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Stadtplanung

weitere Buchkapitel

Sozio-materielle Praktiken in irritierenden Situationen

Vor gut zwanzig Jahren haben Klaus Amann und Stefan Hirschauer (1997) die Ethnografie in die Pflicht genommen, die eigene Kultur zu befremden. Sie möge systematisch daran arbeiten, unsere modernen und stark differenzierten Wissensgesellschaften exotisch erscheinen zu lassen. Wie Hirschauer (2008) später erneut bekräftigt hat, richtet sich dieses Projekt gegen ein doppeltes Muster verfehlter innerdisziplinärer Arbeitsteilung.

Jörg Potthast

Kapitel 2. Grundlagen

In diesem Kapitel werden die für dieses Buch grundlegenden Begriffe, Konzepte und Methoden eingeführt und erläutert. Zunächst werden in Abschn. 2.1 das physikalische Funktionsprinzip, die Komponenten, Ausführungen und Anwendungsbereiche von Separatoren erläutert. Anschließend werden in Abschn. 2.2 die relevanten Begriffe im Kontext der interdisziplinären Entwicklungsmethodik und des Systems Engineerings erklärt. Abschn. 2.3 erläutert grundlegende Aspekte zum Thema Sensorik in der Separatorentechnik. Schließlich führt Abschn. 2.4 die für das weitere Verständnis wichtigen Begriffe in den Bereichen Expertensysteme und Maschinelles Lernen ein.

Thorsten Westermann, Wilfried Mackel, Frank Taetz

Kapitel 1. Einleitung – Zum Stand der deutschsprachigen Planungstheorie

Die Planungsdisziplin hat sich seit ihren Anfängen in den 1950er und 1960er Jahren zu einer in Forschung, Lehre und Praxis relevanten Wissenschaft entwickelt. Parallel zur Entwicklung der Stadt- und Raumplanung entwickelte sich auch das Nachdenken über Planung, sowohl innerhalb der räumlichen Planung als auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Dies führte zur Herausbildung von Planungstheorien, deren Vermittlung heute im Curriculum aller Planungsstudiengänge verankert ist. Allerdings fehlte es bislang im deutschsprachigen Raum an einer aktuellen Bestandsaufnahme des internationalen planungstheoretischen Diskussionsstandes, die eine Grundlage bilden könnte für weiterführende Fachdiskurse.

Thorsten Wiechmann

Kapitel 2. Strategische Planung

Räumliche Planung leistet Beiträge zur Koordination und Steuerung der Nutzung des Raumes durch die Gesellschaft. Sie ist damit Teil der politischen SteuerungSteuerung, politische gesellschaftlicher Ressourcen (zur Stadtentwicklung vgl. z. B. Selle 2005; zur Regionalentwicklung vgl. Fürst 2005). In den 1960er Jahren setzte sich in Deutschland allerdings ein Verständnis räumlicher Planung als sachlicher und „technischer“ Prozess zweckrationaler EntscheidungenEntscheidung auf der Basis möglichst weitreichender wissenschaftlicher Erkenntnisse durch. Planungstheoretische Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre betonten demgegenüber den kommunikativen Charakter räumlicher Planung sowie deren institutionelle Einbettung. Der Fokus lag nicht mehr auf zweckrationaler Planung bzw. auf „technischer“ RationalitätRationalität , sondern auf der Funktion von Planung als kommunikativer Handlung, als sozialer Lernprozess und als Teil politisch-institutioneller Prozesse. Zwecke und Ziele waren nicht mehr einfach der Planung vorgegeben, sondern selbst Gegenstand politischer Auseinandersetzungen und des sozialen Lernens in der Planung. Planungsforscher reagierten damit einerseits auf wissenschaftlich-theoretische Entwicklungen (z. B. Kritiken positivistischer Forschung, neue Sozialtheorien, z. B. Theorien sozialer Praktiken, Aktor-Netzwerk-Theorie; vgl. z. B. Healey 2017). Sie reagierten andererseits auf gesellschaftliche Konfliktlagen, UnsicherheitenUnsicherheit und Wandelungsprozesse, wie sie nach dem „Goldenen Zeitalter“ der Nachkriegszeit in westlichen Gesellschaften offensichtlich geworden waren (zum „Goldenen Zeitalter“ der 1950 und 1960er Jahre und zu den danach aufkommenden Unsicherheiten, insbesondere nach der „Ölkrise“ in der ersten Hälfte der 1970er Jahre vgl. Hobsbawm 1995).

Gérard Hutter, Thorsten Wiechmann, Thomas Krüger

4. Was Stadtnatur leistet

Was Stadtnatur konkret leistet, haben Stadtbürger bisher empfunden und hielten sich dort auf, wo diese nachgefragten Leistungen optimal im Vergleich angeboten wurden. Messbar waren diese Leistungen jedoch meist nicht. Der besonders schöne Park, der Auenabschnitt mit vielen Vogelarten, der Platz, wo Kinder am flachen Wasser gefahrlos spielen können oder die schattige Allee waren lediglich als Kategorien lokal bekannt und genutzt.

Jürgen Breuste

2. Wie die Stadtnatur entstand

Stadtnatur war lange Zeit ausschließlich gestaltete Natur in städtischem Kontext. Sie entstand mit der Entwicklung von Städten, nahm damit auch unterschiedliche Gestaltungs- und Akzeptanzformen an. Sie begann als vorwiegend private Natur im persönlichen Umfeld, als Gärten für Herrscher- und Besitzeliten, wurde als moden- und trendunterworfene Schmucknatur deren Statussymbol. Als Nutznatur der Obstgärten und Landwirtschaftsflächen verblieb sie lange in den Städten, bis der Wert ihrer Flächen sie in Konkurrenz zu anderen Nutzungen an den Stadtrand verdrängte bzw. ganz verschwinden ließ.

Jürgen Breuste

8. Welche Wege es zu einer Grünen Stadt gibt es?

Die Wege zur Grünen Stadt können vielfältig sein und entwickeln sich im lokalen und regionalen Kontext. Dieses Kapitel beschreibt in acht Punkten die „Hauptstraßen“ einer „Road Map“ zur Grünen Stadt. Das Bemühen um eine Grüne Stadt wird immer zunächst mit ersten Schritten beginnen, um eine Perspektive für die anzugehenden Aufgaben zu gewinnen. Immer wird es darum gehen, Raum für Stadtnatur zu erhalten, neu zu gewinnen und diesen zu vernetzen. Stadtnatur allen zugänglich machen, bedeutet auch, vorhandene Potenziale an Stadtnatur zu erschließen. Generell geht es darum, den Nutzen von Stadtnatur für die Bürger der Stadt zu vergrößern und dabei alle Naturarten einzubeziehen. Dazu ist es notwendig, Stadtnatur zum Naturerlebnisraum und zum Lernort für Naturerfahrung zu machen. Der klassische Konflikt zwischen „Schützen“ und „Nutzen“ von Natur muss in der Stadt zugunsten eines Naturschutzkonzepts, das Schützen durch Nutzen in den Mittelpunkt stellt, aufgehoben werden.

Jürgen Breuste

1. Was Stadtnatur ist

Der Terminus „Grün“ gerät in der Alltagssprache derzeit in Gefahr belanglos zu werden, zumindest aber unkonkret und bedeutungsvariabel. Dies trifft auch auf „Grüne Stadt“ zu. Hier können sehr vielfältige Inhalte von Verkehr über Energie bis zu Natur einbezogen werden.

Jürgen Breuste

6. Was urbane Biodiversität ausmacht

Biodiversität wird oft verkürzt nur als Artenvielfalt wahrgenommen. Die Struktur der Lebensräume gehört jedoch dazu und macht Artenvielfalt erst verständlich. Dies trifft auch auf urbane Biodiversität zu. Sie ist wie die Stadtnatur als Ganzes gestaltete Biodiversität basiert auf städtischen Strukturen und deren Pflege und Management. Biodiversität wird in der Stadt gestaltet, kann damit also auch vergrößert oder reduziert werden.

Jürgen Breuste

7. Was Stadtnatur im Konzept der Grünen Stadt ausmacht

Die Grüne Stadt ist Leitbild und Vision. Das inhaltlich breite Konzept der Grünen Stadt enthält als Kern die Stadtnatur. Im Konzept der Grünen Stadt wird Stadtnatur „konzeptualisiert“.

Jürgen Breuste

2. Kommunikative Planung

In dem 2012 von Frank Fischer und Herbert Gottweis veröffentlichten Band The Argumentative Turn Revisited: Public Policy as Communicative Practice zieht Mitherausgeber Frank Fischer eine Bilanz des in dem nahezu gleichnamigen Band aus dem Jahr 1993 angekündigten „Argumentative Turn in Policy Analysis and Planning“ (damals noch gemeinsam mit John Forester). In beiden Büchern kamen auch Planungswissenschaftler zu Wort, und man kann sagen, dass die argumentative WendeWende argumentative , so wie sie von Frank Fischer, John Forester, John S. Dryzek und Patsy Healey in dem Band beschrieben und angewandt wurde, deutliche Spuren in der Planungspraxis und auch in der Planungstheorie hinterlassen hat. Es kann also auch hier Bilanz gezogen werden.

Karsten Zimmermann

1. Einleitung – Zum Stand der deutschsprachigen Planungstheorie

Die Planungsdisziplin hat sich seit ihren Anfängen in den 1950er und 1960er Jahren zu einer in Forschung, Lehre und Praxis relevanten Wissenschaft entwickelt. Parallel zur Entwicklung der Stadt- und Raumplanung entwickelte sich auch das Nachdenken über Planung, sowohl innerhalb der räumlichen Planung als auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Dies führte zur Herausbildung von Planungstheorien, deren Vermittlung heute im Curriculum aller Planungsstudiengänge verankert ist.

Thorsten Wiechmann

Kapitel 5. Der Arbeitsmarkt in Österreich

Auswirkungen des Strukturwandels für Einheimische im Vergleich mit Migrantinnen und Migranten

Der Arbeitsmarkt erfüllt als zentrale Institution moderner Gesellschaften mehrere Funktionen (Mikl-Horke 2007, S. 211). Dies schließt die Verteilung von Arbeitsleistungen und Einkommen ein, das Zuordnen von Personen mit unterschiedlichen Qualifikationen zu passenden beruflichen Positionen, aber auch die Integration in Netzwerke und soziale Beziehungen. Die Integration in den Arbeitsmarkt prägt auch die Wertvorstellungen der Individuen und ist für deren Identität relevant.

Roland Verwiebe, Nina-Sophie Fritsch, Bernd Liedl

Akzeptanzbedingungen politischer Maßnahmen für die Verkehrswende: Das Fallbeispiel Berliner Mobilitätsgesetz

Die Verkehrswende ist ein sozio-technischer Transformationsprozess, der ohne die Akzeptanz der Bevölkerung nicht gelingen kann. Konzeptionell sind drei Stufen der Akzeptanz zu unterscheiden: (i) Toleranz, (ii) positive Einstellung und (iii) aktives Engagement (Renn 2013). Die beiden letzteren Stufen der Akzeptanz treten nur unter förderlichen Bedingungen auf. Dabei kommt es vor allem auf die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger über die Auswirkungen einer Maßnahme an. Es gilt sowohl (i) individuelle und (ii) kollektive Auswirkungen als auch (iii) die wahrgenommene Verteilungsgerechtigkeit der Auswirkungen zu berücksichtigen. Zur Illustration der verschiedenen Stufen und Bedingungen von Akzeptanz im Kontext verkehrspolitischer Maßnahmen der Verkehrswende behandeln wir als aktuelles Fallbeispiel die ENavi-Modellregion Berlin. Angestoßen durch bürgerschaftliches Engagement im „Volksentscheid Fahrrad“ wurde hier ein umfassendes „Mobilitätsgesetz“ (MobG) unter Mitwirkung zivilgesellschaftlicher Organisationen erarbeitet, das im Juni 2018 verabschiedet wurde.

Sophia Becker, Ortwin Renn

Die normativen Grundlagen starker und schwacher Akzeptabilitätskonzepte

Hindernisse sozio-technischer Transformationsprozesse sollen meist durch prospektive Untersuchungen zur Sozialverträglichkeit geplanter Maßnahmen (Akzeptanzforschung) sowie das Einbeziehen der Betroffenen (Partizipation) überwunden werden. Diesem empirisch-sozialwissenschaftlichem Vorgehen werden seitens der Philosophie zu Recht Unzulänglichkeiten vorgeworfen und das normative Konzept der ‚Akzeptabilität‘ entgegengehalten. Damit ist in seiner starken Lesart ein Begriff gemeint, der die Akzeptanz von risikobehafteten Optionen mittels rationaler Kriterien des Handelns festlegt. Unter Praxisbedingungen kann ein solches Akzeptabilitätsverständnis jedoch nicht vollends überzeugen. Bleibt der philosophische Anspruch, das Gestalten der erforderlichen Transformationsprozesse nicht der Willkür potenziell irrationaler und manipulierbarer Akzeptanzlagen überlassen zu wollen, damit uneinlösbar? Nicht unbedingt! Unter anderem Christoph Hubig und Klaus Kornwachs argumentieren für ein schwächeres Verständnis von Akzeptabilität im Sinne einer bloßen „Akzeptanzfähigkeit“. Damit lassen sich schwerwiegende Probleme starker Akzeptabilitätskonzepte vermeiden und Rahmenbedingungen für die Systemgestaltung in Form von Akzeptabilitätskriterien rechtfertigen.

Armin Bangert

Das verdatete Selbst – Medientechnologie und Subjektivierung

Der Beitrag beschäftigt sich aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive mit dem Zusammenhang von Subjektivierung und Medientechnologien sowie den damit einhergehenden Anforderungen. In einem ersten Schritt werden dazu Problemstellungen und gegenwärtige Herausforderungen konturiert, bevor im zweiten Schritt ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte verschiedener Medientechnologien geworfen wird. Im Zentrum steht dabei die Genealogie eines verdateten Selbst, als einer gegenwärtigen Subjektivierungsform, deren ambivalente Anforderungen im dritten und letzten Schritt dargestellt werden.

Andreas Spengler

Smart Cities and Regions: Die digitale Transformation in der Stadtentwicklung und E-Government

Viele Städte weltweit haben es sich auf die Fahnen geschrieben, eine Smart City zu werden. Was bedeutet das aber in der Praxis? Dieser Beitrag versucht darzulegen, was eine Smart City ausmacht, was typische Anwendungen einer Smart City sind, und wie Städte diesen Transformationsprozess steuern können. Unterschiedliche Strategien sind möglich, deshalb geht es für eine Stadt vor allem darum, eine auf ihre Bedürfnisse und ihren Kontext angepasste Strategie zu finden.

Stephan Haller

Kapitel 1. Einleitung: Landschaftsästhetische Perspektiven auf das Raumpastiche Kaliforniens in der Postmodernisierung

Kalifornien dürfte zu den Regionen der Welt gehören, mit denen in hohem Maße vielfältigste Assoziationen verknüpft werden, auch wenn die oder der Einzelne vielleicht noch niemals selbst vor Ort war. In Romanen, Zeitungsartikeln und visuell insbesondere in Kino- und Fernsehfilmen sowie heute Internetvideos werden Images transportiert und (re)produziert, die ein schillerndes Bild ergeben. So entsteht ein Mosaik, das Vorstellungen eines Landes, in dem Milch und Honig fließen und alles möglich erscheint, mit lebensfeindlichen Wüsten und Ghettoisierung sowie Gewalt in urbanen Agglomerationen verknüpft, das Naturidylle in Nationalparken, exzessive Nahrungsmittelproduktion und ausufernden urban sprawl eines Siedlungsbreis in Verbindung mit grenzenlos erscheinender Massenmotorisierung assoziiert.

Olaf Kühne, Florian Weber

Kapitel 5. Kalifornische Entwicklungen – Aspekte in Geschichte und Gegenwart

Die aktuellen räumlichen Entwicklungen, ihre Differenzierheit, aber auch ihre Ästhetisierungen und Inszenierungen lassen sich schwerlich nachvollziehen, wenn sie keine historische Kontextualisierung erfahren – eine Kontextualisierung, die sich nicht allein auf die Entwicklung der physischen Grundlagen bezieht, sondern auch die Genese landschaftlicher Stereotype zu Kalifornien einbezieht. Die Entwicklung Kaliforniens von einem durch native Bewohner~innen besiedelten Raum über spanische Kolonisierungsbemühungen bis in die mexikanische Ära verlief eher verhalten. Erst mit der Integration des Nordens Kaliforniens in die Vereinigten Staaten von Amerika begann eine umfangreichere Besiedlung, die in enger Rückkopplung mit wirtschaftlichen Aktivitäten (von Goldrausch über Immobilienboom und Filmindustrie bis hin zur Informations- und Kommunikationstechnologie) sowie politischen Entscheidungen (etwa dem Bau der transkontinentalen Eisenbahn, dem Panamakanal oder der Errichtung von Militärbasen) den Raum zu einem der medial präsentesten, wirtschaftlich erfolgreichsten und zugleich fragmentiertesten der Welt gemacht hat.

Olaf Kühne, Florian Weber

Kapitel 3. Maßnahmen der kommunalen Verkehrsplanung

Die kommunale Verkehrsplanung ist als Fachplanung ein integrativer Bestandteil der Stadt- und Umweltplanung. Ihre Aufgabe ist die Planung der städtischen Verkehrsanlagen und die Gewährleistung ihrer Leistungsfahigkeit. Dabei müssen von den kommunalen Entscheidungsträgem alle ökonomischen, ökologischen und sozialen Ziele und Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt und gegeneinander abgewägt werden.

Benjamin Dahmen

Kapitel 5. State of the Art – Sicherheit als kontroversieller Forschungsgegenstand

Sicherheit ist das zentrale Thema dieser Habilitationsschrift. Es ist daher unabdingbar, Sicherheit zu definieren und die wichtigsten Debatten zum Begriff Sicherheit einzufangen. Dabei möchte ich mich zunächst allgemein dem Begriff Sicherheit (im soziologischen Diskurs) zuwenden. Sicherheit als ganz zentralen – und aus meiner Sicht methodischen – Begriff der Diskurstheorie von Michel Foucault werde ich hier nur am Rande streifen, ihn habe ich im Kapitel 3.5.1 zur Diskurstheorie behandelt.

Katharina Miko-Schefzig

Kapitel 1. Prolog

Der Titel dieser Arbeit lautet Das Deutungsmuster Subjektive Sicherheit in Situation – Organisation – Diskurs. Zur wissenssoziologischen Analyse sozialer Situationen im öffentlichen Raum. Aus soziologischer Sicht ist die subjektive Sicherheit ein Deutungsmuster, ein kollektives Interpretationsschema, welches aufrufbar ist und unterschiedliche Geschichten in den Individuen auslöst. Die Dreiteilung der Analyse auf den Ebenen Situation, Organisation und Diskurs, quasi – in der Terminologie des Neoinstitutionalismus – die Analyse der Reise der Idee (travels of ideas, Czarniawska/Joerges 1996) subjektive Sicherheit durch die verschiedenen gesellschaftlichen Sphären, ist das zentrale Thema dieser Arbeit. Dabei fokussiere ich im Besonderen auf die Versicherheitlichung des öffentlichen Raums als diskursive Rahmung der Organisation Polizei.

Katharina Miko-Schefzig

Städtische Soziale Bewegungen und deren Verhältnis zur brasilianischen Staatstätigkeit

In Brasilien spielen Soziale Bewegungen seit jeher eine zentrale Rolle, sowohl bei der Rückkehr zur Demokratie – die die Verkündung der 1988er Verfassung (die sogenannte „bürgerliche Verfassung“) zeitigte – als auch heute im Kampf um allgemeine Bürgerrechte.

Vanessa Marx

Politische Partizipation und öffentliche Verwaltung: Formen der Bürgerpartizipation in den brasilianischen Kommunen

Thema dieses Beitrags ist das Verhältnis zwischen der öffentlichen Verwaltung und der politischen Partizipation in brasilianischen Kommunen. Seit die brasilianische Verfassung von 1988 die Militärdiktatur abgelöst hat, erfolgt die für liberale Demokratien typische politische Partizipation über regelmäßige Wahlen.

Soraya Vargas Côrtes

Kapitel 5. Boden

Das private Vermögen besteht zum Teil aus kapitalisierten künftigen Bodenrenten. Die Goldene Regel der Akkumulation bleibt auch bei der Einführung von Boden in das Meta-Modell erhalten.Der urbane Boden ist weitaus wertvoller als der landwirtschaftliche Boden. Das mit dem Boden verbundene Risiko führt zu einem Wertabschlag in der Form einer „Risikoprämie“ α > 0. Bodenrenten können ohne Überwälzungsmöglichkeit und ohne Effizienzverlust besteuert werden; bei kompensierender Senkung der Einkommensteuer sogar mit Effizienzgewinnen und günstigen Verteilungseffekten. Staatliche Eingriffe in den Mietmarkt für Wohnungen bilden ein weiteres Wertrisiko für die Bodeneigentümer.Die Sensitivität des Bodenwerts gegenüber Zinsänderungen und damit die Risikoprämie α steigen mit sinkendem Zinsniveau. Angesichts dieser vielfältigen Risiken ist Boden als Vermögensanlage nur ein begrenztes Substitut für Staatsanleihen und damit für die Privatvermögen vermehrende Staatsverschuldung.Wir kalkulieren den Wert der Vermögenskategorie Boden in der Region OECD plus China. Dazu greifen wir primär auf Angaben von statistischen Ämtern zurück, soweit diese Werte für Boden in den volkswirtschaftlichen Vermögensbilanzen ausweisen. Unsere Kalkulationen ergeben, dass der Wert des Bodens in den Ländern der Region OECD plus China etwa dem Doppelten des Jahreskonsums dieser Region entspricht.

Carl Christian von Weizsäcker, Hagen Krämer

„Den Platz auf Erden gebrauchen können“. Überlegungen zur politischen Diplomatie des Bauens und Wohnens

Es war gewiss unbeabsichtigt, dass ein schwedischer Möbelhersteller mit einem Werbeslogan den philosophischen Ton des frühen 20. Jahrhunderts anschlug, indem er fragte, ob wir noch wohnten oder schon lebten. „Leben“ war in den ersten Dekaden des 20.

Dirk Lüddecke

Behinderung, Technik und gebaute Umwelt: Uneindeutigkeiten und Ambivalenzen beim Abbau baulich-technischer Hindernisse in der Geschichte der Bundesrepublik

Kultur und Gesellschaft der Gegenwart sind vollständig technisch durchsetzt. Alle Handlungen, Denkweisen und Wahrnehmungen, aber auch die Strukturen unserer Gesellschaft sind technisch vermittelt. Von besonderem Forschungsinteresse sind die permanenten Ambivalenzen und Gleichzeitigkeiten und – zumindest scheinbaren – Widersprüchlichkeiten in dieser technisierten Welt.

Elsbeth Bösl

Reflexive Mobilitäten

Moderne Gesellschaften durchlaufen aktuell rasante Wandlungsprozesse, die mit den Schlagworten Digitalisierung, Miniaturisierung und Automatisierung in Verbindung gebracht werden. Einige der konkurrierenden soziologischen Deutungsversuche begreifen die Transformationen als eine tiefgreifende und unumkehrbare Mobilisierung des beruflichen und privaten Lebens und der organisatorischen und institutionellen Routinen reflexiv-moderner Gesellschaften. Es ist dabei die Rede von der Netzwerk- und Beschleunigungsgesellschaft, der flüchtigen, digitalen oder dritten Moderne, von einer „sociology of diverse mobilities“ und dem Entstehen einer Echtzeitgesellschaft, die in der Durchsetzung einer umfassenden Kultur der künstlichen Intelligenz gründet.

Sven Kesselring

Kapitel 31. Der Projektmanager als Generalkümmerer – Auftraggeberanforderungen und Lösungskonzepte des Projektmanagements

Diskussionen und konkret zu beobachtende Entwicklungen zu Formen neuer Projektabwicklungsmodelle in der Bau- und Immobilienwirtschaft haben eine hohe Aktualität. In diesem Zusammenhang ergeben sich für das Projektmanagement zwei Themenkomplexe. Neben der Frage individueller methodischer Ansätze für die jeweiligen Projektabwicklungsmodelle ergibt sich die Diskussion über mögliche, zukünftige Rollen des Berufsstandes der Projektmanager. Zum Letztgenannten soll dieser Beitrag einen gedanklichen Diskussionsimpuls geben.

Thomas Höcker

Kapitel 11. Baubetriebliche Gutachten – Mysterium zur Wahrheits- und Entscheidungsfindung

oder ein Dinosaurier aus der analogen Welt?

Der vorliegende Beitrag widmet sich der zunehmenden Kritik an baubetrieblichen Gutachten zur Durchsetzung von Bauzeitansprüchen in Bezug auf fehlende Qualitätsstandards. Die Verfasser zeigen anhand von drei ausgewählten Aspekten „Wertekodex für die Verfasser von baubetrieblichen Gutachten“, „Standardisierung im weiterem Sinne“ und „Qualität der Datengrundlagen“ Möglichkeiten zur Verbesserung der Qualität auf, die zu einer erhöhten Prüfbarkeit und Glaubhaftigkeit führen könnten. Damit wird der Beitrag von Eschenbruch/Gerstberger unter dem Titel „2018: Zeitenwende für baubetriebliche Gutachten“ im wissenschaftlichen Diskurs deduktiv weitergeführt und bereits erste praktikable Lösungsansätze zu den drei vorgenannten Aspekten entwickelt.

Antje Tiesler, Ralf Gnerlich, Felix Möhring, Volkhard Franz

11. Natürliche und anthropogene Stillgewässer

Mitteleuropa ist, auch bedingt durch die eiszeitliche Überformung, in vielen Regionen natürlicherweise sehr seenreich. Hinzu kommt eine Vielzahl künstlicher Seen. Eine der Hauptbelastungen der Seenökosysteme ist heute die Schad- bzw. Nährstofffracht. Renaturierungsmaßnahmen sind deshalb sehr häufig damit verbunden, die hohe Nährstoffkonzentration (insbesondere Phosphor) sowohl im Wasserkörper als auch im Sediment zu senken und damit die naturnahen wasserchemischen Bedingungen bzw. Lebensgemeinschaften im und am Wasser wiederherzustellen. Ebenso wie die Renaturierung von Fließgewässern muss auch das Seenmanagement räumlich übergreifend, d. h. für das gesamte Einzugsgebiet realisiert werden. Viele Projekte der Seenrenaturierung, die mit einem hohen technologischen und finanziellen Aufwand durchgeführt werden, zeigen allerdings langfristig kaum den erwarteten Erfolg. Als Fallbeispiel für eine Seenrenaturierung wird das urbane Gewässer Tegeler See in Berlin vorgestellt.

Stefan Zerbe

Zukunft und Sicherheit

Die Herausforderung an die Sicherheit in den Transformationsprozessen von Wirtschaft und Gesellschaft

Wir leben in einer Zeit der permanenten Veränderungen. Die Digitalisierung verändert uns Menschen gesellschaftlich, ökonomisch, politisch sowie technologisch. Wir unterliegen einem tief greifenden Wandel in allen Lebensbereichen und dies mit exponentieller Geschwindigkeit – Transformation ist längst zu einem Zustand geworden.

Uwe Gerstenberg

Open Access

„Barcamp adapted“ – gemeinsam zu neuem Wissen

„Barcamp adapted“ besteht aus einem semioffenen Workshop und einer öffentlichen Veranstaltung und ist eine Weiterentwicklung des Barcamp-Ansatzes für die transdisziplinäre Forschung. Die Methode lebt davon, dass sich alle Teilnehmer(innen) einbringen, indem sie Themen für die Diskussion vorschlagen. „Barcamp adapted“ eignet sich insbesondere für die Entstehungs- und Anfangsphase eines transdisziplinären Forschungsprojekts, um Kooperationen zu initiieren, zukünftige Partner für das Projekt sowie deren Interessen und Erfahrungen kennenzulernen, und um Impulse zu generieren für die Ziele und Fragen des Projekts. Es kann aber auch in späteren Projektphasen eingesetzt werden, um neue Ideen zu generieren und dazu zusätzliche Impulse von außen einzubeziehen. Im Workshop werden transdisziplinär Wissen und Ideen erzeugt, die dann in der öffentlichen Veranstaltung validiert und weiterentwickelt werden. Der Beitrag ist eine Anleitung zur Umsetzung eines „Barcamps adapted“. Er geht ein auf Auswahl und Einladung der Teilnehmenden, Räumlichkeiten, Bestimmung der Moderator(inn)en, Ablauf des Workshops von der Themenwahl über die Arbeit in den Kleingruppen bis zum Plenum, Übergang in die öffentliche Veranstaltung, Ablauf dieser Veranstaltung sowie Ergebnissicherung.

Editha Marquardt, Ulrike Gerhard

Open Access

Schutz in der Exposition, Schutz für die Exposition – Wie man in transdisziplinären und transformativen Forschungsformaten mit Ungewohntem und erhöhter Aufmerksamkeit umgeht

Um die Chancen transdisziplinären (und transformativen) Forschens auszuschöpfen, müssen sich alle Beteiligten auf Neues einlassen, z. B. durch die Übernahme von Aufgaben oder Rollen, die für sie unüblich sind. Daraus können für sie erstens ungewohnte Situationen entstehen, zu deren Bewältigung sie nicht einfach auf ihre professionellen Routinen zurückgreifen können. Zweitens sind sie dabei einer erhöhten Aufmerksamkeit durch Dritte (bis hin zur breiten Öffentlichkeit) ausgesetzt. Der Gedanke, dass sich die Beteiligten in solchen Projekten exponieren, wird im Beitrag anhand paradigmatischer Erfahrungen entfaltet und als Reflexionsfolie zur Verfügung gestellt. Der Beitrag bietet mit dem Thema der Exposition einen neuen Zugang, um Erfahrungen in transdisziplinären (und transformativen) Forschungsprojekten zu analysieren. Eine Reflexion über Expositionen kann in der Vorbereitung auf ein Projekt oder auf einzelne Projektaktivitäten von Nutzen sein. Sie hilft, ein Bewusstsein dafür zu erzeugen, welche ungewohnten Situationen für wen auftreten könnten, den Umgang damit zu planen und auch vorausschauend Schutzvorkehrungen zu ergreifen, d. h. Vorkehrungen, die die Beteiligten vor negativen Auswirkungen der Expositionen schützen.

Katharina Köglberger, Raphael Dietz, Charlotte Eller, Felix M. Piontek, Marius Albiez, Thomas Potthast

Open Access

Kommunale Akteure verstehen: Verteilte Wissensbestände in Kommunen beachten

Eine Akteursanalyse liefert wertvolle Grundlagen für die Gestaltung der Partizipation in einem Reallabor. Bleiben dabei relevante Besonderheiten unbeachtet, entstehen ‚blinde Flecken‘. Der Kurz-Beitrag erörtert den ‚blinden Flecken‘, der entsteht, wenn ausgeblendet wird, dass sich das projektrelevante Wissen in der Kommune nicht bei einer Stelle oder Person bündeln, sondern auf verschiedene Stellen oder Personen verteilt sein dürfte. Der Beitrag zeigt, auf welche Aspekte der Wissensverteilung in einer Kommune zu achten ist, und weshalb es wichtig ist, darüber Bescheid zu wissen. Die weiteren ‚blinden Flecken‘, die im Buch beleuchtet werden, sind die, die durch einen verkürzten Blick auf die Vorgeschichte bzw. auf die Entscheidungswege in Kommunen entstehen.

Thorsten Erl, Monika Gonser, Jochen Eckart, Elke Häußler, Jan Riel

Open Access

„UrbanUtopiaLAB“ – einen Möglichkeitsraum zur Produktion von Transformationswissen schaffen

Ein „UrbanUtopiaLAB“ dient dazu, transdisziplinäres Wissen zu erzeugen über die gewünschte Entwicklung von urbanen Räumen wie Quartier, Stadt, Region, d. h. von Räumen, in denen häufig auf engem Raum multiple Bedeutungszuschreibungen und Raumerfahrungen sowie unterschiedliche Vorstellungen über die Nutzung des öffentlichen Raums bestehen. Das „UrbanUtopiaLAB“ setzt bei individuellen Wahrnehmungen, Nutzungen und Visionen an. Darauf aufbauend werden in mehreren Schritten direkt umsetzbare Vorhaben oder Handlungsempfehlungen für Politik bzw. Verwaltung entwickelt. Das „UrbanUtopiaLAB“ umfasst die vier Phasen (1) StadtERFORSCHEN (mit Emo/Action-Mapping, d. h. kollektivem Kartieren), (2) StadtERKUNDEN, (3) StadtEXPERIMENTIEREN, und (4) StadtMITENTSCHEIDEN. Der Beitrag erläutert, wie die Phasen (1) und (2) im Rahmen einer eintägigen Veranstaltung umgesetzt werden. Er geht nicht nur auf Aspekte wie Zeitplan, Räumlichkeiten, Anforderungen an die Moderation sowie Auswahl und Einladung der Teilnehmenden ein, sondern insbesondere auch auf das Material, das nötig ist für das Emo/Action-Mapping. Phasen (3) und (4) werden nicht gleichermaßen detailliert beschrieben, da diese maßgeblich von den Ergebnissen in den Phasen (1) und (2) bestimmt werden.

Christina West, Svenja Kück

Open Access

Kommunale Akteure verstehen: Vorgeschichte der Arbeit in Kommunen beachten

Eine Akteursanalyse liefert wertvolle Grundlagen für die Gestaltung der Partizipation in einem Reallabor. Bleiben dabei relevante Besonderheiten unbeachtet, entstehen ‚blinde Flecken‘. Der Kurz-Beitrag erörtert den ‚blinden Flecken‘, der entsteht, wenn ausgeblendet wird, dass es in einer Kommune höchstwahrscheinlich Erfahrungen aus anderen Projekten und Aktivitäten gibt, die für die (Zusammen-)Arbeit im Projekt von Bedeutung sind. Der Beitrag zeigt, welche Aspekte der Vorgeschichte kommunaler Akteure zu erkunden sind und weshalb es wichtig ist, sich mit dieser Vorgeschichte auseinanderzusetzen. Die weiteren ‚blinden Flecken‘, die im Buch beleuchtet werden, sind die, die durch einen verkürzten Blick auf die Entscheidungswege bzw. auf die Verteilung der Wissensbestände in Kommunen entstehen.

Jochen Eckart, Elke Häußler, Thorsten Erl, Monika Gonser, Jan Riel

Kapitel 2. Methodik

Die Methodik der Arbeit wird im Folgenden vorgestellt. Es werden die Literaturrecherche, die Auswertung der BImA-Verkaufsdatenbank und die Experteninterviews erläutert. Im Anschluss erfolgt eine kurze Beschreibung untergeordneter Methoden, wie z. B. die Ortsbesichtigung, der Besuch von Fachtagungen und die Praxiserfahrung des Autors in der Konversion.

Felix Nolte

Kapitel 8. Fazit und Ausblick

Zum Abschluss der Arbeit werden zunächst die Untersuchungsfragen beantwortet. Im Anschluss folgen eine kleine Reflexion und die Darstellung des zukünftigen Forschungsbedarfes. Letztendlich schließt das Fazit die Arbeit ab.

Felix Nolte

Kapitel 3. Konversionsobjekte und -prozess

Nachdem die Methoden dieser Arbeit erläutert wurden, folgt nun der Einstieg in die Militärkonversion. Zunächst wird der Begriff Konversion eingegrenzt und anschließend werden die Konversionsliegenschaften typologisiert (Kapitel 3.1.2). Dies ist für das generelle Verständnis und für die spätere Analyse erforderlich.

Felix Nolte

Kapitel 1. Einführung

Die Entwicklung von Militär-Konversionsflächen stellt Kommunen, Entwickler und Käufer – zusätzlich zu den hohen Anforderungen jeder Projektentwicklung – vor besondere Herausforderungen. Diese lassen sich in drei Teilbereiche gliedern: die Konversionsfläche an sich, die Umsetzung der Planung und die Preisfindung. Zu den ersten beiden Teilbereichen gibt es bereits Arbeiten. So existieren Werke über die bauliche und planerische Umwandlung von vorgenutzten (Konversions-)Flächen.

Felix Nolte

Kapitel 5. Wertfindung

Der Wert einer Konversionsfläche, als Ergebnis von Bestand und Planung, ist ein Diskussionspunkt in jeder Konversion. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die Beteiligten (Kommune und BImA) die Ergebnisse ihrer Verhandlungen erst gegen Ende des Entwicklungsprozesses als Verkehrswert offenbart bekommen. Liegt dieser Wert fernab der Verhandlungsspanne eines Beteiligten, stoppt der Konversionsprozess zunächst für einige Zeit.

Felix Nolte

Kapitel 4. Stadtplanerische Aufgaben und Instrumente

Nachdem von den beiden preisbildenden Faktoren zuerst der Bestand erläutert wurde, folgt als zweiter Faktor nun die Planung. Das Kapitel 4 startet jedoch mit dem verknüpfenden Thema Bestandsschutz von Konversionsflächen. Da dieser im Gegenteil zu zivilen Nutzungen selten vorhanden ist, hat das erste Kapitel hierzu eine besondere Relevanz für die Planung und damit auch für den Wert.

Felix Nolte

Kapitel 3. Stadtentwicklung

Die Produktpolitik des Stadtmarketings hängt auch von den Zielen, Prozessen und Ergebnissen der Stadtentwicklung ab. Die Veränderungen im Umfeld von Kommunen machen die gezielte Weiterentwicklung von Städten in vielen Feldern wie Wohnen, Demografie, Mobilität und Energie erforderlich. Damit dieser Prozess wirksam werden kann, müssen die zentralen Anspruchsgruppen und Gremien mit einbezogen werden. In diesem Unterkapitel werden einige zentrale Inhalte aufgelistet, die die Interdependenz der unterschiedlichen Entwicklungsfelder verdeutlichen. Es gibt dabei expansiv-offensive oder auch regressiv-defensive Entwicklungssituationen, die beide einer gezielten, kohärenten Steuerung bedürfen.

Thomas Breyer-Mayländer

Kapitel 15. Zehn Jahre Green City Freiburg

Die Stadt Freiburg im Breisgau erhält für ihr ausgeprägtes ökologisches Bewusstsein, eine ambitionierte Umweltpolitik und die damit einhergehenden Projekte, Prozesse und Aktivitäten seit rund 30 Jahren viel Aufmerksamkeit und Anerkennung. 1987 wurde sie hierfür zur „Ökohauptstadt“, 1992 zur „Bundeshauptstadt für Natur- und Umweltschutz“ und 2012 zur „Nachhaltigsten Großstadt Deutschlands“ gekürt. Diese Auszeichnungen, verbunden mit einer erhöhten Präsenz Freiburgs auf internationalen Messen, Tagungen und Konferenzen, führten zu einem Anstieg der Besuchergruppen, Delegationen und Fachjournalisten. Im Jahr 2008 wurde das Label „Green City“ im Rahmen des Stadt- und Standortmarketings eingeführt mit dem Ziel, einerseits das konzeptionell breit angelegte, umweltpolitische Profil der Stadt auf internationaler Ebene zu schärfen und zu vermarkten, andererseits um hiermit eine einprägsame Marke zu etablieren und zu pflegen. In den vergangenen 10 Jahren – im Zeitraum von 2008 bis 2018 – ist viel passiert. Die Anfragen und Besuchsprogramme werden seither durch einen Fachbesucherservice professionell betreut und koordiniert, die Akteure eng miteinander vernetzt und neue Projekte und Initiativen gemeinsam mit engagierten Partnern auf den Weg gebracht.

Michael Richter

Kapitel 31. Bürgerorientierung im Stadtmarketing

Entwicklung einer Dachmarke mithilfe neuerer Beteiligungsformate

Die Akzente im Stadtmarketing haben sich in den letzten Jahren in vielen Städten verschoben: Stand früher die Ausrichtung auf externe Stakeholder wie Touristen, Unternehmen oder potenzielle Arbeitskräfte im Zentrum, so richtet sich die Aufmerksamkeit heute in zunehmendem Maße auf interne Stakeholder, insbesondere auf die Bürgerinnen und Bürger. Diese werden nicht nur auf ihre Rolle als Kunden reduziert, sondern sie werden als Mitgestalter in Beteiligungsprozesse integriert. Der Beitrag beschreibt die Entwicklung einer Dachmarke in einem beteiligungsorientierten Stadtmarketing-Prozess unter besonderer Berücksichtigung der Methode Design Thinking.

Stefanie Wesselmann

Kapitel 22. Mobilität, Infrastruktur und Integration

Kommunale und regionale Mobilität im Zeitalter von E-Mobilität und autonomem Fahren

Weltweit stehen Städte vor einer Vielzahl an Herausforderung – neueste Technologien und Weiterentwicklung im Bereich Digitalisierung können helfen, diesen Problemen zu begegnen. Am Beispiel des autonomen Fahrens soll aufgezeigt werden, welchen enormen Einfluss Automatisierung und Konnektivität auf große Problemstellungen wie Wohnungsnot oder Bewerkstelligung von Resilienzstrategien leisten können. Die Studie AFKOS – Autonomes Fahren im Kontext der Stadt, eröffnet jene Möglichkeitsräume für einen visionären Umgang mit urbanem Raum.

Claudius Schaufler, Christina Maren Rutka

Kapitel 28. „Hamburg Active City“

Wie eine moderne Millionenstadt durch Sport und Bewegung ihr Profil schärft

Inhalt des Beitrages ist es aufzuzeigen, wie es der Hansestadt Hamburg aktuell gelingt, durch eine doch noch nutzbringende Erschließung der Potenziale der gescheiterten Olympiabewerbung, begleitet und unterstützt durch entsprechend geeignete Strategien, zu einem weltweit geschätzten Impulsgeber für Stadtentwicklung durch Sport zu werden.

Christoph Holstein

Kapitel 27. Smart Cities

Governance, Big Data und Anwendungsbeispiele

Die Digitalisierung zeigt Auswirkungen auch auf die moderne Konzeption von Städten. Unter der Bezeichnung Smart City entwickeln die Verantwortlichen zusammen mit den Stadtplanern und Experten Plattformen, die nicht nur die internen Verwaltungsabläufe, sondern auch die Beziehung zu und das Miteinander zwischen den Stakeholdern einer Stadt verbessern sollen. Dabei entstehen integrative Konzepte, die die City-Governance, Organisation und Technologie bündeln und auf eine einheitliche Zielerreichung hin ausrichten. Im Anschluss an die generische Entwicklung einer Smart City behandelt der Beitrag die spanische Stadt Barcelona als Beispiel für eine entsprechende Umsetzung. Am Ende werden die Chancen und Risiken dieses Konzeptes zusammenfassend gewürdigt.

Dirk Drechsler

Kapitel 11. Innenstadtmarketing in Bocholt

Zukunftsstrategie Bocholt Innenstadt 2025 – Fit für die Innenstadt der Zukunft mit dem Flächenmanagement 2.0

Dieses Kapitel beschreibt einen Aspekt des Innenstadtmarketings in der Stadt Bocholt, in dem sich die Autoren auf das Projekt Flächenmanagement 2.0, das 2017/2018 in Kooperation mit einem externen Beratungsbüro erarbeitet wurde und 2018/2019 mit diversen Maßnahmen umgesetzt wird, konzentrieren. Unter anderem wurde für die Bocholter Innenstadt ein umfangreiches Innenstadtexposé erarbeitet. Dieses wird eingesetzt, um einen passenden Branchenmix in der Innenstadt zu entwickeln, um Gewerbetreibende zu akquirieren, und um das Innenstadtmarketing zu unterstützen. In dem Text gehen die Autoren detailliert darauf ein, wie das Innenstadtexposé als „Tool“ für die tägliche Arbeit im Citymanagement konzipiert wurde. Dabei erläutern sie zunächst die Vorgeschichte, die mit der kooperativen Erarbeitung des Integrierten Handlungskonzeptes für die Bocholter Innenstadt, mit dem daraus resultierenden Strategiepapier der Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketing Gesellschaft Bocholt, das von der Politik beschlossen wurde und eine jährliche Finanzausstattung beinhaltet, und mit dem Projekt Flächenmanagement 2.0 als eine zu priorisierende Maßnahme einhergeht. Aus dem Flächenmanagement 2.0 wurden das Produkt Innenstadtexposé und der Umgang damit entwickelt. Das Innenstadtexposé wird im Anschluss konkret erläutert, bevor die Autoren in einem Fazit anmerken, dass das Flächenmanagement 2.0 prozesshaft an sich stetig verändernde Rahmenbedingungen anzupassen ist und insofern weitere Produkte/Maßnahmen gemeinsam mit den Akteuren vor Ort zu entwickeln sind. Das Bocholter Citymanagement als Geschäftsfeld der Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketing Gesellschaft Bocholt hat dabei die Schlüsselrolle inne.

Ludger Dieckhues, Astrid Lukas

Chapter 1. The Operational Use of Remote Sensing in Municipalities: A Global Expert-Based Study

The existing diversity between municipalities, in terms of facilities, staff and technology, depending on their country or region, is undisputed. This circumstance warrants an investigation into the operational use of RS, not only for one city of one country, region or continent, but also for different cities, located in different climate zones, and, especially, for cities with disparate economic backgrounds (Fig. 1.1).

Arthur Lehner

Landschaftsplanung

Landschaftsplanung ist das zentrale Instrument zur räumlichen Konkretisierung und Verwirklichung der Ziele und Grundsätze von Natur, Landschaft und landschaftsgebundener Erholung. Sie hat eine ganzheitliche Betrachtung der Mensch-Umwelt-Beziehungen im Fokus. Handlungsgegenstände der Landschaftsplanung sind die Naturgüter Luft und Klima, Wasser, Gestein und Boden, die wild lebenden Tiere und Pflanzen, Lebensgemeinschaften und Biotope sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaft und ihr Erholungswert. Die Landschaftsplanung ist im Bundesnaturschutzgesetz und ergänzend bzw. abweichend in den Landesnaturschutzgesetzen der Länder rechtlich verankert. Landschaftspläne stellen die Fachpläne für den Naturschutz dar und liefern naturschutzplanerische Beiträge für alle Ebenen der räumlichen Gesamtplanung (Landesentwicklungs-, Regional- und Flächennutzungsplanung) sowie wichtige Informationen für andere Planungsinstrumente, wie bspw. Umweltverträglichkeitsprüfungen. Aktuelle Herausforderungen stellen eine verstärkt prozessorientierte Teilhabe der Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung dar. Mit einer modular aufgebauten Herangehensweise kann die Landschaftsplanung aktuellen und zukünftigen Herausforderungen, wie bspw. innerörtlichen Aspekten, Klimawandel, Kulturlandschaftswandel und demographischer Wandel, bedarfsgerecht begegnen.

Gottfried Hage, Christiane Bäumer

Landschaft und Partizipation: Landschaft fokussiert zur Sprache bringen – effektives Verfahrensdesign

Der Beitrag macht deutlich, wie neue Formen der Steuerung und Koordination (Governance) von der lokalen bis zur regionalen Ebene dazu beitragen können, zentrale planerische Herausforderungen der langfristigen Landschafts- und Freiraumentwicklung in Metropolregionen zu bewältigen. Für die verschiedenen Beteiligungsstufen werden überblicksartig Verfahrensformate sowie ein Vorgehen zur fokussierten Gestaltung von Beteiligungsprozessen vorgestellt. Es wird insbesondere darauf eingegangen, welche Zielklärungen zu Beginn eines partizipativen Verfahrens stehen müssen, um ein effektives und effizientes Verfahrensformat zu entwickeln, das qualitätsvolle Ergebnisse generiert.

Kerstin Langer

Online-Partizipation und Landschaft

Kommunikation gilt als Schlüssel, sich der Wahrnehmung von Landschaften zu nähern. In der räumlichen Planung wird Beteiligung, als Mittel angesehen, um mögliche Konflikte frühzeitig zu erkennen, zu lösen oder vorzubeugen. Online-Partizipation bietet in Bezug auf das Thema Landschaft besondere Chancen und Grenzen. Dementsprechend empfiehlt sich auch bei landschaftlichen Themen ein Methoden- und Medienmix, der abgestimmt ist auf den vorhandenen Kontext, das Ziel der Beteiligung und die Planungsphase.

Franziska Bernstein, Lucas Kaußen, Boris Stemmer

Landschaft als Text

Die Metapher „Landschaft als Text“ steht für interpretative Ansätze in der Humangeographie, die es ermöglichen, nichtsprachliche Bereiche wie Architektur, Landschaft, Design etc. als Texte/Zeichensysteme zu verstehen, die geschrieben und gelesen werden. Dies setzt neben einem konstruktivistischen Landschaftsverständnis auch ein geweitetes Kultur- und Textverständnis voraus, wie es in den cultural turns konzipiert wird. Frühe semiotische Ansätze fokussierten auf Landschaft als einem geschlossenen Repräsentationssystem, welches auf die übermittelten Botschaften dominanter Machtstrukturen und sozialer Wirklichkeiten hin decodiert wurde. Unter zunehmend poststrukturalistischem Einfluss wird die Mehrdeutigkeit und Flüchtigkeit zum Teil konkurrierender Bedeutungszuschreibungen vielfältiger Lesarten sowie Praktiken alltäglicher Sinnzuschreibungen (performative Aspekte) erforscht. Dieser zunehmenden Komplexität und Ausdifferenzierung des Ansatzes wird aktuell insbesondere durch eine nicht unumstrittene Weitung des Textverständnisses hin zu „Textualität von Landschaft“ begegnet.

Vera Denzer

Die Landschaft der Zwischenstadt

Der Beitrag gibt einen einleitenden Überblick über Thomas Sieverts Buch Zwischenstadt und skizziert kurz dessen Wirkungsgeschichte und Kritik. Leitend ist dabei die These, dass für Sieverts die ‚Landschaft‘ der Schlüssel zur Wahrnehmung und Gestaltung der Zwischenstadt ist. Der ‚Landschaft‘ traut Sieverts die Aufgabe zu, Identitätsträger und Bindeglied der anästhetisiert wahrgenommenen und fragmentierten Agglomerationsräume zu sein.

Vera Vicenzotti

Stadtnatur

Städte wurden lange im Gegensatz zur Landschaft gesehen, „Landschaft“ dient bis heute als Synonym für „Natur“. Der Begriff „Stadtnatur“ bedarf deshalb einer genaueren Definition. Der Text gibt einen Überblick darüber, was unter „Stadtnatur“ verstanden wird, wie sich die Forschung darüber entwickelt hat und welche Elemente dies heute umfasst. Die Funktionen der Stadtnatur und ihre Rolle in der Stadtentwicklung werden vorgestellt. Abschließend geht es um die symbolische Bedeutung der Stadtnatur und deren Veränderungen im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung.

Jörg Dettmar

Freiraumplanung

Der Begriff Freiraumplanung wurde in den 1970er Jahren als sozialwissenschaftliche Gegenposition zu naturwissenschaftlichen und gestalterischen Schwerpunkten der akademischen Ausbildung und Berufspraxis geprägt. Das Selbstverständnis der Freiraumplanung leitet sich von in der Weimarer Zeit etablierten Ansätzen einer systematischen Versorgung der Stadtbevölkerung mit zur Erholung und im Alltagsleben nutzbaren Freiflächen ab. Der Begriff wird heute im institutionellen Kontext für Planungen im Quartiers- oder gesamtstädtischen Maßstab oder für eine sozialwissenschaftliche Orientierung verwendet.

Stefanie Hennecke

Essentialistische Landschafts- und positivistische Raumforschung

‚Landschaft‘ bildete in der ‚traditionellen Geographie‘ des 19. und 20. Jahrhunderts einen zentralen Anker, gerade hinsichtlich der ‚Einheit von physischer und Humangeographie‘. Perspektiven, in denen ‚Landschaft‘ mit einer Wesenhaftigkeit verbunden und damit essentialistisch gedacht wurde, gerieten Ende der 1960er Jahre stark in die Kritik. Positivistisch ausgerichtete Raumforschung verdrängte ‚Landschaftszugänge‘ zugunsten von Mess- und Zählbarkeiten. Beide Ansätze werden im Beitrag kontrastierend beleuchtet und auf ihre Aktualität hin befragt.

Florian Weber, Olaf Kühne

Stadtökologie

Stadtökologie ist ein junges, sehr verschieden definiertes Fachgebiet. Wie die Landschaftsökologie untersucht es Mensch-Umwelt-Systeme. Es setzt sowohl geographisch-landschaftskundlich als auch bioökologisch-biogeographisch an. Gegenstand ist das „Stadtlandschaftsökosystem“ – ein vom Menschen (Wirtschaft, Politik, Technik, Sozialsystemen etc.) gesteuertes Wechselwirkungsgefüge, das verschiedene Fachwissenschaften vor allem separativ untersuchen. Hier steht der naturwissenschaftliche Ansatz im Vordergrund. Je nach Stadtmodell lassen sich – trotz methodischer Probleme – diverse Subsysteme des Mensch-Stadt-Umwelt- Systems miteinander koppeln. Die Anwendung stadtökologischer Ergebnisse geschieht pragmatisch, meist separativ – allenfalls mit Seitenblick auf das „Gesamtsystem Stadt“.

Hartmut Leser

Landschaftsarchitektur

‚Landschaftsarchitektur‘ als spezifischer Berufsstand und berufsspezifische Disziplin begegnet in Praxis und Theorie in Gestalt der drei Subdisziplinen Landschaftsplanung, Freiraumplanung und Landschaftsarchitektur im engeren Sinne einer Entwurfsdisziplin. Obwohl ‚Landschaft‘ in der Disziplinbezeichnung enthalten ist, bleibt unklar, wie die drei Disziplinen ungeachtet eines differenzierten Aufgabenspektrums zusammengehören. Ein Blick auf die Geschichte des Faches mit ihren Ursprüngen in literarischen Topoi, Landschaftsbildern, in der Gartenkunst, der Landesverschönerung und der Landespflege skizziert die historischen und systematischen Hintergründe der Dreiteilung und gibt Hinweise auf eine mögliche Integration.

Karsten Berr

Landschaftskonflikte

Die Konflikte um diejenigen Räume, die gesellschaftlich als ‚Landschaft‘ gedeutet werden, sind so zahlreich und vieldeutig, wie der Terminus ‚Landschaft‘ selbst: Häufig manifestieren sich in solchen Konflikten unterschiedliche Ansprüche, Einschreibungen und Deutungen zu dem, was als ‚Landschaft‘ zusammengeschaut werden kann bzw. darf. Schon in der Vergangenheit gab es entsprechende Landschaftskonflikte, gegenwärtig entzünden sie sich meistens an der Divergenz zwischen neuartigen Nutzungen oder Nutzungsansprüchen und vertrauten landschaftlichen Seherwartungen. Charakteristisch sind eine Ästhetisierung und Moralisierung entsprechender Diskurse oder Konflikte, die eine mögliche Konfliktregelung erschweren.

Karsten Berr, Corinna Jenal, Hannah Kindler

Nicht-visuelle Landschaften

Eindrücke von Landschaften umfassen nicht nur visuelle Phänomene, sondern werden ebenfalls von nicht-visuellen Sinnesreizen mitgestaltet. Insbesondere akustische und olfaktorische Empfindungen werden seit den 1960er Jahren verstärkt in die Landschaftsforschung eingebunden. Dieser Beitrag fasst Entwicklungen zur akustischen und olfaktorischen Raumdimension zusammen und stellt einschlägige Ansätze ihrer methodischen Erfassung und kartographischen Wiedergabe vor.

Dennis Edler, Olaf Kühne

Postmoderne Zugriffe und Differenzierungen von Stadt und Land(schaft): Stadtlandhybride, räumliche Pastiches und URFSURBS

Postmoderne Siedlungsentwicklungen werden seit rund drei Jahrzehnten debattiert. Im Vordergrund dieser Diskussionen steht eine ‚Netzwerkstruktur‘ postmoderner Siedlungsräume. Der vorliegende Beitrag setzt sich mit gegenwärtig eher graduellen Entwicklungen von Siedlungen auseinander. Im Fokus stehen stadtlandhybride Entwicklungen, mit denen unterschiedliche Mischungen von städtischen und ländlichen wie auch natürlichen und kultürlichen Entwicklungen gefasst werden. Diese lassen sich – räumlich differenziert – als unterschiedliche Kompartimente von Raumpastiches auffassen. Ein Beispiel dieser stadtlandhybriden Kompartimente im Raumpastiche stellen urbanizing former suburbs – ehemals suburbane Räume, die unterschiedlich funktional, sozial und strukturell urbanisiert werden – dar.

Olaf Kühne, Florian Weber

Grüne Infrastruktur – ein innovativer Ansatz für die Landschaftsplanung

Grüne Infrastruktur ist ein neuartiger Ansatz für die Landschaftsplanung. Seine Innovationspotenziale bestehen in der umfassenden Sicht auf Natur und Landschaft, die ökologische, sozio-kulturelle, ästhetische und ökonomische Aspekte beinhaltet und vielfältige gesellschaftspolitische Ziele wie den Klimawandel oder sozialen Zusammenhalt aufgreift. Das breit aufgestellte und in Teilen vage Konzept bietet gerade aufgrund der Interpretationsmöglichkeiten Chancen, um die Entwicklung von Landschaften aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren und zu integrieren. Die Planung und Umsetzung von grüner Infrastruktur erfordert daher partizipative Ansätze, die sowohl verschiedene Disziplinen und Interessensgruppen einbeziehen, als auch zivilgesellschaftliches Engagement berücksichtigen und fördern.

Stephan Pauleit, Rieke Hansen, Martina van Lierop, Emily L. Rall, Werner Rolf

Landschaft und Wohnen

Wenn es um die Gestaltung von Wohnungen und Häusern geht, sind sowohl Lagen als auch Einrichtungskonzepte, die eine Vorstellung von Landschaft haben, sehr populär. Insbesondere die gedankliche Konstruktion eines Wohnen am Fluss und in den Bergen können als gesellschaftliche Prototypen gelten, die das Topoi der Landschaft in der Wohnwelt repräsentieren. Gesellschaftlich lässt sich das Wohnens in der rekonstruierten Landschaft auf Veränderungen in der räumlichen Organisation der Gesellschaft zurückführen. Für die erhöhten Ansprüche an die Mobilität des Einzelnen werden somit räumliche Refugien angeboten, um authentische Erfahrungen machen zu können und individuell eine eigene Erzählung von biographischer Kontinuität zu ermöglichen. Dies spiegelt sich in den Entwurfsprinzipien vor allem bei der Auswahl von Sicht-Perspektiven und Materialien wieder. Wohnräume werden mit der imaginierten Landschaft so verbunden, dass sie ein Blickregime etablieren, dass den Bewohner/innen erlaubt, selbstbestimmt und spielerisch mit dem Innen und Außen zu kommunizieren. Damit erhält das Individuum einen Raum und individuelle Kontrolle in einer fremdbestimmten Gesellschaft.

Frank Eckardt

Umweltgovernance und Governance für eine nachhaltige Gesellschaftstransformation

Die Bewältigung der im Rahmen der Nachhaltigkeitsdebatte diskutierten Umweltprobleme, wie der Klimawandel und der Verbrauch natürlicher Ressourcen, erfordert das Überdenken des Selbstverständnisses von Umweltpolitik. In dem Beitrag wird daher das Konzept der Umweltgovernance im Sinne einer Governance für eine nachhaltige Gesellschaftstransformation erweitert. Zunächst werden Merkmale der Nachhaltigkeitsgovernance beschrieben, nämlich ihre territoriale Reichweite, die zeitliche Langfristigkeit sowie die Deutungsdimension der Umweltprobleme. Nach einem kurzen Überblick über Formen der Governance werden Kernelemente einer Governance-Strategie für einen nachhaltigen Transformationsprozess benannt. Dazu gehören unter anderen die Entwicklung von Visionen und Leitbildern, die Förderung von neuen Handlungsweisen in Form von Realexperimenten sowie die Förderung der begleitenden Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung. Für diese Strategieelemente werden Fallbeispiele mit kommunalem Bezug erläutert, nämlich Modellprojekte zur Lokalisierung der 2030-Agenda, Ökodörfer, sowie die Entwicklung des „Monitor Nachhaltige Kommune“. Die besondere Bedeutung des partizipativen und integrativen Ansatzes für die Nachhaltigkeitsgovernance wird abschließend resümiert.

Malte Schophaus

5. Leistungsbild

Im folgenden Kapitel werden grundlegende Aspekte des Leistungsbilds in Abgrenzung zur Objektplanung untersucht. Der Handlungsschwerpunkt zielt auf die Problemstellung beim PBiB ab. Der Wandel des Berufsbilds des Architekten wird hinsichtlich der Aufgaben bei baulichen Maßnahmen Bestand diskutiert. Dazu werden bestehende Honorarordnung in Deutschland analysiert und die historische Entwicklung sowie aktuelle Probleme aufgezeigt. Es erfolgt ebenso eine Gegenüberstellung von Honorarordnungen in Europa.

Sebastian Herke

2. Am Projekt Beteiligte

Wohngebäude können eine Wirtschaftliche Nutzungsdauer von bis zu 100 Jahren aufweisen. In dieser Zeitspanne werden am Objekt Veränderungen vorgenommen, die die Planung, Errichtung, Nutzung, Erneuerung und den Umbau sowie den Abbruch betreffen. In jeder der einzelnen Phasen sind am Projekt Beteiligte mit jeweils eigenen Interessen vertreten. Die Planungsund Bauprozesse waren lange Zeit auf den Architekten und Handwerker beschränkt. Durch den iterativen Planungsprozess sind weitere Beteiligte im Prozess eingebunden. Die Projekte werden von verschiedenen (Fach-)Planern und Sonderfachleuten auf der einen Seite und den Entscheidungsträgern wie Eigentümern und Bauherren sowie den Trägern Öffentlicher Belange auf der anderen Seite geprägt.

Sebastian Herke

Chapter 10. Case Study 3: Smart City and Science Tower, Graz

In this case study, we describe a very interesting urban development project (Smart City Graz) which includes an attractive construction project, in terms of aesthetics and in terms of technology (Science Tower).

Reinhard Haberfellner, Olivier de Weck, Ernst Fricke, Siegfried Vössner

Kapitel 4. Analyse der interethnischen Beziehungen in Prizren

Der empirische Hauptteil dieser Arbeit setzt sich zusammen aus drei Kapiteln, in denen die interethnischen Beziehungen in Prizren untersucht werden. Zunächst werden die historischen, perzeptiven und sozioökonomisch-demographischen Grundlagen der multiethnischen Stadt dargestellt. Anschließend widmet sich die Analyse der Alltagsdomänen der Frage, welche Rolle Identität für die Prizrener Bevölkerung im Alltag spielt. Schließlich analysiert der dritte empirische Abschnitt dieser Arbeit Identitätsmuster und ihre Rahmenbedingungen in drei Konfliktbeispielen.

Johannes Gold

Kapitel 5. Kommunen als Motoren einer Nachhaltigkeitstransformation – Erfahrungen aus den Feldern Energie, Wasser und Wohnen

Die Ebene der Kommune als bedeutendes Handlungsfeld für Nachhaltigkeitstransformationen rückt zunehmend in den Fokus des Interesses. Dies ist insofern naheliegend, als sich Handlungsdrücke ebenso wie Veränderungen auf kommunaler Ebene konkretisieren – hier werden Unternehmen gegründet, Wohnraum geschaffen, Infrastrukturen errichtet und neue Formen des gemeinsamen Lebens und Wirtschaftens ausprobiert und etabliert. Wenn das normative Ziel die Gestaltung zukunftsfähiger, nachhaltiger Kommunen ist, stellt sich die Frage, welche Ansätze zu einer Transformation organisatorischer und technischer Strukturen sowie zur Schaffung nachhaltiger Produktions- und Nutzungsmuster erfolgreich beitragen können. Der vorliegende Beitrag beleuchtet in diesem Kontext dazu Beispiele aus den drei zentralen kommunalen Handlungsbereichen Energie, Wasser und Wohnen. Im Einzelnen wird auf Ergebnisse zu Fallstudien zu 1) Wärmenetzen mit erneuerbaren Energiequellen, 2) neuartigen und nachhaltigen Ansätzen der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie 3) Projekten zum gemeinschaftlichen Wohnen aufgebaut. Anhand der Beispiele wird analysiert, welche Faktoren das Gelingen von entsprechenden Vorhaben begünstigen und welche es erschweren. Dabei wird untersucht, ob und inwieweit sich diese Faktoren in den Themenfeldern unterscheiden oder ob sich Gemeinsamkeiten ableiten lassen. Besonderer Fokus liegt auf der Rolle der Kommune als zentrale Akteurin bei der Umsetzung von Innovationen. Des Weiteren wird diskutiert, ob die in den Projekten angelegten Ziele einer Nachhaltigkeitsverbesserung (ökologisch, ökonomisch, sozial) in der Praxis gelingen, und der Bezug zu den relevanten Sustainable Development Goals (SDGs) hergestellt. Weiterhin erfolgt ein Blick darauf, welche Verbreitungspotenziale bestehen und inwiefern Synergien zwischen den untersuchten oder anderen Transformationsnischen auf kommunaler Ebene bestehen. Abschließend werden Politikempfehlungen diskutiert.

Elisabeth Dütschke, Jonathan Köhler, Norman Laws, Ulrike Hacke, Jutta Niederste-Hollenberg, Julius Wesche

Kapitel 23. Selbsteinschätzung zur Umsetzung eines Nachhaltigkeitsmanagements an Hochschulen am Beispiel des Baukastensystems Nachhaltiger Campus (BNC)

Das Baukastensystem Nachhaltiger Campus (BNC) ist ein modulbasiertes Instrument zur Einführung und Weiterentwicklung eines Nachhaltigkeitsmanagementsystems an Hochschulen in den Handlungsfeldern Hochschulmanagement, Bildung & Transfer, Liegenschaften & Betrieb, Externe Kooperationen & Partnerschaften sowie Partizipation. Der Baukasten ist kompatibel zur High Level Structure für ISO-Managementsysteme und berücksichtigt die Anforderungen des Deutschen Nachhaltigkeitskodex für Hochschulen. Aus dem Baukastensystem Nachhaltiger Campus (BNC) werden zwei Tools zur Selbsteinschätzung vorgestellt. Die Selbsteinschätzung soll dazu beitragen, Einrichtungen höherer Bildung (EHB) zur Umsetzung eines Nachhaltigkeitsmanagements zu motivieren und einen individuellen Einstieg zu ermöglichen. Beide Tools sind Bestandteil eines gestuften Systems, das während der Konzeptentwicklung BNC und der Testphase an der Hochschule Zittau/Görlitz sowie der Erprobung an anderen sächsischen Hochschulen im Rahmen eines Konsortialprojektes entwickelt wurden.

Anke Zenker-Hoffmann, Christiane Dabow, Bernd Delakowitz, Markus Will, Jana Brauweiler, Eric Schön

Kapitel 30. Morphologischer Kasten zur Bildung für nachhaltige Entwicklung – Orientierung für Hochschulen zur Umsetzung von Nachhaltigkeit in der Lehre

Im Beitrag wird eine feldüberdeckende Übersicht – ein sogenannter morphologischer Kasten – entworfen, wie Nachhaltigkeit in der Lehre (BNE) an Hochschulen ausgestaltet werden kann. Um die insgesamt mehr als 20 Mio. Ausprägungsmöglichkeiten und damit Einsatz und Nutzen des morphologischen Kastens zu BNE zu veranschaulichen, werden aktuelle Praxisbeispiele aus zwei spezifischen Hochschultypen präsentiert: Zum einen aus der Hochschule für angewandte Wissenschaften München (HM) als Repräsentant einer öffentlichen Präsenzhochschule, zum anderen aus der Wilhelm Büchner Hochschule – Mobile University of Technology, Darmstadt (WBH) als Repräsentant einer privaten Fernhochschule. Hochschulen mögen den morphologischen Kasten zur BNE als Orientierung für Nachhaltigkeit in der Lehre heranziehen und ihn dafür nutzen, ihr spezifisches BNE-Profil zu entwickeln. Der morphologische Kasten zur BNE ist der erste methodisch-gestützte Vorschlag in diese Richtung. Er hilft, die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der UNO zu erfüllen.

Ralf Isenmann, Sabine Landwehr-Zloch, Sascha Zinn

Kapitel 18. Der Wohlfahrtsstaat und seine Kinder: Bedingungen der Produktion von Humanvermögen (2003)

Wie kann der Wohlfahrtsstaat kindergerechter gedacht werden? Der bundesdeutsche Wohlfahrtsstaat privilegiert seit Jahrzehnten die ältere Generation und scheut sich, Kinderlosigkeit kalkulatorisch bei der Finanzierung der Sozialversicherungen zu berücksichtigen. Kinder bleiben – verteilungspolitisch betrachtet – strukturell schwach; aus der Investitionsperspektive jedoch sind sie das Humanvermögen der Zukunft, auf das die heute Erwachsenen als alt gewordene angewiesen sein werden. Kinderpolitik zielt makrotheoretisch auf Nachwuchssicherung, mikrotheoretisch aber auf kindliche Wohlfahrt. Sie muss als Querschnittsaufgabe und als Mehrebenenpolitik, als Verzahnung von Leistungen des Staates, der sozialen Dienste und der Familien konzipiert werden. Die Entwicklung von Humanvermögen ist das Resultat des Zusammenwirkens der verschiedenen Einrichtungen. Familiale Vermittlungsleistungen sind ein Katalysator für das Wirksamwerden von Kinderpolitik. Kinderpolitik ist auch auf die Eltern angewiesen, wenn es darum gehen soll, wohlfahrtsstaatliche Leistungen wirksam werden zu lassen.

Angelika Engelbert

Kapitel 2. Die Neuversammlung des Sinnlichen

Straßenmusik als urbane Praxis und die Aufteilung der Klänge

Aus kultursoziologischer Sicht formiert sich die Praxis der Straßenmusik als ein diskursiver und klanglicher Streit um die Aufteilung des Sinnlichen (Rancière, 2006) im Stadtraum und erhält genau hier seine gesellschaftliche wie sozialwissenschaftliche Relevanz. Ausgangspunkt dieses Artikels ist die Ambivalenz der Legitimität des Status straßenmusikalischer Praxis: Wann und auf welche Weise vermittelt Straßenmusik einen ästhetischen Zusammenhang, wann ist sie störender Lärm und Ausgangspunkt für Beschwerden und unter welchen Umständen gesteht man ihr künstlerischen Wert zu? Zentrale These ist, dass straßenmusikalische Klänge zwei spezifische soziokulturelle Schemata der Wahrnehmung evozieren können. Dafür wird sozialtheoretisch an bestehende Arbeiten der Praxeologie und Ästhetik (J. Rancière) sowie gesellschaftstheoretische und kulturgeschichtliche Perspektiven zu Musik, Sound und Stadt (J. Attali, A. Corbin, R. M. Schafer) angeschlossen. Hierbei steht die praxistheoretische Perspektive im Vordergrund, die die beiden idealtypischen Sinn(es)muster und Praktiken der funktionalen Urbanität und der Musik freilegen kann, denen jeweils ordnende/legitimierende (voicing) und störende/delegitimierende (noising) Elemente zugeschrieben werden.

Daniel Felscher

Kapitel 9. Hongdae, die Musikstraße der koreanischen Indie-Bands und ihre Bedeutung für die koreanische Indie-Musikszene

Dieser Artikel widmet sich dem Veränderungsprozess der Independent-Musikszene (im Folgenden ‚Indie-Musik‘ genannt) und der Musikstraße im Viertel Hongdae von Seoul, Korea, in den letzten 20 Jahren. Zunächst wird zur Einführung eine historische Skizze zur Straßen- und populäre Musik sowie zur Indie-Musik Koreas bis in die 1980er-Jahre gegeben. Der Hauptteil zur koreanischen Indie-Musikszene in Hongdae besteht aus drei Teilen: Die Anfangsphase (1995–2001), in der in Hongdae Live-Clubs eröffnet und Straßenmusik-Plätze von Indie-Musiker_innen etabliert wurden. Die Entwicklungsphase (2002–2011), in der die Zahl der Indie-Bands rasch gestiegen ist, weil einige Indie-Musiker_innen in Castingshows erfolgreich waren. Die aktuelle Phase (2012–heute), in der zwar die reinen Indie-Bands Hongdae verlassen, aber immer noch viele Straßenmusiker_innen nach Hongdae strömen. Anhand konkreter Musikbeispiele von repräsentativen Indie-Bands werden Forschungsfragen erläutert, etwa zum Thema, wie die soziale Situation Koreas in Songtexten ausgedrückt wird und inwieweit ihre Musik andere Musiker und Koreaner beeinflusst haben.

Jieun Kim

4. Warum wird so wenig gebaut?

Steigt in einem Markt die Nachfrage, sollte das Angebot nachziehen. Schließlich wird es auch attraktiv, mehr zu produzieren, weil über die gestiegene Nachfrage auch die Preise steigen. Dies gilt auch grundsätzlich für den Wohnungsmarkt, doch in den Großstädten funktioniert dieser Mechanismus aktuell nicht. Dass der Wohnungsbau nicht in Schwung kommt, liegt dabei nicht an den Investoren, denn bei niedrigen Zinsen und hohen Wohnungspreisen ist der Einstieg in den Markt sehr attraktiv. Ursächlich ist vielmehr das geringe Baulandangebot, wofür viele Beteiligte verantwortlich sind: Die Kommunalpolitik, weil zu wenig Flächen ausgewiesen werden, die Bürger, die viele Bauvorhaben bekämpfen und nicht zuletzt Grundstückseigentümer, die mit dem Verkauf warten, um höhere Preise zu realisieren. Neben dem fehlenden Bauland sind auch die hohen Neubaukosten relevant. Aufgrund von Auflagen und Standards sind die Kosten des Neubaus so stark gestiegen, dass Neubauten kaum noch mit dem Bestand konkurrieren können, sprich Neubauten nicht in der entsprechenden Menge absetzbar sind. Ein weiterer Kostentreiber sind steuerliche Regeln, namentlich die Grunderwerbsteuer und die Abschreibungssätze. Nicht zuletzt wird in diesem Kapitel auch der Frage nachgegangen, ob es auch einen Mismatch im Wohnungsmarkt gibt: Werden andere Immobilien gebaut als tatsächlich benötigt werden?

Michael Voigtländer

5. Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnungsmarktlage

Wie kann der Wohnungsmarkt in den Großstädten wieder entspannt werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt dieses Kapitels. Insgesamt werden 10 Maßnahmen vorgeschlagen, die die Lage verbessern können. Ein ganz zentrales Thema ist der Mangel an Bauland. Kommunen sollten mehr Bauland ausweisen und über neue Stadtviertel nachdenken. Gerade in Städten wie München oder Berlin wird eine reine Nachverdichtung nicht ausreichen. Darüber hinaus sollte der vorhandene Platz besser genutzt werden, beispielsweise indem höher gebaut wird und Dachgeschoße genutzt werden. Gerade der Blick auf ausländische Metropolen zeigt, dass wir in der Höhe noch viel Potenzial haben. Des Weiteren brauchen wir eine Reform der Grundsteuer hin zu einer Bodenwertsteuer, die Anreize für eine schnellere und bessere Bebauung setzt. In die gleiche Richtung geht auch der Vorschlag, die Dauer von Baugenehmigungen zeitlich stärker zu begrenzen. Neben dem Bauland sind die Neubaukosten ein entscheidender Ansatzpunkt. Standards und Normen müssen geprüft werden, bessere Anreize gesetzt und kommunale Auflagen überdacht werden. Durch die Erfüllung von immer höheren Klimaschutzstandards, zusätzlichen Normen im Brandschutz und Verpflichtungen zum Bau von Kindergärten oder Schulen wird Bauen immer teurer. Neben diesen Maßnahmen gibt es flankierende Maßnahmen. So ist es erforderlich, die Eintrittsbarrieren zum Wohneigentum zu senken, da viele Haushalte als Eigentümer Wohnkosten sparen könnten. Außerdem sollte das Wohngeld gestärkt werden, um Haushalten schnell und zielgenau zu helfen. Schließlich ist eine bessere Verknüpfung von wachsenden und schrumpfenden Städten notwendig, um die Zentren zu entlasten und Schrumpfungsstädten eine Perspektive zu geben.

Michael Voigtländer

Robert Park und die Kultursoziologie

Robert Ezra Park, der spiritus rector der Stadtsoziologie, hat als Kultursoziologe der Moderne einen Blick für hybride Kulturen entwickelt, die er als Folge räumlicher und sozialer Mobilität begriff. Paradigmatisch steht für diesen Prozess die Figur des marginal man, der, verstanden als cultural hybrid, am Rande zweier Kulturen steht, gerade deshalb aber über einen weiteren Horizont und einen unvoreingenommenen Standpunkt verfügt. Mit seiner kultursoziologischen Perspektive auf Gesellschaft hat Park nicht nur einen bedeutsamen Beitrag zur Wissenssoziologie geleistet, sondern auch aktuelle Themen wie Globalisierung, Kosmopolitismus und Multikulturalismus vorweggenommen.

Rolf Lindner

Kultursoziologie in Frankreich

Die französische Kultursoziologie ist vielfältig. In diesem Beitrag werden ihre vier wichtigsten Orientierungsmuster vorgestellt, nämlich: die Kultursoziologie als die Untersuchung des Marktes der kulturellen Güter, als Analyse des Alltagslebens, als Beschreibung der Kommunikation ohne und anhand von Medien und als Forschung über das Wissen. Von diesen vier Mustern tragen die zwei ersten seit den sechziger Jahren am meisten zur Profilierung der französischen Kultursoziologie bei. Die zwei letzten sind eher an der Peripherie der französischen Kultursoziologie zu finden. Wieso stellt sich die Kultursoziologie in Frankreich so fragmentarisch dar? Einen wichtigen Grund dafür bildet die starke Wende zur empirischen Forschungspraxis, die in Frankreich ab den sechziger Jahren stattfand. Dennoch bildet diese Wende keinen Bruch mit dem französischen soziologischen Programm, sondern sie spiegelt die Kontinuität der französischen Tradition wider, deren Symbol die Kultursoziologie ist.

Christian Papilloud

Kapitel 5. Von der Nische zum Roll-out – eine Multi-Level- Konstellationsanalyse

In diesem Kapitel werden die Analyseergebnisse der Multi-Level-Konstellationsanalyse über die Entwicklungsphasen von InnovationCity in Bezug auf Bürger_innenbeteiligung dargestellt.

Benjamin Best

Kapitel 4. Fallstudie: InnovationCity Ruhr | Modellstadt Bottrop

In diesem Kapitel will ich zunächst in die Fallstudie zur InnovationCity einführen und Rahmenbedingungen des Projekts erläutern. Dabei wird auf das empirische Material aus der Feldforschung zurückgegriffen.

Benjamin Best

Kapitel 9. Effizienz der Mobilität

Der Sektor Verkehr hatte in Deutschland im Jahr 2015 einen Anteil von 29,5 % am gesamten Endenergiebedarf. Der Schienenverkehr hat daran einen Anteil von nur 2,5 %, der Luftverkehr 13 % und die Binnenschifffahrt von unter 1 %. Der Straßenverkehr ist mit 84 % überwiegend für den Energiebedarf des Verkehrssektors verantwortlich.

Günther Brauner

Kapitel 7. Habitate visueller Kommunikation

Mit welchen Argumenten kann man spezifische soziale Phänomene als besonders relevante, formgebende Habitate visueller Kommunikation beschreiben? In der Entfaltung bestehender soziologischer Begriffe, Theorien und empirischer Befunde werden Phänomene wie Macht, Emotion, Wissen, Materialität oder auch kommunikative Gattungen und Funktionssysteme als omnipräsente soziale Umgebungen dargestellt, deren Strukturen auf visuelle Kommunikation Einfluss nehmen.

York Kautt

Kapitel 8. Die Sonne abschirmen

Spätestens seit dem Augenblick an, als der frühere US-Vizepräsident Al GoreGore, Al mit einem Laserpointer auf dem Podium stand, auf alberne Grafiken zeigte und ein wenig hölzern den Kommentar zu seinem 2006 erschienenen Dokumentarfilm Eine unbequeme WahrheitEine unbequeme Wahrheit (Dokumentarfilm) sprach, war allgemein klar, dass der Klimawandel die Menschheit vor ein gewaltiges wirtschaftliches und moralisches Dilemma stellt. Wenn Menschen das Klima verändern, in dem sie leben, spielt sich im wahrsten Sinne des Wortes eine Weltveränderung ab. Jeder Zentimeter unserer Welt wandelt sich. Der Himmel über uns ist nicht mehr einfach „der Wohnort der Götter“, sondern er wird zu unserem Produkt. Und wenn sich das Klima ändert, ändert sich alles.

Christopher J. Preston

Kapitel 10. Finanzstromanalyse

In der Finanzstromanalyse wird untersucht, welche Einnahmeeffekte aus stadtinfoköln für Haushalte (Einkommen), Unternehmen (Umsätze, Gewinne) und die öffentliche Hand (Steuereinnahmen) entstehen. Die Betrachtung der Steuereinnahmen beschränkt sich dabei auf die aufkommensstärksten Steuerarten.

Volker Schott

Kapitel 9. Ein kurzes Fazit

Städtebau bildet die Klammer zwischen Stadtplanung und Architektur, indem er den planerischen Rahmen konkretisiert und das einzelne Gebäude in den Kontext einbettet. Vor dem Hintergrund der skizzierten vielschichtigen Herausforderungen ist der Städtebau eine wirkliche „Königsdisziplin“, die einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität in unseren Quartieren, Städten und Regionen hat.

Christa Reicher

Kapitel 7. Städtebauliche Herangehensweisen und Philosophien

Die derzeitigen städtebaulichen Probleme, bedingt durch den demografischen, ökomischen und technologischen Wandel, fordern die Akteure in der Stadtentwicklung auf, neue Lösungsstrategien zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund hat sich eine Bewegung wie die des „New Urbanism“, eine amerikanische Städtebaubewegung gegen die Suburbanisierung, in Europa Gehör verschafft. Ebenso haben Philosophien und inhaltliche Schwerpunktsetzungen im Städtebau wie die der Stadtbaukunst sowie des informellen und regionalen Städtebaus ihren Niederschlag gefunden.

Christa Reicher

Kapitel 4. Dimensionen und Gesetzmäßigkeiten der Stadt

Die Dimensionen und Gesetzmäßigkeiten werden in Hinblick auf die Stadtmorphologie, das Nutzungsgefüge sowie das Stadtbild beschrieben. Während die Stadtmorphologie, verstanden als Form- und Gestaltprinzipien, nach denen Stadtgrundrisse entstanden sind, die innere Logik einer Stadtstruktur lesbar macht, bezieht sich das Nutzungsgefüge stärker auf den Gebrauch des Bodens und die Funktionsfähigkeit des Stadtorganismus. Das Stadtbild umfasst sowohl die materielle, physische Gestalt als auch immaterielle Faktoren wie Atmosphäre und Vielfalt.

Christa Reicher

Kapitel 2. Definition und Verständnis

Unter dem Begriff „Städtebau“ werden die sichtbaren und gestalteten Strukturen der Stadtplanung verstanden. Städtebau befasst sich mit der räumlichen Ordnung und Gestaltung der Umwelt, im städtischen sowie im ländlichen Kontext. Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte, wenn nicht sogar Jahrtausende, hat der Städtebau Lösungen für ganz unterschiedliche Anforderungen entwickeln müssen. Dabei haben die gesellschaftlichen, ökonomischen und ästhetischen Herausforderungen sowohl das Verständnis der Disziplin und also auch die Umsetzung von städtebaulichen Konzepten in formellen und informellen Planungsinstrumenten beeinflusst.

Christa Reicher

Kapitel 7. Die »Mitte der Mitte«: Die Gestaltung des Regierungszentrums

Entscheidende Bedeutung gewann die Mitte der Spreeinsel ab 1442. Zunächst war sie als »Zwing Cölln« entstanden, am strategisch wichtigsten Ort der Doppelstadt zur Beherrschung der Bürger. Diese militär-strategische Dominanz führte nie zu einer bedeutenden stadträumlichen Qualität in Bezug auf die Stadt (Flierl in: Flierl/Parzinger 2009: 109). Seit dem 17. Jahrhundert vollzog sich eine Westwanderung der Herrschaftsinstitutionen, mit wichtigen Zwischenstationen wie die Wilhelmstraße und dem finalen West-Ziel des Charlottenburger Schlosses (Welch 1999: 25 f.).

Klaus von Beyme

Kapitel 10. Konklusion

Berlin als Mischung von Weltstadtanspruch und Scham über Rückständigkeit hat bereits im 19. Jahrhundert wichtige Schriftsteller aufgebracht. Fontane meinte schon 1862, es gebe höchstens acht bis zehn Häuser, die eine »verhältnismäßige Zierde bildeten«. Karl Gutzkow, ein politisch vielfach verfolgter und abgelehnter Schriftsteller des »Jungen Deutschland«, der 1844 die »Weltstadt Berlin« ausrief, beklagte in seiner »Ästhetik des Hässlichen« von 1873, an der Hauptstadt sei alles »arm, unschön, unkaiserlich«.

Klaus von Beyme

Kapitel 4. Hauptstadtsuche zwischen Bonn und Berlin

Von allen wichtigen Ländern Europas hat kein System eine so umstrittene Hauptstadt hervorgebracht wie Deutschland. Berlin als Zentrum Preußens war als Hauptstadt des Deutschen Reiches ab 1871 bei allen Anti-Preußen zunächst äußerst unbeliebt, vor allem in Süddeutschland. Da half es anfangs auch wenig, dass die Hohenzollern immerhin ein süddeutsches Herrschergeschlecht waren und auf eine wesentlich ältere Geschichte zurückblickten als die zunächst unbedeutende brandenburgische Kapitale.

Klaus von Beyme

Kapitel 3. DDR-Hauptstadt Berlin

Berlin wurde Anfang Mai 1945 von sowjetischen Truppen erobert. Sie stießen auf eine Trümmerlandschaft: Von den 245 000 Gebäuden waren 11,3 % total, 8,2 % sehr schwer und weitere 3 % mittelschwer beschädigt, wurden aber als wiederherstellbar eingestuft. Als leicht beschädigt und noch benutzbar galten 70,1 % der Bauten.

Klaus von Beyme

Kapitel 5. Von Japan bis Brasilien – Die Deutschlandjahre im Überblick

Wer im Februar 2013 als deutscher Besucher dem berühmten Karneval in Rio de Janeiro beiwohnte, staunte nicht schlecht: Tanzten doch plötzlich vertraute Figuren aus der über 10.000 km entfernten Heimat durch die Straßen am Zuckerhut. Neben diversen Märchenfiguren der Gebrüder Grimm und einer gigantischen Schwarzwälder Kirschtorte schwenkte auch ein etwas deplatziert wirkender Doktor Faust die Hüften zu wilden Sambarhythmen. Wie der verblüffte Deutsche nachher erfahren konnte, war dieser Auftritt ein früher Auftakt des offiziell erst im Mai des Jahres beginnenden Deutschlandjahrs in Brasilien: Die bekannte Sambaschule Unidos da Tijuca hatte das „Verzauberte Deutschland“ als ihr Leitthema für den Karneval 2013 auserkoren.

Hannah Bauersachs

Kapitel 6. Explorative Analyse

Wie in der deskriptiven Darstellung der einzelnen Deutschlandjahre an mehreren Stellen bereits deutlich wurde, scheint es auch auf policy-Ebene durchaus Anhaltspunkte für die These einer zunehmend außenwirtschaftlichen Orientierung in der AKP zu geben. Es wurde aber auch gezeigt, dass sich die verschiedenen Kampagnen in vielerlei Hinsicht voneinander unterscheiden und es sich keineswegs um ein heterogenes Format handelt. Deshalb sollen die zuvor identifizierten sechs zentralen Dimensionen (Konzept, Akteure, Organisationsstruktur, Finanzierung, Programm und Inhalte sowie Öffentlichkeitsarbeit, vgl. Kapitel 4) nun systematisch auf konkrete Indikatoren hin untersucht werden, die für (oder gegen) die Kernthese dieser Arbeit sprechen.

Hannah Bauersachs

Kapitel 5. Sozialraumorientierung

Die Diskussion um die sogenannte Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit hat in den letzten Jahren an Stärke gewonnen und „verschafft einem wichtigen Arbeitsprinzip in der Sozialen Arbeit unter neuem Namen wieder eine größere Beachtung“ (Dahme/Wohlfahrt o. J., S. 1). In diesem Zusammenhang wird die Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit als Fortsetzung bzw. Weiterentwicklung von Konzepten der Gemeinwesenarbeit verstanden.

Isolde Heintze

Kapitel 10. Ausblick – Selbstverständnis, Standards und Haltung der Sozialplanenden

Leitfragen: Wozu ist Sozialplanung da? Was machen Sozialplanende eigentlich, wenn sie planen? Welche Szenarien einer möglichen Zukunft haben sie, wie entwerfen sie diese in Prognosen oder Visionen? Wie ausgeprägt ist das Denken in Alternativen, wie scharf das Bewusstsein für Veränderung durch Planung.

Walter Werner

Kapitel 2. Vorwort – Sozialplanung aktuell

Die Geschichte der Sozialplanung in Deutschland ist mit fast 40 Jahren vergleichsweise kurz. Nach der ersten wirtschaftlichen Rezessionsphase der Nachkriegszeit im Jahr 1966/67 wurde im Zuge von Regierungs- und Verwaltungsreformen politisch-gesellschaftliche Planung als Ansatz zur Krisenbewältigung ungesteuerter marktwirtschaftlicher Fehlentwicklungen etabliert. Auf kommunaler Ebene wurde in der Einrichtung einer integrierten Entwicklungsplanung ein Weg zur Lösung der wirtschaftlichen, städtebaulichen und sozialen Probleme gesehen.

Ingo Gottschalk

Kapitel 3. Geschichte der Sozialplanung, theoretische Grundlagen, Methodologie

Leitfragen: Wie kommt es zur Sozialplanung in Deutschland und wer hat die Impulse für diese neue Planungsdisziplin geliefert? Wie lässt sich das Profil einer Profession bzw. Disziplin identifizieren? Wo hat sie ihre Wurzeln? Wer waren die Leitfiguren und Promotoren? Welcher Wandel in der Professionsentwicklung ist eingetreten? Wo steht Sozialplanung heute? Wie fest umrissen ist ihr Berufsbild.

Walter Werner

Kapitel 10. Smart Movement – von Connected Cars, Shared Bikes und Smart Cities

Die Bevölkerung in den Städten wächst exponentiell und die Stadtverwaltungen sind konstant gefordert, dieses Wachstum zu bewältigen. Schon heute lebt mehr als die Hälfte der chinesischen Bevölkerung in städtischen Gebieten und diese Zahl wächst rasant weiter. In China gibt es Städte, die erst in den letzten zehn Jahren zu Megastädten geworden sind. Und da immer mehr Menschen in diese Städte ziehen, treten laufend neue Probleme auf oder die bestehenden Probleme verschlimmern sich. In China werden intelligente Lösungen für diese Probleme entwickelt – es herrscht ein regelrechtes Smart Movement.

Elena Gatti, Christina Richter

Kapitel 13. Die 1970er Jahre als »die« Wasserscheide in der US-amerikanischen Moderne

Bruce Schulman jedenfalls meint, dass das zentrale gesellschaftliche Merkmal der 1970er Jahre die Bewegung nach Selbstfindung war – die fliegende Möwe. Selbst für einen Kulturanthropologen ist dies eine kühne Idee, aber in der Literatur findet er viel Aufmerksamkeit und man nimmt ihn als Autorität. Das wiederum hat damit zu tun, dass die US-amerikanische »middle class« so mit sich selbst beschäftigt ist, dass sie sich an die Stelle von Gesellschaft gesetzt hat.

Jakob Schissler

Urban Development

The worldwide process of urbanization is ongoing, and since 2007, more than 50% of the world’s population now lives in towns. To characterize the current idea of a town, an integrated approach with sociological, historical, cultural, architectural, spatial planning, juridical, and economic views is necessary. Even though some historical concepts of the early twentieth century like Garden City and the Charter of Athens are still influencing the structure and patterns of the ancient European town, extensive demographic and economic transformations are the main present drivers of their developments. Due to these drivers, different forms of suburbanization and urban sprawl as well as metropolization and regionalization characterize the current urban development on a global scale. Besides this, functional and structural diversifications and future challenges of urban planning will especially result from climate change, more participatory oriented forms of governance and new paradigms for a post oil society in general.

Theo Kötter

Kapitel 22. Urban-industrielle Ökosysteme

Durch Bebauung, Bodenversiegelung, Abfälle und Abgase sind urbane Ökosysteme stark verändert. Stadtböden sind gestört und durch technogene Substrate sowie extreme Standortbedingungen gekennzeichnet und die Spontanvegetation urban-industrieller Ökosysteme ist durch Ruderalfluren mit hohen Anteilen an Neophyten geprägt. Durch natürliche Sukzession entstehen auf älteren Brachflächen Gebüsche und Vorwälder. Elemente „grüner Infrastruktur“ wie Gärten, Grünanlagen, urbane Wälder oder Brachflächen sichern in Städten vielfältige Ökosystemdienstleistungen wie Kaltluftentstehung und Frischluftaustausch, Wasserretention, Feinstaubfilterung, die Naherholung sowie Produktion von Nahrungsmitteln. Häufig stehen sie jedoch in Flächenkonkurrenz zu Bebauungsvorhaben. Bei der Renaturierung degradierter Ökosysteme werden in Städten unterschiedliche Ansätze verfolgt, die vor allem der Klimaanpassung, der Verbesserung der Erholungsfunktion und dem Naturschutz dienen. Die Entwicklung von Pionierfluren und Magerrasen kann gefördert werden, wenn nährstoffarme Substrate erhalten und Bodenstörungen zugelassen werden. Passive Renaturierung ermöglicht die Entwicklung urban-industrieller Wildnis bis hin zu neuartigen urbanen Wäldern. Der Wechsel von gepflegten Offenlandbereichen und freien Sukzessionsflächen fördert die Artenvielfalt und wird von Erholungssuchenden als besonders attraktiv empfunden.

Kathrin Kiehl

Kapitel 14. Simulation

In der empirischen Sozialforschung befasst man sich mit gesellschaftlichen Phänomenen. Es geht darum, wie soziale Akteure durch ihren gesellschaftlichen Kontext beeinflusst werden und wie die Gesellschaft durch das interdependente, individuelle Handeln ihrer Mitglieder geformt wird. Einerseits wirken also gesellschaftliche Strukturen und Institutionen auf die Deutungen und Handlungsweisen der Gesellschaftsmitglieder, andererseits ergeben sich gesellschaftliche Tatbestände letztlich immer aus dem Zusammenspiel der Handlungen von Individuen. Ein einfaches Beispiel ist etwa eine Reform der Regulierung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die sich auf das Fertilitätsverhalten der Gesellschaftsmitglieder auswirkt, was Folgen für die demographische Entwicklung der Gesellschaft hat und unter Umständen den Kreis durch weiteren Reformbedarf von Kinderbetreuungsmöglichkeiten schließt. Insgesamt erscheinen Gesellschaften somit als komplexe, dynamische Systeme, in denen die Merkmale und Akteure unterschiedlicher konzeptioneller Ebenen in Wechselbeziehung zueinanderstehen, was die Erklärung und Vorhersage gesellschaftlicher Prozesse und Entwicklungen vor große Herausforderungen stellt.

Ben Jann, Debra Hevenstone

Chapter 9. Bridging the Gap Between the Local and the Global Scale? Taming the Wicked Problem of Climate Change Through Trans-Local Governance

Cities and urban regions are not only the main originators of global climate change but particularly “incubators” of developments towards low-carbon-transitions. Notably in Europe, local climate policies are increasingly embedded in a dense structure of vertical and horizontal multilevel governance arrangements. Scholarship on cities and climate change ascribes two essential functions to multilevel activities: first, to bridge the trans-boundary and multi-scalar nature of climate change action; and secondly, to facilitate learning from best practice. However, local actors have the difficult task to explain publicly why a particular contribution of a city is necessary in order to tackle the wicked problem of global climate change. Kemmerzell argues that cities are particularly affected by the consequences of wickedness. Therefore, local actors need to embed climate policies within broader strategic settings. Based on research on the German cities Frankfurt, Munich, and Stuttgart, the chapter identifies and applies four mechanisms which trace the impact of trans-local action on local climate policy.

Jörg Kemmerzell

Vom Heimatfest zum Stadtevent. Die Veränderung der urbanen Festkultur in Berlin zwischen 1950 und 2000

In der Nachkriegszeit wurden in verschiedenen Berliner Stadtbezirken Volksfeste initiiert, die sich in ihrer Festgestaltung auf „Heimat“ und „Tradition“ bezogen. Der „Stralauer Fischzug“ in Ost-Berlin und das „Steglitzer Heimatfest“ in West-Berlin werden in dem Beitrag in ihren unterschiedlichen lokal-politischen Intentionen und Konzeptionen präsentiert. Die 750-Jahr-Feier in Ost- und West-Berlin 1987 stellt demgegenüber einen Wendepunkt der Festgestaltung dar, der anhand der Konflikte und Aushandlungen illustriert wird. Den Abschluss bildet eine kurze Präsentation der Veränderung der Berliner Stadtfeste seit den 1990er Jahren.

Cornelia Kühn

Stadtidentität als organisches Element der Stadtentwicklung

Der vieldeutige Begriff der Heimat wird aus Sicht der Stadtentwicklung als ein mit allen Sinnen empfundenes Lebensgefühl verstanden, das sich festmacht an der Lebensqualität von Orten, Nachbarschaften, Stadtteilen, Städten und Regionen. In diesem Beitrag soll ein Überblick gegeben werden über wesentliche Elemente nordrhein-westfälischer Stadtentwicklungspolitik, die Grundlage dafür sein kann, Heimat zu erhalten, zu schaffen und neu in Wert zu setzen.

Karl Jasper

Kapitel 9. Aspekte der Psychologischen Handlungstheorie

Das Preisgerichtsverfahren ist ein mehrstufiges Auswahlverfahren, dessen formaler Ablauf die Wettbewerbsrichtlinie RPW regelt. Das Vorgehen zur Ermittlung des besten Entwurfs ergibt sich nach RPW durch das „Abarbeiten“ eines Ablaufschemas in den verschiedenen Wertungsrundgängen. Das Prinzip der schrittweisen Verkleinerung des Untersuchungsfeldes durch das Ausscheiden von Arbeiten ist der einzige Hinweis, den die RPW zur Methodik der Prüfung gibt.

Marcus van Reimersdahl

Kapitel 10. Aspekte der Zeichentheorie

Für die Analyse der in der teilnehmenden Beobachtung bemerkten Phänomene hat im vorangegangenen Kapitel die psychologische Handlungstheorie zusätzliche Hinsichten eingebracht. Mit dem Handlungsfeldmodell lässt sich das konkret beobachtete Verhalten der Preisrichter mit Prinzipien der Handlungsregulation abgleichen. Im Fall einer Entsprechung kann das in der Empirie Vorgefundene mit den Aspekten der Theorie eine treffende Beschreibung erhalten.

Marcus van Reimersdahl

Kapitel 8. Kollektive Fürstin AKP oder EU?

Als im November 2002 turnusgemäß die Parlamentswahlen stattfanden, hatte die Türkei die Talsohle der Wirtschaftskrise bereits durchschritten und erste politische Liberalisierungen im Zuge des Nationalen Programms zur Adoption des Aquis Communautaire waren in Kraft getreten. Die Regierung aus konservativ-liberaler ANAP, sozialdemokratisch-kemalistischer DSP und faschistischer MHP hatte sich in der vorangegangenen Legislaturperiode zu weiteren politischen Liberalisierungen verpflichtet (siehe Abschn. 7.7). Auch der Kurs der türkischen Wirtschaftspolitik war durch das mit dem IWF vereinbarte GEPG-Programm (siehe Abschn. 7.4) auf Jahre hinaus festgelegt. Über das EU-Projekt – das politische Reform und Neoliberalisierung im Sinne des GEPG-Programms miteinander verband – bestand ein weitgehender Elitenkonsens. Vor diesem Hintergrund bildeten die Wahlen vor allem die Möglichkeit, ein Votum über die Regierung abzugeben – nicht aber über den grundlegenden politischen Kurs. So schien es zumindest.

Axel Gehring

Urbane Logistik der Zukunft – ganzheitlich, nachhaltig und effizient

Das Stichwort Urban Logistics fällt immer häufiger, wenn es um die Zukunft unserer Städte geht. Wirtschaft und Bevölkerung der Metropolregionen können tagtäglich erleben, dass die Infrastruktur ihre Belastungsgrenzen erreicht hat. Lärm, Luftverschmutzung und Staus fordern die Politik zum Handeln heraus, Fahrverbote und andere Verkehrseinschränkungen scheinen unvermeidlich. Die Logistikbranche steht hier besonders im Fokus: Enorme Wachstumsraten bei E-Commerce einerseits sowie zunehmend lagerlose und flexible Einzelhandelskonzepte andererseits führen zu mehr innerstädtischem Lieferverkehr, der vom ebenfalls wachsenden Individual- und öffentlichen Verkehr als Konkurrent um knappe Verkehrsflächen wahrgenommen wird. Der vorliegende Beitrag zeigt auf, mit welcher Strategie und welchen Projekten der Marktführer Deutsche Post DHL auf diese Entwicklung reagiert. Darüber hinaus legen die Autoren dar, dass ein ganzheitliches Logistikmanagement der Metropolregionen unerlässlich ist, um erfolgreiche Pilotprojekte schnell und umfassend zu multiplizieren und so die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Jürgen Gerdes, Gerrit Heinemann

Kapitel 4. Konferenzen

In diesem Kapitel wird eine Reihe an wichtigen Umwelt- und Klimakonferenzen, Übereinkommen und Konventionen vorgestellt. Die Fülle der Konferenzen machte es nötig, eine Auswahl zu treffen, die naturgemäß „subjektiv“ ausfällt. Die Konferenzen werden auf der Basis der von den Vereinten Nationen offiziell herausgegeben Dokumente referiert, ohne kommentiert oder bewertet zu werden.

Ulrich Ranke

Architektur und Raumplanung: zur Herausforderung der geschlechtergerechten Gestaltung eines Wissens- und Handlungsfeldes

Architektur und Raumplanung sind vorrangig auf das konkrete Handeln und Gestalten bezogen, nicht regelmäßig auch Gegenstand theoretischer Reflexionen. Die Geschlechterforschung hat hier einen Wissensfundus entstehen lassen, der infolge des Abbaus entsprechender Professuren wieder in Vergessenheit zu geraten droht.

Barbara Zibell

Schlussbetrachtung und Ausblick

Ausgangspunkt dieser Arbeit war die Erkenntnis, dass Einwohner sowohl im Rahmen der Forschung zur Markenführung von Städten als auch in der Praxis der städtischen Markenführung oftmals nicht ausreichend Berücksichtigung erfahren. Dies ist aus di-versen Gründen zu bemängeln. So tragen Einwohner aufgrund der Einkommensteu-ern nicht nur zum ökonomischen Wohlstand einer Stadt bei, sondern hängen auch unmittelbar mit deren Zukunftsfähigkeit zusammen, da es aufgrund des vorherrschen-den Fach- und Führungskräftemangels immer bedeutender für Städte wird, qualifi-zierte Einwohner in der Stadt zu halten und neue anzuziehen.

Ayla Rößler

Internal City Branding als Untersuchungsgegenstand

Das Branding von Produkten und Dienstleistungen ist in Wissenschaft und Praxis fest verankert und blickt auf eine lange Historie zurück. Doch auch für Städte gewinnt Markenführung immer mehr an Bedeutung. ANHOLT (2010) konstatiert: „[…] there is no question that the concept of brand is relevant and useful to places […]. A positive place image, in short, makes it cheaper and easier for producers to export and attract.“ Im Vergleich zur Historie der „klassischen Markenforschung“ ist diese Erkenntnis jedoch relativ jung. Erste wissenschaftliche Publikationen zum Branding von Städten erschie-nen Ende der 1980er Jahre, seit der Jahrtausendwende ist ein bis heute anhaltender Anstieg an Publikationen zu verzeichnen.

Ayla Rößler

Kapitel 4. Analyse der interethnischen Beziehungen in Prizren

Der empirische Hauptteil dieser Arbeit setzt sich zusammen aus drei Kapiteln, in denen die interethnischen Beziehungen in Prizren untersucht werden. Zunächst werden die historischen, perzeptiven und sozioökonomisch-demographischen Grundlagen der multiethnischen Stadt dargestellt. Anschließend widmet sich die Analyse der Alltagsdomänen der Frage, welche Rolle Identität für die Prizrener Bevölkerung im Alltag spielt.

Johannes Gold

Kapitel 9. Partizipationsrecht in Baden-Württemberg

Vorschläge zur Stärkung der Beteiligung durch das Recht

Der Beitrag untersucht den (schwerpunktmäßig landes-)rechtlichen Rahmen der Partizipation in Baden-Württemberg, der zwar von Beteiligungspraktikern oft als unliebsames Korsett empfunden wird, gleichwohl maßgeblichen Einfluss auf Beteiligungsmöglichkeiten hat. Dabei werden die legislativen baden-württembergischen Maßnahmen der letzten Jahre, die partizipationsfördernd wirken sollen, untersucht und einem Rechtsvergleich mit den gesetzlichen Regelungen anderer Bundesländer unterzogen. Anhand von identifizierten Defiziten in den verschiedenen Bereichen des Partizipationsrechts werden Verbesserungsvorschläge unterbreitet, wie durch das Recht die Partizipation und damit mittelbar die Demokratie in Baden-Württemberg gestärkt werden kann. Der Bericht erklärt dafür zunächst, von welchem Partizipationsrechtsverständnis er begrifflich und funktional ausgeht. Daraus abgeleitet ergeben sich die einzelnen rechtlichen Untersuchungsfelder, die im Bericht mit zunehmender Beteiligungsintensität behandelt werden. Dies beginnt mit den Informationsrechten und reicht über Anregungsrechte wie Petition, Bürgerbeauftragter und kommunale Antragsmöglichkeiten sowie verschiedene Mitwirkungsrechte vor allem im Verwaltungsverfahren bis hin zu den direktdemokratischen Entscheidungsrechten auf Landesebene und auf kommunaler Ebene. Der Bericht schließt mit einer Reihe konkreter Vorschläge zur rechtlichen Stärkung partizipativer Prozesse ab. Ein besonders herausragendes Signal für den rechtlichen Stellenwert von Partizipation in Baden-Württemberg würde ein Beteiligungsgesetzbuch darstellen.

Volker M. Haug, Marc Zeccola

Kapitel 1. Einleitung Interorganisationale Kooperation und Netzwerkgestaltung – eine Aufgabe polizeilicher Führungskräfte in und zwischen Organisationen

In diesem einleitenden Kapitel wird der Gegenstand des Buches vorgestellt: Die Kooperationsnotwendigkeit und Kooperationsfähigkeit der Polizei auf regionaler Ebene. Im Fokus steht dabei der Höhere Polizeivollzugsdienst, dessen Aufgabe die Leitung und strategische Ausrichtung der Dienststellen vor Ort ist. Um das lokale Arbeits- und Kooperationsfeld der Dienststellenleitungen greifbar zu machen, werden drei aktuelle Projekte aus dem Bereich der Sicherheitsforschung skizziert, die die Herausforderungen für die interorganisationale und netzwerkförmige Kooperation in polizeilichen Dienststellen verdeutlichen. Vor dem Hintergrund dieser Forschungslage lässt sich dann präziser der Erkenntnisbedarf und die Forschungslücke bestimmen: a) Wie initiieren und managen Führungskräfte Kooperationen in der regionalen Sicherheitsproduktion, b) welche professionellen Kompetenzen sind hierzu notwendig und c) welche Angebote seitens polizeilicher Führungs- und Managementkonzepte sind für diese Fragestellung von Nutzen. Abschließend werden organisationssoziologische und führungstheoretische Ansätze präsentiert, die die konzeptionelle Leerstelle im polizeilichen Führungsverständnis bearbeiten können. Im fünften Abschnitt werden die einzelnen Buchbeiträge vorgestellt.

Christian Barthel

Kapitel 5. Heterotopie des Humankapitals – Die Bucht von San Francisco als regionalökonomische Bildungslandschaft

Dieses Kapitel macht den Auftakt zu einer Fallstudie über die Bildungslandschaft San Francisco. Charakteristisch für die Region sind nicht allein Wirtschaftsutopien, sondern ihre Verquickung mit Bildungskrisen. Diese können zwar auf die Umsetzung von technikoptimistischen Ökonomien zurückgeführt werden, in demselben Diskurszusammenhang werden Bildungskrisen aber ausgeblendet. Bildungspraktiker leiten ihre prekäre Verortung spiegelbildlich vom Humankapital ab – die Bildungslandschaft, eine Heterotopie des Humankapitals.

Jeremias Herberg

Kapitel 7. ShareCity-Cases

Viele Städte beschäftigen sich mit dem Thema Sharing und überlegen, wie sie damit umgehen möchten. Anhand des Sharecity-Strategie-Frameworks werden zahlreiche nationale und internationale Sharecity-Cases beleuchtet. Im Zentrum steht der Case St. Gallen, der in einem Forschungsprojekt intensiv erarbeitet wurde. Daneben werden die Sharecity-Aktivitäten von und in Berlin, München, Basel, Bern, Schaffhausen, Seoul, Kopenhagen, Medellin, Amsterdam und San Francisco erläutert.

Dominik Georgi, Susanne Bründler-Ulrich, Dorothea Schaffner, Esther Federspiel, Patricia Wolf, Richard Abplanalp, Bettina Minder, Jonas Frölicher

Bewertung von Konversionsflächen

In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten sind Konversionsflächen zunehmend in den Fokus der Immobilienwirtschaft geraten. Dies erfolgt beispielsweise aufgrund des technischen Fortschritts, der Veränderung und Optimierung von Güterströmen, von Produktions- und Flächenverlagerungen oder wegen eines stetig steigenden Professionalisierungsgrades im Corporate Real Estate Management von Unternehmen. In diesem Beitrag werden die bei der Bewertung zu berücksichtigenden Aspekte beschrieben und mittels eines Beispiels veranschaulicht.

Klaus Wagner

Digitalisierung – ein Megatrend: Treiber & Technologische Grundlagen

Der folgende Artikel geht auf die Trends und Treiber der Digitalisierung ein. Zu Beginn wird dargestellt und erläutert, wie wichtig Fortschritte in den Bereichen Datenübertragung und -verarbeitung für die erfolgreiche Entwicklung digitaler Produkte und Geschäftsmodelle sind. Anschließend werden die Themenbereiche Internet der Dinge, Cloud Computing, Big Data, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Robotik und Blockchain skizziert und praktische Anwendungsbeispiele gegeben. Darüber hinaus werden für jede Technologie ökonomische, gesellschaftliche und technologische Chancen und Risiken aufgezeigt und ein Ausblick auf die weitere Entwicklung im Sinne einer Technologie-Folgeabschätzung gegeben. Abgerundet wird dieser Artikel mit einem Blick auf die Kritische Infrastruktur im digitalen Umfeld und einem zusammenfassenden Ausblick im Fazit.

Oliver Faber

Rasender Stillstand?

Eine Polemik zur Lage der digitalen Journalistenausbildung

„Rasender Stillstand“: Mit diesem Oxymoron hat der Philosoph Paul Virilio (1990) in einem viel beachteten Essay (im Original: L’inertie polaire) vor fast 30 Jahren ein Stadium beschrieben, in dem unsere spätmoderne Gesellschaft vor der Beschleunigung des technologischen Wandels kapituliert. Endgültig. Als die digitale Gesellschaft noch eine bloße Utopie war, hatte der französische Medienkritiker bereits erkannt, dass die ubiquitäre Echtzeit-Technokratie der audiovisuellen Medien in einer total gewordenen Eigendynamik mündet. Die Konsumenten seien, so Virilios These, zur Regungslosigkeit verdammt.

Stephan Weichert

Kapitel 1. Einführung in die Immobilienwirtschaft

Die Immobilienbetriebslehre ist im Vergleich zur allgemeinen BetriebswirtschaftslehreBetriebswirtschaftslehre und zu einer Reihe spezieller Betriebswirtschaftslehren, wie z. B. der Bankbetriebslehre oder der Handelsbetriebslehre, immer noch eine relativ junge Wirtschafts- und Wissenschaftsdisziplin. Hinzu kommt, dass diese spezielle Betriebswirtschaftslehre aufgrund der differenzierten Nutzeranforderungen an Immobilien und Zielstellungen der Investoren außerordentlich facettenreich ist. Hieraus ergibt sich zunächst die Notwendigkeit zur inhaltlichen Bestimmung.

Kerry-U. Brauer

Kapitel 26. Kompetenzentwicklung, Triadengespräche und Strategie – Das Projekt IntraKomp

Die öffentliche Verwaltung kann Bürgerinnen und Bürgern in Zukunft nur dann die nötige Flexibilität und zugleich Stabilität aufzeigen, wenn sie sich in Struktur und Handeln weiterentwickelt und mithilfe agiler Konzepte anpasst. Im Rahmen des BMBF geförderten Projekts IntraKomp (Integration der Kompetenzfeststellung in das strategische Kompetenzmanagement“ [IntraKomp]. Das diesem Bericht zugrunde liegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert [Förderkennzeichen 21IAWB113A]. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.) wird mit Methoden der Aktions- und Handlungsforschung untersucht, welchen Beitrag das Personalmanagement leisten kann, um die notwendige Anpassungsfähigkeit zu erhöhen. Mittels eines Verfahrens zur Integration von Erfahrungstransfer und Kompetenzentwicklung, die das Triadengespräch (Dick, Beschreiben – Erschließen – Erläutern. Psychotherapieforschung als qualitative Wissenschaft, Pabst Science Publishers, Lengerich 2006b) und den KompetenzAtlas (Heyse, KODE® und KODE®X – Kompetenzen erkennen, um Kompetenzen gezielt zu entwickeln und zu bestärken, Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2017; Heyse et al., Grundstrukturen menschlicher Kompetenzen, Waxmann, Münster 2010) kombiniert, werden Tätigkeits- und Kompetenzprofile erweitert. Ein weiterer Hebel ist die konsequente Ausrichtung an den strategischen Zielen der Organisationen. Im Rahmen von Strategie-Workshops wurde eine Kompetenzarchitektur entwickelt, die sich an der Verwaltungsstrategie sowie an den anforderungsanalytisch ermittelten Kompetenzen auf der Ebene von Jobfamilien orientiert.

Katrin Nebauer-Herzig, Almut Lahn, Anna Farina Vollbracht, Michael Dick, Gottfried Richenhagen

Kapitel 14. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz im HR: Die Wirkung und Förderung der Akzeptanz von KI-basierten Recruiting-Tools bei potenziellen Nutzern

Egal ob Recruiting, Personalentwicklung oder Personalmarketing: Die Möglichkeiten, digitale Instrumente wie z. B. Lösungen auf Basis von künstlicher Intelligenz (KI) im Personalwesen einzusetzen, sind bereits jetzt Realität und in absehbarer Zeit wird ihre Zahl zunehmen. Jedoch ist bisher wenig dazu bekannt, wie solche KI-basierten Tools auf die Nutzer wirken und ob diese bereit sind, die Möglichkeiten auch zu akzeptieren und tatsächlich zu nutzen. Darüber hinaus ist unklar, welche Faktoren sich förderlich oder hemmend hierbei auswirken. Diese Fragen möchte der vorliegende Beitrag anhand einer empirischen Studie im Recruiting-Bereich näher beleuchten. Im Rahmen dieser Studie bekamen junge Berufstätige, die berufsbegleitend studieren, drei verschiedene Situationen geschildert, in denen bereits heute schon KI-Lösungen eingesetzt werden. Diese Situationen bewerteten sie anhand verschiedener aus der Forschungsliteratur abgeleiteter Kriterien und gaben detaillierte Einblicke in die Nutzerwahrnehmung solcher Systeme.

Markus Dahm, Alexander Dregger

Kapitel 4. Toxikologie und Ingenieurwissenschaften

Es werden die toxikologischen Bewertungskriterien für Stoffe und Verbindungen vorgestellt. Dabei wird auf die Ermittlung von toxischen Effekten und deren Ursachen eingegangen. Am Praxisbeispiel Produktsicherheitsdatenblatt und Datenbank werden die toxikologischen Methoden und die Bedeutung für Ingenieure und Verantwortliche für die Product Compliance sowie für den Arbeitsschutz abgehandelt. Softwaregestützte Informationstools, wie REACH, RoHS, GHS, CAS und UCLID, werden vorgestellt. Die Abhandlung der Wissensdatenbanken zur toxischen Wirkung von Stoffen und Produkten erfolgt mit definitorischen Begriffserläuterungen, die geeignet sind, den Bewertungsprozess für die Umwelt- und Gesundheitsrelevanz umfassend zu beschreiben. Methoden, die der toxikologischen Bewertungen dienen, werden mit Hilfe von selbsterklärenden Grafiken unterstützt. Im Hinblick auf die Sicherstellung der Datenqualität wird sowohl auf die Anzahl der empirisch ermittelten toxischen Effekte als auch auf die Repräsentation von Messwerten und die angewandten messtechnischen Methoden eingegangen. Die Bedeutung der normierten Messdatenermittlung nach DIN EN, VDI oder PROP nach EPA wird an Praxisbeispielen erläutert. Auf die gängigen mathematisch-statistischen Auswertungsmethoden inkl. der biometrischen Datenerfassung wird ebenfalls eingegangen.

Regine Grafe

9. Architekturgestaltung

Dieses Kapitel erläutert am Beispiel der Strukturen von Städten wesentliche Merkmale von Architekturen und bringt diese in Bezug zu Produktarchitekturen. Dabei werden die Grenzen dezentraler Entscheidungen sichtbar, Architekturtreiber benannt und die Notwendigkeit einer bewussten Architekturgestaltung verdeutlicht.Der zweite Teil geht auf Führungsaspekte, Kompetenzen und Grundhaltungen in der Architekturgestaltung ein.

Michael Jantzer, Godehard Nentwig, Christine Deininger, Thomas Michl

7. Wirtschaft

In diesem Kapitel sind die Interviews von Rolf van Dick mit wichtigen Personen der Wirtschaft zum Thema Führung zusammengestellt. In allen Gesprächen ging es um die gleichen Fragen: „Brauchen wir Führung?“, „Was ist gute Führung?“, Wie führen Sie persönlich?“ und „Kann man Führung lernen?“ Zu Wort kommen Albert Speer (jr.), Jan Rinnert, Rolf-Ernst Breuer, Patrick D. Cowden, Hilmar Kopper, Gabriele Eick, Andreas Leonhardt, Jürgen Heraeus, Götz W. Werner, Edzard Reuter, Jürgen Fitschen, Sabine Schmittroth und Stephan Reimelt.

Rolf van Dick, Louisa Fink

Resilienz und resiliente Städte

Der Beitrag hat zum Ziel, wesentliche Diskussionslinien des aktuellen Forschungsstands zu Resilienz und speziell zu resilienten Städten wiederzugeben. Eines drängte sich in den Literaturanalysen auf: der Risiko- wie auch der Nachhaltigkeitsbegriff scheinen aus der Mode gekommen zu sein; stattdessen haben Begriffe wie Vulnerabilität und Resilienz einen Aufschwung erlebt.

Gabriela Christmann, Oliver Ibert, Heiderose Kilper

8. Ansätze zur Problembewältigung I: Politik, Planung, Recht und Verwaltung

In diesem Kapitel werden drei Politikbereiche beschrieben, die die Aufgabe haben, der Kulturlandschaft zu dienen, noch stärkere Belastungen zu vermeiden und Fehlentwicklungen zu korrigieren. Es handelt sich zunächst um das Planungsrecht, speziell die Landschaftsplanung, sodann um ein besonders herauszuhebendes Element aus dem Bundes-Naturschutzgesetz, die Eingriffsregelung, und schließlich um die Instrumente der Agrarumweltpolitik und des Vertragsnaturschutzes, mit denen Landwirte direkt angesprochen werden.

Ulrich Hampicke

Kapitel 8. Herausforderungen der gesellschaftlichen Verankerung von Peer-to-Peer Sharing

Das online-gestützte Peer-to-Peer Sharing ist eine gesellschaftliche Innovation, die sich – in einigen Handlungsbereichen – aus einem Nischenphänomen in eine weitverbreitete Praxis entwickeln konnte. Dabei handelt es sich nicht nur um die Einführung einer neuen Technologie, sondern um weitreichende institutionelle Veränderungen, die Überwindung tradierter Verhaltensnormen zum Umgang mit privatem Eigentum, den Wandel persönlicher Nutzungsgewohnheiten und von emotionalen Bindungen an bestimmte Güter, ebenso wie häufig um eine faktische Aushebelung von Steuerbestimmungen und branchenspezifischen Auflagen. Als soziale Praxis tritt das online-gestützte Peer-to-Peer Sharing in die Interaktion mit etablierten Praktiken und Strukturen, wobei es zu Dynamiken der Verdrängung, aber auch zur gegenseitigen Verstärkung oder zu einem Nebeneinander alter und neuer Praktiken kommen kann.

Jan Peuckert, Maike Gossen

Kapitel 5. Kommunikation und Beteiligung bei Großprojekten

„Frühzeitige und umfassende Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung sichern die inhaltliche Angemessenheit der technischen Lösung für den gesellschaftlichen Bedarf und senken damit die Wahrscheinlichkeit eskalierender Konflikte. Daher sind sie der Effizienz und Effektivität von Bauprojekten zuträglich“, so formuliert Brettschneider (2016:223) die Potentiale von Kommunikation und Beteiligung für Großprojekte. Methoden wie „Decide – Announce – Defend“ (Zilleßen 1993:36), also die interne Entscheidung nach Beratungen, dann die öffentliche Bekanntgabe und die Verteidigung gegenüber kritischen Stimmen, werden teilweise noch angewendet, haben aber zunehmend weniger Erfolg, wie zahlreiche Beispiele zeigen.

Inkeri Märgen Schmalz

3. Der Wiener Kreis dreht eine Proberunde

Die Persönlichkeiten von Mach und Boltzmann prägten die Generation der jungen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nach der Jahrhundertwende in Wien. „Seltsam genug, aber in Wien waren alle Physiker Anhänger von Mach und Boltzmann. Es war nicht so, dass man wegen Mach irgendeine Abneigung gegen Boltzmanns Atomtheorie hatte.“ Das schrieb Philipp Frank (1884-1966), der seine Dissertation unter Ludwig Boltzmann begonnen und erst nach dessen Freitod abgeschlossen hatte. Frank gehörte zu jener kleinen Gruppe, die zum Vorläufer des Wiener Kreises wurde.

Univ.-Prof. Dr. Karl Sigmund

6. Nutzerorientierte Gestaltung von interaktiver E-Partizipation

In den letzten Jahren wurde die Literatur rund um Bürgerbeteiligung von der Aussage dominiert, die Besorgnis erregend hohe Nichtbeteiligung an öffentlichen Vorgängen und Entscheidungen läge einerseits an den Zugangsbeschränkungen traditioneller Beteiligungsprozesse und anderseits am generellen Nichtinteresse von BürgerInnen an Politik. Um dem entgegenzuwirken, wurden digitale (meist webbasierte) Beteiligungsplattformen geschaffen. Bisherige Erfahrungen mit herkömmlichen webbasierten Plattformen zeigen aber in der Regel, dass sie noch nicht genügend Aktivität unter BürgerInnen stimulieren, um maßgeblichen Einfluss auf Politik und politische Prozesse nehmen zu können. Daher wird nun versucht, neue Wege in Sachen digitaler Bürgerbeteiligung zu gehen sowie auch neuartige Medien und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Konzepte (wie z. B. offene Daten) zu nutzen. Um den Trend aufzugreifen, dass immer mehr Menschen sich in sozialen Netzwerken politisch engagieren und ihre Meinung äußern, wird nun versucht, Eigenschaften von diesen Medien auf Bürgerbeteiligungsplattformen zu übertragen. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über aktuelle Ansätze IKT-Lösungen sowie unterschiedliche Medien und Geräte zur Förderung der Bürgerbeteiligung einzusetzen. Diese Ansätze werden kritisch im Hinblick auf eine Reihe bekannter Herausforderungen digitaler Bürgerbeteiligung beleuchtet. Darauf aufbauend erfolgt ein Überblick über Ansätze, die bisherige Schwachpunkte digitaler Bürgerbeteiligung zu adressieren versprechen (z. B. persuasive Strategien und automatisches Feedback).

Sarah-Kristin Thiel, Peter Fröhlich, Andreas Sackl

Cellular Automata in Engineering Calculations

Cellular Automata (CA) are simple mathematical models for systems in which many components act together to produce complicated patterns of behaviour. CA are used to investigate self-organization in statistical mechanics; they serve as discrete approximation to partial differential equations and provide models for wide variety of natural systems. They are sufficiently simple to allow detailed mathematical analysis, yet sufficiently complex to exhibit a wide variety of complicated phenomena [1]. It can be said that CA are a mathematical idealization of physical system where both time and space are discrete [2] or an alternative mathematics [3].

Jakub Konarski

Verlaufsformen fallrekonstruktiver Forschung

Methodologische Reflexion einer Untersuchung zum Berufshabitus von Umweltmediatoren

Der Band schließt mit einem Beitrag von Peter Münte, in dem skizziert wird, wie sich die Umweltmediation – ein Verfahren, das in den USA entwickelt wurde und seit den 1990er Jahren auch in Deutschland bei der Auseinandersetzung über umstrittene Infrastrukturvorhaben angewendet wird – als Gegenstand fallrekonstruktiver Forschung einrichten lässt. In Anlehnung an den tatsächlichen Verlauf eines Forschungsvorhabens zum Berufshabitus von Umweltmediatoren wird gezeigt, wie sich eine (vorläufige) Ausgangshypothese entwickeln lässt, mit der die untersuchte Tätigkeit einem universalen Problemfokus humaner Sozialität zugeordnet und in einem bestimmten Kontext der Entwicklung der modernen Gesellschaft ansiedelt werden kann. Es wird außerdem gezeigt, inwiefern diese Ausgangshypothese bei der anschließenden Materialanalyse in Schwierigkeiten führt und wie diese behoben werden können. Ziel des Beitrags ist zu verdeutlichen, dass gerade das Scheitern einer den Forschungsprozess strukturierenden Ausgangshypothese für die Gegenstandserschließung fruchtbar sein kann.

Peter Münte

Kapitel 2. Die Herangehensweisen der Kulturwissenschaften an das Wesen der Kriminalität

Kriminalität findet in einer „Ökologie“ statt, die aus Interaktionen zwischen Tätern, anderen Menschen, Gemeinschaften und der physischen Umgebung besteht. Die unterschiedlichen Kulturwissenschaften fokussieren auf verschiedene Aspekte dieser Interaktionen: Wir unterscheiden zwischen auf das Umfeld fokussierten und auf persönliche Merkmale des Individuums fokussierten Erklärungsmodellen der Entstehung von Kriminalität. Diese Fokussierung ermöglicht eine Unterscheidung zwischen dem Grad der Hervorhebung der „existenziellen Psychodynamik“ von Kriminalität bei den unterschiedlichen Kulturwissenschaften. Für die Psychologie ist diese „Psychodynamik“ von zentraler Bedeutung. Wissen über die ihr zugrunde liegenden psychologischen Prozesse und Merkmale macht es möglich, die Kriminalität aus einem neuen Blickwinkel zu untersuchen und bietet neue Perspektiven für die Bekämpfung von Kriminalität.

David Cropley, Arthur Cropley

Strategies for Cities in Global Competition: An Essay on Spatial Economics and Management Science

The paper starts with a short history of the economics of cities: one city, location of many cities, competition of cities in a single currency region, global competition of cities. The chapter second section deals with the strategies of cities that compete with each other for growth, attractiveness and welfare of the citizens. The city of Bonn is used as an example. The limitations of competition strategies are described using the example of Trier. Legal structures of Chicago and Tokyo are analysed for comparison.

Horst Albach

Kapitel 3. Theorie

Die Verbindung externer Leistungsbewertungsverfahren mit der Zuweisung von Forschungsressourcen lässt eine Gesetzmäßigkeit entstehen, die der amerikanische Sozialpsychologie Donald T. Campbell gefunden hat und die als Campbells’ Law bezeichnet wird.

Len Ole Schäfer

Schmutz in Weiß

Zum Erlebnisangebot des IG-Farben-Campus

Räume prägen sinnlich vermittelt die unbewussten Lebens- und Handlungsentwürfe der in ihnen Lebenden. Um den Machtanspruch von unterhalb der sprachlichen Ebene organisierten Symbolen zu entziffern, ist zunächst die Entschlüsselung ihres Bedeutungsgehalts für das subjektive Erleben und Handeln erforderlich. Mit Hilfe der Tiefenhermeneutik geht Tom David Uhlig den latenten architektonischen Sinngehalten eines Neubaus der Goethe Universität Frankfurt nach. Die Umdeutung der Räume, in welchen die mörderischen Buna-Werke nahe der polnischen Stadt Monowitz (genannt Auschwitz III) geplant wurden, zum »schönsten Campus Europas«, korreliert mit dem architektonischen Problem, dass die Neubauten auf dem Gelände die architektonische Formsprache des Hauptgebäudes bruchlos übernehmen. Die tiefenhermeneutische Gruppeninterpretation offenbart, dass sich der monumentale Selbstanspruch des Gebäudes, das einst den Ansprüchen nationalsozialistischer »Großartigkeit« entsprach, in einer modernen Architektur reproduziert, die durch die Reinszenierung von Macht und Größe auf Studierende einschüchternd wirkt. Der Umstand, dass man sich in der Gruppe über das architektonisch vermittelte Streben nach Größe lustig machte, es karikierte und scharf kritisierte, machte auf den überhöhten Selbstanspruch aufmerksam: Das Gebäude wird nach den gleichen Kriterien beurteilt, die es an sich selbst anzulegen scheint.

Tom David Uhlig

Kapitel 1. Made in China ist nicht mehr billig – Plötzlicher Arbeitskräftemangel oder warum die Ein-Kind-Politik nach 30 Jahren aufgehoben wurde

China hat mit atemberaubender Geschwindigkeit den Sprung von der Agrargesellschaft zur Industrienation geschafft und sich zur „Werkbank der Welt“ entwickelt. Nach der Öffnung des Landes unter Deng Xiaoping erlebte China einen massiven Zustrom von Investitionen ausländischer Unternehmen, die nach billigen Arbeitskräften und günstigen Produktionsbedingungen suchten. Dies führte zu verstärkter Urbanisierung und Zuwanderung von chinesischen Migranten vom Land in die Städte. Nach fast vier Jahrzehnten Migration, Urbanisierung und hohem Wirtschaftswachstum zeichnet sich eine Abschwächung ab – mit weitreichenden globalen Folgen. Galt es einst als allgemein akzeptiert, dass China billige Arbeitskräfte und niedrige Produktionskosten und damit verbunden anderen Ländern gegenüber einen Wettbewerbsvorteil hatte, steht China nun das Ende der Billiglohn-Ära bevor. Die Lebenshaltungskosten und Mieten in China steigen, Logistik und Produktion werden teurer – Unternehmen müssen umdenken, und sich auf neue Technologien und Automatisierung konzentrieren.

Sven Agten, Thomas König

Starkniederschläge: Umsetzungsaspekte in der praktischen Planung

Starkniederschläge haben in den letzten Jahren immer wieder schwere Überschwemmungen mit enormen Sachschäden verursacht. Der DWA-BWK-Praxisleitfaden zur Überflutungsvorsorge nimmt diese Thematik auf und zeigt eine für jede Kommune praktizierbare Vorgehensweise zur Verhinderung/Minimierung von Schäden auf. Bewältigt werden kann diese Aufgabe nur dann, wenn sie als „kommunale Gemeinschaftsaufgabe“ verstanden wird. D. h. alle maßgebenden Akteure im öffentlichen Raum müssen hier gemeinsam arbeiten, die Siedlungswasserwirtschaft ist nur einer von Vielen. Im Artikel werden die Bedeutung des Straßenraums als wesentlich Abfluss- und Speicherelement während eines Starkregens und die Möglichkeiten der Stadtplanung im Zusammenhang mit der gemeinsamen Umsetzung der urbanen Überflutungsvorsorge näher erläutert sowie anhand von praktischen Beispielen verdeutlicht.

Klaus Piroth

Kapitel 10. Social Places

Was geschieht an den Höfen von heute? Statusspielchen und Wichtigtuerei sind weiterhin verbreitet. Aber die Faszination für andersartige Führungskräfte, die im vorangehenden Kapitel beschrieben wurden, zeigt auch, dass diese Affektiertheiten zusehends in Misskredit geraten. Was aber aufhorchen lässt, ist die Faszination der Führungskräfte für offene Biografien.

Holger Rust

Kapitel 4. Algo-Demokratie – Macht der Technik, Ohnmacht der Demokratie?

Wer setzt in der digitalisierten Welt die Regeln, an die sich alle halten müssen? Weite Bereiche werden von Algorithmen dominiert, die von Informatikern und Softwareentwicklern geschaffen werden. Das ist in demokratischen Staaten ein Problem. Legitime Rechtsetzer sind dort die gewählten Parlamente, nicht anonyme Ingenieure, Informatiker, Techniker und Software Entwickler. Algorithmen, die nicht demokratisch kontrolliert und gesteuert werden, sind ein Problem. Wie lassen sich Algorithmen demokratisch einhegen? Es ist Zeit, dass die Politik diese Machtfrage in aller Schärfe stellt.

Volker Boehme-Neßler

(Alb-)Träume des Städtebaus

Seit Jahrtausenden entwerfen Menschen städtische Utopien und damit Räume für die ideale Gesellschaft, die in der Regel der bestehenden moralisch überlegen ist. Wie die ideale, utopische Gesellschaft ist auch die utopische Stadt und mit ihr einhergehend der utopische Städtebau wie die Architektur, der bestehenden Stadt gegenüber überlegen. Zumeist mit guten Absichten erdacht, wandeln sich diese Träume einer besseren Welt aufgrund ihrer gesellschaftlichen Regeln und/oder der baulichen Form, in die sie projiziert werden, schnell zu Albträumen. Der Blick auf einige Utopien von Platon über Morus bis in die Gegenwart, versucht die den Utopien innewohnenden Dystopien aufzuzeigen und die oft zerstörerischen Auswirkungen auf die reale, bestehende Welt zu erläutern.

Aljoscha Hofmann

Stadtverkehr

Über 60 % der Bevölkerung in Deutschland lebt in Großstädten. Verkehr hat dort einen starken Einfluss auf die Lebensqualität und ist ein konfliktträchtiges kommunalpolitisches Thema. Der Beitrag stellt die Entwicklungen und Trends des städtischen Verkehrs einschließlich der vorherrschenden Problemlagen vor. Daran schließt die Diskussion der Ziele und acht wichtiger Handlungsfelder für eine Verkehrswende an. Abschließend wird die organisatorische und finanzielle Umsetzung der Maßnahmen der städtischen Verkehrspolitik innerhalb der komplexen Akteursarena thematisiert.

Carsten Gertz, Heike Flämig, Philine Gaffron, Gunnar Polzin

Crossmediale Partizipation als Beitrag zur (besseren) Planung von sozialer Sicherung? Beispiele aus dem Bildungsbereich aus Frankfurt und Kiel

Inwiefern können Partizipationsprozesse die Planung von Bildungsangeboten passgenau auf die Nutzer*innen zu schneiden? Mit der Untersuchung zweier kurzer Fallbeispiele zum Frankfurter Schulentwicklungsplan und dem Kieler Bildungsdialog prüfen die Autor*innen, welche Zielgruppen mit crossmedialen Beteiligungsverfahren erreicht werden und welchen Impact diese für die Planung von sozialer Sicherung haben können.

Julia Fielitz, Jan Korte

Transdisziplinarität und soziale Sicherung

Der Beitrag zeigt eingangs auf, inwieweit Transdisziplinarität in Abgrenzung sowie mit Schnittmengen zur Multi- und Interdisziplinarität beschrieben werden kann. Ferner werden die Gegenstandsbereiche der Multi-, Inter- und Transdisziplinarität aufgezeigt. Ein weiterer Part des Beitrags legt den Fokus auf die Nutzung von transdisziplinären Ansätzen im Segment der sozialen Sicherung. Es wird aufgezeigt, welchen Mehrwert transdisziplinäre Perspektiven für die Planung und Umsetzung von sozialer Sicherung haben und welche Grenzen ausgemacht werden können.

Lutz C. Kaiser

Innovationsgesellschaft und Innovationsfelder

Innovationen prägen die moderne Gesellschaft seit ihrem Beginn. Gegenwärtig verändert diese Beziehung jedoch ihren Charakter: Moderne Gesellschaften werden heute Innovationsgesellschaften, in denen Innnovationen die dominante treibende Kraft der Entwicklung bilden. Produziert und reproduziert werden Innovationen heute vor allem in Innovationsfeldern.

Arnold Windeler, Hubert Knoblauch, Martina Löw, Uli Meyer

Das Phänomen Stau

Das Phänomen Stau ist ein Phänomen der Verkehrsqualität. Aus verkehrstechnischer Sicht steht Stau für Überlastung als unterste Stufe(n) der Verkehrsqualität. Die Kapazität der Verkehrsanlage ist hier überschritten und die Funktionsfähigkeit nicht mehr gegeben. In der verkehrsökonomischen Argumentation werden bereits kleine bewertbare Abweichungen von der freien Geschwindigkeit in die Ermittlung von Staufolgen einbezogen. Dieser Ansatz ist für die Bepreisung von auslastungsbedingten Zeitverlusten geeignet, nicht aber für die Verkehrsplanung, denn die durchgehende Gewährleistung freier Geschwindigkeiten ist volkswirtschaftlich weder sinnvoll noch machbar. Der Beitrag gibt einen Überblick über Staubegriffe und -indikatoren und zeigt Wege zur Abgrenzung und zum Erreichen akzeptabler Stauniveaus auf.

Regine Gerike

Mobilitätsmanagement – Vom Planungsideal zum verkehrspolitischen Instrument

Dieser Beitrag behandelt das verkehrsplanerische Instrument Mobilitätsmanagement. Hierzu werden die Funktionen verschiedener Akteurscluster aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Interessenorganisationen dargestellt und durch Praxisbeispiele veranschaulicht. Anknüpfend an das derzeit nicht zufriedenstellende Agenda-Setting wird das Instrument abschließend durch eine objektorientierte Planungssicht im Kontext einer integrierten Verkehrsplanung hergeleitet. Das übergeordnete Lernziel ist es, Mobilitätsmanagement in Bezug auf Diskurs, Anwendung und derzeitige Herausforderungen zu verstehen.

Oliver Schwedes, Benjamin Sternkopf, Alexander Rammert

Verkehr und Gesundheit – Walkability

Das Kapitel führt die Bedeutung von Gesundheit im Politikfeld Verkehr ein, am Beispiel der Förderung von Walkability, d. h. der bewegungsfreundlichen Gestaltung städtischer oder kommunaler Räume. Während der Beitrag von Deffner Fuß- und Radverkehr aus individueller und sozialer Perspektive betrachtet, wird im vorliegenden Kapitel der Fokus auf die infrastrukturellen und politischen Dimensionen zur Veränderung im Sinne der gesundheitsförderlichen Bewegungsfreundlichkeit einer Kommune gelegt.Das Kapitel zeigt dabei die wechselseitige Beeinflussung von Verkehrs- und Gesundheitspolitik in diesem Bereich, präsentiert inhaltliche Dimensionen zur Förderung von Walkability, sowie relevante Akteure und politische Prozesse. Es werden Wirkungszusammenhänge von Walkability, Gesundheitsförderung und Verkehrspolitik diskutiert und so gezeigt, dass eine Gesundheitsperspektive für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung im Sinne der normativen Politikfeldgestaltung gewinnbringend sein kann.

Annika Frahsa

Mobilität für morgen

Der Verkehr hat die Welt, in der wir leben, beeinflusst. Diese Auswirkungen beeinflussen nun, wie sich der Verkehr entwickelt und wie wir mobil sein werden. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Ziel bei der Umgestaltung unseres Verkehrssystems. Dieser Beitrag klärt, welche Möglichkeiten wir haben, unser Verkehrssystem nachhaltig zu gestalten, welchen Einfluss die Verkehrspolitik hat und wie ein nachhaltiges Verkehrssystem zukünftig aussehen könnte.

Rudolf Petersen, Sandra Reinert

Mobilität und Exklusion

Die soziale Frage in der Verkehrspolitik

Der Beitrag führt in das Thema der sozialen Frage in der Verkehrspolitik ein. Eine sinnvolle Bearbeitung dieses Politikfeldes kann nur gelingen, wenn es mit einer handlungsleitenden normativen Gerechtigkeitskonzeption verknüpft ist und den Zusammenhang von Mobilität und sozialer Exklusion thematisiert. Es werden grundsätzliche strategische Pfade der Reduktion von sozialer Exklusion beschrieben. Zum Abschluss werden exemplarisch drei konkrete Maßnahmen vorgestellt.

Stephan Daubitz

Verkehr und Verkehrswissenschaft

Verkehrspolitische Herausforderungen aus Sicht der Verkehrswissenschaft

Der Verkehrssektor war einer der ersten Gegenstandsbereiche öffentlicher Planung. In den 1960er und 1970er Jahren basierte diese vor allem auf Prognosen der Kfz-Verkehrsbelastungen und passte die Straßennetze der prognostizierten Nachfrage an. In den folgenden Jahrzehnten wurde, vor allem in der kommunalen Verkehrsplanung, der Anspruch formuliert, den Zuwachs des Pkw- und Lkw-Verkehrs zu reduzieren und damit die negativen Folgen des Verkehrs zu senken.Die tatsächliche Verkehrsentwicklung ist aber weiterhin durch eine Zunahme der zurückgelegten Distanzen, teilweise oberhalb des Nutzungsbereichs des Pkw, sowie eine hohe Pkw-Nutzung gekennzeichnet. Der Beitrag befasst sich mit der Frage, wieso formulierte Planungsziele und tatsächliche Verkehrsentwicklung so weit auseinanderliegen.

Christian Holz-Rau

1. Grundlagen

Im Umfeld von Facility Management stößt man auf zahlreiche Definitionen und Auslegungen dieses Begriffs, die sich inhaltlich teilweise voneinander unterscheiden. Zunächst sollen vier bekannte Definitionen als Ausgangspunkt der weiteren Überlegung dienen:1.Facility Management ist die Praxis, den physischen Arbeitsplatz mit den Menschen und mit der Arbeit der Organisation zu koordinieren. Facility Management integriert dabei die Grundlagen der wirtschaftlichen Betriebsführung, der Architektur und der Verhaltens- und Ingenieurwissenschaften (Amerikanische Definition, United States Library of Congress 1988).2.Facility Management ist der ganzheitliche strategische Rahmen für koordinierte Programme, um Gebäude, ihre Systeme und Inhalte kontinuierlich bereitzustellen, funktionsfähig zu halten und an die wechselnden organisatorischen Bedürfnisse anzupassen (Euro-FM Definition, Glasgow 1990).3.Facility Management ist die Betrachtung, Analyse und Optimierung aller kostenrelevanten Vorgänge rund um ein Gebäude, ein anderes bauliches Objekt oder eine im Unternehmen erbrachte (Dienst‑) Leistung, die nicht zum Kerngeschäft gehört (GEFMA – Definition Richtlinie 100, Bonn 1996).4.Facility Management ist die Integration von Prozessen innerhalb einer Organisation zur Erbringung und Entwicklung der vereinbarten Leistungen, welche zur Unterstützung und Verbesserung der Effektivität der Hauptaktivitäten der Organisation dienen (DIN EN 15221-1, 2007)

Prof. Jens Nävy

4. Anwendungsbeispiele

Bei den nachfolgenden Praxisanwendungen stehen insbesondere die Nutzenansätze im Vordergrund, die sich durch Facility Management und den Einsatz von Informationstechnologie in den einzelnen Teilaufgaben ergeben. Der Schwerpunkt liegt auf Anwendungsbeispielen, die die Hauptaspekte des Facility Management im Sinne von Ganzheitlichkeit, Transparenz und Betrachtung des gesamten Lebenszyklus erläutern. Die Beispiele bieten nur eine Auswahl aus dem großen Anwendungsfeld des Facility Management. Sie sind bewusst so ausgewählt, dass sie für zahlreiche Unternehmen von Bedeutung sind.

Prof. Jens Nävy

Erstellung neuer Geschäftsmodelle für IKT-basierte, personenbezogene Dienstleistungssysteme

Im Rahmen dieses Beitrags wird die Frage beantwortet, wie Geschäftsmodelle erstellt werden können, die es ermöglichen, IKT-basierte Services in personenorientierten Dienstleistungssystemen zu vermarkten. Dafür wurde im Bereich der Freiwilligenarbeit ein Aktionsforschungsprojekt durchgeführt, bei dem ein systematischer und wiederholbarer Geschäftsmodellentwurfsprozess entwickelt und evaluiert wurde. Dieser Prozess soll die Erweiterung von Geschäftsmodellen zur Unterstützung von IKT-gestützten Dienstleistungsinnovationen in personenorientierten Dienstleistungssystemen fördern und ihren kommerziellen Erfolg erleichtern.

Stefan Kleinschmidt, Philipp Ebel, Christoph Peters, Jan Marco Leimeister

Eine Soziologie der Stadt

Mit Georg Simmel beginnt in Deutschland die Soziologie der modernen Großstadt. Stadt ist für ihn nicht nur ein Ort, wo Gesellschaft sichtbar wird, sie ist ihrerseits ein eigenständiger Faktor des Sozialen. In der großen Stadt ergeben sich enge Wechselwirkungen zwischen Größe, Dichte und Heterogenität der Bevölkerung, funktionalen Notwendigkeiten, der Geldwirtschaft und einer hoch differenzierten Arbeitsteilung. Diese Wechselwirkungen prägen die großstadttypische Lebensweise, die Simmel als blasiert, gleichgültig, distanziert und intellektualisiert beschreibt. Die urbane Lebensweise, eine differenzierte Arbeitsteilung und die Geldwirtschaft sind wiederum Voraussetzungen für Individualisierung. Die urbane Lebensweise ist auch eine Bedingung für gelingende Integration des Fremden in der Stadt. Den Schluß bilden Überlegungen zu Analogien zwischen dem großstädtischen Sozialcharakter, der Figur des Fremden und der Rolle der Soziologie.

Walter Siebel

Kapitel 3. Rahmenbedingungen des Konflikts im Hamburger Hafen

In diesem Kapitel sollen die Rahmenbedingungen untersucht werden, in die der Konflikt zwischen Hafenwirtschaft und Hamburg eingebettet ist. Es erläutert detailliert die aktuelle geographische Situation und geht insbesondere der Frage nach, um welche Flächen gestritten wird. Auch die Verfügbarkeit von Ausgleichsflächen und die Struktur der Hafenwirtschaft werden untersucht.

Oliver Lieber

Kapitel 1. Einleitung

Seit Jahrhunderten sind Häfen ein Spiegelbild technischen und gesellschaftlichen Wandels. Transportgüter veränderten sich und Schiffstypen sowie Umschlagstechniken haben sich kontinuierlich weiterentwickelt. Diese Veränderungen haben vielfältige Auswirkungen auf das Hafengebiet und die angrenzenden Wohnviertel.

Oliver Lieber

Kapitel 5. Untersuchung des Konfliktes zwischen Stadtentwicklern und Hafenwirtschaft in Hamburg

Gemäß dem gewählten akteurstheoretischen Ansatz wird in diesem Kapitel der Schritt auf die individuelle Ebene der Akteure gemacht. Es werden die jeweiligen Konfliktbeteiligten bzw. Kollektive vorgestellt sowie ihre Bedeutung und Stellung im Konflikt ermittelt. Die geografischen und thematischen Schwerpunkte des Konfliktes werden dabei erläutert.

Oliver Lieber

2. Urformen

Die Hauptgruppe Urformen wird als Fertigungsverfahren nach DIN 8580 definiert: Urformen ist das Fertigen eines festen Körpers aus formlosem Stoff durch Schaffen des Zusammenhalts. Dabei lassen sich die Stoffeigenschaften des Werkstücks messtechnisch bestimmen. Als formloser Stoff werden Gase, Flüssigkeiten, Pulver, Fasern und Späne bezeichnet. Die wichtigsten Verfahren zur Erzeugung von festen Körpern durch Urformen sind die Herstellungaus dem flüssigen oder breiigem Zustand (Gießen von metallischen Werkstücken),aus dem festen, körnigen oder pulverigen Zustand (Pulvermetallurgie: pressen, danach sintern),additive Fertigungsverfahren (schichtweiser Aufbau von Bauteilen mit fast beliebiger Geometrie).Die meisten Werkstücke werden durch Gießen hergestellt. Die Gießverfahren stellen den kürzesten Weg von der Konstruktion bis zum fertigen Rohteil dar. Bei hohen Genauigkeitsanforderungen werden oft spanende Fertigungsverfahren nachgeschaltet. Durch Sintern können Werkstoffe hergestellt werden, die in flüssigem Zustand nicht mischbar sind sowie sog. Pseudolegierungen aus Metallen und Nichtmetallen.Die Additiven Fertigungsverfahren wurden früher zum Herstellen von Design- und Funktions-Prototypen eingesetzt. Nach einer stürmischen Weiterentwicklung können sie heute z. T. klassische Fertigungsschritte vollständig ersetzen.Die Abschnitte zum Gießen von Motoren im Pkw-Leichtbau wurden aktualisiert. Neu aufgenommen wurde das Gießen von Komponenten für Windkraftanlagen.

Prof. Dr.-Ing. Alfred Herbert Fritz, Prof. Dr.-Ing. Jörg Schmütz, Prof. Dr.-Ing. Burghilde Wieneke-Toutaoui

Kapitel 9. Projektphasen

Die Beherrschbarkeit komplexer Vorhaben erfordert eine klare Gliederung der Aufgaben. Wie im Kap. 1 gezeigt, durchlaufen alle Projekte unabhängig vom Wirtschaftszweig bestimmte zeitliche Phasen, die üblicherweise als Gliederung der Aufgaben herangezogen werden.

Bernd Kochendörfer, Jens H. Liebchen, Markus G. Viering

Kapitel 3. Leistungsbilder Projektsteuerung/ -management

Die Geschichte des Projektmanagements geht bis über zweitausend Jahre vor der christlichen Zeitrechnung zurück. Schon bei dem Bau der Pyramiden waren aus heutiger Sicht typische Projektmanagementaufgaben notwendig. Zur Zeit der Römer erlebte das Projektmanagement im militärischen Bereich seine Hochzeit.

Bernd Kochendörfer, Jens H. Liebchen, Markus G. Viering

Kapitel 6 Vergabeverfahren

Während die RL 2014/24/EU und 2014/25/EU nähere Regelungen zum Verfahren enthalten, die hier ausführlich beschrieben werden, gibt es für die KonzessionsRL kaum Vorschriften zum Verfahren. Vor allem sieht sie keinen fest vorgeschriebenen Katalog an Vergabeverfahren vor. Insoweit besteht also kein numerus clausus von vor- und nachrangigen Verfahrensarten mit Zugangsvoraussetzungen. Sowohl bei der Wahl als auch bei der Ausgestaltung räumt Art. 30 RL 2014/23/EU ein breites Ermessen ein.

Walter Frenz

Kapitel 4 Öffentliche Auftraggeber und mögliche Bieter

Der öffentliche Auftraggeber beschreibt – neben der Bietereigenschaft – den subjektiven Anwendungsbereich des Vergaberechts. Auftragvergebende Stellen, die sich nicht unter diesen Begriff subsumieren lassen, werden von den vergaberechtlichen Normen nicht erfasst und brauchen deren Anforderungen nicht zu beachten.

Walter Frenz

Kapitel 4. IngolSMART – das innovative Mobilitätskonzept für die Stadt Ingolstadt

Der Mobilitätssektor wird von anhaltenden Megatrends, wie beispielsweise Klimawandel, Urbanisierung oder demografischem Wandel, beeinflusst. Mit dem Paradigmenwechsel, der in diesem Bereich Einzug findet, werden die Städte künftig vor große Herausforderungen gestellt. Lärmbelästigung, CO2-Emissionen sowie räumliche und finanzielle Kapazitätsgrenzen lassen nachhaltige Mobilitätskonzepte zur Notwendigkeit werden. Es wird nicht mehr nach Einzellösungen gefragt, vielmehr spielen integrative Lösungsansätze eine bedeutende Rolle. Smart Mobility verfolgt das Ziel, Wege effizienter, komfortabler und nachhaltiger zu gestalten. Ein mögliches Konzept stellt in diesem Zusammenhang die mobilitätsorientierte Smartcard dar, die Verkehrsmittel und Akteure innerhalb einer Stadt intelligent und effizient miteinander vernetzt. Gerade in Zeiten, in denen die Anzahl der Smartphone-Besitzer zunimmt, gewinnen Mobilitäts-Apps, im Gegensatz zu statischen Anzeigetafeln, zunehmend an Bedeutung und kombinieren intelligent intermodale Wegeketten miteinander. Als Referenzstadt wurde in diesem Beitrag die Stadt Ingolstadt gewählt, die durch ihre geografischen Merkmale als geeignet scheint. Für die Stadt Ingolstadt wurde in einem ersten Schritt ein Grobkonzept für eine Mobilitätskarte erarbeitet, die durch eine App an ein Bonussystem geknüpft ist und darüber hinaus nicht nur zur Nutzung der städtischen Mobilitätsangebote, sondern beispielsweise auch als Zugangsmedium zu Ladesäulen für Elektrofahrzeuge dient.

Fabienne Geis, Eva Kasch

12. Mediation im öffentlichen Bereich öffentlicher Bereich

Charakteristisch für Mediation und Konfliktmoderation in öffentlichen Verwaltungsverfahren ist die große Anzahl von Parteien, die beteiligt werden müssen. Diese kann bei 20 Personen, aber auch bei über 100 Personen liegen. Des Weiteren werden in der Mediation im öffentlichen Bereich keine Entscheidungen getroffen, sondern Grundlagen für die Beschlüsse der politischen Gremien vorbereitet. Die Wirkungsgrenzen von Beteiligung der Öffentlichkeit im Rahmen von Planverfahren liegen vor allem darin, dass die gesetzlich festgelegten Zuständigkeiten im föderalen System durch Bürgermitwirkungsprozesse nicht ausgehebelt werden können. Bei städtebaulichen Planvorhaben hat die Kommune die Planungshoheit.

Dr. jur. Peter Hammacher, Ilse Erzigkeit, Sebastian Sage

Kapitel 2. Definition und Aufgabe

Der Begriff der Stadtgestalt hat zweierlei Bedeutung: zum einen die objektive Erscheinung im Sinne der physischen Substanz einer Stadt, und zum anderen die subjektive Wahrnehmung durch und auf den Menschen. Damit schließt das Verständnis von Stadtgestalt sowohl die materielle Gestalt als auch immaterielle Faktoren wie Atmosphäre oder Vielfalt ein. In der Stadtgestalt präsentiert sich die urbane Umwelt mit all ihren Kräften, Einflüssen und Elementen.

Christa Reicher

Datenschutz, Informationssicherheit und Copyright

Zugriffsrechte von Mobile Learning-Applikationen und Nutzerbedenken

Dieser Beitrag behandelt Zugriffsrechte von Mobile Learning-Applikationen (Apps) und die Frage, welche Folgen diese bewirken können. Der Zugriff auf persönliche Nutzerdaten kann dazu führen, dass Nutzer und Nutzerinnen mobiler Endgeräte eine Bedrohung ihrer Privatsphäre befürchten und diese davon abhalten, mobile Apps zu installieren oder sie dazu bewegen, mobile Apps zu deinstallieren. In der „Privacy“-Forschung wurden Nutzerbedenken bzgl. der Privatsphäre aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, so etwa aus organisationaler Sicht entweder mit Fokus auf Internetnutzer und -nutzerinnen oder auf Nutzer und Nutzerinnen mobiler Endgeräte. Dieser Beitrag wählt die Sicht von Nutzern und Nutzerinnen mobiler Endgeräte und erweitert diese Perspektive um vier Dimensionen hinsichtlich des Zugriffs auf persönliche Nutzerdaten: Zugriff auf persönliche Identität, Standort, Inhalte mobiler Endgeräte sowie System- und Netzwerkeinstellungen. Es werden Zugriffsrechte verschiedener Mobile Learning Apps betrachtet und eine Befragung mit 474 Nutzern und Nutzerinnen mobiler Endgeräte durchgeführt. Hierdurch wird der Einfluss der vier Dimensionen auf die Bedenken von Nutzern und Nutzerinnen mobiler Endgeräte mithilfe einer Strukturgleichungsmodellierung untersucht.

Kenan Degirmenci, Nadine Guhr, Michael H. Breitner

Political Entrepreneurship

Der Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ findet nicht nur in der Ökonomie, sondern auch in politischen Institutionen statt. Der Political Entrepreneur kombiniert die knappen Ressourcen in einer neuen Art und Weise und innoviert die politischen Strukturen. Political Entrepreneurship ruft evolutorische Veränderungsprozesse auf der Interaktionsebene Bürger-Staat hervor und avanciert die Bürger zu Volksentrepreneuren, die das politische Geschehen eigenverantwortlich und selbstreferentiell steuern.Im vorliegenden Beitrag wird aus evolutionsökonomischer Sicht die Funktion und Wirkung des Entrepreneurship auf das politische System analysiert.

Reza Asghari

Kapitel 9. Einführung in die schließende Statistik

Bei unserer Behandlung der Wahrscheinlichkeitsheorie standen bis jetzt genau definierte Zufallsexperimente im Vordergrund, wie etwa Würfeln, Werfen von Münzen, oder das Ziehen aus einer Urne. Jedes dieser Experimente konnte genau beschrieben werden, und zwar auf zwei Ebenen:

Stephan Dreiseitl

Kapitel 24. Ideengenerierung durch Accelerator und Entwicklerportale

Auf Mobilitätsplattformen sollen innovative Mobilitätsdienste entstehen. Diese werden nicht nur vom Plattformbetreiber selbst, sondern auch von dritten Parteien entwickelt. Diese Offenheit fördert Innovation auf der Plattform.

Maximilian Schreieck, Christoph Pflügler, Manuel Wiesche, Helmut Krcmar

Kapitel 6. Monetarisierungsstrategien für Mobilitätsplattformen

In diesem Kapitel werden Monetarisierungsstrategien für Mobilitätsplattformen abgeleitet, die anhand mehrerer Dimensionen charakterisiert werden. Zu diesen Dimensionen gehören sowohl verschiedene direkte Gebühren als auch spezielle Strategien wie die Subvention oder Absorption. Mit den Erkenntnissen über den Einfluss der Dimensionen wird eine geeignete Monetarisierungsstrategie für eine Mobilitätsplattform geschaffen.

Maximilian Schreieck, Fabian Kolbe, Christoph Pflügler, Manuel Wiesche, Helmut Krcmar

Bürgerbeteiligung am Beispiel von Quartiersmanagement in Laatzen-Mitte

Werden die vorhandenen Beteiligungsstrukturen und -formen den migrationspolitischen Anforderungen gerecht?

Seit den 70er Jahren und insbesondere seit dem Städtebauförderprogramm „Städte mit besonderem Entwicklungsbedarf – Soziale Stadt“, das 1999 mit den Zielsetzungen der Verbesserungen der sozialen und baulichen Strukturen, der Integration des Stadtteils in die gesamtstädtische Ebene, der Verbesserung des Gebietsimages bzw. der Identifikation mit dem Stadtteil, der physischen Wohn- und Lebensbedingungen sowie der wirtschaftlichen Basis in den Stadtteilen zu stabilisieren beschlossen wurde (vgl. Becker 2014), wird das Thema Bürgerbeteiligung als eine demokratische Strategie beworben. In diesem Beitrag soll unter dem Aspekt aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen, anhand des Praxisbeispiels, des Sanierungsgebietes „Laatzen-Mitte“, das Thema Bürgerbeteiligung analysiert werden.

Mercedes Martínez Calero

Open Access

5. Fallstudie Stadt Lausanne: Prozessanalyse in Kombination mit Process Mining

Klassische Business Analyse und Process Mining zu kombinieren, erwies sich als zielführend und äusserst effizient, als sich die Stadt Lausanne der Herausforderung stellte, einen komplexen Baubewilligungsprozess zu optimieren. Einerseits halfen subjektive Aussagen aus den Interviews der Business Analystin, Fragestellungen für das Process Mining zu formulieren. Andererseits objektivierten die Resultate des Process Mining die Analyse der Engpässe und Faktoren, die die Durchlaufzeiten beeinflussen. Der grösste Nutzeneffekt der vorliegenden Fallstudie liegt eindeutig in der verbesserten Problemlösungs‐ und Entscheidungsfähigkeit, die die Stadt Lausanne durch das Process Mining als Kompetenz nicht nur für den untersuchten Prozess, sondern darüber hinaus gewonnen hat.

Ines Leario, Léonard Studer, Denisa Kykalová, Elke Brucker-Kley

Kapitel 3. Wohnumwelten

Natur in Wohnumwelten hat eine herausragende Bedeutung, da es diejenigen Umwelten sind, in denen sich die Menschen am häufigsten und längsten aufhalten. Grüne Natur lässt Wohnumgebungen schöner erscheinen, sie erhöht deren Erholungspotenzial, bietet Kindern anregende Spielorte, fördert nachbarliche Beziehungen und verbessert das Mikroklima. Gärten als gestaltete und angeeignete haben viele Funktionen und erfüllen verschiedene Bedürfnisse. Eine besondere Form sind Dachgärten, deren Voraussetzungen und Arten von einem Experten erläutert werden. Abschließend wird auf das Verhältnis zwischen Mensch und Haustier eingegangen.

Antje Flade

Kapitel 6. Natur in der Stadt

Natur und Stadt sind nur auf den ersten Blick Kontrastumwelten. Leitbilder wie die Gartenstadt und die Green City sowie Stadtparks und Bäume und Grünflächen in den öffentlichen Räumen bringen zum Ausdruck, dass Städte nicht nur gebaute Umwelt sind, sondern auch natürliche Umwelt enthalten. Stadtparks werden für vielfältige Aktivitäten genutzt, wobei erlebte Unsicherheit deren Nutzung einschränkt. In öffentlichen Räumen tragen nicht mehr nur Bäume und Grünflächen sondern zunehmend auch begrünte Fassaden zur Begrünung von Städten bei. Fuß- und Radwege im Grünen können zu vermehrtem Zufußgehen und Radfahren anregen. Ein Landschaftsplaner stellt das Konzept der Naturerfahrungsräume in der Stadt vor. Abschließend geht ein Experte aus dem Tierschutzbereich auf Tiere in der Stadt und das Mensch-Tier-Verhältnis ein.

Antje Flade

Repair Cafés

Orte urbaner Transformation und Vergemeinschaftung der Reparaturbewegung

Repair Cafés sind Veranstaltungen, in denen sich Menschen treffen, um gemeinsam ihre defekten Alltagsgegenstände zu reparieren. Repariert werden Fahrräder, Textilien, Küchengeräte, Medientechnologien etc. Während einige Personen bei diesen Veranstaltungen Reparaturhilfe anbieten, suchen andere Unterstützung beim Reparaturprozess. In diesem Beitrag steht die Relevanz der Räume und urbanen Orte im Fokus, an denen sich die Reparaturbewegung trifft: Wo finden die Repair Cafés statt und wie beeinflussen die Veranstaltungsräume sowie die urbanen Orte den Charakter der Veranstaltungen? Sowie im Umkehrschlus: Wie wirken die Repair Cafés in den städtischen Raum und welche Ziele werden dabei verfolgt? In der Analyse werden auch Aspekte von Gemeinschaftsbildung und Vergemeinschaftung sichtbar, denn in den Repair Cafés trifft sich die Reparaturbewegung, zu der sich viele der Teilnehmenden zugehörig fühlen.

Sigrid Kannengießer

Einleitung: Die mediatisierte Stadt

Kommunikative Figurationen des Urbanen

Während das Phänomen der mediatisierten Stadt aus einer Alltagsperspektive augenfällig ist, findet die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit im deutschsprachigen Raum sehr separiert statt: Die Geschichtswissenschaft nähert sich der historischen Dimension des Phänomens an. Die Kommunikations- und Medienwissenschaft befasst sich mit Einzelfragen wie Stadtöffentlichkeit und ortsbezogenen Medien. In der Politikwissenschaft findet eine verstärkte Diskussion um die heutigen „smart cities“ und ihre tiefgreifende Mediatisierung durch digitale, Daten generierende Medien. Und die Stadtsoziologie hat die Rolle von Medien beispielsweise für urbane Bewegungen entdeckt. Einen stärker integrierten Diskurs um das Phänomen der mediatisierten Stadt findet man allerdings kaum. In diesem einleitenden Kapitel werden Grundlagen für eine solche integrative Annäherung an das Phänomen der mediatisierten Stadt umrissen und ein Überblick über die Beiträge des Bandes gegeben.

Andreas Hepp, Sebastian Kubitschko, Inge Marszolek

Diesseits der Smart City

Visionen und Figurationen der mobilen Stadt

Der Beitrag skizziert eine historische Perspektive auf die mediatisierte Stadt im Blick auf den informations- und kommunikationstechnologischen Wandel und die frühe Geschichte der Mobilkommunikation seit den 1960er Jahren. Während heute dominante Visionen der Stadt als „Smart City“ historisch mit technologischen Stadtmodellen dieser Zeit verbunden sind, stehen die 1960er und 70er Jahre zugleich für einen uneinheitlichen Wandel mobiler urbaner Kommunikationstechnologien, wie der Beitrag an Beispielen unter anderem der Fahrzeugkommunikation und des Citizens Band Radio aufzeigt. Anhand der frühen Geschichte der Mobilkommunikation, ihrer urbanen Systeme und Nutzungen werden dabei unterschiedliche Konzeptionen des Verhältnisses von Stadt, Mobilität und Kommunikation greifbar. Sie stehen für eine breitere und heterogene Geschichte der mediatisierten mobilen Stadt im Konnex von Urbanität, Mobilität und mobiler und pervasiver Medientechnologie.

Regine Buschauer

Diskursanalyse der Energiepolitik für Europa

Nach einem Rückblick auf die Geschichte der europäischen Energiepolitik werde ich den Policy-Prozess um die Etablierung der Energiepolitik für Europa (EPE) – von den ersten Anstößen im Oktober 2005 bis zur Verabschiedung des Energie- und Klimapakets im Dezember 2008 – rekonstruieren und interpretieren. So soll die gestellte Forschungsfrage nach der Etablierung der EPE, d. h. der Festlegung und Verabschiedung einer verbindlichen EU-Energiepolitik, beantwortet werden. Aus konstruktivistisch-diskursiver Perspektive wurde hierzu das von Maarten Hajer vorgeschlagene „two-step procedure“ um einen Analyseschritt ergänzt, sodass sich ein dreigliedriger Aufbau der empirischen Untersuchung ergibt (s. Abb. 6 auf der folgenden Seite).

Kristina Kurze

Kapitel 19. Partizipatives Kartieren als Praxis einer kritischen Kartographie

Methoden des partizipativen Kartierens begreifen Karten und die Praxis des Kartierens als wirkungsvolle Instrumente, um nicht nur räumliches Wissen zu visualisieren, sondern auch neue Wege der Wissensproduktion und Kommunikation zu gehen. Partizipatives Kartieren bringt Ansätze der partizipativen Sozialforschung mit Kartographie und Geographischen Informationssystemen (GIS) zusammen. Kartographie und GIS sind zwei der zentralen Visualisierungs- und Analyseinstrumente in der Geographie. Dieser Beitrag gibt einen einführenden Einblick in das Feld partizipativer Kartographie bzw. partizipativen Kartierens.

Christian Bittner, Boris Michel

Kapitel 13. Freiräume in Schallmoos, Salzburg

Methodologische Überlegungen zur Funktions- und Sozialraumanalyse als Instrument der Landschafts- und Stadtplanung

In diesem landschaftsplanerischen Beitrag wird das Planungsinstrument der Funktions- und Sozialraumanalyse zur sozial-räumlichen Erfassung und Bewertung von Freiräumen in der Stadt und in Siedlungen vorgestellt und kritisch reflektiert. Eingangs wird ein kurzer Einblick in die sozial- und alltagsweltliche Orientierung der Landschaft- und Freiraumplanung sowie ihre Bezüge zu ähnlichen Debatten in weiteren raumrelevanten Disziplinen gegeben. Im Zentrum der Betrachtung stehen die unterschiedlichen Nutzenden mit ihren verschiedenen Nutzungsmustern und ihre alltäglichen Aushandlungsprozesse zur Herstellung von (urbanen) Räumen. Exemplarisch wird an der Fallstudie Funktions- und Sozialraumanalyse Salzburg in Österreich das Instrument von der Analyse bis zur praktischen Umsetzung vorgestellt. Abschließend werden die Herausforderungen und der Mehrwert des inter- und transdisziplinären Zuganges zum Verständnis der Räume als alltäglich sozial produziert vorgestellt.

Doris Damyanovic, Marlene Mellauner, Irene Bittner, Florian Reinwald

Kapitel 8. Das sozial gemischte Quartier

Ein sozialer Bezugspunkt in der Stadt?

Der folgende Artikel beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit ein sozial gemischtes Quartier einen sozialräumlichen Bezugspunkt für Bevölkerungsgruppen schafft, die vermehrt auf das Quartier als integrierendes Wohnumfeld angewiesen sind. Zur Beantwortung wird die Triangulation als eine Kombination aus quantitativ-analytischen und qualitativ-interpretativen Methoden der empirischen Sozialforschung anhand der Fallstudie Ackermannbogen in München angewendet. Diese Methodenkombination ermöglicht einen vertieften Einblick in die Lebenswelten innerhalb eines sozialräumlich gemischten Quartiers. Erste Ergebnisse zeigen, dass sozialen Netzwerke von Frauen innerhalb des Quartieres weiträumiger erscheinen als die von Männern. Ebenso ist festzustellen, dass eine zu große soziale Distanz zwischen Individuen die Entwicklung sozialer Beziehungen unterbindet, wohingegen ähnliche Sozialstrukturen und gegenseitiges Vertrauen als förderlich zur Schaffung und den Erhalt des Quartiers als sozial-lokalen Bezugsort einzustufen sind.

Verena Texier-Ast

Kapitel 7. Familiengartengemeinschaften im Wandel

Zur Ethnographie der Wirklichkeit sozialräumlicher Gemeinschaften

Der Beitrag zeigt am Beispiel der Untersuchung von zwei Familiengartengemeinschaften in der Schweiz, wie mit einem ethnographischen Zugang im sozialräumlichen Kontext explorativ und qualitativ geforscht werden kann. Außerdem gibt der Beitrag einen Einblick in den Forschungsprozess und die Erfahrungen, die mit dieser Methode gemacht werden bzw. welche Erkenntnisse damit generiert werden können.

Nicola Thomas, Patrick Oehler, Timo Huber

6. Abwasser

Prof. Dr. Ulrich Förstner, Prof. Dr. Stephan Köster

Inklusive Teilnahme zwischen Fiktion und Realität? Eine Diskussion des Potenzials von On- und Offline-Partizipation am Beispiel des Bürgerdialogs Zukunftsthemen

Bürgerbeteiligungsverfahren können eine organisierte Strategie der politischen Kommunikation sein, aber auch ein Instrument der Politikberatung. Vor dem Hintergrund dieser Zielrichtungen werden vermehrt Online-Dialoge in Beteiligungsverfahren eingebunden. Assoziiertes Ziel ist auch, Teilhabemöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger möglichst inklusiv zu gestalten. Anhand der Evaluationsergebnisse des Bürgerdialogs Zukunftsthemen, der von 2011 bis 2013 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung durchgeführt wurde, wird in diesem Beitrag die Frage der Inklusion genauer beleuchtet. Im Konkreten werden die Teilnehmerstruktur, die Teilnahmemotivation sowie die Beteiligungsaktivität betrachtet und kritisch hinterfragt sowie die Relevanz der Verzahnung von On- und Offline-Formaten sowohl für die strategische als auch die instrumentelle Nutzung von Bürgerbeteiligungsverfahren aufgezeigt. Die Ergebnisse zeigen, dass durch die Kombination einer Zufallsauswahl für einen Offline-Dialog und den offenen Online-Dialog jedem Bürger bzw. Bürgerin die gleiche Chance zur Teilnahme ermöglicht wurde. Allerdings haben sowohl online als auch offline bestimmte Personengruppen weniger teilgenommen bzw. sich weniger aktiv eingebracht. Die Evaluation zeigt zudem, dass es zwischen verschiedenen Themenfeldern (hier Energietechnologien, Hightech-Medizin und Demografischer Wandel) Unterschiede hinsichtlich der Frage, wer nimmt teil und wer nicht, gibt.

Marlen Niederberger, Stefanie Dreiack

Open Access

Zwischen Wunsch und Wirkung – Ein transdisziplinärer Visionsworkshop mit Bürgerinnen und Bürgern

In diesem Beitrag wird ein Workshopkonzept zur transdisziplinären Entwicklung von Zukunftsvisionen vorgestellt, bei dem Bürger(innen) einbezogen werden. Eine Reihe ineinandergreifender Schritte führt zu Vorstellungen einer wünschenswerten Zukunft, in die sowohl qualitative Visionen wie auch deren modellierte und visualisierte Auswirkungen einfließen. In einem ersten Schritt formulieren Bürger(innen), die am Workshop teilnehmen, auf Grundlage ihres Wissens Visionen einer wünschenswerten Zukunft. Diese werden in einem nächsten Schritt von Wissenschaftler(innen) zu Szenarien verdichtet, indem ihre Auswirkungen modelliert und bildlich übersetzt werden, so dass anschließend die räumlichen und sozialen Auswirkungen dieser verdichteten Visionen diskutiert werden können. Das Vorgehen eignet sich insbesondere für die Bearbeitung von Themen, zu denen eine hohe Meinungsvielfalt herrscht und die eng mit kommunaler Gestaltung verknüpft sind, wie bspw. die zukünftige Gestaltung der Mobilität oder Energieinfrastruktur einer Stadt. Das Vorgehen ist darauf ausgerichtet, Transformationsprozesse anzuregen, Wissen für Transformationsprozesse bereitzustellen und gemeinsames soziales Lernen zu fördern.

Sophia Alcántara, Annika Arnold, Doris Lindner, Sigrid Busch, Raphael Dietz, Markus Friedrich, Charlotte Ritz, Marco Sonnberger

Open Access

Reallabore als Rahmen transformativer und transdisziplinärer Forschung: Ziele und Designprinzipien

Der Beitrag beleuchtet die Funktion von Reallaboren als Rahmen für transformative und transdisziplinäre Forschung. Dazu wird zuerst ein Verständnis von Reallaboren vorgelegt, das auf der Reflexion praktischer Erfahrungen von Reallaboren in Baden-Württemberg beruht. Ausgangspunkt hierfür ist ein Verständnis von Reallaboren als Infrastruktur für Realexperimente und andere transdisziplinäre Projekte. Aufbauend auf diesem Verständnis werden die Ziele der Reallaborarbeit in drei Dimensionen, den Forschungs-, Praxis- und Bildungszielen beschrieben. Um einen solchen Rahmen herzustellen und zu pflegen, werden fünf Designprinzipien vorgeschlagen: Problem- und Themenangemessenheit herstellen, räumliche Angemessenheit gestalten, zeitliche Angemessenheit herstellen, angemessene Akteursrollen etablieren sowie experimentell-reflexive Arbeitsweise fördern. Den Abschluss bildet ein Schema aus Zieldimensionen und Designprinzipien, das bei der Ausgestaltung von Reallaboren als Hilfestellung dienen soll, das aber auch als Reflexionsschema verwendet werden kann.

Richard Beecroft, Helena Trenks, Regina Rhodius, Christina Benighaus, Oliver Parodi

Virtù und velocità

Die Leistungskonkurrenz der Palio-Pferderennen in der italienischen Renaissance

Im 15. und frühen 16. Jahrhundert haben zahlreiche nord- und mittelitalienische Städte Pferderennen um ein wertvolles Stück Tuch – ital. palio – veranstaltet, die von einer spezifischen Organisationsschriftlichkeit (Ordnungen, Register) getragen wurden und über performative Präsenz, Berichterstattung und mediale Repräsentationen soziale Bedeutungen generierten. Insofern lässt sich auf diesem Feld erstmals in der nachantiken Geschichte Europas die Formierung einer agonalen Sportkultur beobachten, die für sämtliche Dimensionen des Wettkampfs – Planung, Praxis und kompetitive Wahrnehmung – ein hinreichendes Quellenfundament aufbietet. Auf den städtischen Rennplätzen entfaltete sich eine Leistungskonkurrenz animalischer Körper, deren Performanz an das symbolische Kapital – oder zeitgenössischer: an die Ehre (onore) – fürstlicher, adeliger und stadtbürgerlicher Patrone rückgebunden werden konnte. Entsprechend erweisen sich die italienischen Paliorennen der Renaissance entlang der Schlüsselbegriffe virtù (agonale Durchsetzungskraft) und velocità (Schnelligkeit) als ausgesprochenes Leistungsregime, das sämtliche rennrelevante Praktiken – von Zucht, Auswahl, Training und Fütterung der Rennpferde bis hin zu Renntaktiken und der nachgängigen Evaluation von Rennverläufen – bestimmte. Anhand dieses Gegenstands wird es auch darum gehen, die derzeit entgrenzt gebrauchten Phänomene ‚Leistung‘ und ‚Konkurrenz‘ zu historisieren und in zeitgenössische Diskurse zu verorten.

Christian Jaser

Chapter 3. Vorgärten, Privative Green Spaces in Neustadt (Strasbourg, France). A Century of Practices in the Heart of the City

The Neustadt, a “new town” which was erected in Strasbourg after the annexation of Alsace-Moselle by the German Empire (1871–1918), presents a typical urban design including small gardens. Vorgärten in the German language, literally “front garden”, are usually delimited at the front by the public road (sidewalk) at the back by the building, and on the sides by the boundaries. Integrated into the layout of public roads and particularly visible from the street, these gardens are privately owned and located on the property rights-of-way. Thus, in a few streets of urban extension, they form shallow green spaces (about 3 m) and border the facades of the buildings. Sanitary conditions in the city were indeed a new societal issue, which led to restructuring in urban planning models. The very history of the evolution of urban stakes is materialized in this specific area of Vorgarten and summarizes to some extent the intersections of public policies and habits. Thus, Vorgärten conceived in hygienist vein have undoubtedly evolved from their origin to our days. Our research allowed us to note the following two break points: On the one hand, the issues related to hygiene have been reconverted to those related to ecology—in this sense we can speak of mutation; on the other hand, their appropriation varies according to the frontier zones and the territorial characteristics within the Neustadt, between the busier and the more residential streets. Note that the degree of appropriation is decisive in maintaining the “green” dimension of these gardens. On this point, the fate of foster gardens is quite opposite to that of totally mineralized gardens. These concrete and significant examples have made it possible to highlight the evolution of these spaces.

Cathy Blanc-Reibel, Olivier Haegel

Kapitel 5. Heterotopie des Humankapitals - Die Kopplung von Bildung und Technologiewirtschaft in der Region San Francisco

Wenn die Vorstellung von regionalökonomischen Bildungslandschaften ein soziales Produkt ist, wie bereits herausgearbeitet wurde, dann aufgrund einer „doppelten Illusion“ (Lefebvre 1991, S. 27): abstrakte Bildungs- und Raumvorstellungen prägen die Raumerfahrung vor Ort, tun dies aber erst gemeinsam mit materiellen, oft von sozioökonomischen Krisenverhältnissen geprägten Bedingungen. So ließe sich eine Region auch in einer Untersuchung von Bildungslandschaften entweder als physischer Ort oder als Denkbild studieren. Entscheidend ist mit Lefebvre jedoch die Dopplung – „each side of which refers back to the other, reinforces the other, and hides behind the other“ (ebd.).

Jeremias Herberg

Kapitel 3. Das Goethe-Institut als Mittlerorganisation der AKP. Eine Verortung im Rahmen innenpolitischer, außenpolitischer und außenkulturpolitischer Entwicklungen

„Die Freiheit der Mittler ist zwar groß, aber doppelt begrenzt – zum einen durch ihren außenpolitischen Auftrag, zum anderen durch ihre überwiegende Finanzierung aus dem Bundeshaushalt. Für beides ist das Auswärtige Amt verantwortlich. Es ist daher in den Leistungsgremien der großen Organisationen vertreten. Es setzt in den jährlichen Bescheiden, mit denen Bundesgelder den einzelnen Empfängern zugewendet werden, die Zweckbestimmungen so fest, wie sie sich aus dem Bundeshaushalt, also durch Parlamentsbeschluß ergeben. Nicht zuletzt ist es Partner des Rahmenvertrags mit dem Goethe-Institut von 1976 […]. Da bleiben Spannungen nicht aus.“ (Witte 1988e: 18f.)

Anna Kaitinnis

Kapitel 9. Wangen im Allgäu/Baden-Württemberg – Projekt in Planung, Kleinstadt im ländlichen Raum

Da gerade in den ländlichen Regionen die bürgerschaftlichen Initiativen Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur des Ortes, durch Nachbarschaftsinitiativen und Quartiersbelebung haben, soll die selbstorganisierte Initiative für ein Gemeinschaftswohnen in dieser Kleinstadt dargestellt werden.

Eva Wonneberger

Kapitel 10. Ursensollen/Bayern – Wohnprojekt in Planung, Gemeinde mit Trägergenossenschaft

Ursensollen ist eine kleine Gemeinde im Oberpfälzer Landkreis Amberg-Sulzbach. Die Gemeinde hat im Kernort nur vierhundert Einwohner, umfasst aber insgesamt fast 4.000 Menschen, die über sehr viele, kleine Ortschaften verteilt liegen. Im Hauptdorf gibt es ein Ärztehaus, eine Apotheke, einen Physiotherapeuten und eine Zahnarztpraxis. Es gibt mehrere Schulen und eine Bücherei. Auch Arbeitsplätze sind in der Gemeinde reichlich vorhanden. Der nächste große Ort ist Amberg.

Eva Wonneberger
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