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2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

13. Fachkräftemangel in der Pflege? Beschreibungsansätze aus der Perspektive der Alternativen Wirtschaftstheorie (AWT)

verfasst von: Marianna Hanke-Ebersoll

Erschienen in: Innovationen im Gesundheitswesen

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

Um das Thema Fachkräftemangel zu untersuchen, bedarf es zunächst einer „sauberen“ Analyse und Definition des Problems: Was konkret wird als Mangel definiert und von welchen Einflussfaktoren ist er abhängig? Viele Untersuchungen scheinen zu eng gefasst, um die Komplexität der Zusammenhänge, im Pflegebereich und ihre Einbettung in das gesamte Gesellschaftssystem zu berücksichtigen. In Abschn. 13.2 wird daher ein Ansatz für eine formale Fassung vorgeschlagen. Dieser Formalismus hilft nicht nur, die verschiedenen Faktoren und ihre Zusammenhänge klar zu adressieren, sondern er bildet die notwendige Grundlage für ein eindeutiges Verständnis der Untersuchung mit einer Klarheit und Genauigkeit, welche die gewöhnliche Alltagssprache oft nicht leisten kann.
Durch die Verknüpfung mit der makroökonomischen Systemtheorie AWT kann in Abschn. 13.4 die Komplexität der sich gegenseitig bedingenden Faktoren skizziert werden. Es wird deutlich, dass die AWT in der Lage ist, die verschiedenen Facetten des Pflegesystems zu beschreiben. Insbesondere die Beschreibung des Angebots und der Nachfrage nach pflegerischen Tätigkeiten lassen sich über diesen Weg nahtlos in die AWT-Größen integrieren, bzw. sind dort sogar bereits enthalten. Zudem zeigt sich die Einbettung des Themas in das gesamtwirtschaftliche System und es werden Zusammenhänge sichtbar, welche bei einem reinen Fokus auf Pflege sonst leicht aus dem Blick verloren gehen. Es wird deutlich, dass kaum monokausale Zusammenhänge vorliegen und der Untersuchung des Themas Fachkräftemangel sowie der Lösungsfindung wenig geholfen ist, wenn es getrennt von seinem Geflecht an Verknüpfung betrachtet wird. Mit Hilfe systematischer Ansätze wie der AWT kann dieser Nachteil entscheidend abgemildert werden.
Fußnoten
1
Als private Mittel ist hier jenes Geld zu verstehen, dass nicht aus der gesetzlichen Pflegeversicherung fließt, beispielhaft kann hier privates Vermögen oder eine Pflegzusatzversicherung genannt werden.
 
2
Für eine Übersicht der unterschiedlichen Leistungskategorien wie beispielsweise Pflegegeld, Kombinationspflege, Sachleistungen, Kurzzeitpflege, niedrigschwellige Betreuungsangebote usw. empfiehlt sich das SGB XI ab § 36ff.
 
3
Die Frage der Ausgestaltung als Teil- oder Vollversicherung bleibt hiervon vollkommen unberührt.
 
4
Die Bezeichnung von mehrdimensionalen Größen (z. B. Vektoren und Matrizen) erfolgt im Rahmen der AWT oft mit Sütterlinbuchstaben. Im Interesse der besseren Lesbarkeit und internationalen Verständlichkeit werden mehrdimensionale Größen in dieser Veröffentlichung fett und kursiv gedruckt.
 
5
Die Nutzung eines Jahreszeitraums ist nicht zwingend und wurde hier gewählt, weil dies in makroökonomischen Betrachtungen nicht unüblich ist.
 
6
Eines dieser Qualifikationsniveaus könnte auch „keine“ Qualifikation sein oder „Laienqualifikation“. Ein analoges Vorgehen wäre auch für den Preisvektor möglich. Falls sich also je nach Qualifikationsart für ein und dieselbe Interventionsart i unterschiedliche Preise ergeben, könnte dies in einer solchen Aufspaltung berücksichtigt werden.
 
7
So beschreiben beispielsweise Rothgang et al. den Pflegenotstand als Schwierigkeit, vorhandene Stellen zu besetzen (vgl. Rothgang et al. 2020, S. 149 f.).
 
8
Zur besseren Nachvollziehbarkeit wird das obige Beispiel mit lediglich drei unterschiedlichen Qualifikationen fortgesetzt.
 
9
Die Anzahl der Dienste spielt für die Frage eines Fachkräftemangels nur indirekt eine Rolle, da sie rein organisatorische Konstrukte sind, welche klein oder groß sein können.
 
10
Die Tatsache, dass es ca. 8,4 % mehr Vollzeitäquivalente gab und „nur“ 4,5 % mehr Pflegedienste zeigt, dass die mittlere Größe der Dienste zunahm. Hierdurch werden Skaleneffekte möglich, z. B. im Bereich administrativer Tätigkeiten oder durch bessere Auslastungsgrade von Investitionsgütern im Dienst. Hätte es bei denselben 8,4 % eine Konstanz der Anzahl an Diensten gegeben, wären diese Skaleneffekte evtl. noch größer.
 
11
„Im Schnitt betreute ein ambulanter Dienst 67 Pflegebedürftige.“ (Statistisches Bundesamt 2020a, S. 12).
 
12
„Im Schnitt betreute ein Pflegeheim 62 Pflegebedürftige“ bei gleichzeitiger Auslastung der Pflegeplätze von 91 % (Statistisches Bundesamt 2020a, S. 14).
 
13
Wird der Vergleichszeitraum 2005–2019 gewählt, stieg die Anzahl der in Heimen vollstationär versorgten Pflegebedürftigen um 24,5 %, der durch ambulante Dienste versorgten Pflegebedürftigen um 108 % und der Pflegegeldempfängerinnen und -empfänger um 115,9 % (Statistisches Bundesamt 2020a, S. 10).
 
14
Vor dem Hintergrund der Entwicklung von neuen Personalbemessungsinstrumenten (Rothgang et al. 2020) sind auch solche Fachkraftquoten zu evaluieren.
 
15
Die Bezeichnung von mehrdimensionalen Größen (z. B. Vektoren und Matrizen) erfolgt im Rahmen der AWT oft mit Sütterlinbuchstaben. Im Interesse der besseren Lesbarkeit und internationalen Verständlichkeit werden mehrdimensionale Größen in dieser Veröffentlichung fett und kursiv gedruckt.
 
16
Ein ähnliches Vorgehen wird bei der Berechnung von Preisindizes verwendet. Gegebenenfalls bieten sich verschiedene bedarfstypische Warenkörbe an, z. B. je Pflegegrad oder besser geeigneten Unterscheidungsmerkmalen.
 
17
Soziotechnische Intensität berücksichtigt die ökonomische Wirkung und Verstärkung von Tätigkeiten durch technische Hilfsmittel (Hanke-Ebersoll 2015, S. 179 ff.).
 
18
Zur Dynamisierung der Leistungsbezüge vgl. auch § 30 SGB XI. Zur Begrenzung der Zuzahlungshöhe vgl. § 91 SGB XI.
 
19
In Deutschland wird das Gesundheitswesen über das klassische Normalarbeitsverhältnis finanziert. Diese Kopplung der Versicherungsbeiträge an Arbeitsentgelte stellt die direkte Verbindung mit αZ her, der Anteil αZ,Gesundheit beinhaltet dabei sowohl die arbeitgeber- als auch die (vermeintlich) arbeitnehmerfinanzierten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Das Produkt A·αZ,Gesundheit zeigt folglich den tätigkeitsbezogenen Finanzierungsbeitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung d. h. die gesamtwirtschaftliche Summe aller Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge.
 
20
Vergleiche hierzu auch die Ausführungen von Bonin (2020) ab Seite 64 ff.
 
21
Hierbei zu beachten ist, dass aus ethischer, moralischer Sicht die Bewertung oft anders ausfällt, weshalb sich Angehörige auch aus Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie immer wieder für die Laienpflege entscheiden.
 
Literatur
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Metadaten
Titel
Fachkräftemangel in der Pflege? Beschreibungsansätze aus der Perspektive der Alternativen Wirtschaftstheorie (AWT)
verfasst von
Marianna Hanke-Ebersoll
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-33801-5_13

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