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2023 | OriginalPaper | Buchkapitel

5. Steuergerechtigkeit und Verfassungsrecht

verfasst von : Reiner Sahm

Erschienen in: Steuergerechtigkeit

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

Die Freiheit/Gleichheit/Solidarität-Trias, die ihre Wurzel in der französischen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 hat, wurde in das Grundgesetz übernommen. Ab 1949 sind die Grundprinzipien des freiheitlich-sozialen Rechtsstaates der Bundesrepublik Deutschland das Freiheitsprinzip (Art. 2, 12, 14 GG), das Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz (Art. 3 GG) als Ausfluss des Gerechtigkeitsprinzips und das Sozialstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 1, 28 Abs. 1 GG), das die soziale Verantwortlichkeit betont.
Aus dem im Grundgesetz kodifizierten Gleichheitssatz „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ wird das Gebot der Steuergerechtigkeit hergeleitet. Der Gleichheitssatz verlangt nicht nur eine Rechtsetzungsgleichheit, sondern ebenso den gleichmäßigen Vollzug der Steuergesetze.
Neben dem Fiskalzweck kann der Gesetzgeber beim Erlass steuerlicher Vorschriften außerfiskalische Zwecke verfolgen. Damit wurde die Besteuerung zum Instrument der Wirtschaftspolitik, was dazu führte, dass die Deutsche Steuer-Gewerkschaft bereits 1999 davon sprach, dass das Steuerrecht zu einem „unbeherrschbaren Monstrum verkümmert“ ist.

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Fußnoten
1
Vgl. Davidsohn: Verfassungsrechtliche Würdigung, S. 44; Oechsle, Klaus: Die steuerlichen Grundrechte in der jüngeren deutschen Verfassungsgeschichte. Zugleich eine Untersuchung über das historische Verhältnis von Steuerverfassungsrecht und Finanzwissenschaft (Tübinger Schriften zum Staats- und Verwaltungsrecht 20), Berlin 1993, S. 186.
 
2
Vgl. Davidsohn: Verfassungsrechtliche Würdigung, S. 45–47; Oechsle: Die steuerlichen Grundrechte, S. 189; Tipke: Die Steuerrechtsordnung, Bd. 1, S. 491.
 
3
Weber-Grellet, Heinrich: Die Ethik des Steuerrechts, in: Deutsches Steuerrecht 56 (2018), S. 1398–1402, S. 1399.
 
4
Hey: § 3 Steuersystem und Steuerverfassungsrecht, S. 93; Tipke: Die Steuerrechtsordnung, Bd. 1, S. 290.
 
5
Hey, Johanna: Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Steuerrecht im Wandel?, in: Piltz, Detlev J./Günkel, Manfred/Niemann, Ursula (Hrsg.): Steuerberater-Jahrbuch 2007/2008, S. 19–58, S. 33.
 
6
Tipke, Klaus: Steuerrecht als Wissenschaft, in: Tipke, Klaus u. a. (Hrsg.): Gestaltung der Steuerrechtsordnung. Festschrift für Joachim Lang zum 70. Geburtstag, Köln 2010, S. 21–56, S. 49, mit Hinweis auf Urteilsnachweise.
 
7
Tipke weist mit diesem Passus auf BVerfGE 13, 202, 21, 27; vgl. Tipke: Steuerrecht, S. 50.
 
8
Tipke: Steuerrecht, S. 50 weist darauf hin, dass diese Rechtsprechung zurückgeht auf BVerfGE 1, 52, 4, 18, 26, 310.
 
9
Hey: § 3 Steuersystem und Steuerverfassungsrecht, S. 91.
 
10
Ebd., S. 91.
 
11
Schremmer: Über „gerechte Steuern“, S. 27.
 
12
Ebd., S. 38.
 
13
Birk: Das Leistungsfähigkeitsprinzip, S. 72 f.
 
14
Ständige Rechtsprechung vgl. BVerfG vom 22.06.1995 – 2 Bvl. 37/91; BVerfGE 93, 121 (136); BVerfG vom 30.09.1998 – 2 BvR 1818/91; BVerfGE 99, 88 (95); BVerfG. vom 04.12.2002 – 2 BvR 400/98; BVerfGE 107, 27 (47), BFH vom 27.09.2007, DStR 2007, 2256 (2259); BVerfG vom 07.11.2006 – 1BvL 10/02, FR 2007, 338 (340); zuletzt BVerfGE 117, 1 (31) betr. Erbschaftsteuer und BVerfGE 122, 210 (231) betr. Entfernungspauschale.
 
15
Drüen, Klaus-Dieter: Die Bruttobesteuerung von Einkommen als verfassungsrechtliches Vabanquespiel, in: Steuer und Wirtschaft 85 (2008), S. 3–14, S. 8 mit der dort angegebenen Rechtsprechung.
 
16
BVerfGE 93, 121 (148).
 
17
Hey: § 3 Steuersystem und Steuerverfassungsrecht, S. 101.
 
18
BVerfG vom 20.04.2004; BVerfGE 110, 274 (293).
 
19
Weber-Grellet: Steuern, S. 174; vgl. auch Glaser, Andreas: Verfassungs- und unionsrechtliche Grenzen steuerlicher Lenkung, in: Steuer und Wirtschaft 89 (2012), S. 168–181, S. 173.
 
20
Weber-Grellet: Steuern, S. 33. Der Grundsatz der Allgemeinheit der Besteuerung wird heute nicht mehr als selbstständiger Grundsatz erfasst, da er sich aus dem Gleichmäßigkeitsprinzip ergibt, historisch jedoch markiert er eine bedeutsame Auseinandersetzung im Kampf gegen den ständischen Staat.
 
21
Tipke: Die Steuerrechtsordnung, Bd. 1, S. 295 mit der dort zitierten Rechtsprechung.
 
22
Hey: § 3 Steuersystem und Steuerverfassungsrecht, S. 96.
 
23
Weber-Grellet: Steuern, S. 36.
 
24
BVerfGE 84, S. 239.
 
25
Ebd., S. 271.
 
26
Ebd., S. 272.
 
27
Isensee: Vom Beruf unserer Zeit, S. 8.
 
28
Mann, Fritz Karl: Grundsätze der Besteuerung, in: Spiethoff, Arthur (Hrsg.): Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen Reiche, 50. Jg., 1. Halbband, München/Leipzig 1926, S. 55–82, S. 82.
 
29
Davidsohn: Verfassungsrechtliche Würdigung, S. 183.
 
30
Ebd., S. 183–187; Wagner, Adolph: Finanzwissenschaft 2. Teil: Theorie der Besteuerung, Gebührenlehre und allgemeine Steuerlehre (Lehr- und Handbuch der politischen Oekonomie. 4. Hauptabteilung), 2. Aufl., Leipzig 1890, S. 370.
 
31
Lehner, Moris: Einkommensteuerrecht und Sozialhilferecht. Bausteine zu einem Verfassungsrecht des sozialen Steuerstaates (Beiträge zum öffentlichen Recht 5), Tübingen 1993, S. 341.
 
32
Kirchhof, Paul: Steuergleichheit, in: Steuer und Wirtschaft 61 (1984), S. 297–314, S. 306.
 
33
Birk führt hierzu aus: „Der Gedanke der sozialen Besteuerung ist [...] in ganz erheblichem Maße ineffektiv, wenn an einem Transferstrom, dem steuerlichen Wertetransfer, festgehalten wird. Denn soziale Entlastungen sind nur insoweit möglich, soweit die wirtschaftliche Lage des Einzelnen Steuerzahlungen überhaupt ermöglicht. Sie versagen also in den Fällen, in denen soziale Hilfe am dringendsten benötigt wird. Den Anspruch an ein soziales Transferverhältnis zwischen Bürger und Staat konnte die Steuer von vornherein nicht vollständig erfüllen. Es mußte ein ergänzender Geldleistungsstrom geschaffen werden, der die sozialen Defizite auffängt, die im Besteuerungssystem keine Berücksichtigung finden können.“ Birk: Das Leistungsfähigkeitsprinzip, S. 115, Anm. 68.
 
34
Kirchhof, Paul: Die Leistungsfähigkeit des Steuerrechts – Steuerrecht und Verfassungsrecht, in: Steuer und Wirtschaft 88 (2011), S. 365–371, S. 366.
 
35
Nach Tipke: Die Steuerrechtsordnung, Bd. 1, S. 488, darf der französische Begriff „faculté“ hier nicht mit Vermögen (fortune) übersetzt werden, sondern muss mit (steuerlicher) „Leistungsfähigkeit“ oder (steuerlichem) „Leistungsvermögen“ übertragen werden.
 
36
Hensel, Albert: Verfassungsrechtliche Bindungen des Steuergesetzgebers. Besteuerung nach Leistungsfähigkeit – Gleichheit vor dem Gesetz, in: Vierteljahresschrift für Steuer- und Finanzrecht 4 (1930), S. 441–493, S. 469.
 
37
BVerfGE 55, 274, 302; 61, 319, 343 f.; 66, 214, 223; 67, 290, 297; 68, 143, 152; 74, 182, 199.
 
38
Z. B. BVerfGE 8, 51, 47,1. Es ist weltweit anerkannt, dass das Leistungsfähigkeitsprinzip der grundlegende sachgerechte Wertmaßstab für den Bereich des Fiskal-Steuerrechts das Ausgangs- oder Leitprinzip sein sollte; vgl. Tipke: Steuerrecht, S. 33.
 
39
Kirchhof: Steuergleichheit, S. 306; Tipke führt hierzu aus: „Daß das Leistungsfähigkeitsprinzip sich über die Jahrhunderte durchgesetzt hat, hängt wesentlich mit dem Durchbruch des Sozialstaatsgedankens zusammen.“ Tipke: Die Steuerrechtsordnung, Bd. 1, S. 480.
 
40
Davidsohn führt hierzu aus: „Eine unverhältnismäßige, der persönlichen Leistungsfähigkeit nicht entsprechende Besteuerung dürfte insbesondere auch einen Verstoß gegen das Rechtsstaatsprinzip darstellen, weil dieses Prinzip den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und das Übermaßverbot als verfassungsrechtliche Schranken mit umfasst.“ Davidsohn: Verfassungsrechtliche Würdigung, S. 52.
 
41
Ebd., S. 51.
 
42
BVerfGE 8, S. 51 und S. 68 f.
 
43
Tipke: Die Steuerrechtsordnung, Bd. 1, S. 404; auch Kirchhof ist der Meinung, dass die Einkommensteuerprogression sozialstaatlich gerechtfertigt sei; Kirchhof, Paul: Einkommensteuergesetz. Kompaktkommentar, in: Ders. u. a. (Hrsg.): Einkommensteuergesetz mit Aktualisierungsservice, Loseblattsammlung, Heidelberg, Stand: 2000, § 2 RNr. A 602.
 
44
Lang, Joachim: Die Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer. Rechtssystematische Grundlagen steuerlicher Leistungsfähigkeit im deutschen Einkommensteuerrecht, Köln 1988, S. 165, Anm. 522.
 
45
Tipke: Die Steuerrechtsordnung, Bd. 1, S. 405.
 
46
Wagner, Adolph: Finanzwissenschaft, 2. Teil, S. 446 f.; Neumann, Friedrich Julius: Die progressive Einkommensteuer im Staats- und Gemeinde-Haushalt. Gutachten über Personalbesteuerung auf Veranlassung des Vereins für Socialpolitik (Schriften des Vereins für Socialpolitik 8), Leipzig 1874, S. 176 f.; Mann: Steuerpolitische Ideale, S. 306.
 
47
Ständige Rechtsprechung seit BVerfGE 82, 60 (85 f.); Hey: § 3 Steuersystem und Steuerverfassungsrecht, S. 105 f. Zum Verhältnis der steuerlichen Behandlung des Existenzminimums, zum Postulat der Steuergerechtigkeit, zum Einkommensbegriff, zur Verteilungsfunktion der Besteuerung und zu den ökonomischen Güte- und Qualitätseigenschaften des Steuersystems vgl. Treisch, Corinna: Existenzminimum und Einkommensbesteuerung. Dogmengeschichte, Analyse der Besteuerungsprinzipien und Regelungsvorschlag, Aachen 1999. Zum Existenzminimum und Familienlastenausgleich vgl. Schneider, Dieter/Siegel, Theodor: Existenzminimum und Familienlastenausgleich: Ein Problem der Reform des Einkommensteuerrechts, in: Deutsches Steuerrecht 17 (1994), S. 597–604.
 
48
Hey: § 3 Steuersystem und Steuerverfassungsrecht, S. 110 und S. 307–321.
 
49
Tipke: Die Steuerrechtsordnung, Bd. 1, S. 404–416, S. 416.
 
50
Paulick, Heinz: Die wirtschaftspolitische Lenkungsfunktion des Steuerrechts und ihre verfassungsmäßigen Grenzen, in: Haller, Heinz u. a. (Hrsg.): Theorie und Praxis des finanzpolitischen Interventionismus. Fritz Neumark zum 70. Geburtstag, Tübingen 1970, S. 203–228, S. 217.
 
51
Elschen stellt die Frage, ob Umverteilungsmaßnahmen nicht besser im Sozial- und Transferrecht aufgehoben seien als im Steuerrecht; „das ganze ‚System‘ der Verknüpfung von Sozialleistungen und Sozialausgaben mit der Besteuerung und diversen steuerlichen Einkommensbegriffen ist völlig beliebig, ohne jeden systemtragenden Grundsatz.“ Elschen, Rainer: Entscheidungsneutralität, Allokationseffizienz und Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit. Gibt es ein gemeinsames Fundament der Steuerwissenschaften?, in: Steuer und Wirtschaft 68 (1991), S. 99–115, S. 113 f.
 
52
Davidsohn: Verfassungsrechtliche Würdigung, S. 203–228, S. 227.
 
53
Neumark, Fritz: Grundsätze der Besteuerung in Vergangenheit und Gegenwart, 2. Aufl., Wiesbaden 1970, S. 50.
 
54
Das Leistungsfähigkeitsprinzip fordert keinen progressiven Tarif; vgl. auch BVerfGE 115, 97 117.
 
55
Davidsohn: Verfassungsrechtliche Würdigung, S. 231–235.
 
56
Fux, Boleslav: Die Vermögensteuer, in: Gerloff, Wilhelm/Meisel, Franz (Hrsg.): Handbuch der Finanzwissenschaft, Bd. 2, Besondere Steuerlehre, Finanzwissenschaft der öffentlichen Körperschaften, Der öffentliche Kredit, Tübingen 1927, S. 133–158, S. 135.
 
57
Strutz, Georg: Die Vermögensteuer, in: Ders. (Hrsg.): Handbuch des Reichssteuerrechts. Systematische Darstellung der Steuergesetze (einschließlich Zollrecht) des Deutschen Reiches, 3. Aufl., Berlin/Wien 1927, S. 619–673, S. 623.
 
58
Davidsohn: Verfassungsrechtliche Würdigung, S. 253.
 
59
BVerfG vom 22.06.1995 – 2 BvL 37/91.
 
60
VStG: in: Steuergesetze, Textsammlung mit Verweisungen und Sachverzeichnis, Loseblattsammlung, S. 1 und Anmerkung zu § 10 VStG.
 
61
Davidsohn: Verfassungsrechtliche Würdigung, S. 261–263.
 
62
Ebd., S. 279 f.
 
63
Jansen, Harald: Erbschaftsteuerliche Wirkungen bei Vermögensübertragungen. Entscheidungswirkungen und Gleichmäßigkeit der Besteuerung, Berlin 2006, S. 43 f.
 
64
Ebd., S. 45 f.; Hey: § 3 Steuersystem und Steuerverfassungsrecht, S. 119; Hey, Johanna: § 7 Einführung in das besondere Steuerschuldrecht, in: Tipke, Klaus/Lang, Joachim (Hrsg.): Steuerrecht, fortgeführt von Roman Seer u. a., 22. Aufl., Köln 2015, S. 247–273, S. 259.
 
65
Vgl. hierzu BVerfGE 93, S. 142.
 
66
Davidsohn: Verfassungsrechtliche Würdigung, S. 275 ff.
 
67
Vgl. hierzu BVerfGE 93, S. 175 f.
 
68
Ebd., S. 175 f.; vgl. Davidsohn: Verfassungsrechtliche Würdigung, S. 282 f.
 
69
Zur kritischen Analyse von erbschaftsteuerlichen Vergünstigungen zur Schonung von Unternehmungen und von Familien vgl. Jansen: Erbschaftsteuerliche Wirkungen, S. 163–228.
 
Metadaten
Titel
Steuergerechtigkeit und Verfassungsrecht
verfasst von
Reiner Sahm
Copyright-Jahr
2023
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-41326-2_5

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