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2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

12.  Artensterben und Biodiversität

verfasst von: Dr. Thomas Unnerstall

Erschienen in: Faktencheck Nachhaltigkeit

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Zusammenfassung

Diese oder eine ähnliche Schlagzeile haben Sie bestimmt in den letzten Jahren einmal gehört oder gelesen. Artensterben/Biodiversität zählt neben Klimawandel, Ressourcenverbrauch der Menschheit, Verlust der Regenwälder und evtl. noch Plastikmüll in den Meeren zu den prominentesten und präsentesten ökologischen Themen der Gegenwart.
Fußnoten
1
Die fünf großen Massenaussterben werden datiert auf 444 Mio. Jahre, 372 Mio. Jahre, 252 Mio. Jahre, 201 Mio. Jahre und 66 Mio. Jahre vor unserer Zeitrechnung. Die genauen Ursachen dieser Ereignisse sind wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt.
 
2
Die IUCN (= International Union for Conservation of Nature) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation (und zugleich Dachverband zahlreicher internationaler Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen) mit Sitz in der Schweiz.
 
3
Ein prominentes Beispiel ist der Victoria-See in Afrika. Hier sind etwa 50 der nur dort vorkommenden rund 250 Fischarten ausgestorben im Zuge der Einführung des Nilbarsches durch den Menschen, dessen Nahrungskonkurrenz sie nicht gewachsen waren.
 
4
Definitiv ausgestorben laut IUCN-Liste sind seit 1990: 4 Säugetierarten, 8 Vogelarten, 4 Fischarten, 1 Reptilienart und 1 Amphibienart. Bei den Säugetieren handelt es sich um zwei Nagetierarten und eine Fledermaus auf kleinen Inseln im indischen Ozean sowie um den chinesischen Flussdelfin.
 
5
Erwähnen muss man in diesem Zusammenhang, dass von den 34.000 beschriebenen Fischarten nur gut die Hälfte überhaupt bzgl. ihrer Gefährdung eingestuft sind; bei der anderen Hälfte liegen nicht genügend Daten für eine Beurteilung der Gefährdungssituation vor. Daher wird die Zahl der gefährdeten/extrem gefährdeten Arten oft (und in der Abb. 12.2) nur auf die eingestuften Arten bezogen; dann kommen insgesamt etwa 3 % aller (Wirbeltier-)Arten als extrem gefährdet und 6 % als gefährdet heraus. Mit der oft zu lesenden Aussage „x Prozent aller Tiere sind gefährdet“ unterstellt man dann aber, dass unter den nicht eingestuften, weniger bekannten Arten ebenso viele gefährdet sind wie unter den eingestuften Arten. Das ist, jedenfalls streng wissenschaftlich, kaum zulässig.
 
6
Weitere 3000 Arten sind als verletzlich eingestuft.
 
7
Dies ist eine Netto-Betrachtung: De facto sind 130 Arten in diese Kategorien aufgenommen, aber 30 Arten auch wieder herausgenommen worden, weil sich ihre Situation verbessert hat.
 
8
Wir nehmen bei Nordamerika die Pazifik-Inseln von Hawaii und bei Europa die Kanarischen Inseln heraus, weil es sich jeweils um isolierte, weit von den Kontinenten entfernte Inselgruppen handelt, die eine Sonderrolle spielen. So sind zum Beispiel von ursprünglich 70 Vogelarten auf Hawaii (die nur dort vorkommen) mittlerweile 23 ausgestorben und die meisten anderen Arten gelten als gefährdet.
 
9
Ein bis drei Fischarten, deren Aussterbezeitpunkte man nicht genau bestimmen kann, könnten auch nach 1990 ausgestorben sein.
 
10
Weitere 6 % gelten als verletzlich gegenüber 7,5 % im Weltmaßstab.
 
11
Dasselbe gilt in noch viel extremerem Maße für Insekten. Forscher gehen davon aus, dass es Insektenarten gibt, die nur auf einem einzigen Baum(!) im Regenwald vorkommen.
 
12
Selbst bei den Amphibien sind es mehr als 5000 Jahre.
 
13
Urban (2015).
 
14
Auch hier liegt die Schlussfolgerung nahe, dass das größte Risiko für die Biodiversität in diesem Jahrhundert der Klimawandel ist.
 
15
FAO (2018).
 
16
Dieser Trend wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch verstärken: So wie heute die Fleischproduktion nicht mehr über die Jagd in der Wildnis, sondern über Nutztierhaltung erfolgt, liegt die Zukunft der Fischversorgung eher in Aquakulturen als im Fischfang in den Meeren.
 
Metadaten
Titel
Artensterben und Biodiversität
verfasst von
Dr. Thomas Unnerstall
Copyright-Jahr
2021
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-62601-6_12