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16.11.2017 | Stadtplanung | Im Fokus | Onlineartikel

Gestaltungsbeiräte bei Bauvorhaben

Autor:
Christoph Berger

Laut einer aktuellen Untersuchung hat sich die Zahl der Gestaltungsbeiräte seit 1994 mehr als verdoppelt. Sie beraten Städte bei architektonischen und städtebaulichen Bauvorhaben und fördern die Debatten über gutes Planen und Bauen.

Das, was als schön empfunden wird, hängt laut Martin Düchs vom jeweiligen kulturellen Hintergrund und der persönlichen Prägung ab. So schreibt er es im Kapitel "Zur moralischen Instanz des Schönen in der Architektur" des Springer-Fachbuchs "Architektur- und Planungsethik". Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad: "Urteile über das Schöne in der Architektur und anderswo sind zwar kulturell geprägt, aber das heißt eben nicht, dass sie deshalb völlig beliebig wären und es heißt vor allem nicht, dass man keine sinnvollen Aussagen über Schönheit machen könnte. Innerhalb eines bestimmten kulturellen und zeitlichen Rahmens ist, jenseits von hochartifiziellen Theorien über das Kunstschöne, die Übereinstimmung über das, was als schön empfunden wird, überraschend hoch."

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2013 | OriginalPaper | Buchkapitel

Ergebnisse der Fallstudienuntersuchung

Die Fallstudien haben einen tiefen Einblick in die Potenziale und Grenzen eines Institutional Design gegeben, über das Stadtplaner, Quartiersentwickler oder auch Grundstücksbesitzer auf die Investitions- und Allokationsentscheidungen von Büroprojekte


Dafür, so führt es Düchs in der Fußzeile dazu weiter aus, würden psychologische Erkenntnisse und ganz schlicht die tägliche Erfahrung sprechen. Denn auch im Bereich der Architektur gebe es sowohl unter Laien als auch unter Fachleuten eine hohe Übereinstimmung über Schönheit: "Andernfalls wären Dinge wie Gestaltungsbeiräte, aber auch Architektenwettbewerbe sinnlos."

Gestaltungsbeiräte für Mindeststandards

Doch, und so beschreibt es Christoph Meyer zum Alten Borgloh im Kapitel "Ergebnisse der Fallstudienuntersuchung" des Springer-Fachbuchs "Büroprojektentwicklung im Spannungsfeld von Transaktionskosten und stadtplanerischer Intervention", könnten sich aus den Expertengesprächen deutliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den Quartiersentwicklern und Kommunen auf der einen und den Projektentwicklern und Investoren auf der anderen Seite zum Sinn und Unsinn von Architektenwettbewerben und qualitativen Vorgaben zur Gebäudearchitektur ergeben. 

"Während die Quartiersentwickler und Kommunen in den Wettbewerben probate Mittel zur Qualitätssicherung sehen, fürchten Projektentwickler nicht nur einen Verlust an Entscheidungskompetenzen, höhere Kosten, unberechenbare und zum Teil politisch beeinflusste Wettbewerbsausgänge sowie die durch Wettbewerbe entstehenden Verzögerungen. Auch die grundsätzliche Frage, ob nicht der freie Markt eine attraktivere Architektur einfordere als Gremien von Architekten und vermeintlichen Experten, wurde wiederholt in den Raum gestellt." Als Kompromiss zur Wahrung bestimmter Mindeststandards seien daher unter anderem Fassadenwettbewerbe und Gestaltungsbeiräte genannt worden.

Vor allem in Großstädten aktiv

Von letztgenannten gibt es laut der vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Mitherausgeberschaft des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) veröffentlichten Publikation "Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte" immer mehr: Demnach hat sich ihre Zahl seit 1994 mehr als verdoppelt – derzeit gebe 130 von ihnen. Laut der Untersuchung sind mehr als die Hälfte der Gremien in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen aktiv. Sie würden vor allem in Großstädten entstehen. Oftmals sei die Einrichtung von Gestaltungsbeiräten die Initialzündung in Kommunen, um sich langfristig mit Baukultur zu beschäftigen, heißt es.

Die Publikation, die das Ergebnis eines Forschungsprojekts ist, zeigt Fallbeispiel und stellt Tätigkeitsfelder vor – zeigt aber auch die Grenzen der Gremien auf.

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