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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war diese Aussage (A.Wagner 1867: 450) keine Beschreibung, sondern eine Vision, das Ideal einer umfassenden Statistik. In jener Zeit installierten die meisten Regierungen in Europa und in Übersee Abteilungen oder Ämter, deren Aufgabe es war, solche „Zahlenbestimmungen“ für die Verwaltung zu sammeln und auszuwerten. Diese Veramtlichung einer Wissenschaft und Methode war eingebettet in den Prozess der Herausbildung moderner Staatlichkeit. Es sollte sich herausstellen, dass quantitativstatistische Informationen unerlässlich sind, um überhaupt regieren zu können. Von einer anderen Seite betrachtet, ließe sich freilich genauso gut behaupten, dass Regierung anders aussehen würde, hätte sich die Statistik nicht als wesentliche Methode der staatlichen Wissensbeschaffung etabliert. Da weder die eine noch die andere Kausalität bestimmbar ist, genügt es, von einem strukturellen und zeitlichen Neben- und Miteinander auszugehen, von einem gegenseitigen Bedingungsverhältnis: Die Implementierung der amtlichen Statistik war Teil des modernen Staatsbildungsprozesses.
Daniel Schmidt

2. Staatsmerkwürdigkeiten

Zusammenfassung
Staatskunde, oder Staatenkunde: bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ist das die gemeine Bedeutung des Begriffs „Statistik“. Das Zitat des Universitätsgelehrten Schlözer (1804: 2f.) datiert bereits aus einer Zeit, als die qualitative Beschreibung der Staatsmerkwürdigkeiten (alle Dinge eines Staats, die es würdig sind, bemerkt zu werden) als wissenschaftliche Disziplin ihrem Ende entgegen sah. Doch ist das Neue in der Statistik des neunzehnten Jahrhunderts, die als Siegerin aus einem Jahrzehnte dauernden akademischen Wettstreit hervor gegangen war, besser zu verstehen, wenn man die Vorgeschichte — zumindest kursorisch — kennengelernt hat.
Daniel Schmidt

3. Die „Bevölkerung“

Zusammenfassung
Wollte ich chronologisch vorgehen und allein die Institutionengeschichte der (sächsischen) amtlichen Statistik aufschreiben, wäre es zweckmäßig, hier mit der Installation des Statistischen Bureaus (1850) fortzufahren. Mir ist es aber wichtig herauszufinden, welche Ideen der Etablierung von Institutionen und Techniken zu Grunde lagen. So wie aus der Gelehrten Statistik und der Kabinettstatistik im Zuge der allgemeinen Bildung aller Schichten, der Publikationsvielfalt und der Modernisierung des Staatswesens der Versuch einer heimatkundlichen Staatsbeschreibung durch lokale Vereine folgte, so findet man hier eine institutionelle Kontinuität, die vom Statistischen Verein zum Ministerialbureau führte, innerhalb derer sich jedoch schon ab 1834 ein konzeptioneller Bruch ereignete, der schließlich die „Statistik von unten“ vollkommen verdrängte.
Daniel Schmidt

4. Wissen und Intervention

Zusammenfassung
Ernst Engel, der herausragende sächsische und deutsche Statistiker des neunzehnten Jahrhunderts, zeichnete sich nicht nur dadurch aus, dass er die amtliche Statistik erst Sachsens, dann Preußens entscheidend beeinflusst hat. Neben der eigentlichen Arbeit des Sammeins und Zusammenstellens seiner Tabellenwerke hat er unermüdlich sein eigenes Tun reflektiert und räsonniert und uns somit umfangreiches gedrucktes Material hinterlassen, das Aufschluss gibt über die Motivationen und Etappen der Implementierung offizieller statistischer Institutionen und Verfahren.
Daniel Schmidt

5. Statistische Öffentlichkeit

Zusammenfassung
Ernst Engels Verdikt, das „befruchtende Element der Statistik“ sei „die Oeffentliehkeit“, das er der ersten Nummer der Statistischen Mittheilungen (1851) voranstellte, verstand sich keineswegs von selbst. Der Begriff „Öffentlichkeit“ kann sowohl mit „Publizität“, als auch mit „Publikum“ übersetzt werden. Wenn wir die Entwicklung der amtlichen Statistik in Sachsen und Deutschland schematisieren wollen, dann beinhaltete die erste Konnotation Probleme aus der Vor-Engelschen Phase, die zweite Interpretation würde dem Anliegen Engels mehr entsprechen.
Daniel Schmidt

6. Epilog oder: Wie man Staats-Wissen schafft

Zusammenfassung
Die Überschrift dieses Abschnitts, wie auch die ganze Arbeit, rekurriert in besonderem Maße auf den „Staat“ oder moderne Staatlichkeit, denn das ist die Perspektive, die ich eingenommen habe; gewissermaßen das Beobachtungsfeld, auf dem die Dinge und Erscheinungen eine spezifische Seite ihres Wesens einnehmen. Damit soll nicht gesagt sein, dass etwa ein essentialistisches Staatsverständnis zwangsläufig die Voraussetzung ist, um solche Probleme, wie die Frage nach den Anfangsgründen der amtlichen Statistik, bearbeiten zu können. Ganz im Gegenteil: „Staat“ dient hier als eine Chiffre, im Foucaultschen Duktus ein Dispositiv, unter dem eine Vielzahl von Diskursen, Techniken, Verfahren und eben auch Institutionen (als „eingefrorene“ Diskurse) subsumiert werden. Es wird also darunter weder ein abgrenzbares Institutionengefüge verstanden, noch ein Ganzes, eine „Staats-Gesellschaft“. Als Foucault sein Konzept der Gouvernementalität entwickelte, konnte er nicht umhin, diese Analyse auf einer staatlichen Folie auszubreiten. „[…] Mit Sicherheit besaß der Staat weder in der Gegenwart noch im Verlauf seiner Geschichte je diese Einheit, diese Individualität, diese strikte Funktionalität und, ich würde sogar sagen, diese Bedeutung; letzten Endes ist der Staat vielleicht nur eine zusammengesetzte Wirklichkeit, eine zum Mythos erhobene Abstraktion, deren Bedeutung viel reduzierter ist, als man glaubt. Vielleicht ist das wirklich Wichtige für unsere Moderne, d.h. für unsere Aktualität, nicht die Verstaatlichung der Gesellschaft, sondern das, was ich eher die »Gouvernementalisierung« des Staates nennen würde.“, sagte Michel Foucault in seiner Vorlesung 1978 am Collège de France (M. Foucault 2000: 65).
Daniel Schmidt

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