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20.01.2020 | Steuerrecht | Kommentar | Onlineartikel

Steuererleichterungen machen die Aktie wieder attraktiv

Autor:
Oliver Mihm
3:30 Min. Lesedauer

Wertpapier-Sparen in Deutschland: Da läuft ziemlich viel schief. Für viele privaten Anleger ist die Aktie keine Option. Warum es für die angekündigten Steuererleichterungen Zeit wird, erklärt Oliver Mihm in seinem Kommentar. 

Obwohl es für klassische Spareinlagen keine Zinsen mehr gibt, investieren gerade mal 16 Prozent der deutschen Sparer in lukrativere Wertpapiere. Und diejenigen, die es dennoch wagen, müssen ihre Gewinne versteuern – pauschal mit 25 Prozent und unabhängig davon, wie lange sie investieren.

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Kleinanleger werden genauso behandelt wie Großspekulanten. Die 2009 eingeführte Abgeltungssteuer macht da keinen Unterschied. "Lieber 25 Prozent von X als 42 Prozent von nix", so hatte der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) die neue Steuer begründet. In seiner Formulierung zielte er auf jene ab, die den Spitzensteuersatz zahlen. Gemeint sind aber alle, ob sie spekulieren oder auf lange Sicht investieren und mit ihrem Ersparten beispielsweise fürs Alter vorsorgen wollen.

Steuerfreiheit von Aktiengewinnen nach fünf Jahren

Man kann dies ungerecht finden. In jedem Fall schafft eine solche steuerliche Regelung keinerlei Anreize für Anleger, mehr in Wertpapiere zu investieren. Erschwerend hinzu kommt der Beratungsprozess: Dank zahlreicher gut gemeinter, aber in der Praxis nur mühsam umsetzbarer Regularien wirkt er sowohl für Berater in Banken und Sparkassen als auch für Anleger eher abschreckend. Und so haben von der Hausse am Aktienmarkt in den letzten Jahren viele profitiert – nur nicht der deutsche Sparer.

Dass hier etwas schief läuft, hat nun auch die Politik erkannt und will eine Gesetzesinitiative in den Bundesrat einbringen, um Anleger zu entlasten: Kursgewinne von Aktien und Anleihen sollen nach fünf Jahren Haltedauer steuerfrei sein. Auch ein höherer Sparerfreibetrag wird gefordert, bis zu dem keine Steuern auf Kapitalerträge anfallen.

Gesetzesvorstoß kommt zur rechten Zeit

Für diesen Vorstoß ist es höchste Zeit: Gerade für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen kann eine Anlage in Aktien ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge sein. Wer zum Beispiel 25 Jahre lang pro Monat 100 Euro in einen Fonds mit deutschen Aktien spart, erwirtschaftet der Statistik des Deutschen Fondsverbands BVI zufolge dank einer jährlichen Rendite von 5,4 Prozent ein Vermögen von 62.667 Euro – obwohl nur 30.000 Euro eingezahlt wurden.

Wären die Erträge nach fünf Jahren steuerfrei, könnten zum einen Kleinsparer von kurzfristigen Spekulanten abgegrenzt werden. Zum anderen wäre das ein wichtiges Signal zur Förderung der Aktienkultur in Deutschland und könnte das Wertpapiersparen als renditeträchtigere Sparform für die Altersvorsorge vielen Menschen näherbringen.

Der Beratungsprozess muss Kunden für Aktien mobilisieren

Steuerliche Vorteile allein werden aber nicht reichen, um die Aktienkultur in Deutschland zu fördern. Denn dass die Deutschen so wenig in Aktien investieren, hat viele Gründe. Beispielsweise die Angst vor Risiken oder die Annahme, zu wenig über die Kapitalmärkte zu wissen. Ein vereinfachter Beratungsprozess mit mehr Raum für Aufklärung ist daher das A und O, um Anleger für das Aktiensparen zu mobilisieren. 

Eine wichtige Rolle spielen hier Banken und Sparkassen genauso wie die Robo Advisor mit ihren Online-Angeboten. Sie müssen ihren Kunden die Vorteile des Wertpapiersparens so erklären, dass die Scheu vorm Unbekannten überwunden wird. Dann erst werden auch die Deutschen die vielen Möglichkeiten für sich nutzen können – von Direktanlagen in Aktien über breit diversifizierte Investmentfonds bis hin zum geförderten Riester-Sparen und einer umfassenden Palette an Versicherungsprodukten.

Umdenken bei der Sparanlage nötig

Nur gut, wenn mit dem Vorstoß der Politik nun wieder eine öffentliche Diskussion über das Thema Anlegen in Aktien losgetreten wird. Gerade jetzt, wo viele Anleger mit dem Jahresauszug zu ihrer Sparanlage die bescheidene Bilanz für 2019 vor Augen haben, ist vielleicht doch der eine oder andere bereit, wirklich umzudenken und in Wertpapiere zu investieren. Und wenn dann noch ein steuerlicher Benefit die Erfolgschancen stärkt, geht vielleicht endlich ein Ruck durch die Gesellschaft. Zu wünschen wäre es dem deutschen Sparer.

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