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05.02.2020 | Steuerrecht | Nachricht | Onlineartikel

Mehr Informationen verbessern Steuertransparenz nicht

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
2 Min. Lesedauer

Ein deutschlandweites Forschungsprojekt untersucht, ob Unternehmen und ihre Finanzabteilungen infolge steuerlicher Regulierungsmaßnahmen transparenter agieren. Helfen soll hier auch das neue "German Business Panel".

Acht deutsche Hochschulen unter der Leitung der Universität Paderborn haben sich zum Sonderforschungsbereich (SFB) "TRR 266 Accounting for Transparency" zusammengeschlossen. In 23 Teilprojekten, die meist aus standortübergreifenden Teams bestehen, analysieren die insgesamt rund 80 Wissenschaftler Gesetze sowie steuerliche und nichtsteuerliche Berichtspflichten und Rahmenbedingungen. Sie prüfen deren Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche des Rechnungs- und Berichtswesens sowie auf das Controlling weltweit. Gefördert wird das Mitte 2019 gestartete Projekt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit rund zwölf Millionen Euro.

German Business Panel blickt auf deutsche Unternehmen

Konkrete Ergebnisse für Deutschland soll das sogenannte German Business Panel bringen, das die Universität Mannheim derzeit aufbaut. Geplant sind halbjährliche Online-Befragungen, persönliche Interviews und Paneldiskussionen mit Experten aus Unternehmen unterschiedlicher Größe, Branche und Rechtsform. So wollen die Forscher systematisch und repräsentativ erheben, wie Unternehmen Fragen der Transparenz einschätzen, welche Folgen steuerliche Regulierung für sie hat und wie sie darauf reagieren.

Zu diesen Regulierungsmaßnahmen gehört beispielsweise das 2017 in Deutschland eingeführte Country-by-Country-Reporting. Es verpflichtet multinationale Konzerne, die in der Europäischen Union ihren Sitz oder eine Tochtergesellschaft haben, im Rahmen einer länderbezogenen Berichterstattung Umsätze, Gewinne, Steuerzahlungen und weitere Daten an die jeweiligen Finanzbehörden zu übermitteln. 

Erste Erkenntnisse lassen jedoch vermuten, dass das Country-by-Country-Reporting den Kapitalmarkt weitestgehend kalt lässt. "Anleger, Kreditinstitute und Kapitalnehmer messen den zusätzlichen öffentlichen Informationen über die steuerliche Situation eines Unternehmens im Wesentlichen keinen Wert bei", erläutert Caren Sureth-Sloane, SFB-Sprecherin und Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Paderborn.  

Auch Steuerkomplexität im Fokus

Daneben nehmen die Wissenschaftler die Steuerkomplexität unter die Lupe. Hierfür wurde eigens der Steuer-Komplexitäts-Index entwickelt. Er erfasst die Komplexität der Gewinnsteuer-Systeme für multinationale Unternehmen in 100 Staaten. Deutschland liegt laut Index im internationalen Vergleich im Mittelfeld, obwohl einzelne steuergesetzliche Vorschriften im Ländervergleich als besonders komplex eingestuft werden.

Die im Projekt gewonnenen Daten wollen die Forscher zur Verfügung stellen. Dem sogenannten Open-Science-Ansatz folgend sollen laut Joachim Gassen, Professor für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung an der Berliner Humboldt-Universität, Forschende weltweit in die Lage versetzt werden, "unsere Ergebnisse zu überprüfen, darauf aufzubauen und damit letztlich schneller zum Fortschritt beizutragen". Auch die Öffentlichkeit, Stakeholder aus Politik und Wirtschaft werden regelmäßig über neue Erkenntnisse informiert.

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