Skip to main content
main-content

14.10.2020 | Steuerrecht | Im Fokus | Onlineartikel

Steuerliche Neuregelungen ab 2021

Autor:
Sylvia Meier
5 Min. Lesedauer

Zum Jahreswechsel sind wieder zahlreiche gesetzliche Neuregelungen im Bereich des Steuerrechts geplant. Manche steuerliche Entlastung fällt weg, an anderen Stellen werden Kosten bei der Steuer künftig begünstigt. Die wichtigsten Änderungen 2021 für Unternehmen.

Das Jahr 2020 wurde auch in der steuerlichen Gesetzgebung durch die Corona-Krise geprägt. Für Unternehmen wird der Jahreswechsel steuerlich herausfordernd, denn zahlreiche steuerliche Entlastungsmaßnahmen gelten nur befristet und zudem sollen weitere Neuregelungen durch aktuelle Reformvorhaben umgesetzt werden. Tim Jesgarzewski und Jens M. Schmittmann empfehlen in ihrem Buch "Steuerrecht" (Seite 1) daher: "Unternehmerisches Handeln muss auch steuerrechtliche Auswirkungen von Entscheidungen immer im Blick haben. Eine gut ausgebildete Führungskraft benötigt daher auch steuerrechtliches Fachwissen."

Einige steuerliche Entlastungen fallen wieder weg

Nachfolgend werden kurz einige wichtige Änderungen zum Jahreswechsel vorgestellt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Unternehmen sollten beachten, dass zum Jahreswechsel voraussichtlich einige coronabedingte steuerliche Entlastungen wieder wegfallen, so beispielsweise

  • die befristete Senkung der Mehrwertsteuersätze (Achtung: Besonderheiten bei der Gastronomie), 
  • Erleichterungen bei Stundungsanträgen,
  • Herabsetzung von Vorauszahlungen,keine  Vollstreckungsmaßnahmen für unmittelbar und nicht unerheblich betroffene Unternehmen durch die Corona-Krise, sowie Erlass von Säumniszuschlägen für diese Unternehmen,
  • lohnsteuerfreie Sonderleistungen nach § 3 Nr. 11 EStG bis 1.500 Euro.

Fälligkeitsfrist für die Einfuhrumsatzsteuer

Durch das Zweite Steuerhilfegesetz wurde außerdem die Fälligkeitsfrist für Einfuhrumsatzsteuer, für die ein Zahlungsaufschub bewilligt ist, verschoben. Das Bundesfinanzministerium hat mit Schreiben vom 6. Oktober 2020 bekannt gegeben, dass für Einfuhren des Aufschubzeitraums Dezember der Termin nun einheitlich vom 16. Januar 2021 auf den 26. Februar 2021 verschoben wird.

Jahressteuergesetz 2020 (JStG 2020)

Die Bundesregierung hat den Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2020 (JStG 2020) auf den Weg gebracht. Die Jahressteuergesetze umfassen in praktisch jedem Jahr eine Vielzahl steuerlicher Änderungen. So sind im derzeit rund 215 Seiten-starken Entwurf des JStG 2020 beispielsweise vor allem Änderungen in folgenden Gesetzen geplant: 

  • Einkommensteuergesetz
  • Körperschaftsteuergesetz
  • Gewerbesteuergesetz
  • Umsatzsteuergesetz
  • Abgabenordnung

Mehr Kosten bei Investitionsabzugsbeträgen begünstigt

Sehr interessante Neuregelungen für Unternehmen sind bei den Investitionsabzugsbeträgen nach § 7g EStG geplant, so beispielsweise:

  • Künftig sollen 50 statt 40 Prozent der Investitionskosten begünstigt werden. 
  • Als Voraussetzung für eine Inanspruchnahme von Investitionsabzugsbeträgen soll eine einheitliche Gewinngrenze in Höhe von 150.000 Euro für alle Einkunftsarten einheitlich gelten. 
  • Auch vermietete Wirtschaftsgüter sollen nach § 7g EStG begünstigt werden. Nach der bisherigen Regelung sind nur Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens begünstigt, die im Jahr der Investition und im Folgejahr ausschließlich oder fast ausschließlich, das heißt zu mindestens 90 Prozent, im Betrieb genutzt werden. Die Verwendung der Wirtschaftsgüter soll jedoch mit dieser Änderung flexibilisiert werden. Auch längerfristige Vermietungen sollen sich dann nicht mehr schädlich in Bezug auf § 7g EStG auswirken. 
  • In einem neuen Satz 2 zu § 7g Absatz 2 wird eine Regelung zur nachträglichen Beantragung von Investitionsabzugsbeträgen geplant, die ungewollte Gestaltungen vermeiden soll.

Für bilanzierende Unternehmen kam bisher die Steuerbegünstigung nach § 7g in Betracht, wenn das Betriebsvermögen 235.000 EUR nicht überschritt. Nun könnten zahlreiche Unternehmen aus der Begünstigung rausfallen. Auf der anderen Seite könnten Unternehmen von der Berücksichtigung höherer Investitionskosten profitieren. Die Neuregelungen sollen bereits erstmals für Investitionsabzugsbeträge und Sonderabschreibungen angewandt werden, die in nach dem 31. Dezember 2019 endenden Wirtschaftsjahren in Anspruch genommen werden.

Gesetzliche Zusätzlichkeitsvoraussetzung bei Arbeitgeberleistungen

Zu lohnsteuerlichen Fragestellungen, wie Lohnsteuerpauschalierungen, findet sich immer wieder die Tatbestandsvoraussetzung, dass eine bestimmte Arbeitgeberleistung „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ erbracht werden muss. Bei der Finanzverwaltung und Rechtsprechung gab es jedoch unterschiedliche Auffassungen darüber, wann diese so genannte Zusätzlichkeitsvoraussetzung auch tatsächlich zum Ausschluss bestimmter Steuerbegünstigungen führt. Beispielsweise bei Fällen des Gehaltsverzichts kamen Rechtsprechung und Finanzverwaltung zu unterschiedlichen Einschätzungen. 

Der Gesetzgeber plant nun folgende Klarstellung in § 8 Abs. 4 EStG für das gesamte Einkommensteuergesetz: "Im Sinne dieses Gesetzes werden Leistungen des Arbeitgebers oder auf seine Veranlassung eines Dritten (Sachbezüge oder Zuschüsse) für eine Beschäftigung nur dann zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht, wenn

  1. die Leistung nicht auf den Anspruch auf Arbeitslohn angerechnet,
  2. der Anspruch auf Arbeitslohn nicht zugunsten der Leistung herabgesetzt,
  3. die verwendungs- oder zweckgebundene Leistung nicht anstelle einer bereits vereinbarten künftigen Erhöhung des Arbeitslohns gewährt und
  4. bei Wegfall der Leistung der Arbeitslohn nicht erhöht wird."

Diese Neuregelung soll erstmals anzuwenden sein auf Leistungen des Arbeitgebers oder auf seine Veranlassung eines Dritten (Sachbezüge oder Zuschüsse), die in einem nach dem 31. Dezember 2019 endenden Lohnzahlungszeitraum oder als sonstige Bezüge nach dem 31. Dezember 2019 zugewendet werden.

Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug

Eine weitere geplante Änderung dürfte eine Erleichterung für die Lohnbuchhaltung darstellen: Ab 2021 sollen auch Arbeitgeber die Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug beantragen können, wenn dem Arbeitnehmer keine Identifikationsnummer zugeteilt wurde (§ 39e Abs. 8 EStG). Allerdings benötigt der Arbeitgeber dafür die Bevollmächtigung des Arbeitnehmers.

Steuerfreiheit von Zuschüssen zum Kurzarbeitergeld

Die begrenzte und befristete Steuerbefreiung der Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld, eingeführt durch das Corona-Steuerhilfegesetz, soll verlängert werden. Die Steuerfreiheit soll demnach für Lohnzahlungszeiträume gelten, die nach dem 29. Februar 2020 beginnen und vor dem 1. Januar 2022 enden.

Erhöhte Gebäudeabschreibung

Klarstellende Regelungen sind durch den Entwurf des JStG 2020 für erhöhte Absetzungen bei Gebäuden in Sanierungsgebieten und städtebaulichen Entwicklungsbereichen nach § 7h EStG geplant.

Reinvestitionsfristen nach § 6b EStG

In dem Regierungsentwurf zum JStG 2020 wird darauf hingewiesen, dass mit Blick auf die noch anhaltende Covid19-Pandemie die Reinvestitionsfristen des § 6b EStG um ein Jahr verlängert werden sollen. Es wird jedoch auch erläutert, dass eine Verordnungsermächtigung dies bis längstens 31. Dezember 2021 ermöglicht.

Umsatzsteuerliche Neuregelungen

Auch bei der Umsatzsteuer sollen sich durch das JStG 2020 ab 2021 zahlreiche Änderungen ergeben, so beispielsweise:

  • Das Mehrwertsteuer-Digitalpaket soll ab 1.7.2021 umgesetzt werden. 
  • Auch für Telekommunikationsleistungen kommt ab 2021 die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers nach § 13b UStG infrage.

Unternehmen müssen sich also auf zahlreiche Änderungen zum Jahreswechsel einstellen. Das Gesetzgebungsverfahren zum JStG 2020 läuft noch. Aktuell hat der Bundesrat zum Regierungsentwurf Stellung genommen und eigene Vorschläge formuliert. Es bleibt abzuwarten, wie die Bundesregierung reagieren wird und ob noch weitere Neuregelungen geplant werden.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Einleitung

Quelle:
Steuerrecht

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Einkommensteuer und Gewinnermittlung

Quelle:
Steuerrecht

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Körperschaftsteuerrecht

Quelle:
Steuerrecht

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Umsatzsteuerrecht

Quelle:
Steuerrecht

Das könnte Sie auch interessieren

30.06.2020 | Steuerrecht | Im Fokus | Onlineartikel

Mehrwertsteuersenkung steht unter Beschuss

12.12.2019 | Steuerrecht | Im Fokus | Onlineartikel

Steuerliche Neuregelungen ab 2020

17.12.2018 | Steuerrecht | Im Fokus | Onlineartikel

Änderungen im Steuerrecht ab 2019

Premium Partner

    Bildnachweise