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Open Access 2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

4. Zukunftshandeln und Altersvorsorge

verfasst von : Frieder R. Lang

Erschienen in: Altern als Zukunft – eine Studie der VolkswagenStiftung

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Zusammenfassung

Im Projekt Altern als Zukunft wurden Erwartungen, Einstellungen und Handlungen untersucht, die sich auf die Vorsorge für das Alter und auf die persönliche Zukunft beziehen. Im Vordergrund stehen drei Fragekomplexe, die sich dem Vorsorgehandeln widmen und dessen motivationaler Verankerung: Erstens geht es darum, wie Altersvorsorge ja nach Lebenskontext und Themenfeld verschieden gedacht, geplant und gestaltet wird. Zweitens geht es um die Bewertungen der möglichen Folgen des Vorsorgehandelns. Drittens werden die Wünsche behandelt, die Menschen für ihre Zukunft im Alter haben. Bei allen Fragekomplexen werden auch Einflüsse des Alters und des kulturellen Kontexts betrachtet.
Hinweise
Danksagung: Ich danke Prof. Dr. Margund Rohr, Prof. Dr. Dennis John, Dr. Fiona Rupprecht, Dr. Anja Beyer und Yaeji Kim-Knauss, die während der Laufzeit des Projekts Altern als Zukunft als Doktorandinnen und Doktorand mit großem Engagement und Kompetenz die Umsetzung der Online-Studien mitgestaltet haben. Die in diesem Kapitel präsentierten Befunde resultieren aus dieser produktiven Zusammenarbeit.
Die ursprüngliche Version dieses Kapitel wurde korrigiert. Ein Erratum zu diesem Kapitel ist verfügbar unter https://​doi.​org/​10.​1007/​978-3-662-63405-9_​7
Wie Menschen sich auf das Alter vorbereiten, wird zum einen durch individuelle Sichtweisen und Vorstellungen bestimmt, aber zum zweiten auch durch gesellschaftliche Anforderungen und Gelegenheiten, wie sie sich aus Sozial- und Rentengesetzen ergeben. Die Leistungen eines Wohlfahrtsstaates erzeugen beispielsweise Ansprüche und Erwartungen bei den Menschen, etwa wenn es um die Rente oder um die Pflege geht. Für das Vorsorgehandeln ist somit auch bedeutsam, wie umfangreich, berechenbar und nachhaltig die gesellschaftliche Daseinsfürsorge ist. Bei der Vorbereitung auf das Alter wirken somit zwei Normensysteme zusammen: Zum einen ist dies die Norm der Solidarität zwischen den Generationen und zum anderen die Norm der Eigenverantwortung, wonach jeder für das eigene Alter selbst vorzusorgen hat. Die aus beiden Normensystemen resultierenden Kontroversen offenbaren sich in vielen gesellschaftlichen Debatten, etwa wenn es um die vermeintlichen Kosten der Versorgung älterer Menschen und um die daraus mutmaßlich resultierenden Belastungen für nachkommende Generationen geht. Aus diesen Gründen ist die Frage der Altersvorsorge für viele Menschen relevant. Beispielsweise fordern demographische Veränderungen, niedrige Geburtenraten und steigende Lebenserwartungen in den meisten Ländern die Leistungsfähigkeit des Wohlfahrtsstaates heraus. Eine Folge kann sein, dass viele Menschen vermehrt in die materielle Absicherung des eigenen Alters investieren. Erscheint die finanzielle Situation hingegen abgesichert, widmen sich Menschen bei der Altersvorsorge vermutlich stärker der persönlichen Lebens- und Selbstverwirklichung. Vorsorgehandeln stellt konkretes Entwicklungshandeln dar, durch das Menschen ihre Lebenssituation im Alter – wenn auch nur in Grenzen – steuern und gestalten können (Brandtstädter, 2006; Lerner & Busch-Rossnagel, 1981). Altern beruht hierbei auf einem Zusammenspiel von individuellen Aktivitäten und sozialen Gelegenheitsstrukturen (Katz, 2013). Die Untersuchung des Vorsorgehandelns und der Altersvorsorge trägt somit auch zum Verständnis des Alterns bei.
Eine frühzeitige Vorbereitung auf das Alter beruht in aller Regel auf der Hoffnung, dass man dadurch Gestaltungsspielräume in der späten Lebensphase schaffen und etwaige Herausforderungen besser bewältigen kann. Dies erfordert, dass man sich frühzeitig mit der eigenen Zukunft, dem Ausblick auf ein langes Leben und den damit einhergehenden Lebensumständen auseinandersetzt (Heikkinen et al., 1995; Noone et al., 2009; Preston et al., 2018). Im Folgenden wird zunächst der Begriff des Vorsorgehandelns und der Altersvorsorge eingegrenzt. Es werden zwei Perspektiven des Vorsorgehandelns differenziert, die sich jeweils aus deren Zukunftsbezug und Ressourcenkosten ergeben.
Was kennzeichnet Altersvorsorge und Vorsorgehandeln?
Zukunfts- und Vorsorgehandeln sind begrifflich voneinander zu unterscheiden. Jede Handlung ist insofern zukunftsbezogen, als es dabei um das Erreichen von Zielen oder die Umsetzung von Wünschen oder Vorhaben geht, die mehr oder weniger konkret in einer nahen oder entfernteren Zukunft liegen. Im Vergleich dazu bezieht sich das Vorsorgehandeln explizit auf alle Bemühungen einer Person, in der Zukunft vermutete oder antizipierte Bedrohungen und deren vermuteten Folgen, wie beispielsweise chronische Erkrankungen, Armut oder Einsamkeit abzuwenden oder zumindest abzumildern sowie zugleich auch alle Bemühungen, erwünschte Ereignisse oder Zustände, wie beispielsweise eine gute Wohnsituation oder Selbstbestimmung im Umgang mit dem Tod, in der Zukunft herbeizuführen oder zu bewahren (Jacobs-Lawson et al., 2004; Kornadt & Rothermund, 2011b). Zur besseren begrifflichen Unterscheidung von anderen vorsorgerelevanten Handlungen kann diese Form der Vorbereitung auf das Alter als antizipatorisches Vorsorgehandeln bezeichnet werden. Im Allgemeinen werden somit zwei Perspektiven des Vorsorgens unterschieden: Von antizipatorischen Vorsorgehandlungen sind Handlungen zu unterscheiden, die zwar vorsorgerelevant sind, aber primär auf erwünschte Zustände oder Ergebnisse in der Gegenwart zielen. Beispielsweise sind viele Menschen körperlich aktiv, weil sie sich dabei unmittelbar besser oder gesunder fühlen. Es ist zugleich unbestritten, dass regelmäßige körperliche Bewegung nachhaltig und vorbeugend zu einer besseren körperlichen und mentalen Gesundheit im Alternsverlauf beiträgt.
Vorsorgerelevante Handlungen beziehen sich auf alltägliche Handlungen, deren Handlungsfolgen zwar präventiv wirken, die aber nicht explizit mit dem Ziel der Vorbereitung auf das Alter verbunden sind. Die Ausübung einer körperlichen Aktivität, wie Gartenarbeit oder ein sportliches Spiel, können gesundheitsförderlich sein oder sogar vor Erkrankungen schützen, im Vordergrund steht aber ein konkretes Handlungsziel in der Gegenwart. Der Nutzen einer Handlung ist dabei unmittelbar durch ein Handlungsziel definiert. Viele alltägliche Handlungen sind aber auch vorsorgerelevant, weil sie auch Handlungsfolgen haben, die nicht bedacht oder bekannt sind, etwa weil eine Handlung auch vorhandene Ressourcen optimiert. Vorsorgerelevante Handlungen, wie etwa gesundheitsbewusste Ernährung oder körperliche Bewegung sind daher oft ressourcenschonend. Menschen können sich beispielsweise gesund verhalten, sich körperlich aktiv zeigen oder gute Freundschaften pflegen ohne an das eigene Alter oder an die Zukunft zu denken, weil sie diese Handlungen mit einem sehr konkreten Nahziel verbinden oder weil diese Handlungen ihnen per se Freude bereiten. Die nachhaltigen positiven Wirkungen solcher Aktivitäten auf den weiteren Verlauf des eigenen Lebens im Alter müssen dabei gar nicht intendiert sein. Die langfristig präventiven Wirkungen, beispielsweise einer gesunden Ernährung, werden von den Akteuren nicht zwangsläufig als Vorsorge oder Prävention erlebt. Anzunehmen ist, dass diese Effekte den Handelnden aber bekannt sind und als zusätzlicher Nutzen gerne mitgenommen werden (Kim-Knauss et al., 2020; Kim-Knauss & Lang, 2021). Gleichwohl ist bekannt, dass ein aktiver Lebensstil von vielen Menschen als effektive Strategie der Prävention, der Vorbereitung auf das Alter oder der Altersvorsorge betrachtet wird.
Antizipatorisches Vorsorgehandeln ist hingegen explizit auf die Bewältigung von Ereignissen, Herausforderungen oder Belastungen gerichtet, die erst in einer ferneren Zukunft antizipiert oder erwartet werden. Das antizipatorische Vorsorgehandeln erfordert einen Umgang mit möglichen oder erwarteten, zukünftigen Herausforderungen und deren Folgen, die aber noch unbekannt und zumeist wenig konkretisiert oder nicht vorhersehbar sind. Zu solchen möglichen Zukunftsereignissen gehören auch viele kaum oder gar nicht absehbare Herausforderungen des Alterns, wie beispielsweise finanzielle Einschränkungen, zunehmende Barrieren im Wohnumfeld, die Thematik des Pflegebedarfs oder auch das Thema der Vorbereitung auf Sterben und Tod. Das Vorsorgehandeln zielt aber darauf, mögliche unerwünschte Ereignisse, Entwicklungen oder Zustände zu verhindern oder in ihrer unerwünschten Wirkung zu minimieren. Erwartet man beispielsweise, dass man aufgrund funktioneller Einschränkungen unter erschwerten Bedingungen die steilen Treppen im eigenen Haus nicht mehr bewältigen können wird und dadurch ein selbstbestimmtes Wohnen erschwert wird, könnte man vorsorgend in eine barrierefreie Wohnung umziehen oder aber einen Lift einbauen lassen.
Allerdings sind vorsorgerelevante Handlungen und antizipatorisches Vorsorgehandeln auf der Verhaltensebene und durch Beobachtung kaum oder nicht zu unterscheiden. Mit jeder Handlung können auch mehrere Ziele oder Vorhaben gleichzeitig verfolgt werden: Wer sich Wohneigentum anschafft hat dafür meist viele Gründe. Dabei geht es häufig darum, im Alter in den eigenen vier Wänden selbstbestimmt wohnen zu können, aber oft eben auch um spezifische weiterführende Pläne und Vorhaben, wie etwa Werte für nachkommende Generationen zu schaffen (Beyer et al., 2017).
Das antizipatorische Vorsorgehandeln unterscheidet sich von vorsorgerelevantem Handeln somit primär auf der subjektiven Ebene der Handelnden und ist abhängig von deren persönlichen Vorhaben und Sichtweisen. Wer sich zum Beispiel gesund ernährt, über Ernährung informiert oder wer sich viel bewegt kann hierfür viele Gründe haben und verschiedene Ziele verfolgen, etwa möglichen Erkrankungen vorbeugen, aus Interesse an Fragen der Ernährung oder Gesundheit, oder aus dem sozialen Bedürfnis, sich mit anderen Menschen auszutauschen. Entscheidend ist, ob eine Vorsorgehandlung mit dem erklärten Ziel verbunden wird, sich auf das eigene Alter vorzubereiten. Viele der auf die Zukunft gerichteten, antizipatorischen Vorsorgehandlungen wirken unter Umständen auch schon in der Gegenwart vorteilhaft, etwa wenn Menschen sich dadurch, dass sie für die nachberufliche Lebensphase Geld zurücklegen oder sich auf spätere Notlagen vorbereiten, sich zugleich auch verstärkt von Zukunftssorgen und -ängsten entlastet fühlen (Kim-Knauss et al., 2020). Wird das antizipatorische Vorsorgen auch in der Gegenwart schon mit einem unmittelbaren Nutzen oder Vorteil assoziiert, werden solche Handlungen auch wahrscheinlicher durchgeführt.
Im Allgemeinen unterscheiden sich antizipatorisches Vorsorgehandeln und vorsorgerelevante Handlungen in zwei zentralen Merkmalsbereichen, zum einen im Umfang der investierten Ressourcen (z. B. finanzielle Rücklagen, Anschaffungen, Vollmachten) und zum zweiten darin, wie konkret die jeweiligen Zukunftserwartungen sind. Antizipatorisches Vorsorgehandeln zielt auf eine meist entfernter liegende, weniger konkrete Zukunft, aber erfordert einen höheren Ressourceneinsatz. Vorsorgerelevante Handlungen sind auf eine konkrete Zukunftsplanung (z. B. hier und heute) gerichtet und erfordern vergleichsweise weniger Ressourceninvestitionen. Das Zusammenspiel von Zukunftsperspektiven und Ressourceneinsatz mit den verschiedenen Ebenen des Vorsorgehandelns illustriert die Abb. 4.1.
Wenn die eigene Zukunft ungewiss und wenig konkret erscheint, ist es kaum möglich sich darauf vorzubereiten. Im Umgang mit solchen unsicheren Bedingungen in der Zukunft können sich Menschen jedoch bemühen, ihre Ressourcen und Fähigkeiten so zu verbessern, dass sie unerwartet eintretende Belastungen oder Herausforderungen besser bewältigen können. Dieser Aspekt des antizipatorischen Handelns wird in der Psychologie als proaktive Bewältigung bezeichnet (Aspinwall & Taylor, 1997). Hierbei geht es darum, persönliche Ressourcen, Fähigkeiten und Möglichkeiten zu verbessern, mit denen möglicherweise eintretende Belastungen, Verluste und Krisen bewältigt werden können. Eine mögliche Überlegung ist, dass sich vorsorgerelevante Handlungen stärker auf die Maximierung erwünschter Ereignisse in der Zukunft richten, während antizipatorisches Vorsorgehandeln im Vergleich dazu stärker die Minimierung unerwünschter Belastungen oder Herausforderungen in der Zukunft anstrebt.
Eine wichtige Frage ist, wie sich Zukunftsdenken auf das Vorsorgehandeln auswirkt. Die Befunde des Projekts Altern als Zukunft weisen darauf hin, dass zuversichtliche und konkrete Zukunftsperspektiven mit einer höheren Vorsorgebereitschaft einhergehen (Kornadt & Rothermund, 2014; Kornadt et al., 2018b; Lu et al., 2018; Petkoska & Earl, 2009). Dabei spielt eine Rolle, ob sich die Zuversicht eher auf das zukünftige Selbstbild bezieht oder aber auf Erwartungen hinsichtlich der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in der Zukunft. Menschen können im Hinblick auf ihre eigene zukünftige Situation zuversichtlich sein aber zugleich pessimistisch bezüglich der gesellschaftlichen Zukunft. Beides kann sich auf Vorsorgehandlungen auswirken. Die Relevanz der Zukunftsperspektiven für das Vorsorgehandeln lässt sich beispielhaft anhand der seit vielen Jahrzehnten wiederkehrenden Debatte um Renten- und Generationengerechtigkeit illustrieren.
Zukunftsszenarien und Altersvorsorge: Das Beispiel der Rentendebatte
Häufig wird die Frage der Altersvorsorge in gesellschaftlichen Debatten verengt bezogen auf das Thema der finanziellen Absicherung, durch die der eigene Lebensstandard in der nachberuflichen Lebensphase abgesichert werden soll. Da die Leistungsfähigkeit der umlagefinanzierten Rentenversicherung auf den ersten Blick von der Zahl der erwerbstätigen Beitragszahler (und deren Einzahlungen) abhängt, wird nachvollziehbar, warum die steigende Anzahl von Leistungsempfängern im Alter gegenüber der schrumpfenden Zahl von Beitragszahlern zumeist als bedrohlich für das Rentensystem angesehen wird. Tatsächlich ist aber gut belegt, dass die gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwächse seit den 1950er Jahren bis heute die steigenden Kosten der Rentenversicherungen um ein Vielfaches übertreffen (Erber & Hagemann, 2012), und dementsprechend ist die Leistungsfähigkeit der Rentenversicherung im Prinzip mitgewachsen. Die Frage der Generationengerechtigkeit dieses Systems wird nicht selten geprägt von negativen Zukunftsprognosen: Es drohe eine Überlastung der Sozial- und Rentensysteme, etwa weil geburtenstarke Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden oder weil die Kosten für die Pflege explodieren würden. So widmete sich die Zeitschrift DER SPIEGEL seit den 1950er Jahren häufiger dem Thema „Rente“, meist um schwere Zeiten für zukünftige Rentnergenerationen anzukündigen.
Wenn solche Prognosen am Ende nicht eintreten, wird dies meist nicht thematisiert: Bereits vor der Rentenreform im Jahr 1957 hat DER SPIEGEL (44/1956) eine zu erwartende Überlastung der Rentenversicherer angemahnt, da die Kosten „…im Jahr 1976 um 30 Prozent und im Jahr 1986 um nicht weniger als 42 Prozent“ höher ausfallen werden. Ohne auf die falsche Prognose von 1956 einzugehen, berichtet DER SPIEGEL im Jahr 1986 dann über die gute ökonomische Situation der Rentner, nur um erneut zu vermelden, dass es aber: „… in zwanzig, dreißig Jahren für die dann Älteren und Alten … eng wird… [und dass] … die düsteren Zukunftsbilder, die der Rentenversicherung für die … Zeit bis zur Jahrtausendwende von den Experten ausgemalt werden, … einen hohen Grad an Wahrscheinlichkeit [haben]“ (2/1986). Nur 13 Jahre später, im Jahr 1999, berichtet DER SPIEGEL (43/1999) über „Reiche Senioren“ und sagt vorher, dass es keiner Rentnergeneration nach der „Jetzigen“ je wieder so gut gehen werde, denn – spätestens ab dem Jahr 2020 drohe die Verarmung im Alter. Und so weiter. Die dargestellten Szenarien sind bislang nicht eingetreten.
Ein möglicher Grund dafür ist, dass Menschen ihr Verhalten aufgrund der alarmierenden Zukunftsszenarien verändert und deren Eintreten so verhindert haben. Demnach geht es älteren Menschen also finanziell auch heute noch immer gut, weil viele persönlich für sich vorgesorgt haben. Den Sachverhalt, wenn eine präventive Maßnahme „nicht für jeden Einzelnen erkennbar vorteilhaft scheint, aber dennoch einen gesellschaftlichen Nutzen für alle zeigt“, bezeichnete erstmals Geoffrey Rose (1981, S. 1850) als „Präventionsparadoxon“. Demnach mag die persönliche Vorsorge für das Alter zwar keinen starken für jeden Einzelnen erkennbaren Vorteil haben, sich aber über einen längeren Zeitraum für die Gesellschaft bzw. das Rentensystem positiv auswirken. Die Handelnden erleben kurzfristig keine direkten Vorteile der Vorsorge bei sich selbst und bewerten die Vorsorge daher ambivalent. Es ist nicht auszuschließen, dass individuelles Verhalten oder auch staatliche Maßnahmen dafür gesorgt haben, die angekündigten Kollapse der Rentensysteme jeweils noch abzuwenden. Wissenschaftlich belastbare Belege für eine solche Annahme sind aber bislang nicht bekannt. Zudem können bedrohliche Szenarien verunsichern und Menschen vom Vorsorgehandeln abhalten. Es ist daher eine wichtige Frage, wie vorteilhaft oder belastend die Menschen ihr eigenes Vorsorgehandeln erleben.
In aller Regel beruht die Idee der Altersvorsorge auf dem Prinzip eines persönlichen Belohnungsaufschubs, wonach man in jungen Jahren Verzicht übt, um dann im späten Erwachsenenalter den Lohn für diese früheren Entbehrungen zu ernten (Adams & Rau, 2011). Das Vertrauen in das Rentensystem baut darauf, dass es auch in Krisenzeiten als verlässlich erlebt wird, und es nährt sich von der Botschaft, dass sich jahrzehntelange Einzahlungen eines Tages auch tatsächlich auszahlen werden. Wenn jedoch die Zuverlässigkeit der Rentensysteme schwindet, kann sich damit auch die Haltung zur Altersvorsorge ändern. Die Zurückstellung von Ansprüchen oder Wünschen auf spätere Zeiten im Leben verliert dann an Attraktivität. Warum sollte man auf eine ungewisse Zukunft setzen und dafür Entbehrungen auf sich nehmen, wenn die eigenen Bedürfnisse und Wünsche sofort befriedigt und erfüllt werden können? Eine Zunahme solcher hedonistischen Einstellungen, die sich an der Gegenwart orientieren, zeigt sich beispielsweise bei jungen Menschen laut der Shell Jugendstudie (Albert et al., 2019). Mehr Jugendliche als in früheren Befragungen betonten ihr Leben im Hier und Jetzt. Rund 80 % der jungen Befragten gaben an, dass sie ihr Leben „in vollen Zügen genießen“. Wenn also Menschen nachfolgender Generationen weniger bereit zu sein scheinen, bereits in frühen Jahren für ihr eigenes Alter vorzusorgen, könnte das daraus resultierende Verarmungsrisiko zumindest teilweise eine Folge der so beförderten Befürchtungen und Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Sozial- und Rentenkassen in der Zukunft sein und der daraus resultierenden Abkehr von Vorsorgemaßnahmen.
Welche Rolle spielt die Zukunftsperspektive für das Vorsorgehandeln?
Die Frage nach der Altersvorsorge steht auch in engem Zusammenhang mit subjektiven Zukunftsvorstellungen. Allerdings sind diese Zusammenhänge bislang nicht umfassend untersucht, was auch damit zu tun hat, dass es eine vielfältige Literatur zu den unterschiedlichen Dimensionen und Facetten der subjektiven Zukunftsperspektive gibt (Lang & Damm, 2018; Lang & Rupprecht, 2019b). Manche Menschen reagieren auf eine ungewiss erscheinende Zukunft mit schicksalsergebenen Haltungen (Macé & Le Lec, 2011), während sich andere angesichts von Unsicherheiten oder Verlustrisiken verstärkt um Kontrolle bemühen (Barlow et al., 2016; Greenaway et al., 2015). Im Hinblick auf die vielfältigen Muster des Zukunftserlebens gilt es genauer zu verstehen, wie Menschen ihre persönliche Zukunft wahrnehmen und bewerten, wie sie mit solchen Vorstellungen von der Zukunft umgehen und wie sie im Hinblick auf ihre persönlichen Erwartungen für die Zukunft vorausschauend oder vorsorgend handeln. Kornadt und Kollegen (2015) beobachteten, dass mit zunehmend positiveren Erwartungen an das eigene zukünftige Selbst eine verstärkte Vorbereitung auf das eigene Alter einherging, insbesondere in solchen Lebensbereichen, die anfällig für altersbezogene Veränderungen zu sein scheinen (siehe auch Kap. 3).
Was Individuen heute für die eigene Zukunft antizipieren oder erwarten, können sie später in der Wirklichkeit daraufhin überprüfen, ob es so tatsächlich gekommen ist. Wer auf einer Wanderung einen Regenschirm mitgenommen hat und mit Regen gerechnet hat, wird zwingend bemerken, wenn der Schirm überflüssig war. Auch wer davon überzeugt ist, immer gesund zu bleiben und unverwundbar zu sein, wird im Fall einer schweren Erkrankung solche Überzeugungen vermutlich revidieren. Was wir erwarten, kann sich bewähren oder im ungünstigeren Fall als Illusion oder zumindest irrtümliche Prognose entlarven. Erwartungen und Einstellungen zur eigenen Zukunft, prägen das tägliche Verhalten und Denken jedes Einzelnen. Somit zeigt sich auch im altersbezogenen Vorsorgehandeln das sogenannte Thomas-Theorem. Demnach gilt: „Was immer eine Person für wahr hält, führt dazu, dass sie sich so verhält als wäre es wahr“ (Thomas & Thomas, 1928). Dies trifft insbesondere zu für persönliche Erwartungen, die Menschen mit ihrer Zukunft verbinden. Wer an eine düstere Zukunft glaubt, wird sich anders vorbereiten, als diejenigen, die für sich eine frohe, unbeschwerte Zukunft erwarten. Es geht hierbei wohlweislich nicht einfach nur um sogenannte selbsterfüllende Prophezeiungen, sondern um die Annahme einer Wirklichkeit als Gegebenheit, der sich die Menschen in ihrem Verhalten anpassen. Dabei kann es eine wichtige Rolle spielen, inwieweit sich die Erwartungen an die Zukunft von den Bewertungen eben dieser Zukunft unterscheiden.
In der psychologischen Forschung gilt es als gut belegt, dass sich positive und optimistische Zukunftshaltungen –zumindest kurzfristig– positiv auf Handlungs- und Bewältigungsressourcen der Menschen auswirken (Lee et al., 2019; Scheier & Carver, 1985, 2018; Taylor & Brown, 1988). Allerdings weisen einige Befunde darauf hin, dass sich auch realistische bzw. wirklichkeitsgetreue Zukunftserwartungen positiv auf die Gesundheit und Lebenserwartung auswirken (Cheng et al., 2009; Chipperfield et al., 2019; Colvin & Block, 1994; Lang et al., 2013). Auch die gedankliche Auseinandersetzung mit der Zukunft kann sich per se auf das alltägliche Entwicklungs- und Vorsorgehandeln auswirken. Um dies zu prüfen, erfragten Kahana und ihre Kollegen (2005) über einen Zeitraum von vier Jahren mit insgesamt sieben Erhebungszeitpunkten den Umfang der körperlichen Aktivitäten von älteren Menschen zwischen 70 und 100 Jahren. Zusätzlich haben sie erfasst, wie häufig die älteren Menschen im Alltag an ihre Zukunft dachten. Zwar nahm der Umfang körperlicher Übungen und Bewegungen insgesamt über den Zeitraum von vier Jahren kontinuierlich ab. Allerdings fiel der Rückgang körperlicher Aktivität deutlich geringer aus, je mehr die älteren Menschen zuvor an die Zukunft gedacht hatten. Wer also nur darüber nachdenkt, was in Zukunft passieren könnte, verhält sich gesünder. Allerdings bleibt bei dieser Studie offen, ob der Ausblick auf die Zukunft inhaltlich eher positiv oder eher negativ bewertet wurde. Schließlich berücksichtigen die meisten Studien nicht, inwieweit sich positive oder negative Erwartungen, beispielsweise bezüglich der eigenen zukünftigen Gefühlszustände oder Einstellungen, dann später auch als richtig herausstellen oder nicht (Chipperfield et al., 2019; Hamm et al., 2019).
Eine Rolle spielt auch, ob man ein zukünftiges Ereignis als bedrohlich oder erstrebenswert bewertet. So kann man in Bezug auf sich selbst beispielsweise ein geringes Risiko erleben, an Demenz zu erkranken, obwohl man diese Erkrankung als sehr bedrohlich erlebt. Bewertungen der Zukunft beziehen sich also nicht nur darauf, ob antizipierte Lebenssituationen in der eigenen Zukunft wahrscheinlich sind oder nicht, sondern auch darauf, wie sie bewertet werden. Ein weiteres Beispiel bezieht sich auf die Frage, wie alt man erwartet zu werden und ob man sich wünscht so lange zu leben wie man erwartet (Lang et al., 2007). Lang und Rupprecht (2019a) beobachteten, dass Menschen, die für sich ein etwas längeres Leben wünschen als erwartet, mehr Vorsorgehandlungen berichteten als diejenigen, die unrealistische hohe Wünsche an ein langes Leben haben oder als die, die sich ein kürzeres Leben wünschten.
Menschen handeln meist differenziert im Hinblick auf unterschiedliche Dimensionen der subjektiven Zukunftsperspektive (Lang & Damm, 2018; Lang & Rupprecht, 2019b). Dabei lassen sich Zukunftsperspektiven, die sich auf konkrete Lebensbereiche oder beobachtbare Tatsachen beziehen später leichter an der Wirklichkeit überprüfen, als eher globale Einschätzungen der eigenen Zukunft. Beispielsweise lässt sich die eigene Erwartung in wenigen Jahren noch ganz gesund zu sein oder noch mit einer bestimmten Person gut befreundet zu sein, später leicht überprüfen. Dagegen sind globale Erwartungen, etwa, dass man auch in fünf Jahren mit seinem Leben noch allgemein zufrieden sein wird, eher interpretationsabhängig und können dadurch je nach Situation leichter umgedeutet werden. Die Befundlage legt nahe, dass sich spezifische und auf konkrete Lebensbereiche bezogene Erwartungen eher in relevante Vorsorgehandlungen niederschlagen, als globale Zukunftserwartungen, die dafür flexibler verändert werden können. Die Fähigkeit des Menschen, die eigenen subjektiven Deutungen des Alterns, also beispielsweise zukunftsbezogene Erwartungen, an tatsächliche Gegebenheiten anzupassen, verweist auf die flexible Anpassungsfähigkeit des alternden Selbst (Brandtstädter, 2006). Dies gilt insbesondere dann, wenn subjektive Vorhersagen für die eigene Zukunft später nicht auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden können.
Wie Menschen die Lebensphase des Alters erleben und gestalten, wird schließlich auch von kulturellen, strukturellen, physischen und sozialen Kontextbedingungen bestimmt (Kornadt et al., 2019; Park et al., 2020). Für eine Klärung dieser Fragestellung, ist es nötig die kulturell verankerten gesellschaftlichen Wohlfahrtsregime genauer zu betrachten.

4.1 Die Fragestellungen

Die Online-Studie des Projekts Altern als Zukunft untersucht schwerpunktmäßig Erwartungen, Einstellungen und Handlungen, die sich auf die Vorsorge für das Alter und Altern und auf die persönliche Zukunft beziehen. Welche Vorstellungen haben Menschen von sich und von ihrer persönlichen Situation und von den gesellschaftlichen Bedingungen in der Zukunft? Und wie wirken sich diese auf die Planung und auf die Durchführung von Vorsorgeaktivitäten aus? Im Fokus des Projekts standen drei zentrale Fragekomplexe, die sich dem Vorsorgehandeln widmen und dessen motivationaler Verankerung im Kontexts des persönlichen Zukunftsdenkens:
Ein erster Fragekomplex beschäftigt sich damit, wie sehr das Vorsorgehandeln je nach Lebenskontext und Themenfeldern differenziert erlebt, geplant und umgesetzt wird. Was bedeutet Vorbereitung auf das Alter und inwiefern unterscheidet sich diese je nach Vorsorgethema und Lebensbereich? Wie wird die Altersvorsorge im Lebenslauf je nach Vorsorgethema geplant? Inwiefern werden dabei persönliche Fristen und Zeitpläne berücksichtigt?
Ein zweiter Fragekomplex beschäftigt sich mit den Bewertungen und subjektiven Belastungen, die Menschen mit ihren jeweiligen Vorsorgehandlungen verbinden: Welchen Nutzen erleben Menschen, wenn sie für ihr Alter und die Zukunft vorsorgen? Welche Kosten werden damit verknüpft? Wie wird die Wichtigkeit der Vorsorge bewertet? Inwieweit wird die Vorsorge als gestaltbar und beeinflussbar erlebt? Inwieweit sehen Menschen sich selbst, die Familie oder die Gesellschaft in der Verantwortung für die bereichsspezifische Altersvorsorge?
Ein dritter Komplex behandelt die persönlichen Bemühungen darum, die eigene Situation in der Zukunft vorherzusagen: Welche Vorstellungen und Wünsche haben Menschen im Hinblick auf das eigene Leben und die eigene Lebensdauer in der Zukunft? Wie gut sind Menschen darin die eigene Befindlichkeit, Wünsche oder Gesundheit in der Zukunft zu antizipieren? Welche Bedeutung hat dies für das Zukunftshandeln?
Für jeden der drei Fragekomplexe wurden drei Ebenen der differenzierten Betrachtung und der Analyse unterschieden: (a) eine erste Betrachtung zielt auf die Frage, inwieweit das Vorsorge- und Zukunftshandeln sich je nach Lebensbereich unterscheidet (z. B. Finanzen, Gesundheit oder Familie), (b) eine zweite Ebene der Analyse zielt auf die möglichen Unterschiede, die sich dabei zwischen jungen, mittelalten und älteren Erwachsenen beobachten lassen und (c) eine dritte Ebene analysiert mögliche kulturelle und wohlfahrtsstaatliche Einflüsse im Vergleich zwischen den USA, Deutschland und Hongkong.

4.2 Der Forschungsstand

Die Vielfalt des Alters und der Alternsverläufe in modernen Wohlfahrtsstaaten bringt mit sich, dass es für die Lebensphase des Alters keine einheitlichen und etablierten Strukturen und Normen gibt, was sich beispielsweise auch schon darin zeigt, dass begriffliche Bezeichnungen für die verschiedenen Lebensphasen im Alter zwischen 50 und 120 Jahren meist fehlen oder recht ungenau sind: So wird in diesem Zusammenhang mal von mittleren, spätem, höherem, hohen oder hochbetagten Erwachsenenalter gesprochen, um jeweils verschiedene Altersbereiche abzugrenzen. Präzise Einteilungen gibt es aber bislang nicht. Beispielsweise wird die Lebensphase der Hochaltrigkeit in verschiedenen wissenschaftlichen Schriften mal auf die Lebensphase ab 75 Jahre, mal auf die über 85-Jährigen oder auf die über 90-Jährigen bezogen und gelegentlich sogar nur um eine bestimmte Ausprägung von Funktionstüchtigkeit (z. B. Gebrechlichkeit) zu bezeichnen. Ein Grund liegt darin, dass sich allein aufgrund des chronologischen Alter einer Person kaum Aussagen darüber machen lassen, welche Belastungen, Herausforderungen oder Besonderheiten bei dieser Person vorliegen.
Dies gilt auch, wenn man Menschen danach fragt, wann für sie das Alter beginnt oder ab wann jemand als ‚alt‘ bezeichnet wird (Tuckman & Lorge, 1953; Unsworth et al., 2001), umso mehr noch, wenn man dabei nach unterschiedlichen Lebensbereichen differenziert (vgl. dazu ausführlich Kap. 3). Entsprechend schwierig ist es einzuordnen, auf welche Herausforderungen und Lebensbereiche sich die Vorbereitung auf das Alter bezieht. Die Lebensphasen des Erwachsenenalters lassen sich aber anhand von häufig beobachteten und normativen Veränderungen einteilen. Solche Veränderungen können altersassoziiert sein, insofern sie bei älteren Menschen häufiger auftreten als bei jüngeren. Veränderungen können auch altersabhängig sein, weil sie zwingend an ein bestimmtes Alter geknüpft sind. Beispiele rein altersassoziierter Veränderungen sind die Verwitwung oder auch Veränderungen der körperlichen Funktionstüchtigkeit, die auch schon im jungen Erwachsenenalter eintreten können. Beispiele für altersabhängige Veränderungen sind das Erreichen des Rentenalters, ab dem die gesetzliche Anwartschaft auf Rentenleistungen gilt oder die Großelternschaft, die erst möglich wird, wenn die eigenen Kinder ein gewisses Alter erreicht haben. Durch das Zusammenspiel von altersassoziierten und altersabhängigen Veränderungen in der zweiten Lebenshälfte lassen sich beispielsweise verschiedene Verläufe des Alterns und besondere Phänomene des Alters differenzieren.
Im Einklang mit solchen Überlegungen hat sich in der Alternsforschung mittlerweile die Unterscheidung zwischen der Lebensphase des „Dritten Alters“ und der Lebensphase des „Vierten Alters“ etabliert (Baltes & Smith, 2003). Das Dritte Alter schließt an das „Zweite Alter“ an, der Lebensphase des Erwachsenenalters nach Erreichen der Volljährigkeit. Das Dritte Alter wird meist mit einem aktiven Lebensstil und hoher Funktionstüchtigkeit verknüpft. Der Begriff des Vierten Alters bezieht sich dagegen auf die Phase der zunehmenden Verletzlichkeit, erhöhten funktionale Einschränkungen, bei gleichzeitig auftretenden chronischen Erkrankungen oder die Pflegebedürftigkeit (Kruse, 2017). Im Allgemeinen hat es sich nicht bewährt, die Phasen des Dritten und des Vierten Alters aufgrund des tatsächlichen chronologischen Alters einer Person einzuteilen. Nicht selten zeigen hochaltrige Menschen noch eine hohe Funktionstüchtigkeit und Lebensstile, wie sie in der Regel mit dem Dritten Alter verbunden werden (Lang et al., 2021), während das Vierte Lebensalter bei einigen Menschen auch schon viel früher beginnen kann (Laslett, 1994).
Trägt Vorsorgehandeln zu einem besseren Leben im Alter bei?
Die wissenschaftliche Untersuchung des Vorsorge- und Zukunftshandelns ist noch ein vergleichsweise junges Thema und hat erst in den letzten Jahren ein stärkeres Interesse und mehr Beachtung in der Forschung gefunden. Das bringt mit sich, dass bislang noch keine schon lange etablierten Instrumente zur Erfassung des Vorsorgehandelns existieren, so dass Veränderungen und Folgen des Vorsorgehandelns bislang auch noch nicht über längere Zeiträume betrachtet wurden. Infolgedessen gibt es auch nur kaum Langzeitstudien, in denen mögliche Einflüsse des Vorsorgehandelns auf die Lebensqualität im Alter über längere Zeiträume hinweg untersucht wurden. Die Befunde einiger weniger Studien weisen immerhin schon darauf hin, dass Menschen die sich auf Veränderungen des Alterns frühzeitig vorbereitet haben, im späteren Alternsverlauf ein allgemein höheres Wohlbefinden zeigten (Noone et al., 2009; Prenda & Lachman, 2001) oder eine bessere mentale Gesundheit (Sörensen et al., 2012; Yeung & Zhou, 2017).
In einer beispielhaften Studie aus den USA (Noone et al., 2009) wurden etwas mehr als 1000 verheiratete Männer und Frauen kurz nach der Verrentung zu ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden befragt und wie sehr sie sich bereits vor dem Ruhestand auf diesen vorbereitet hatten. Nach 12 Jahren wurden dieselben Personen erneut im Hinblick auf Gesundheit und Wohlbefinden untersucht. Erhoben wurde, ob die Befragten mit ihrem Ehepartner häufiger über den Ruhestand gesprochen hatten, ob sie finanziell vorgesorgt hatten und ob sie sich über Möglichkeiten der Ruhestandsplanung informiert hatten. Es zeigte sich, dass die genannten drei Vorsorgeaktivitäten mit einem später erhöhten Wohlbefinden einhergingen. In einer Studie aus Hongkong (Yeung, 2013) wurden 90 Angestellte rund sechs Monate vor und nach Verrentung zu ihren Vorsorgehandlungen und ihrem psychischen Befinden befragt. Vorsorgehandlungen wurden in vier Bereichen erhoben: Finanzen (z. B. Sparpläne), Gesundheit (z. B. körperliche Aktivität), Soziale Teilhabe (z. B. Freizeitaktivitäten) und Informationssuche (z. B. Ruhestandskurse). Alle Vorsorgehandlungen waren positiv mit Indikatoren des Wohlbefindens korreliert. Allerdings berichteten dabei nur diejenigen, die sich vor dem Ruhestand um Informationen bemühten, auch noch nach einem Jahr ein signifikant verbessertes Wohlbefinden und positivere Einstellungen zum Ruhestand.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Befunde aus den dargestellten Studien noch wenig einheitlich sind und teilweise widersprüchlich scheinen. Jedoch belegen sie, dass Vorsorgehandlungen positive Konsequenzen haben: Wie positiv die Auswirkungen des Vorsorgens im späteren Verlauf des Alterns sind, hängt aber von vielen Bedingungen ab, wie zum Beispiel dem Lebensbereich oder die Lebenssituation für den oder die vorgesorgt wird. So unterscheiden sich beispielsweise die Befunde danach, ob das Wohlbefinden kurz nach der Verrentung oder zu einem späteren Zeitpunkt erhoben wurde, und inwieweit auch der konkrete Lebenskontext der älteren Menschen berücksichtigt wird. Viele bekannte Studien zu Auswirkungen des Vorsorgehandelns fokussierten auf spezifische Themen, etwa auf die finanzielle Absicherung, die gesundheitliche Prävention oder auf die Vorbereitung für das eigene Lebensende. Die einzelnen Themenfelder, in denen Menschen sich für das eigene Alter vorbereiten, wurden dabei meist isoliert und separat untersucht. Das Projekt Altern als Zukunft untersucht erstmals auch welche Effekte das Vorsorgehandeln in konkreten Lebensbereichen (z. B. Finanzen, Pflege, soziale Einbindung) auf die spätere Zufriedenheit der Betroffenen in diesen Lebensbereichen hat.
Spielt es eine Rolle für welchen Lebensbereich vorgesorgt wird?
Die Erfahrung des Alterns ist kontextabhängig und daher kann sich das Alternserleben je nach betrachtetem Lebensbereich unterscheiden, also beispielsweise im Hinblick auf die Familie im Vergleich zur beruflichen oder zur gesundheitlichen Situation. Die Vielfalt möglicher Lebensbereiche und -aufgaben erschwert eine erschöpfende Erfassung aller möglichen oder bekannten Vorsorgehandlungen, zumal sich die Lebenskontexte von Menschen nicht nur nach Herkunft, Biographie und Lebenssituation unterscheiden, sondern auch weil diese sich im Verlauf des Erwachsenenalters je individuell verschieden verändern können. Wenn also einzelne Lebensbereiche des Alters betrachtet werden, wie beispielsweise die finanzielle Situation, die Wohnsituation, die soziale Einbindung, die pflegerische oder gesundheitliche Versorgung oder die Situation am Lebensende, so stehen diese Themen und Kontexte hier zunächst stellvertretend für die Variationsbreite der vielen Lebens- und Alltagskontexte älterer Menschen. Zu klären ist, inwieweit sich das zukunftsbezogene Handeln je nach Lebenskontext unterscheidet oder ob es über alle Bereiche hinweg gemeinsamen oder ähnlichen Regeln folgt.
Die Vielfalt der Alternserfahrung zeigt sich auch darin, dass das eigene Altern in manchen Lebensbereichen (z. B. körperliche Fitness) früher erfahren wird als in anderen Bereichen (z. B. Wohnsituation). Es macht also einen Unterschied, ob es um die Vorsorge für die ersten Jahre nach dem Ende der Erwerbstätigkeit geht oder um die Vorsorge für die letzte Lebensphase am Ende des Lebens. Viele altersassoziierte Veränderungen bringen für einige Menschen zudem besondere Herausforderungen oder Risiken mit sich, wie etwa Armut, soziale Ausgrenzung, Einsamkeit, physische Barrieren im Wohnumfeld, Pflegebedarfe oder auch fehlende Versorgungsangebote. Die jeweiligen Lebensbereiche können sich im Verlauf des Alterns unterschiedlich und unabhängig voneinander verändern, auch abhängig von den jeweiligen persönlichen Vorlieben und Prioritäten der handelnden Akteure.
Betrachtet man unterschiedliche Themenfelder des Vorsorgehandelns, etwa im Hinblick auf Finanzen, Gesundheit, Pflege und soziale Teilhabe, so zeigen bisherige Befunde, dass die Vorsorge für das eigene Alter in verschiedenen Bereichen des Lebens von kontextabhängigen Vorstellungen des Lebens im Alter beeinflusst wird (Kornadt & Rothermund, 2011b, 2014; Kornadt et al., 2019; Park et al., 2020, vgl. dazu Kap. 3). Positive Erwartungen an das zukünftige Selbst gehen also nicht generell mit vermehrten Vorsorgehandlungen einher, sondern nur in bestimmten Lebensbereichen, die als besonders flexibel gestaltbar und kontrollierbar erscheinen, wie beispielsweise die sozialen Beziehungen und die Freizeitgestaltung. Wer für sich in der Zukunft positive Erwartungen an Freundschaften, Familie oder auch die Freizeitgestaltung hat, berichtet auch mehr dafür zu tun. Dagegen gehen positive Erwartungen an die eigene finanzielle oder gesundheitliche Situation in der Zukunft nicht mit vermehrten Vorsorgehandlungen einher (Kornadt et al., 2015). Bedeutsam ist dabei auch die Beobachtung, dass zukunftsbezogene Erwartungen an das eigene Selbst und Vorsorgehandeln je nach Kontext ganz unterschiedlich assoziiert sind.
Über einen längeren Zeitraum betrachtet zeigten sich keine Einflüsse von Vorsorgehandlungen auf vermehrt positive Erwartungen an die eigene Zukunft: Wer mehr vorsorgt, scheint deswegen noch keine deutlich positiveren Erwartungen für die eigene Zukunft zu entwickeln. Wer jedoch zuversichtlich auf die eigenen Beziehungen zu anderen Menschen und die eigenen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in der Zukunft blickt, der engagiert sich in diesen Bereichen des Vorsorgehandelns in den darauffolgenden Jahren auch vermehrt. Das Vorsorgehandeln reflektiert also persönliche und zuversichtliche Vorstellungen vom eigenen zukünftigen Leben im Bemühen, das eigene Leben im Alter im Einklang damit zu gestalten und zu verbessern.
Vorsorgehandlungen sind oft auf in der weiteren Zukunft liegende, wenig konkrete und ferne Lebensziele hin ausgerichtet, wobei motivationspsychologische Prozesse eine Rolle spielen. So ist zu berücksichtigen, dass alternsbezogenes Handeln häufig von zwei einander entgegengesetzten Valenzen begleitet wird – deren Ausprägung und Intensität bei jedem Menschen verschieden sind: zum einen ist dies die Hoffnung auf ein gutes Altern, beispielsweise, gesund und aktiv zu bleiben. Zum anderen gibt es aber auch die Furcht vor Verlusten oder Belastungen, die man vermeiden möchte. Zu klären ist, inwieweit das eigene Vorsorgehandeln durch Hoffnungen und Gewinnerwartungen motiviert wird oder durch das Bemühen, den eigenen Befürchtungen und Verlustängsten entgegenzuwirken (Lang & Rohr, 2013; Rohr & Lang, 2016).
Insgesamt kann die Altersvorsorge und das Vorsorgehandeln davon abhängen, wie vielfältig und differenziert die Zukunft subjektiv konstruiert wird. Dabei lassen sich Zusammenhänge des Vorsorgehandelns mit verschiedenen Aspekten der subjektiv wahrgenommenen Zukunft untersuchen, etwa im Hinblick auf (a) die noch verbleibende eigene Lebenszeit, (b) das Ausmaß, in dem diese Zukunft als konkret und planbar erscheint, (c) die Frage, ob man für sich oder andere eine Verbesserung oder Verschlechterung in der Zukunft erwartet, und (d) die persönliche Fristen, die man sich setzt, um rechtzeitig im Leben vorzusorgen oder anhand derer man für sich festlegt, wann es für bestimmte Vorsorgehandlungen zu spät sein könnte.
Gibt es Altersunterschiede im Vorsorge- und Zukunftshandeln?
Vorsorge- und Zukunftshandeln sind meist biographisch verankert, insofern sich viele historische Ereignisse, gesellschaftliche Veränderungen und auch persönliche Lebensumstände sehr vielfältig darauf auswirken, wie Menschen ihre persönliche Zukunft wahrnehmen und bewerten. Es könnte beispielsweise für das Vorsorgehandeln auch eine Rolle spielen, ob Menschen schon einmal Krieg, Notlagen oder auch Katastrophen erlebt haben (Hobfoll et al., 1991). Park und Kollegen (2005) befragten ältere Menschen nach dem traumatischsten Ereignis in ihrem bisherigen Leben und was sie daraus für sich gelernt haben. Ein Befund ist, dass diejenigen, die diese Erfahrung für sich im Nachhinein positiv deuten konnten, insgesamt weniger Angst vor dem Tod hatten und im Umgang mit zukünftigen Herausforderungen aktivere Formen der Bewältigung zeigten.
Insofern spiegeln Altersunterschiede im Vorsorgehandeln oft auch die besonderen Lebensbedingungen der jeweiligen Geburtsjahrgänge wider. Altersunterschiede sind zum Zweiten auch auf gesellschaftlichen Wandel zurückführbar. Frühere Generationen mögen sich mehr auf staatliche Unterstützung verlassen haben als heutige, jüngere Generationen. Zugleich kann es aber auch im Laufe des Lebens zu Veränderungen des Zukunftshandelns kommen, auch aufgrund von persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen. Schließlich kann sich drittens die Tatsache, dass mit zunehmendem Alter die erlebte Restlebenszeit abnimmt, ebenfalls auf das Vorsorge- und Zukunftshandeln auswirken (Kim-Knauss & Lang, 2021; Kornadt et al., 2018b).
Gibt es kulturelle Unterschiede?
Kulturelle Einflüsse auf das Vorsorgehandeln verweisen meist auf unterschiedliche wohlfahrtsstaatliche Rahmenbedingungen, aber auch auf sozialstrukturelle Unterschiede innerhalb der Länder (Hershey et al., 2007). Beispielsweise gibt es in Deutschland im Vergleich zu Ländern wie den USA, und in Hongkong unterschiedliche Systeme der öffentlichen Sozial- und Gesundheitsversorgung, die sich auch auf das Vorsorgehandeln auswirken können. In Deutschland sind Renten-, Sozial-, Gesundheits- und Pflegeversicherungen gesetzlich vorgeschrieben. In Hongkong ist die Rentenversicherung hingegen überwiegend betrieblich und privat geregelt. Erst seit dem Jahr 1995 sind Arbeitgeber in Hongkong verpflichtet für alle ihre Mitarbeiter in einen Rentenpensionsfonds (Mandatory Provident Fund, MPF) einzuzahlen, zudem sind alle Arbeitnehmer ab einer bestimmten Einkommenshöhe (ca. 1000 EUR) verpflichtet, bis zu 5 % ihres Einkommens in einen Rentenfonds einzuzahlen. Eine staatliche Rentenversicherung gibt es hingegen nicht in Hongkong, allerdings wird dort häufig erwartet, von den eigenen Kindern im Alter finanziell Unterstützung zu erhalten (Chou et al., 2015). Auch im Hinblick auf andere Bereiche und Themen des Vorsorgehandelns unterscheiden sich die kulturellen und strukturellen Rahmenbedingungen in verschiedenen Ländern, etwa wenn es um die Organisation der Pflege im Alter, des Wohnens, der sozialen Teilhabe oder um die Versorgung am Lebensende geht. Bislang gibt es diesbezüglich kaum systematische Überblicksdarstellungen über die verschiedenen Versorgungsangebote und -modelle im Bereich der Pflege, des Wohnens, der Teilhabe oder auch medizinischen Versorgung, etwa in den USA, Deutschland oder auch China.
In den USA und Deutschland wird beispielsweise in verschiedenen Bereichen des Vorsorgehandelns (Notlagen, finanzielle Absicherung, Fitness, Gesundheit, Wohnen, Freizeit, Beziehungen, und Arbeit) generell etwas mehr vorgesorgt als in Hongkong. Bei den Befragten in den USA und in Deutschland zeigten sich hingegen kaum oder nur wenig kulturbezogene Unterschiede (Kornadt et al., 2019). Im Allgemeinen waren die beobachteten Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern im jungen Erwachsenenalter meist eher etwas gering und zeigten sich dagegen stärker akzentuiert bei älteren Erwachsenen. Dies spricht dafür, dass kulturelle Unterschiede im Vorsorgehandeln sich erst im Laufe des Lebens herausbilden, etwa indem Menschen die spezifischen Normen und Konventionen ihres jeweiligen Kulturraumes stärker übernehmen oder auch weil diese Unterschiede in früher geborenen Kohorten bzw. Bevölkerungsgruppen noch deutlich stärker sichtbar sind. Die kulturellen Unterschiede zwischen westlichen Ländern und der chinesischen Kultur wird oft im Zusammenhang mit unterschiedlichen Wertorientierungen etwa im Hinblick auf die Rolle der Familie diskutiert (Fung & Jiang, 2016), kann aber auch zu tun haben mit unterschiedlichen staatlichen Sozialversicherungssystemen, die beispielsweise in Hongkong so gut wie nicht existent sind.

4.3 Die Befunde im Überblick

Die Online-Studie des Projekts Altern als Zukunft untersucht schwerpunktmäßig die Frage, wann und wie Vorsorgehandlungen in verschiedenen Lebensbereichen geplant, umgesetzt und durchgeführt werden und inwiefern sich diese Handlungen in Abhängigkeit von Alter, Kultur und Kontextbedingungen unterscheiden. Zum einen wurde betrachtet, wie sehr sich Menschen mit Vorsorgetätigkeiten in verschiedenen Lebensbereichen beschäftigen, zum anderen wurden vorsorgerelevante Aktivitäten erfragt, die persönlichen Fristen des Vorsorgens, der subjektive persönliche Nutzen, und die Belastungen bei der Ausübung konkreter Vorsorgetätigkeiten. Darüber hinaus wurden mehrere Dimensionen des Zukunftsdenkens und -handelns erfasst, in denen es beispielsweise um die subjektive Zukunftsperspektive geht und um die subjektive und die ideale Lebenserwartung.

4.3.1 Erfassung von Vorsorge- und Zukunftshandeln

Im Rahmen des Forschungsprojekts Altern als Zukunft wurde das Vorsorgehandeln mit verschiedenen Methoden und für unterschiedliche Lebensbereiche erhoben. Im Teilprojekt der Fragebogenstudie wurde zunächst das antizipatorische Vorsorgehandelns mittels neu entwickelter Skalen erfasst, die aus 27 Fragen zur Vorbereitung auf das Alter in neuen Themenfeldern bestanden (Kornadt & Rothermund, 2014; Kornadt et al., 2015, 2018b). Gefragt wurde hierbei nach Handlungen zur Vorbereitung auf die finanzielle Situation, das Eintreten von Not- oder Ausnahmesituationen, die geistige und körperliche Fitness, die Wohnsituation, das Aussehen und äußere Erscheinungsbild, die persönlichen Beziehungen und sozialen Kontakte, die Gesundheit, die Beschäftigungsmöglichkeiten und Lebensgestaltung sowie die berufliche Tätigkeit im Alter. Zu jedem Vorsorgethema wurden drei Fragen bearbeitet, mit denen die Befragten berichteten, wie viel sie im jeweiligen Bereich vorsorgen, wie viel sie sich damit beschäftigten und wie viel sie sich darüber informieren. Auch eine Kurzversion dieses Fragebogens mit insgesamt 11 Fragen wurde entwickelt, wobei der Bereich der persönlichen Beziehungen zusätzlich um den Bereich Familie und nahestehende Personen erweitert wurde und der Bereich Beschäftigungsmöglichkeit und Freizeitgestaltung wurde erweitert um den Bereich der Persönlichkeit und Lebensgestaltung (Kornadt et al., 2020). Zunächst geht es hierbei nicht um die Frage, in wie vielen verschiedenen Bereichen sich antizipatorische Vorsorgehandeln finden lässt, sondern vielmehr um die Frage, inwiefern sich Vorsorgehandeln in den verschiedenen Kontexten unterscheidet.
In einem zweiten Teil des Projekts wurden im Rahmen einer Online-Befragung darüber hinaus weitere Dimensionen und Aspekte des Vorsorgehandelns und vorsorgerelevanter Handlungen erhoben. Zunächst berichteten die Befragten, welche vorsorgerelevanten Aktivitäten sie ausgeübt haben und wie häufig innerhalb eines Jahres. Die Auswahl dieser vorsorgerelevanten Handlungen wurde aus der bekannten Forschungs- und Befundlage zur Altersvorsorge hergeleitet (Kim-Knauss & Lang, 2021).
Über solche Vorsorgehandlungen hinaus wurde untersucht, bis zu welchem Zeitpunkt ihres Lebens Menschen in den verschiedenen Altersgruppen und Kulturen planen mit Vorsorgehandlungen spätestens zu beginnen. Solche persönlichen Fristen für die Vorbereitung auf das Alter wurden dabei bezogen auf fünf spezifische Themen: der finanziellen Situation, dem Wohnen, der Pflege, der Vermeidung von Einsamkeit sowie Sterben und Tod (Lang & Rupprecht, 2020). Bestehen im zeitlichen Ablauf der subjektiven Fristen von Vorsorgehandlungen in verschiedenen Bereichen jeweils Unterschiede nach Alter und Kultur? – Um diese Fragen zu klären, konnten Probandinnen und Probanden zu verschiedenen Themenfeldern der Vorbereitung auf das Alter mittels graphischer Skalen (siehe Abb. 4.2) angeben, ab wann und bis wann aus ihrer Sicht mit der Vorsorge im jeweiligen Bereich beginnen sollte, beispielsweise der finanziellen Vorsorge, der Vorsorge für das Wohnen im Alter, der Vorbereitung von Pflegebedarfen, der Vorbereitung gegen Einsamkeit im Alter und der Vorbereitung für Sterben und Tod. Für jede der fünf untersuchten Themenbereiche wurden schließlich auch Fragen zur subjektiven Nützlichkeit, Kontrollierbarkeit und Wichtigkeit des eigenen Vorsorgehandelns erhoben (Kim-Knauss & Lang, 2020). Darüber hinaus wurden verschiedene Bereiche und Dimensionen von Zukunftseinstellungen erfasst, wie beispielsweise die erwartete und gewünschte Dauer des eigenen Lebens sowie die subjektive Zukunftsperspektive (Lang & Rupprecht, 2019b; Rohr et al., 2017).

4.3.2 Vorsorgehandeln in verschiedenen Lebensbereichen und Kontexten

Wie schon die Forschungsergebnisse unseres Projekts zu Altersbildern (vgl. Kap. 3) belegen, unterscheiden sich Menschen nicht nur hinsichtlich ihrer jeweiligen Vorstellungen vom Alter, sondern auch in Abhängigkeit davon, um welchen Bereich des Lebens es dabei geht, also etwa im Hinblick auf Vorstellungen des Familienlebens im Alter, der Berufstätigkeit, des sozialen Engagements oder auch der Gesundheit. Darüber hinaus haben die meisten Menschen auch sehr unterschiedliche Vorstellungen je nachdem an welche Lebensumstände der Lebensphase des Alters sie denken. Beispielsweise macht es einen großen Unterschied, ob man an die ersten zehn Jahre nach dem Ende der Berufstätigkeit denkt, an die Phase der besonderen Hochaltrigkeit oder aber an die letzte Lebensphase vor dem Tod.
Die Vielfalt des Alterns zeigt sich darin, dass Veränderungen häufig in keiner festen chronologischen Abfolge oder Richtung der Veränderung verlaufen: mal aufwärts, mal abwärts, mal stabil oder mal instabil oder fluktuierend. Dabei kann sich eine große Vielfalt von Erscheinungsformen des Alters sowohl innerhalb der Bevölkerung zeigen, als eben auch zwischen den verschiedenen Lebenskontexten einzelner Individuen etwa im Hinblick auf die Gesundheit, Wohnsituation, die Familiensituation oder die finanzielle Situation. Man kann sich beispielsweise im Kontext der Familie jung fühlen, aber eben nicht, wenn man an seine körperliche Fitness oder Gesundheit denkt. Worauf also bereiten sich Menschen vor, wenn sie sich auf das Alter vorbereiten? Bereiten sie sich auf konkrete Herausforderungen in bestimmten Lebensbereichen vor und gibt es Lebensbereiche, in denen deutlich weniger Vorsorgehandlungen beobachtet werden? Gibt es über verschiedene Lebensbereiche hinweg ähnliche Muster in den einzelnen bereichsspezifischen Vorsorgehandlungen, die sich auf ähnliche Lebensumstände beziehen, wie etwa die Nähe zum Lebensende oder aber die Lebensgestaltung zu Beginn des Ruhestands?
Während beispielsweise in einigen Bereichen des Vorsorgehandelns, wie der körperlichen Fitness, Gesundheit und Familie, deutlich stärker und intensiver für das Alter vorgesorgt wird, gibt es auch Bereiche der Vorbereitung auf das Alter, wie beispielsweise die Berufstätigkeit oder die Freizeitgestaltung für die insgesamt vergleichsweise weniger vorgesorgt wird (Kornadt et al., 2020). Insgesamt berichten ältere Erwachsene in der Regel ein stärkeres Vorsorgehandeln als jüngere Erwachsene (Kornadt et al., 2019), wobei dieser Altersunterschied in den USA stärker ausgeprägt ist als in Deutschland und Hongkong.
Ein zentraler Befund des Projekts zu Altern als Zukunft ist, dass sich Vorsorgehandeln je nach Kontext der Vorsorge unterscheidet, beispielsweise in Abhängigkeit davon, ob es um Themen der Vorsorge für das Dritte Lebensalter geht oder aber um Themenbereiche des Vierten Lebensalters (siehe Abb. 4.2, vgl. Kornadt & Rothermund, 2014). Vorsorge für das Dritte Alter zielt auf Aktivitäten, die ein Erleben von persönlichem Wachstum ermöglichen, etwa durch die Gestaltung eines aktiven Freizeitlebens, durch Lebensgestaltung, körperliche Fitness und sozialer Teilhabe. Dagegen zielt die Vorbereitung auf das Vierte Alter häufiger auf Handlungen, mit denen die Lebensqualität, etwa im Fall von Notsituationen, körperlichen oder gesundheitlichen Einschränkungen oder auch am Lebensende noch weiter aufrechterhalten werden kann.
Bemerkenswert ist nun, dass sich Vorsorgehandlungen für das Dritte und das Vierte Lebensalter je nach Alter und je nach Lebensumständen unterscheiden. Ganz allgemein werden Vorbereitungen für das Dritte Alter von jüngeren Menschen häufiger berichtet als Vorbereitungen für das Vierte Lebensalter. Je älter Menschen sind, umso häufiger berichten sie solche Vorsorgehandlungen, die sich auf Themen und Herausforderung der jeweils nächsten Lebensphase des Dritten oder Vierten Alters richten. So wurden von Menschen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren Aktivitäten zur Vorsorge für das Dritte Lebensalter am häufigsten genannt, während Aktivitäten zur Vorsorge für das Vierte Lebensalter von Menschen im Alter zwischen 70 und 80 am häufigsten genannt wurden. Diese Altersunterschiede lassen sich zum Teil auf Unterschiede in der Zukunftsperspektive der Menschen zurückführen. Je weniger Zeit die Menschen glauben im eigenen Leben zu haben, desto mehr beschäftigten sie sich mit Vorbereitungen für das Vierte Lebensalter (Kornadt et al., 2018b), aber auch mit der Vorbereitung auf Sterben und Tod (Lang & Rupprecht, 2019a).
Allerdings wirkt sich das Erleben einer subjektiv begrenzten Lebenszeit nur auf solche Vorsorgehandlungen förderlich aus, die der Vorbereitung auf das Vierte Lebensalter gewidmet sind, nicht aber auf Handlungen, die der Vorbereitung für das Dritte Lebensalter dienen. Diese Wirkung einer als begrenzt erlebten verbleibenden Lebenszeit zeigte sich auch in der Veränderung über den betrachteten Zeitraum der Studie: wenn die verbleibende Zeit im Leben kürzer erlebt wurde, ging dies zwar einher mit vermehrter Vorbereitung für das Vierte Lebensalter, also beispielsweise mit der Vorsorge für mögliche Notlagen oder gesundheitliche Krisen, nicht aber mit vermehrter Vorbereitung auf das Dritte Lebensalter.
Für die Altersunterschiede in den Vorsorgehandlungen für das Dritte Alter spielten andere Aspekte, insbesondere die Konkretheit der Zukunftsperspektive eine Rolle (Kornadt et al., 2018b). Die Konkretheit der subjektiven Zukunftsperspektive bezieht sich darauf, wie genau die Vorstellungen von Menschen bezüglich ihrer Ziele und Erwartungen an die Zukunft sind, also beispielsweise, inwieweit es schon Vorhaben, Wünsche und Pläne für die Zukunft gibt, die sich explizit benennen lassen. Wer eine konkretere Zukunftsperspektive hat, zeigt häufiger Vorsorgehandlungen, die der Vorbereitung auf das Dritte Alter dienen, also etwa der Freizeit- und Lebensgestaltung. Eine mögliche Erklärung hier ist, dass es vielen Menschen bei der Vorbereitung für das Dritte Lebensalter um eine Erweiterung ihrer selbstbestimmten Handlungsmöglichkeiten geht, die zugleich mit einem weiteren und offeneren Zeithorizont einhergehen (Petkoska & Earl, 2009).
Im Hinblick auf die einzelnen Themenbereiche des Vorsorgehandeln bestehen auch Unterschiede zwischen den westlich geprägten Ländern wie Deutschland und USA und asiatisch geprägten Ländern wie Hongkong. Generell werden in Hongkong weniger Vorsorgehandlungen berichtet als in den USA und Deutschland. Die Unterschiede in den Vorsorgehandlungen zwischen Deutschland und den USA waren hingegen geringfügig mit wenigen Ausnahmen: Vorsorgehandlungen in Bezug auf die Wohnsituation und in Bezug auf das äußere Erscheinungsbild waren in den USA etwas stärker ausgeprägt als in Deutschland (Kornadt et al., 2019).
Diese Unterschiede im Vorsorgehandeln waren zu einem Teil, insbesondere bei finanziellen und freizeitbezogenen Themen, zurückzuführen auf Unterschiede in der Zukunftsperspektive und auf Erwartungen an das zukünftige Selbst. Beispielsweise erwarteten US-Amerikaner und Deutsche häufiger als Personen aus Hongkong, dass sie im Alter noch über ausreichend finanzielle Möglichkeiten verfügen und ein aktives Freizeitleben haben werden. Wer negativere Erwartungen an die eigene Zukunft hatte, zeigte in allen Kulturen eine geringere Bereitschaft zu Vorsorgehandlungen, wodurch ein Teil der Unterschiede zwischen den Kulturen erklärt werden konnte (Kornadt et al., 2019). Dies bedeutet konkret, dass Unterschiede zwischen den Ländern geringer sind, wenn man Personen mit ähnlichen Zukunftsperspektiven miteinander vergleicht.
Zusammenfassend lässt sich das Fazit ziehen, dass das persönliche Vorsorgehandeln je nach Lebensbereich und kulturellem Kontext variiert, wobei jedoch einige der kulturellen Unterschiede auch auf Unterschiede in den zukunftsbezogenen Sichtweisen zurückzuführend sind. Zudem fanden sich in den USA mehr Personen, die konkrete Vorstellungen von ihrer Zukunft haben, als etwa in Deutschland und in Hongkong. In allen Kulturen wurde beobachtet, dass sich Personen mit konkreteren Zukunftsperspektiven in allen Bereichen der Altersvorbereitung stärker engagierten. Vermehrte Vorsorgehandlungen im Alter gehen also insgesamt mit einer konkreten und positiven Zukunftsperspektive einher. Diese Befunde legen die Vermutung nahe, dass sich negative Zukunftsszenarien des eigenen Alterns eher hemmend auf das Ausmaß des Vorsorgehandelns auswirken (Kornadt et al., 2015). Zugleich stellt sich die Frage, ob sich damit auch Unterschiede in der zeitlichen Planung des Vorsorgehandelns im Lebenslauf erklären und vorhersagen lassen.

4.3.3 Zeitliche Planung des Vorsorgehandelns im Lebenslauf

Zusätzlich zu der Frage, wie sehr sich Menschen je nach Alter und Lebensumständen mit der Vorbereitung auf das Alter beschäftigen, ist es ein weiteres zentrales Forschungsthema des Projekts, wann Menschen glauben, dass der angemessene Zeitpunkt im Leben ist, mit der Vorbereitung für das eigene Alter zu beginnen. In solchen normativen Vorstellungen der zeitlichen Planung des Vorsorgehandelns zeigt sich, wie Menschen ihr Leben und ihr Altern im Einklang mit den Möglichkeiten und Grenzen ihrer jeweiligen Lebensumstände und -kontexte ausgestalten (Brandtstädter & Rothermund, 2003; Heckhausen, 1999). Die persönlichen Fristen innerhalb derer das Vorsorgehandeln geplant wird, ist dabei ein wesentlicher Baustein der zeitlichen Strukturierung der Lebensgestaltung, in der sich auch widerspiegelt wie sich Menschen auf verschiedene Kontexte und Themenbereiche ihrer Altersvorsorge flexibel einstellen und anpassen. Beispielsweise kann man vermuten, dass einige Menschen annehmen, dass es irgendwann im Leben einfach zu spät ist, um sich in finanzieller Hinsicht angemessen auf das Alter vorzubereiten. Bei anderen Themen, wie etwa der Vorbereitung auf Sterben und Tod, lehnen es einige Menschen ab, sich damit schon früh im Leben auseinanderzusetzen, und dementsprechend halten sie es für ausreichend, wenn man erst später im Leben mit der Vorbereitung beginnt.
Im Rahmen der Online-Studie des Projekts Altern als Zukunft wurden auch neue graphische Skalen zur Erfassung der zeitlichen Vorsorgeplanung entwickelt (Lang & Rupprecht, 2020). Anhand eines schematisch dargestellten Lebensstrahles, der die Zeit zwischen dem Lebensanfang und dem Lebensende darstellte, konnten die Befragten mit einem symbolischen Schieber darstellen, welche Zeitpunkte sie für jeweils optimal hielten, um mit der Vorbereitung für das Alter in verschiedenen Themenfeldern zu beginnen.
Dabei war uns wichtig zu erfahren, ab welchem Zeitpunkt aus Sicht der Befragten das Alter beginnt. Auch die Einschätzungen auf diese Frage wurden mit Hilfe eines graphischen Lebensstrahls erfasst (Abb. 4.3), auch um beispielsweise Antworten zu umgehen, die sich auf Angaben zum Renteneintrittsalter oder anderen normativen Vorgaben beziehen.
Die graphische Darstellung des Lebensstrahls wurde auf den Wertebereich von 0 bis 100 fixiert, so dass der jeweils gewählte Punkt auf der Linie dem Prozentanteil der subjektiv erwarteten Lebensdauer entsprach, also mit der Formel gewählter Punkt auf Lebensstrahl geteilt durch 100-mal erwarteter Lebensdauer in Jahren in eine kalendarische Altersangabe in Jahren umgerechnet werden konnte. Somit war es möglich auch zu vergleichen, inwieweit sich die Vorstellungen, wann die Lebensphase des Alters beginnt zwischen den verschiedenen Kulturen jeweils unterscheiden.
Anhand des graphischen Lebensstrahls zur Erfassung der persönlichen Fristen (Abb. 4.4) gaben die Befragten an, wann aus ihrer Sicht jeweils der früheste und der späteste (gute) Zeitpunkt ist, um mit Vorsorgeaktivitäten in verschiedenen Lebensbereichen wie Sterben und Tod, Finanzen, Wohnen, Pflege und soziale Teilhabe (d. h. gegen Einsamkeit) zu beginnen.
Die Positionen der beiden Regler konnten frei auf dem graphischen Lebensstrahl eingestellt werden. Mit dem linken Regler konnte angezeigt werden, wo der früheste gute Zeitpunkt im Leben gesehen wird, um mit der Vorbereitung für das Alter zu beginnen. Mit dem rechten Regel wurde eingestellt, wann der späteste und gerade noch gute Zeitpunkt im Leben wäre, ab dem man angefangen haben sollte, sich im jeweiligen Bereich auf das Alter vorzubereiten. Insgesamt wurden diese persönlichen Fristen der Vorsorgeplanung für fünf Themenbereichen erhoben sowie in den fünf Ländern Hongkong, Taiwan, USA, Deutschland und Tschechien. In Deutschland wurden diese persönlichen Fristen in vier Erhebungen erfasst, um abzuklären, wie sich die persönlichen Fristen sich zwischen den Erhebungen in den einzelnen Vorsorgebereichen veränderten.
Man kann bei diesem Vorgehen hinterfragen, inwieweit die Einstellung eines solchen ‚graphischen Lebensstrahls‘ überhaupt in der Lage ist, sinnvolle Altersangaben in gültiger Weise darzustellen. Zu diesem Zweck haben wir die Teilnehmenden an der Studie zusätzlich auch darum gebeten, auf einem weiteren graphischen Lebensstrahl einzustellen, wo sich ihre eigene aktuelle Position zwischen Lebensanfang und -ende gerade befindet. Die so ermittelten Altersangaben waren fast identisch mit dem chronologischen Alter der Befragten und korrelierten mit einem Wert von 0,90, was bedeutet, dass die Angaben zur Lebensposition die tatsächlichen Altersunterschiede zu mehr als 80 % korrekt wiedergaben. Wobei allerdings die Abweichungen auch von Bedeutung sind, insofern sie auch die subjektive Lebensposition der Befragten anzeigten, etwa wenn sich jemand jünger fühlt als sie oder er tatsächlich ist (Rubin & Berntsen, 2006). Die Mittelposition von 50 auf dem Lebensstrahl entsprach beispielsweise einem chronologischen Alter von 44,6 Jahren. Im Verlauf der Studie nach 6 Jahren, lag die mittlere Position aller Befragten dann im Durchschnitt rund 7,7 Punkte (SD = 8) näher am Lebensende. Man kann daran erkennen, dass die graphische Lebensskala geeignet ist, altersbezogene Veränderungen in sensitiver und gültiger Weise widerzuspiegeln.
Auch die Angaben zu der Frage, ab welchem Punkt auf dem Lebensstrahl man alt ist (Abb. 4.3), waren aufschlussreich im Hinblick auf die zeitliche Einordnung der Lebensphase des Alters. Im Durchschnitt aller Befragten wurde die Position, ab wann man alt ist, etwa bei einem Wert von 78,1 von 100 (SD = 12,2) auf dem Lebensstrahl eingestellt. Da die durchschnittlich erwartete Lebensdauer im Mittel bei einem Alter von 83,2 Jahren (SD = 9,9) lag, entsprach dieser Wert einem Beginn des Alters mit 65,0 Jahren. Allerdings gab es dabei Altersunterschiede und auch Unterschiede zwischen den Kulturen. Die Tab. 4.1 gibt die dargestellten Punkte für den Beginn des Alters getrennt nach Altersgruppen und Kultur wieder.
Tab. 4.1
Subjektive Lebenserwartung und Alter, ab dem man ‚alt‘ ist
 
Subjektive Lebenserwartung (SLE) in Jahren (SD)
Alter in Jahren, ab dem man „alt“ ist (relativ zu SLE)
Hongkong (N = 348)
Junge
79,4 (10,4)
60,3
Mittlere
81,2 (14,1)
61,4
Ältere
87,6 (6,8)
65,7
Taiwan (N = 446)
Junge
77,4 (8,7)
58,0
Mittlere
80,4 (9,3)
59,2
Ältere
89,0 (8,3)
64,3
USA (N = 140)
Junge
85,1 (12,2)
69,5
Mittlere
87,1 (10,2)
75,2
Ältere
90,2 (7,0)
78,0
Deutschland (N = 591)
Junge
80,9 (11,6)
62,1
Mittlere
83,1 (7,4)
67,5
Ältere
87,2 (7,4)
70,4
Tschechien (N = 529)
Junge
78,5 (9,8)
63,5
Mittlere
81,3 (9,2)
66,3
Ältere
84,7 (7,8)
66,8
Anmerkung: Junge = 18–44 Jahre, Mittlere = 45–64 Jahre, Ältere = 65 Jahre und älter
Der Tab. 4.1 kann entnommen werden, dass in Hongkong und Taiwan die Zeitpunkte, ab denen der Beginn des Alters auf dem Lebensstrahl gewählt wurde, etwas früher lagen als in den westlichen Ländern. Bei den Befragten aus den USA lag dieser Zeitpunkt am spätestens, bei einem Wert von über 80 von 100. Es zeigten sich auch kulturspezifische Altersunterschiede darin, ab welchem Zeitpunkt das Alter beginnt: Nur in den USA und Deutschland sahen junge Erwachsene den Beginn des Alters früher als ältere Erwachsene, während die jüngeren Erwachsenen in China sowie in der Tendenz auch in Tschechien den Beginn des Alters eher später legten als die älteren Erwachsenen. In den bisher bekannten Studien zu diesem Thema, die bis in die 1950er Jahren zurückreichen, meist nur geringe historische und kulturelle Variation (Kastenbaum, 1984).
In einer US-amerikanischen Studie von Tuckman und Lorge (1953) lag der Beginn des Alters für junge Erwachsene unter 20 Jahren bei ca. 65 Jahren und für über 70-Jährige bei 71 bis 73 Jahren. In einer Studie von 1976 (Drevenstedt, 1976) lag der Beginn des Alters für 19-Jährige bei 61 bis 63 Jahren und für ältere Erwachsene bei 68 bis 72 Jahren. In einer ähnlichen japanischen Studie aus den 1990er Jahren begann das Alter für 19-Jährige Erwachsene mit 64 Jahren und für 69-Jährige mit durchschnittlich 71 bis 72 Jahren (Hori, 1994). Neuere Studien verdeutlichen aber, dass sich der Beginn des Alters je nachdem, welcher Lebensbereich gerade betrachtet wird (also z. B. Beruf, Familie, Freizeitgestaltung) zumindest in den westlichen Ländern deutlich unterscheidet (siehe auch Abschn. 3.​3.​4, Kornadt & Rothermund, 2011b).
Persönliche Fristen der Vorsorgeplanung
Auch im Hinblick auf die Angaben zu den persönlichen Fristen, bis zu denen man mit der Vorbereitung auf das Alter beginnen sollte zeigten sich deutliche Unterschiede je nachdem, um welchen Bereich der Vorsorge es ging und auch zwischen den fünf betrachteten Ländern (Lang & Rupprecht, 2020). Die Abb. 4.5 gibt einen Überblick über die von den Befragten gewählten Zeitfenster für den Beginn von Vorbereitungen für das Alter in den fünf untersuchten Vorsorgebereichen getrennt nach Ländern und nach Altersgruppe.
In der Tendenz neigen ältere Erwachsene dazu, die Fristen für die Altersvorsorge früher zu setzen als jüngere Erwachsene. Im Hinblick auf die Vorsorge zu Wohnen, Pflege, Teilhabe, Sterben und Tod präferieren ältere Erwachsene einen Beginn von Vorsorgehandlungen spätestens bis zu Beginn des letzten Drittels ihres Lebenslaufs, während jüngere Erwachsene bei diesen Themen einen späteren Beginn der Vorsorgehandlungen angemessen finden. Nur im Hinblick auf die finanzielle Altersvorsorge dreht sich der Altersunterschied um: Hier präferieren jüngere Erwachsene einen früheren Beginn der Vorsorgeaktivität als ältere Erwachsene.
Je älter die Menschen sind und je konkreter ihre Erfahrungen mit den Veränderungen des Alters sind, umso häufiger präferieren sie es, in vielen Bereichen schon vor dem Ende des Berufslebens mit der Altersvorsorge begonnen zu haben. Es zeigten sich auch Unterschiede zwischen den verschiedenen Vorsorgethemen: Beispielsweise wurden die finanzielle Altersvorsorge als etwas angesehen, was am besten schon im ersten Viertel des Lebens, spätestens aber kurz nach der Mitte des Lebens, etwa bis 50 Jahre, begonnen werden sollte. Im Vergleich dazu sollten nach Ansicht der meisten Befragten persönliche Vorbereitungen für Sterben und Tod am besten erst ab der Lebensmitte begonnen werden. Allerdings gibt es beträchtliche Altersunterschiede im Hinblick auf die Fristen, wobei sich diese Altersunterschiede in deutlicherer Weise bei den Fristen für den spätesten noch angemessenen Beginn von Vorsorgehandlungen zeigen und kaum bei den Startpunkten der Zeitfenster für die persönlichen Fristen.
Im einem nächsten Schritt wurden schließlich die persönlichen Fristen zwischen den beteiligten Ländern Hongkong, Taiwan, USA, Deutschland und Tschechien verglichen. Abb. 4.5 zeigt, dass sich die Fristen der Vorsorgeplanung zwischen den fünf Ländern unterscheiden, wobei sich die chinesischen Länder Hongkong und Taiwan in der zeitlichen Vorsorgeplanung im Lebenslauf stärker ähneln als die USA, Deutschland und Tschechien.
Insgesamt waren die gewählten Zeitfenster für den Beginn von Vorsorgehandlungen in Hongkong und Taiwan in den meisten Bereichen deutlich enger und in der Tendenz auch etwas früher gewählt, mit einer Ausnahme: für die Vorbereitung auf das Wohnen im Alter wurden sowohl in Hongkong als auch in Taiwan die Fristen in breiteren Zeitfenstern mit einem späteren Ende gewählt. Dies kann auch damit zu tun haben, dass es in diesen Ländern häufiger vorkommt, dass die älteren Menschen von ihren Familienangehörigen im Alter versorgt werden oder in den Haushalt ihrer erwachsenen Kinder ziehen. Dagegen beziehen sich in Deutschland die Vorbereitungen für das Wohnen im Alter beispielsweise häufig auf Umzüge in Einrichtungen oder auf die Umgestaltung der Wohnung (Beyer et al., 2017).
Die kulturellen Unterschiede spiegeln auch Unterschiede in der Verfügbarkeit von spezifischen Angeboten in den jeweiligen Ländern wider.
Im Hinblick auf andere Vorsorgebereiche wurden hingegen von den Befragten aus China engere Zeitfenster für die persönlichen Fristen berichtet, innerhalb derer die Vorbereitung, beispielsweise für die Pflege, die Teilhabe oder auch für Sterben und Tod begonnen werden sollte. Dagegen wurden die Zeitfenster für die Fristen bei den gleichen Vorsorgethemen in den USA und Europa breiter gewählt. Auffällig ist, dass die jüngeren Erwachsenen aus Deutschland einen möglichst frühen Beginn für die Vorbereitungen der Pflegesituation im Alter wählten, wobei die Fristen ähnlich früh lagen wie für finanzielle Vorbereitung. Es liegt nahe, dass insbesondere die hohen Kosten der pflegerischen Versorgung in Deutschland hierbei eine wesentliche Rolle spielen und sich daraus auch die Notwendigkeit eines möglichst frühen Beginns der Vorsorge für die Pflege im Alter ableitet.
Die beobachteten Altersunterschiede in der Planung der Vorsorge spiegeln die Anforderungen der verschiedenen Lebensphasen innerhalb des jeweiligen kulturellen Kontexts wider, an die Menschen ihre individuellen Vorsorgepläne anpassen. Wer ein höheres Alter erreicht hat, mag rückblickend die Vorsorge um die finanzielle Situation im Alter etwas lockerer bewerten als in jüngeren Jahren, dafür aber beispielsweise die Notwendigkeit einer langfristigeren und besser frühzeitigen Vorbereitung für soziale Teilhabe, Pflege und Wohnen hervorheben.
Viele jüngere Erwachsene mögen hingegen die finanzielle Situation im Alter als dringlichste Herausforderung der Zukunft des Alters bewerten, für die man daher möglichst frühzeitig vorsorgen sollte. Dagegen erscheinen jüngeren Erwachsene andere Aufgaben zur Vorbereitung des Alters weniger dringlich auch noch in späteren Lebensphasen lösbar. Insgesamt belegen die subjektiven Zeitpläne der Vorbereitung für das Alter die Kontextabhängigkeit des Vorsorgehandelns, das sich individuell, alters- und kulturspezifisch auf die jeweiligen Anforderungen und Bedingungen des Alterns einstellt und anpasst.
Von Interesse war schließlich auch die Frage, ob sich die gewählten Fristen für die Vorsorgeplanung über die Zeit veränderten. Für Deutschland erwiesen sich die gewählten Fristen in allen fünf untersuchten Bereichen der Altersvorsorge als relativ stabil über den Zeitraum von 6 Jahren mit nur wenigen Veränderungen: Ganz allgemein wurden die Fristen für die frühesten Zeitpunkte des Beginns bei jeder Erhebung um nur etwa 2 bis 3 Punkte früher gesetzt, während die Fristen für den spätesten Zeitpunkt fast unverändert blieben und – nach statistischer Kontrolle anderer Einflüsse – je Erhebung nur rund einen halben Punkt früher gesetzt wurden (Lang & Rupprecht, 2020).
Die zeitliche Struktur der Vorsorgeplanung verweist auch auf ein weiteres bedeutsames Themenfeld, nämlich der Möglichkeit, dass Menschen sich in ihrem Vorsorgehandeln außerhalb der normativen Erwartungen bewegen. Jemand kann beispielsweise nach der vorherrschenden Norm (vgl. Abb. 4.4) aus Sicht vieler Menschen zu früh oder auch zu spät damit beginnen, sich auf das Alter vorzubereiten und damit von der Erwartung abweichen. Wer zu früh für das Alter vorsorgt, mag aus dem nahen Umfeld vielleicht hören, dass dies doch nicht nötig und voreilig ist: „Du hast doch noch alle Zeit“ und „Mach Dir keine Sorgen“. Umgekehrt, wer sich nach langen Jahren der Berufstätigkeit gar nicht um die Altersvorsorge kümmert, keine Rücklagen bildet, häufig den Wohnort und das soziale Umfeld wechselt, und im Hier und Jetzt lebt, wird vermutlich gelegentlich die Frage hören oder sich selbst stellen, wie es denn einmal später weitergehen soll. Mit solchen Abweichungen von normativen Erwartungen an das Vorsorgehandeln verbindet sich auch die Frage, warum man überhaupt Zeit und Ressourcen in die Vorbereitung für das eigene Alter investieren sollte? Welche subjektiven Nutzen und vielleicht auch Kosten verbinden Menschen mit ihrem Vorsorgehandeln?

4.3.4 Subjektiver Nutzen und Bewertung des Vorsorgehandelns

Wenn Menschen sich auf ihr Alter vorbereiten, investieren sie damit Zeit und persönliche Ressourcen in eine ungewisse Zukunft, die offen lässt, inwieweit die Erwartungen, Wünsche und Ziele des Vorsorgehandelns jemals erreicht werden. Darüber hinaus kann es aber auch unerwünschte Folgen oder Nebenwirkungen des Vorsorgehandelns geben: Wer Geld für das Alter zurücklegt, verzichtet damit beispielsweise darauf, sich schon sofort einen Wunsch zu erfüllen, und nimmt auch in Kauf, dass es möglicherweise zu einer Wirtschaftskrise oder zu Geldentwertung kommen kann, welche die Rücklagen zunichtemacht. Jede Vorsorgehandlung wird von Erwartungen, Erfahrungen oder auch Einstellungen begleitet, die den subjektiven Nutzen oder aber eben auch die subjektiven Kosten des Vorsorgens in der Zukunft, aber eben auch in der Gegenwart betreffen. Der subjektive Nutzen des Vorsorgehandelns kann beispielsweise darin bestehen, dass man – indem man für das Alter vorsorgt – erwartet, mehr Autonomie und Unabhängigkeit zu bewahren, andere Menschen oder sich selbst entlastet oder sich mehr Sicherheit verschafft. Die subjektiven Kosten des Vorsorgehandeln können sich darauf beziehen, dass man sich im Alltag einschränkt, dass man Belastungen erlebt oder dass man riskiert, dass sich die Vorsorge am Ende als nutzlos erweist.
Zudem kommt es vor, dass Menschen wichtige Aufgaben auf später verschieben, um sich in der Gegenwart eine Entlastung von Zeit- oder Aufgabendruck zu verschaffen und um damit Zeit für andere Aufgaben und Vorhaben zu gewinnen. Im Ergebnis führt die Verschiebung von Aufgaben auf einen späteren Zeitpunkt dazu, dass man sich einen schnellen Nutzen jetzt sofort verschafft. Mit diesem Verhalten geht oft eine Haltung oder Einstellung einher, bei der Menschen die durch das Aufschieben oder Verschieben entstehenden später erst eintretenden Kosten oder Belastungen subjektiv abwerten oder sogar verdrängen. Dieses Phänomen wird in der psychologischen Literatur auch als temporale Abwertung (time discounting) bezeichnet, weil mögliche Konsequenzen des (Nicht-)Handelns für die eigene Zukunft unberücksichtigt bleiben oder sogar verdrängt werden. Wer hingegen für spätere Belohnungen auch bereit ist, auf schnelle Vorteile zu verzichten, der zeigt in diesem Sinn eine starke Zukunftspräferenz. Im Gegensatz dazu wird von Gegenwartspräferenz gesprochen, wenn Menschen den unmittelbaren Nutzen ihres Handelns gegenüber möglichen zukünftigen Vorteilen vorziehen (Löckenhoff, 2011; Zimbardo & Boyd, 2009).
Wie Menschen den Nutzen und die Kosten bestimmter Vorsorgehandlungen für sich selbst oder auch für andere Menschen ihres Umfeldes bewerten, kann also – je nach Lebensumständen und -bedingungen sehr verschieden ausfallen. Zu diesem Zweck wurde in dem Projekt Altern als Zukunft erhoben, wie der Nutzen und die Kosten des eigenen Vorsorgehandeln erlebt wurden (Kim-Knauss et al., 2020): Der Nutzen der Altersvorsorge umfasste das Ausmaß, mit dem die Vorsorge beiträgt, die eigene Unabhängigkeit zu bewahren, andere Menschen zu entlasten und sich ein Gefühl vermehrter Sicherheit zu verschaffen. Die subjektiven Kosten bezogen sich auf das Ausmaß erlebter Belastung und der erlebten Risiken, die mit dem Vorsorgehandeln im jeweiligen Lebensbereich verbunden sind.
Ältere erleben in den meisten Themenbereichen mehr persönlichen Nutzen bei ihrem Vorsorgehandeln als die jüngeren Befragten, wobei diese Altersunterschiede in den USA, Deutschland und Tschechien deutlicher ausgeprägt sind. Auch im Hinblick auf die erlebten Kosten des Vorsorgehandelns, wenn es subjektive Einschränkungen, Belastungen oder Risiken geht, gibt es themenspezifische Altersunterschiede. Insbesondere wenn es um die Vorbeugung gegen Einsamkeit, die Vorbereitung der Pflege und die Vorbereitung auf Sterben und Tod geht, erleben ältere Menschen mehr Belastungen und Risiken als jüngere Erwachsene. Das mag daran liegen, dass ältere Menschen auch mehr Erfahrungen mit den Unwägbarkeiten der Pflege, von persönlicher Beziehungen im Lebenslauf haben, und auch im Hinblick auf Vollmachten, Verfügungen und Erbschaften beim Thema Sterben und Tod. Dabei spielen aber auch kulturelle Unterschiede zwischen den Ländern eine Rolle. In den beiden chinesischen Ländern werden beispielsweise bei den meisten Themenbereichen mit Ausnahme des Wohnens mehr subjektive Kosten und Belastungen mit der Vorbereitung auf das Alter verbunden, während in den westlichen Ländern bei diesen Themenfeldern stärker die subjektiven Vorteile des eigenen Vorsorgehandelns betont werden (vgl. Abb. 4.6).
In einem weiteren Schritt wurde untersucht, inwieweit sich die subjektiven Vorteile des Vorsorgehandelns auf das eigene Selbst oder auf andere Personen beziehen. Einige der subjektiven Vorteile des Vorsorgehandelns bringen beispielsweise eine Entlastung von Sorgen mit sich oder dienen der Absicherung von Autonomie. Andere Vorteile beziehen sich dagegen auf nahestehende Angehörige und deren Entlastung, auf den Zusammenhalt der Generationen oder aber auf die Prävention von Konflikten. Im Vergleich zwischen den Ländern Hongkong, USA und Deutschland gab es in dieser Hinsicht klare und erwartete Unterschiede (Kim-Knauss et al., 2020): Während in Hongkong kaum ein Unterschied zwischen selbstbezogenen Vorteilen des Vorsorgehandelns und den subjektiven Vorteilen für andere unterschieden wurde, überwogen in Deutschland und USA deutlich die selbstbezogenen Vorteile gegenüber den auf andere bezogenen Vorteile.
Es zeigte sich zudem in allen Kulturen ein positiver Zusammenhang zwischen dem erwarteten Nutzen des Vorsorgehandelns und einer optimistischen Zukunftssicht. Allerdings unterschiedlich im Hinblick darauf, ob das Vorsorgehandeln mehr der eigenen Entlastung und selbstbezogenen Vorteilen dient oder ob man mit der Vorsorge hofft, die eigenen Angehörigen zu entlasten. Während in Hongkong diejenigen optimistischer waren, die sich vom eigenen Vorsorgehandeln auch Entlastung und Vorteile für andere versprechen, gab es solche Zusammenhänge in Deutschland und in den USA nicht. Dort waren vor allem diejenigen umso optimistischer, je mehr sie einen Nutzen des Vorsorgehandelns für sich selbst erwarteten (Kim-Knauss et al., 2020).

4.3.5 Subjektive Normen der Verantwortlichkeit für die Altersvorsorge

Eine weitere Fragestellung des Projekts Altern als Zukunft beschäftigt sich mit den subjektiven Wahrnehmungen der individuellen und gesellschaftlichen Verantwortlichkeit für die Altersvorsorge. Glauben die Menschen daran, selbst für ihre Vorsorge zuständig zu sein und diese beeinflussen zu können oder sehen sie die Verantwortung dafür bei der Gesellschaft? Beispielsweise kann vermutet werden, dass sich viele Deutsche in den Bereichen der finanziellen Vorsorge auf das Sozial- und Rentensystem verlassen. Schließlich gibt es auch Themen, wie beispielsweise die Vorbereitung auf Sterben und Tod, bei denen viele Menschen großen Wert auf Selbstbestimmung legen und die Verantwortlichkeiten entsprechend vor allem bei sich selbst sehen.
Es ist eine offene Frage, ob es bei der Zuschreibung von Verantwortlichkeiten auch Altersunterschiede gibt, die sich beispielsweise auch auf den gesellschaftlichen Wandel zurückzuführen sind. Erwartet wurde, dass insbesondere die eigene Verantwortlichkeit in den westlichen Ländern, wie den Vereinigten Staaten, Deutschland oder Tschechien etwas stärker ausgeprägt erwartet wird als in Hongkong oder Taiwan, in denen im Vergleich eher die Verantwortlichkeiten bei der Familie gesehen wird. Um sich diesem Thema zu nähern wurde die subjektiven Wahrnehmungen von Verantwortlichkeiten erfasst, wobei auch hier die Einschätzungen mit einer graphischen Darstellung erhoben wurden (vgl. Abb. 4.7).
In Bezug auf jeden der fünf betrachteten Vorsorgebereiche, finanzielle Vorsorge, Vorsorge für Wohnen, Vorsorge für Pflegebedürftigkeit, Vorsorge gegen Einsamkeit und Vorbereitung auf Sterben und Tod, wurde von den Befragten eingeschätzt, ob sie die Verantwortung jeweils bei sich selbst, bei der Gesellschaft oder eher bei der Familie oder Angehörige zuordneten. Wurde beispielsweise angenommen, dass man selbst, die Gesellschaft und die Familie gleichermaßen verantwortlich ist, konnte der ‚Schieber‘ in Abb. 4.7 auf eine mittlere Position gestellt werden.
Die Abb. 4.8 stellt die jeweiligen Antwortmuster der Befragten in den fünf betrachteten Ländern getrennt nach Altersgruppe im jeweiligen Vorsorgebereich zusammenfassend dar. Zum Zweck der besseren Vergleichbarkeit der dargestellten Antworten, wurden alle Skalenwerte so standardisiert und transformiert, dass die Durchschnittswerte jeweils in der Mitte der Skala liegen und die einzelnen Werte in gleicher Weise streuen. Die in der Abbildung dargestellte gestrichelte Linie zeigt jeweils an, in welchem Wertebereich ungefähr 68 % aller Antworten der Befragten lagen. Der Abb. 4.8 veranschaulicht, dass es deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern gibt, aber auch zwischen den betrachteten Vorsorgebereichen.
In Deutschland wird häufiger die Verantwortlichkeit für fast alle Vorsorgebereiche stärker der Gesellschaft (im Verhältnis zum Selbst und zur Familie) zugeschrieben, als dies in allen anderen Ländern der Fall ist. Lediglich in den Bereichen der Vorsorge für Sterben und Tod und der Vorsorge für soziale Teilhabe im Alter sehen viele Befragte aus Deutschland eine Verantwortung bei sich selbst bzw. ausgewogen auch bei der Familie. Im Gegensatz dazu sahen die Befragten in den USA die Verantwortung für die Altersvorsorge in allen Themenfeldern meist bei sich selbst.
In den beiden chinesischen Ländern Hongkong und Taiwan ähneln sich die Antwortmuster und zeigen dort eine deutliche Differenzierung je nach betrachtetem Vorsorgebereich. In Hongkong wird die Verantwortung für die finanzielle Situation und für die Wohnsituation eher der Familie zugeschrieben, während die Vorsorgeverantwortung für soziale Teilhabe und für Sterben und Tod eher bei der Gesellschaft gesehen wird. Es gab aber auch einige themenspezifische Unterschiede zwischen den Ländern. Beispielsweise wird bei der finanziellen Altersvorsorge in Deutschland und Tschechien eine stärkere gesellschaftliche Verantwortung gesehen als in China und in den USA. Im Hinblick auf die betrachteten Altersgruppen zeigen sich in allen betrachteten Ländern nur relativ geringe und uneinheitliche Altersunterschiede. Es zeichnet sich ab, dass ältere Befragte in ihren Antworten generell eher zur Mitte hintendierten und sich für eine ausgewogene Verantwortlichkeit zwischen Gesellschaft, Familie und Selbst aussprachen.
Alles in allem zeigen die Befunde der Online-Studie, dass sich die betrachteten Länder bezüglich der Verantwortung von Gesellschaft, Familie und den Betroffenen selbst für die Altersvorsorge je nach Themenbereich deutlich unterscheiden. Zukünftige Auswertungen unseres Projekts wird es auch erlauben zu klären, inwieweit sich die Unterschiede zwischen den Ländern auch auf die Vorsorgeplanung und das Vorsorgeverhalten konkret auswirken.

4.3.6 Wunsch nach Langlebigkeit als Motiv des Vorsorgehandelns

Das Zukunfts- und Vorsorgehandeln bezieht sich auf eine späte Lebensphase, die nicht alle Menschen erreichen und die vielen Menschen zudem wenig erstrebenswert erscheint. Die Frage nach der gewünschten Dauer des eigenen Lebens könnte demnach einen wichtigen Antrieb bei der Vorbereitung auf ein langes Leben darstellen. Gerade im Hinblick darauf, wie lange man gerne leben möchte, unterscheiden sich Einstellungen und Erwartungen zwischen den Menschen recht deutlich, auch abhängig von den jeweiligen Lebensbedingungen und -kontexten (Lang et al., 2007; Lang & Rupprecht, 2020).
So betrachten viele Menschen die Dauer des eigenen Lebens hauptsächlich als abhängig von biomedizinischen Fortschritten, aufgrund derer mögliche Erkrankungen immer besser bekämpft, verzögert werden oder sogar ganz verhindert werden können. Eine damit häufig verknüpfte Sichtweise besagt, dass ein verlängertes langes Leben nur wünschenswert erscheint, solange es frei von chronischen und schweren Erkrankungen bleibt. Länger zu leben, wenn dies mit einer Abhängigkeit von medizinischer Versorgung, Pflege und Betreuung durch andere einhergeht, erscheint konsequenterweise als abschreckendes Szenario, das vermieden werden soll. Eine mögliche Konsequenz ist, dass sich das Vorsorgehandeln vor allem der Erhaltung der eigenen Gesundheit, Funktionsfähigkeit und Selbstbestimmung widmet.
Einigen Menschen erscheint es auch dann erstrebenswert ein langes oder sogar verlängertes Leben zu führen, wenn dies mit funktionellen Einschränkungen, mit Verlusten und Pflegebedarf einhergehen sollte (Cicirelli, 2011). In unserem Projekt haben wir die gewünschte und die erwartete Dauer des eigenen Lebens mit Hilfe zweier Fragen erhoben. Zunächst wurde gefragt „Wie alt würden Sie gerne werden?“ und im Anschluss: „Wie alt erwarten Sie zu werden?“. Die sich ergebende Differenz zwischen der gewünschten minus der erwarteten Lebensdauer bezeichnet dabei die subjektive Lebenserwartungsdiskrepanz (Rupprecht & Lang, 2020). Diese gibt nun Auskunft darüber, inwieweit einem die mutmaßliche eigene Lebenserwartung im Prinzip eher zu kurz oder zu lang erscheint (Tab. 4.2). Dies hat auch verschiedene Implikationen dafür, wie ein langes oder verlängertes Leben bewertet wird und wie Menschen sich auf das Alter vorbereiten (Lang & Rupprecht, 2019a).
Tab. 4.2
Gewünschte Lebensdauer und subjektive Lebenserwartungsdiskrepanz
 
Gewünschte Lebensdauer in Jahren (SD)
Wünscht länger als erwartet
(%)
Wünscht kürzer als erwartet
(%)
Gewünschte Dauer gilt in jedem Fall
(% Ja)
Wunsch ist unsicher/Kann es nicht sagen
(% Ja)
Hongkong (N = 348)
Junge
81,7 (13,3)
32
17
7
62
Mittlere
82,5 (11,1)
31
10
15
77
Ältere
89,3 (7,3)
34
9
23
82
Taiwan (N = 446)
Junge
79,2 (10,0)
32
12
8
65
Mittlere
82,6 (11,0)
31
7
13
76
Ältere
89,9 (9,8)
20
8
21
72
USA (N = 140)
Junge
89,9 (10,5)
49
13
7
51
Mittlere
91,2 (12,2)
48
20
15
38
Ältere
92,0 (7,8)
40
11
7
62
Deutschland (N = 591)
Junge
89,2 (15,2)
67
14
7
45
Mittlere
88,3 (11,2)
58
11
5
37
Ältere
89,8 (8,1)
43
5
6
54
Tschechien (N = 529)
Junge
85,1 (11,3)
63
6
17
21
Mittlere
87,2 (10,9)
58
4
13
30
Ältere
87,0 (10,4)
55
5
13
34
Anmerkung: Junge = 18–44 Jahre, Mittlere = 45–64 Jahre, Ältere = 65 Jahre und älter
In allen Ländern gaben jüngere Erwachsene im Vergleich zu älteren Erwachsenen häufiger an, etwas länger leben zu wollen als sie erwarten. Dabei war diese subjektive Lebenserwartungsdiskrepanz insbesondere in Deutschland und Tschechien, und bei den jungen Erwachsenen in den USA deutlich größer als in Hongkong und in Taiwan. In den chinesischen Ländern entsprach für die deutliche Mehrheit der Befragten (d. h., mehr als 50 %) die ideale Lebensdauer genau der subjektiv erwarteten Lebensdauer. In den westlichen Ländern wie USA, Tschechien und Deutschland wünschte sich eine deutliche Mehrheit der Befragten länger zu leben, als sie es für sich subjektiv erwarteten. In allen Ländern gab es einen kleinen Anteil von Menschen zwischen 5 und 20 %, die sogar wünschten weniger lange leben zu müssen, als sie es erwarten.
Wenn Menschen gefragt werden, wie lange sie gerne leben würden, kommt es nicht selten vor, dass sie auch Vorbehalte gegen diese Frage oder Unsicherheiten bezüglich der Beantwortbarkeit dieser Frage äußern. Solche Reaktionen auf die Frage nach der gewünschten Lebensdauer erweisen sich ebenfalls als aufschlussreich im Hinblick auf die Einstellungen und Haltungen, die Menschen zu einem langen und verlängerten Leben haben (Ekerdt et al., 2017).
Um diese Vorbehalte zur der eigenen Angabe der gewünschten Lebensdauer ebenfalls zu erfassen, ordneten die Befragten schließlich ein, ob sie auch für den Fall so lange leben wollen wie gewünscht, falls sie schwer erkrankt oder pflegebedürftig sein sollten. Lediglich 12 % beantworteten dies positiv. Rund die Hälfte (52 %) gaben zudem an, dass ihre Antwort ungewiss ist, da sie nicht sicher sind, was sie diesbezüglich wünschen. Während sich die chinesischen Befragten allerdings mehrheitlich die Frage nicht sicher beantworten konnten, war eine Mehrheit der deutschen und tschechischen Befragten sich des eigenen Lebensdauerwunsches recht sicher. In allen Ländern war nur ein kleiner Anteil der Befragten (je nach Alter 7–23 %) überzeugt, auch dann so lange leben zu wollen, selbst wenn dies bedeutet, schwer erkrankt und pflegebedürftig zu sein.
Zusammenfassend wird erkennbar, dass in allen Kulturen bei den meisten Menschen eine zumeist eher vorsichtige, zurückhaltende Vorstellung davon vorherrscht, was es bedeutet ein langes Leben zu leben, und eine Mehrheit der Menschen in den westlich geprägten Ländern wünschen sich dabei unter gesundheitlichem Vorbehalt ein paar wenige Jahre länger zu leben, als sie es für sich erwarten, während in den östlichen Ländern solche Wünsche deutlich seltener geäußert wurden.

4.4 Fazit und Ausblick: Die Flexibilität des Alterns

Die Befunde zum Vorsorgehandeln des Projekts Altern als Zukunft zeigen auf, dass es eine hohe Bereitschaft bei Erwachsenen unterschiedlichen Alters gibt, sich mit den subjektiv erwarteten Themen und Herausforderungen des Alterns und der letzten Lebensphase antizipativ und präventiv auseinanderzusetzen und sich in der Konsequenz dementsprechend vorzubereiten. Alles in allem zeigt, dass die verschiedenen Themen der Altersvorsorge und der Vorbereitung auf das Altern im Verlauf des Erwachsenenalters, insbesondere für viele ältere Menschen an Dringlichkeit und Wichtigkeit gewinnen. Allerdings stellt sich gerade im Hinblick auf die Befunde der Online-Studien immer auch die Frage, inwieweit die Befunde verallgemeinert werden können. So waren gerade zu Beginn des Projekts die Beteiligten der Online-Studie noch häufig weiblich und auch gebildeter als etwa bei der Fragebogenstudie. Diese Unterschiede glichen sich aber im Verlauf des Projekts zunehmend aus. Es bleibt allerdings noch zu klären, inwieweit sich Bildungs- und Einkommensunterschiede auf das Vorsorge- und Zukunftshandeln auswirken.
Die meisten Menschen passen ihr Vorsorgehandeln flexibel an die Erfordernisse die jeweiligen kulturellen Bedingungen an und differenzieren dabei auch kultur- und kontextabhängig zwischen den unterschiedlichen Vorsorgebereichen etwa zwischen der finanziellen Vorsorge, der Vorsorge für Pflegebedürftigkeit und der Vorsorge für Sterben und Tod. Diese Differenzierung verschiedener Lebensbereiche zeigt sich auch in Abhängigkeit von Sichtweisen auf die Zukunft und im Hinblick auf spezifische Nutzen- und Kostenerwartungen bei der eigenen Vorbereitung auf das Alter.
Insgesamt deuten die Befunde darauf hin, dass sich jüngere Erwachsene in allen Bereichen des Vorsorgehandelns weniger häufig und intensiv mit der Vorbereitung auf das Alter auseinandersetzen als ältere Menschen. Jüngere sehen generell weniger Nutzen, aber auch weniger Risiken darin sich auf das Alter vorzubereiten und sie glauben meist auch in den meisten Vorsorgethemen auch mehr Zeit im Leben zu haben, um noch vorzusorgen als dies ältere Menschen haben. Allerdings gibt es auch Themenbereiche, wie beispielsweise die Finanzen oder auch die Pflege, bei denen viele jüngere Erwachsene eine Notwendigkeit sehen, schon früh im Leben mit der Altersvorsorge zu beginnen. Die Befunde belegen auch, dass sich die meisten Menschen in ihrem vorsorgebezogenen Handeln auf die in der eigenen Zukunft konkret antizipierten Anforderungen verschiedener Lebenskontexte und -situationen spezifisch einstellen.
Das antizipatorische Vorsorgehandeln betrifft dabei alle Bereiche des Lebens im Alter in sehr differenzierter Weise. So unterscheiden Erwachsene recht klar zwischen den Notwendigkeiten und auch Herausforderungen, die sich mit der Lebensphase unmittelbar nach dem Ende der Berufstätigkeit verbinden und denen, die erst in einer späteren Lebensphase erwartet werden, wenn es um die besondere Verletzlichkeit des hohen Alters geht. So weisen die erheblichen alters- und kulturbezogenen Unterschiede in den persönlichen Zeitplänen der Altersvorsorge beispielsweise darauf hin, dass die Vorbereitung für das Alter in Abhängigkeit von den jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen recht flexibel in den eigenen Lebenslauf eingepasst werden.
In der Gesamtschau zeigt sich, dass individuelles vorsorgerelevantes Handeln und die persönlichen Vorbereitungen auf das Alter flexibel an die eigenen jeweiligen Lebensumstände und die jeweiligen wohlfahrtsstaatlichen Bedingungen angepasst werden und diese dabei auch widerspiegeln. Dies zeigt sich teilweise auch in den normativen Fristen, die Menschen für ihr Vorsorgehandeln wahrnehmen und die je nach Lebenssituation und kulturellem Kontext variieren. In allen betrachteten Bereichen des Vorsorgehandelns zeigen sich Differenzierungen nicht nur nach Alter und Kultur, sondern auch je individuelle Unterschiede. Gerade im persönlichen Umgang mit der eigenen Endlichkeit und der begrenzten Lebenszeit zeigen sich starke individuelle Unterschiede, die sich schließlich auch in kontextspezifischen Vorbereitungen auf Sterben und Tod niederschlagen.
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Metadaten
Titel
Zukunftshandeln und Altersvorsorge
verfasst von
Frieder R. Lang
Copyright-Jahr
2022
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-63405-9_4