen und gehört, sondern auch geschrieben, gespeichert und sowohl analog wie digital transportiert werden können. Aufgrund dieses öffentlichen Charakters des Wortgebrauchs wird allzu leicht vergessen, dass ein angemessenes Verständnis dieses Wortgebrauchs an bestimmte Kontexte gebunden ist, die einen je eigenen sozialen, kulturellen und geschichtlichen Charakter haben.
Reinhard Schulz
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