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Über dieses Buch

Das Lehrbuch wendet sich an Studierende der Architektur, Stadtplanung, Urbanistik, Kunst und Kulturwissenschaften. Es soll den Studierenden ermöglichen, für ihr Studium und ihre Studienprojekte eine theoretische und methodische Grundlage zur Hand zu haben. Dabei soll einerseits ein Übersichtswissen vermittelt werden, in welcher Weise unterschiedliche Herangehensweisen aus den Sozialwissenschaften genutzt werden können, um konkrete Probleme in Städten in einer systematischen und realistischen Weise zu untersuchen. Andererseits wird das Buch zu grundlegenden Fragestellungen der Stadtforschung Positionen vermitteln, die zu einem besseren interdisziplinären Verständnis führen sollen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Wie erforscht man eine Stadt?

Zusammenfassung
Vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht mehr. Diese paradoxale und humorvolle Redensart soll zum Ausdruck bringen, dass man das Offensichtliche nicht findet, obwohl es eigentlich direkt vor der Nase liegt. Es ist kein Zufall, dass Aufklärer wie Christoph Martin Wieland und seine Zeitgenossen diese Formulierung oft benutzt haben und diese aus dem 18. Jahrhundert überliefert ist. Das war die Zeit, in der sich die Philosophie mit der Erkenntnistheorie beschäftigte und somit Grundlagen für die bahnbrechenden Neuerungen des Denkens im 19. Jahrhundert und das Entstehen der modernen Wissenschaften legte. Es ist auch die Zeit vor der alles umwälzenden Urbanisierung Deutschlands. Bis dahin war Deutschland ein eher agrarisches Land, in dem die meisten Städte als Residenz- und Handelsstädte gegründet worden waren. Die industrielle Revolution und die nationale Einheit prägten die Gesellschaft erst im 19. Jahrhundert maßgeblich, weshalb die Entwicklung der modernen Stadt in Deutschland im Vergleich zu England, Frankreich, Norditalien oder den Niederlanden wesentlich später einsetzte. Wie wenig bis dahin das Leben in der Stadt prägend war, kann auch an der zitierten Redewendung deutlich werden. Die Metaphorik entspringt dem urdeutschen Lebensgefühls, der romantischen Idee vom Leben im Wald und in der Natur.
Frank Eckardt

2. Die Stadt als Forschungsthema

Zusammenfassung
Die Stadt ist potentiell ein Thema für alle. Das bietet viele Möglichkeiten für die Forschung. Sie ist kein abstraktes Phänomen, das sich nur intellektuell erschließen lässt wie etwa die Gesellschaft oder die Nation, auch wenn deren Wirken sehr real ist. Städte erscheinen direkt erfahrbar und sind sinnlich und körperlich wahrnehmbar. Eben jene Formen des unvermittelten Raum-Erfahrens stehen allerdings unter dem Generalverdacht, dass sie leicht zu manipulierende und irreführende Formen des Wissens produzieren und nicht überprüfbar sind, weil sie vom Subjekt der Wahrnehmung abhängen. Insofern kann zwar die Stadt durchaus für alle Menschen ein Thema sein, aber es ist nicht unbedingt für jede(n) ein Forschungsthema. Der Unterschied liegt zunächst einmal in der Problematisierung der singulären Erfahrung. Es kann reiner Zufall sein, dass ein Stadtbewohner dieses oder jenes erfahren hat und damit jedoch keine über den Einzelnen hinausgehende Geltung für seine Erfahrungen plausibel machen kann.
Frank Eckardt

3. Die Stadt als Forschungsgegenstand

Zusammenfassung
Der Stadt kann man sich auf verschiedene Weise nähern. Eine thematische Herangehensweise, wie im vorherigen Kapitel ausgeführt, ergibt sich immer, wenn es zu einer gewissen fokussierten Kontinuität in der Beschäftigung mit Einzelaspekten der Stadt kommt. Manche Themen ergeben sich aus langjährigen oder nachhaltigen Erfahrungen mit der Stadt oder einem weitergehenden abstrakten Interesse oder der professionellen Ausbildung. Es geht aber auch anders: Nicht ein bestimmtes Thema, sondern ein konkreter Gegenstand ruft Fragen hervor, erregt intensives Nachdenken und weckt Zweifel daran, ob dieser schon so „richtig“ verstanden wird. Manche Gegenstände scheinen als solche problematisch zu sein oder machen neugierig. Eine solche Annäherung an die Stadtforschung wird oft als „induktiv“ bezeichnet, sie ist in vielen raumorientierten Wissenschaften sehr gebräuchlich. Die vermeintlichen Vorteile sind, dass der Gegenstand leicht zu beschreiben ist und insgesamt anschaulich, verständlich und nützlich erscheint.
Frank Eckardt

4. Städtische Problemfelder

Zusammenfassung
„All life is problem solving“, ist ein bekannter Ausspruch des Philosophen Karl Popper. Selbstverständlich kann man auch als Stadtforscher einer anderen Lebensdefinition anhängen, aber mit der Sinnhaftigkeit von Forschung prinzipiell konfrontiert, mag eine auf Problem-Lösung orientierte Arbeit grundsätzlich mehr befriedigen als andere Motive wie Geld- und Statuserwerb. Viele Wissenschaftler und auch Studierende in der Stadtforschung sind vor allem dadurch motiviert, dass ihre Forschung ein reales und konkretes Problem behandeln soll, auch wenn schnell darüber Einverständnis zu erzielen ist, dass eine wirkliche Lösung von Problemen der Stadt nie von einem Schreibtisch in der Universität aus erreicht werden kann, sondern von den handelnden Akteuren abhängt.
Frank Eckardt

5. Die Philosophie der Stadtforschung

Zusammenfassung
Im Laufe eines jeden Projekts der Stadtforschung werden früher oder später grundsätzlichere Themen angeschnitten, die über die eigentlichen Forschungsansätze hinausgehen und in den „urban studies“ oftmals wenig offen und ausdrücklich thematisiert werden. Viele Studierende aus nicht-akademischen Ausbildungsgängen fehlt die Gelegenheit, wie in den Sozial- und Kulturwissenschaften üblich, im Rahmen von Seminaren oder anderswie sich einmal über ganz grundsätzlich zum Thema Forschung eine Meinung zu bilden.
Frank Eckardt

6. Forschungsdesign der Stadtforschung

Zusammenfassung
Der Begriff Forschungsdesign meint, dass im Vorhinein festgelegt werden muss, in welcher Weise und in welcher Reihenfolge Methoden in der Umsetzung der Forschungsfrage durchgeführt werden sollen. Die Wahl des Forschungsdesigns ist entscheidend für die Beurteilung der Forschungsarbeit. Maßgeblich hierfür ist die Kohärenz des Vorgehens. Damit ist gemeint, dass mit der gewählten Methodik auch die vorab formulierte Fragestellung tatsächlich beantwortet werden könnte. Um ein Forschungsdesign wählen zu können, ist es deshalb wichtig, dass die Forschungsfrage so formuliert wird, dass sie auch mit einem systematischen und methodischen Vorgehen umgesetzt werden kann. Die Wahl eines Forschungsdesign folgt in der Regel den Traditionen der Disziplinen, in denen Forschung betrieben wird.
Frank Eckardt

7. Voraussetzungen der Stadtforschung

Zusammenfassung
Die Stadt als Ganzes zu erforschen ist nach wie vor das grundsätzliche Ansinnen der Stadtforschung und insbesondere jener Forscher der „Community studies“. Im realen Leben sind hierfür die Voraussetzungen selten vorhanden. Das hat einmal mit der zugenommenen Komplexität der Stadt, zum anderen aber auch mit der begrenzten Ausstattung mit Zeit, Geld, Kreativität und anderen menschlichen und technischen Ressourcen der Forschung zu tun. Anfang der 2000er Jahre gab es noch im 5. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission ein Programm „City of Tomorrow“, in denen viele stadtforscherische Projekte finanziert werden konnte.
Frank Eckardt

8. Quellen und Texte

Zusammenfassung
In der Regel wird die Literaturrecherche in vielen Forschungsprojekten an den Beginn gestellt. Das ist insbesondere bei deduktiven Forschungsdesigns der Fall. Hier geht man davon aus, dass der allgemeine Wissensstand („State of the art“) ermittelt und in einer systematischen Auswertung danach untersucht wird, welche Forschungsfrage relevant und offen ist. Davon kann bei induktiven Ansätzen keine Rede sein. Je nach Standpunkt wird man sogar eher eine Vorinformation über das Forschungsthema ablehnen.
Frank Eckardt

9. Experten-Interviews

Zusammenfassung
Wahrscheinlich sind Experten-Interviews die häufigste Methode, die in der Stadtforschung angewandt wird. Die Forschungsfrage an einen Experten zu richten, scheint in unserer hochgradig komplexen Welt nur logisch zu sein. Bei vielen Studienarbeiten werden dann jene Experten aufgelistet, die von Amts oder von Würden wegen eine bestimmte Kompetenz zu haben scheinen, zu einem Thema Auskünfte zu erteilen. Also werden Stadtplaner, Politiker und andere bedeutende Persönlichkeiten einer Stadt um ein Interview gebeten. Teilweise wissen diese Interview-Partner auch viel über das Thema. Doch ergeben sich in der Regel mit einem solchen Vorgehen viele Probleme: Zunächst ist eine Überprüfbarkeit der vermittelten Informationen oftmals nicht möglich oder diese Auskünfte sind von so allgemeiner Natur, dass sie bereits öffentlich sind. Die Überprüfbarkeit der Informationen wird zudem dadurch erschwert, dass sie von vornherein als Wissen eines Experten qualifiziert werden, dem im Grunde nur ein anderer Experte widersprechen kann. Einen potentiell widersprechenden „Alternativ-Experten“ gibt es aber zumeist gar nicht. Wer sollte das etwa beim Leiter des Stadtplanungsamtes sein?
Frank Eckardt

10. Focus Group-Interviews

Zusammenfassung
In vielen Forschungsprojekten hat der Forschende es nicht mit Einzelnen sondern mit Gruppen zu tun. Damit ergeben sich andere Schwierigkeiten, Begrenzungen und auch Möglichkeiten, als dies bei der Durchführung von Einzel-Interviews der Fall ist. In manchen Fällen wollen beispielsweise Bürger oder Aktivisten sich nicht mit einem Interviewer allein treffen. Die Anwesenheit weiterer Personen muss noch nicht die Logik des Experten-Interviews oder anderer Interview-Formen verändern, insofern sich noch zuordnen lässt, welche Aussagen von wem kommen und die Interaktion auf den Interviewer zentriert bleibt. Oftmals sind auch nur begleitende Personen bei einem Gespräch anwesend. Zu überprüfen ist aber immer, inwiefern diese aktive oder passive Beteiligung anderer Personen die Äußerungen beeinflussen. Es ist nicht unüblich, dass Amtsleiter die betreffenden Sacharbeiter mithinzuziehen. Manchmal kann sich die Kommunikation formal zwar an den Interviewer richten, aber den Mitarbeitern werden, zumindest zwischen den Zeilen, auch bestimmte Botschaften vermittelt. Ranghöhere nutzen solche Interviews auch für Selbstdarstellungen, manchmal bis es wirklich wehtut.
Frank Eckardt

11. Andere Interview-Formen und Befragungen

Zusammenfassung
In der Literatur über Forschungsmethoden lassen sich unterschiedliche Klassifizierungen von Interviews finden. Je nach Disziplin werden außerdem bestimmte Interview-Formen anders behandelt und beurteilt. In der Stadtforschung werden hingegen oft relativ wenige Unterscheidungen vorgenommen und viele Interviews zumeist als Experten-Interviews deklariert, obwohl sie dies eigentlich nicht sind. Zum anderen werden von Studierenden oftmals Umfragen oder Befragungen als Methoden angestrebt, die jedoch selten wirklich angemessen erscheinen. Im Folgenden sollen die Möglichkeiten und Grenzen von anderen Interview-Formen und Befragungen dargelegt werden.
Frank Eckardt

12. Beobachtung

Zusammenfassung
Beobachten und über Beobachtungen zu reflektieren, so könnte man auch das Wesen wissenschaftlichen Arbeitens formulieren. Das Beobachten von Menschen in der Stadt ist die Grundidee jeder Stadtforschung. Die ersten Stadtforscher sahen deshalb die Stadt als eine Art Labor an: „The city (…) in which more than elsewhere human relations are likely to be impersonal and rational, defined in terms of interest and in terms of cash, is in a very real sense a laboratory for the investigation of collective behavior.“
Frank Eckardt

13. Visuelle Stadtanalyse

Zusammenfassung
Vorsicht: diese Methode wird von den meisten Studierenden unterschätzt! Und zwar in doppelter Weise. Zum einen wird davon ausgegangen, dass Fotografieren als Methodik leicht und schnell anzuwenden ist und dementsprechend weniger aufwendig ist als etwas das Führen von Interviews. Zum anderen wird unterschätzt, in welcher Weise mit visuellen Daten eine Stadt tatsächlich erkundet werden kann. Die visuelle Stadtanalyse als solche ist jedoch keine etablierte Methodik. Nach wie vor ist es begründungsbedürftig, wenn Bilder oder andere visuelle Materialien in eine Forschungsarbeit als Methode aufgenommen werden. Selbstverständlich ist es in vielen Publikationen gang und gäbe, dass dort Bilder aufzufinden sind. Allerdings ist deren Status innerhalb der Forschungsarbeit oftmals lediglich als Illustration vorgesehen, quasi als Bebilderung des im Text vermittelten Wissens. In der Architektur und in der Kunst haben Bilder einen essentiellen Wert und wird deren Herstellung als eigentliches Ziel verstanden. Sie stellen somit einen Wert an sich dar, an denen nicht eine abstrakte Aussage nachvollziehbar werden soll. Sie sind nicht Mittel zum Zweck. Insofern künstlerische oder architekturbezogene Tätigkeiten Entwürfe, Konzepte und allgemein Visualisierungen als Bestandteil eines Prozesses verstehen, kommt solchen Bild-Produktionen wiederum ein anderer Status zu. Dennoch ist immer noch nicht davon auszugehen, dass hierbei ein methodisches Forschungsziel verfolgt wird, insofern diese Bildproduktionen nicht analytisch reflektiert werden, sondern die Kommunikation über einen imaginierten Raum (Entwürfe für den zukünftigen Bau etwa) ermöglicht werden soll.
Frank Eckardt

14. Partizipative Stadtforschung

Zusammenfassung
Viele der bereits besprochenen Methoden ermöglichen oder erfordern eine Teilnahme der Menschen, die auf die eine oder andere Weise in das Forschungsfeld integriert sind. Streng genommen geht es nicht um die Frage, ob es überhaupt ohne andere Menschen in der Stadtforschung gehen kann. Die verschiedenen Auffassungen, Wahrnehmungen, Narrative und symbolische Repräsentation, die insgesamt eine Stadt ausmachen, sind die Welt, in der der Forscher aufgewachsen ist und deren Einfluss auf die zu untersuchende Stadt weiterwirken. Stadtforschung kann nur zeitweise und unter kontrollierten Umständen eine Isolierung von der Stadt vollziehen. Die Ausblendung von „Subjektivität“ ist deshalb nicht möglich. Durch Transparenz, Kontrolle und Reflexion soll diese aber in Schranken gehalten werden und kann sogar für den Forschungsprozess genutzt werden. Inter-Subjektivität lautet das Zauberwort.
Frank Eckardt

15. Künstlerische Stadtforschung

Zusammenfassung
„Zusammenbruch und Wiederaufbau“ hieß das Motto der 13. Documenta 2012 in Kassel. Obwohl sich auch die vorherigen Ausstellungen auf die eine oder andere Weise mit dem Ausstellungsort auseinandergesetzt haben, so hatte diese documenta doch einen spezifischen Blick auf die Stadt Kassel geworfen, der sich bewusst damit auseinandersetzte, dass die Stadt im Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört und in der Nachkriegszeit paradigmatisch neu aufgebaut worden ist. Mit der bundesweit ersten Fußgängerzone und dem Verzicht auf eine Rekonstruktion des verlorengegangenen Bau-Erbes symbolisiert Kassel für viele ein Beispiel der Vergangenheitsverdrängung im Nachkriegsdeutschland. Mit dem Pragmatismus des Wiederaufbaus wurden die Trümmer und Erinnerungen verschüttet. Die Künstlerin Natascha Sadr Haghighian hat hierzu mit ihrem Projekt „trail“ für die documenta 13 gezielt nachgeforscht. Große Teile der Ausstellung der documenta werden von jeher aus den Ausstellungsräumen in die Karlsaue verlagert, die aber zumeist nur als eine Art Spielwiese für die Künstler dient und von ihnen als historisch-gesellschaftlicher Ort nicht thematisiert wird. Mit „trail“ (siehe http://www.d13trail.de/) hat Sadr Haghighian sich der angrenzenden Straße „Schöne Aussicht“ gewidmet, von der man den Park übersehen kann und von dem hinab ein steiler Pfad führt. Dieser Pfad wurde im Jahr 1955 für die Bundesgartenschau mit Trümmern,u. a. der Henschel-Werke, angelegt. Die Künstlerin konnte sich zur Vorbereitung des Projekts mit vielen Menschen treffen, mit denen sie Erinnerungen, Assoziationen und Interpretationen über diesen für Kassel besonderen Ort ausgetauscht hat. Sie hat die Bepflanzungen, die heutige Nutzungen und auch das Tierleben in der Aue erkundet und versucht, deren Onomatopöie einzufangen und in ihre eigene künstlerische Ausdrucksweise zu übertragen. Dieser Übersetzungsvorgang ist von Anfang bis Ende als ein öffentlicher Prozess zu beobachten gewesen und hat großes Interesse und Anteilnahme der lokalen Bevölkerung gefunden. Dabei wurden die historischen Bezüge zwischen der Waffenfabrik der Familie Henschel – die nicht nur hauptsächlich von der Kriegsgüterproduktion lebte, sondern auch mehr als 20.000 Zwangsarbeiter beschäftigte – und der Bombardierung der Stadt durch die Alliierten in einer tast- und begehbaren Weise räumlich erfahrbar, wie dies ohne den Vermittlungsakt eines künstlerischen Projekts nicht möglich gewesen wäre. Das abstrakte Wissen über den Zusammenhang zwischen den Verbrechen des Nationalsozialismus, der Kriegszerstörung und dem modernen Wiederaufbau wurde durch „trail“ zu einem anschaulichen und erfahrbaren Lernraum, in dem die Teilnehmer eine Art von Wissensgemeinschaft bildeten, für die die „Schöne Aussicht“ nicht mehr ohne ein Verständnis der gesellschaftlichen Historie des Ortes sein wird. Das Projekt lebte von der medialen und direkten Diskussion mit der Künstlerin und konnte nur funktionieren, weil eine aktive Beteiligung sowohl der älteren Bewohner Kassels als Zeitzeugen und jüngeren Interessenten durch die documenta eingerahmt wurde. Doch diese Kunstausstellung leistete noch mehr. Gemäß ihrem Motto abstrahierte sie die Kasseler Erfahrungen und stellte sie in den Kontext heutiger Stadtzerstörungen, wobei vor allem die Zerstörung von Kabul thematisiert wurde, wo eine zeitgleiche Ausstellung von afghanischen Künstlern organisiert wurde. Der zeitversetzte Vergleich zwischen Kassel und Kabul sollte dazu dienen, zwischen beiden Städten Korrespondenzen aufzuzeigen. Die Fragestellung lautete:
Frank Eckardt

16. Stadtforschung und Kommunikation

Zusammenfassung
Kommunikation ist das A und O jeder guten Forschung: Diskussionen mit anderen Studierenden, den Dozenten, der Fachwelt, den Quellen, den Blogs und Medien zum Forschungsthema, den „Anker-Personen“ zum Feld und vor allem immer: mit sich selbst. Wer sich aufs Forschen einlässt, sollte sich dies eher als ein geschwätziges als ein einsames Geschäft vorstellen. Nicht jede Form der Kommunikation hat allerdings denselben Stellenwert und natürlich nicht das gleiche Format.
Frank Eckardt

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