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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Die fortschreitende Globalisierung der Wirtschaftsmärkte und die internationalen Wachstumsstrategien von Unternehmen zwingen auch deutsche Unternehmen in zunehmendem Maße, den damit einher gehenden wachsenden Kapitalbedarf über eine Börsenplazierung auf internationalen Kapitalmärkten zu decken. Für eine Börsenzulassung an dem bedeutendsten Kapitalmarkt, der New York Stock Exchange (NYSE), sind aber sehr strikte Zulassungsvorschriften zu beachten. Da die zuständige Börsenzulassungsbehörde, die Securites and Exchange Commission (SEC), keine ausländischen Jahresabschlüsse anerkennt, ist ein Jahresabschluß auf der Basis der United States-Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) vorzulegen oder es sind adäquate Überleitungsrechnungen zu erstellen. Neben den US-GAAP haben vor dem Hintergrund der internationalen Harmonisierung der Rechnungslegung auch die International Accounting Standards (IAS) zunehmend an Bedeutung gewonnen, die nunmehr durch die Empfehlung der internationalen Organisation der Börsenaufsichtsbehörden (International Organisation of Securities Commissions, IOSCO) weltweit als Rechnungslegungsstandard für grenzüberschreitende Börsennotierungen akzeptiert werden.
Inge Wulf

2. Externe Unternehmensanalyse zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage von Unternehmen

Zusammenfassung
Bei dem Begriff „Lage“ des Unternehmens2 handelt es sich um ein mehrdimensionales Phänomen. Die „Lage“ des Unternehmens setzt sich aus einer Vielzahl von Einzellagen zusammen, wobei jede Einzellage durch ein bestimmtes Merkmal geprägt ist. Wenn als Merkmal z.B. der finanzielle Aspekt betrachtet wird, wird von der Finanzlage des Unternehmens gesprochen. Die Betrachtung anderer Merkmale, wie z.B. Beschäftigung, Konkurrenz oder Aufträge, führt zu den Einzellagen Beschäftigungslage, Konkurrenzlage oder Auftragslage3. Im Rahmen dieser Arbeit erfolgt eine Einschränkung auf diewirtschaftliche Lage von Unternehmen, die generell „nichts anderes [umschreibt] als die Fähigkeit der Unternehmung, ihre Aufgaben in Zukunft zu erfüllen.“4 Konkret ist die wirtschaftliche Lage von Unternehmen dabei Ausdruck der erfolgs- und finanzwirtschaftlichen Lage. Während die erfolgswirtschaftliche Lage die Fähigkeit eines Unternehmens zur zukünftigen Erfolgserzielung ausdrückt (Ertragskraft), spiegelt die finanzwirtschaftliche Lage die Fähigkeit eines Unternehmens hinsichtlich der Optimierung von Kapitalherkunft und -verwendung (Finanzierung und Vermögen) sowie Sicherung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit als bestände- und bewegungsbezogene Betrachtung wider.5
Inge Wulf

3. Stille Reserven als Problem der externen Unternehmensanalyse

Zusammenfassung
Allgemein gelten stille Reserven (hidden reserves)285 als unsichtbares Eigenkapital,286 d.h. als Eigenkapitalteile, deren Höhe im Gegensatz zu den offenen Rücklagen nicht aus der Bilanz ersichtlich ist.287 So findet sich beispielsweise bei Heinen die Feststellung, daß „im Gegensatz zu den Gewinnrücklagen die stillen Reserven aus der Bilanz nicht zu erkennen [sind].“288 Damit scheint in der Literatur die Ansicht vorzuherrschen, es gehöre zum Wesen stiller Reserven, daß diese nicht aus dem Jahresabschluß hervorgehen, allerdings werden stille Reserven selbst dann als „still“ bezeichnet, wenn „sie sämtlichen Aktionären bekannt sind, ja sogar, wenn sie im Geschäftsbericht detailliert publiziert werden“.289 Demnach ist die tatsächliche „Stille“ kein zwangsläufiges Merkmal des Terminus „stille Reserven“. Entscheidend für die „Stille“ ist vielmehr, daß sie nicht im Eigenkapital passiviert sind.
Inge Wulf

4. Grundlagen der Rechnungslegung nach US-GAAP und IAS

Zusammenfassung
Als primäre Rechtsgrundlage für die Rechnungslegungsvorschriften gelten in den USA aufgrund der föderativen Verfassung die gesellschaftsrechtlichen Gesetze der Einzelstaaten,474 die allerdings keine rechtliche Verpflichtung zu einer GAAP475-konformen Rechnungslegung enthalten,476 Die faktische Verpflichtung zum financial accounting unter Beachtung der US-GAAP resultiert vielmehr aus den Vorschriften der US-amerikanischen Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde, Securities and Exchange Commission (SEC),477 wonach lediglich börsennotierte Unternehmen als Voraussetzung für eine Börsenregistrierung einen vom Wirtschaftsprüfer mit einem US-GAAP-Bestätigungsvermerk versehenen Jahresabschluß vorzulegen haben.478 Die SEC übertrug die Ausgestaltung und Weiterentwicklung der Rechnungslegung dem privatwirtschaftlich organisierten Financial Accounting Standards Board (FASB), das als standard setter der US-amerikanischen Bilanzierung gilt, so daß die Rechnungslegung nicht wie in Deutschland durch den Gesetzgeber bestimmt wird.479 Die Rechnungslegungsstandards durchlaufen bis zur Verabschiedung einen standardisierten Prozeß (standard-setting-process bzw. due process), der der Öffentlichkeit die Möglichkeit bieten soll, auf die Entwicklung der Standards Einfluß zu nehmen.480 Wenngleich die US-GAAP primär für börsennotierte Unternehmen gelten, sind diese Standards beispielsweise aufgrund von Konzernverbundenheit nicht nur auf den Konzernabschluß beschränkt, sondern können auch auf den Einzelabschluß der Tochterunternehmen sowie auf nicht börsennotierte Unternehmen ausstrahlen.481
Inge Wulf

5. Möglichkeiten der Existenz von stillen Reserven im Jahresabschluß nach US-GAAP und IAS

Zusammenfassung
Die Betrachtung der Rechnungslegungsgrundlagen hat zu der Erkenntnis geführt, daß auch in Jahresabschlüssen nach US-GAAP und IAS stille Reserven enthalten sein können. Gleichzeitig hat die Untersuchung ergeben, daß die Diskrepanzen zwischen den beiden Normensystemen relativ gering sind. Daher wird in der nun folgenden detaillierten Analyse nicht mehr strikt in getrennten Unterkapiteln nach einer Bilanzierung gemäß US-GAAP und IAS geteilt, sondern die jeweiligen Bilanzpositionen werden unter Beachtung der jeweils relevanten Einzelstandards der US-GAAP und IAS im Hinblick auf die Existenz stiller Reserven vergleichend innerhalb eines Unterkapitels betrachtet. Ziel dieser primär theoretischen Untersuchung, in der zur Verdeutlichung auch Unternehmensbeispiele einbezogen werden, ist es, eine synoptische Darstellung der Existenzmöglichkeiten von stillen Reserven bei Bilanzierung nach US-GAAP und IAS abzuleiten. Bei der Behandlung der jeweiligen Bilanzpositionen wird auch der Frage nachgegangen, ob eine Schätzung stiller Reserven grundsätzlich möglich erscheint, da im folgenden Kapitel Methoden zur Schätzung stiller Reserven entwickelt werden sollen.
Inge Wulf

6. Möglichkeiten der Schätzung von stillen Reserven sowie Berücksichtigung stiller Reserven im Rahmen der externen Unternehmensanalyse (mit exemplarischer Anwendung)

Zusammenfassung
Die theoretischen Ausführungen über stille Reserven sowie deren Existenzmöglichkeiten im Jahresabschluß nach US-GAAP und IAS haben gezeigt, daß das Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens auch bei Jahresabschlüssen nach international anerkannten Rechnungslegungsstandards durch stille Reserven und ggf. auch stille Lasten beträchtlich beeinflußt werden kann. Dabei kommen grundsätzlich zum einen stille Reserven bzw. Lasten in Betracht, die primär aus der bilanzpolitischen Entscheidung des bilanzierenden Unternehmens resultieren, wie z.B. Schätzungs- oder Wahlrechtsrücklagen in sonstigen Rückstellungen oder Vorräten. Zum anderen entstehen zwangsläufig stille Reserven, wie z.B. Zwangsrücklagen in Sachanlagen bei Bewertung zu fortgeführten Anschaffungswerten. Vor diesem Hintergrund eignen sich die vorgelegten Jahresabschlußzahlen in ungefilterter Form nur begrenzt als Indikatoren der Ertrags- und Finanzkraft von Unternehmen. Um einen umfassenderen Einblick in die wirtschaftliche Lage von Unternehmen zu erhalten, ist eine Berücksichtigung dieser Verzerrungen im Rahmen der Unternehmensanalyse notwendig. Eine damit verbundene Annäherung an die Darstellung einer tatsächlichen wirtschaftlichen Lage von Unternehmen setzt voraus, daß eine Quantifizerung stiller Reserven im Rahmen der externen Analyse möglich ist, was eine Herausforderung für die externe Unternehmensanalyse in theoretischer und praktischer Hinsicht bedeutet. Auch wenn es aus externer Sicht nicht in allen Fällen möglich ist, eine durch stille Reserven bewirkte Verzerrung quantitativ zu erfassen, verbleiben dennoch vielfältige Ansatzpunkte, die eine Schätzung stiller Reserven ermöglichen.
Inge Wulf

7. Schlußbetrachtung

Zusammenfassung
Der fortschreitende Globalisierungsprozeß des Wirtschaftsgeschehens hat zu einer intensiven Diskussion um die Internationalisierung der Rechnungslegung geführt. Vor diesem Hintergrund gewinnen auch in Deutschland die international anerkannten Rechnungslegungsnormen der US-GAAP oder IAS zunehmend an Bedeutung. Diese Rechnungslegungssysteme werden aufgrund des zentralen Grundsatzes der fair presentation allgemein als true and fair view-gemäß eingeschätzt. Jedoch haben die Ausführungen in der vorliegenden Arbeit gezeigt, daß die Rechnungslegungssysteme der US-GAAP und IAS zahlreiche Möglichkeiten zur Bildung und Auflösung stiller Reserven bieten, die zu einer Verzerrung in der Darstellung der Unternehmenslage führen und somit ein Problem für die externe Unternehmensanalyse darstellen.
Inge Wulf

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