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Über dieses Buch

Mit der Berichterstattung über Studien produzieren PR-Praktiker und Journalisten routiniert öffentliche Aufmerksamkeit, die ihnen und ihren Geld- und Arbeitgebern die Durchsetztung von Interessen ermöglichen sollen. In seiner Dissertation zeigt Jens R. Derksen die Relevanz, die systematisch-empirische Erhebungen – wie wissenschaftliche Untersuchungen, Umfragen, Rankings – für die Berichterstattung von Medien und die PR von Organisationen haben. Der Autor stellt dar, welche Studien es in die Schlagzeilen schaffen und wie Medien sie thematisieren. Er analysiert Interessen von Journalisten, Medienorganisationen, PR-Praktikern und Auftraggebern und rekonstruiert Mechanismen, die dem Zustandekommen von Studien und der Berichterstattung darüber zugrunde liegen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Die Presseabteilung des italienischen Versicherungskonzerns hatte alle Register gezogen, als sie am 28. November 2012 die erste „Altersstudie“ des Generali Zukunftsfonds veröffentlichte: Noch während der Pressekonferenz zur Vorstellung der Studie titelte Spiegel Online – das laut Eigenwerbung monatlich von rund zehn Millionen Menschen in Deutschland angeklickt wird (vgl. Spiegel Gruppe 2012) – auf der Startseite an oberster Stelle: „Generationenstudie: Deutsche Senioren genießen das Alter“.
Jens R. Derksen

2. Journalismus

Zusammenfassung
Was ist Journalismus? Um diese Frage zu beantworten, schlägt die vorliegende Arbeit einen Bogen von der Systemtheorie zur akteurzentrierten Handlungstheorie. Systemtheoretische Ansätze gehen davon aus: Gesellschaftliche Differenzierung hat das Teilsystem Öffentlichkeit hervorgebracht, in dem sich wiederum Journalismus als wichtigstes Leistungssystem entwickelt hat. Journalismus richtet seine Operationen und Selektionen nach dem Sinnkriterium des Systems Öffentlichkeit aus. Journalismus operiert demnach im teilsystemischen Orientierungshorizont von Öffentlichkeit. Ein teilsystemischer Orientierungshorizont liefert Akteuren die nötigen Handlungsorientierungen und „Fiktionen konkreter sozialer Situationen“ (Schimank 2005: 88).
Jens R. Derksen

3. Public Relations (PR)

Zusammenfassung
Anders als Journalismus ist PR erst in zweiter Linie ein Leistungssystem des Teilsystems von Öffentlichkeit. In erster Linie ist PR eine Funktion, zu deren wesentlichen Aufgaben zählt, Beobachtungen zu bearbeiten, denen Organisationen durch Journalismus ausgesetzt sind. Ein wesentlicher Teil der Operationen von PR finden auch im System Öffentlichkeit statt. Damit erbringt PR zweifellos Leistungen für das System Öffentlichkeit. Diese Tatsache macht sie aber nicht zu einem originären Leistungssystem von Öffentlichkeit. Der primäre Orientierungshorizont von PR-Organisationen und PR-Akteuren ist der, in dem ihre Mutterorganisation operiert, wie Wirtschaft, Politik, Kultur oder Recht. Die einflussreichsten institutionellen Ordnungen, in denen sich PR-Akteure bewegen, sind vor allem organisationsinterne.
Jens R. Derksen

4. PR-Journalismus-Beziehungen in der Aufmerksamkeitsökonomie: ein Entwurf

Zusammenfassung
Im Jahr 2007 identifiziert Lohrentz als minimalen Konsens der Theorien und Modelle zum Verhältnis von PR und Journalismus:
  • „Einflüsse sind auf beiden Seiten vorhanden. Und wo Einflüsse da sind, können diese stets situationsbedingt unterschiedlich ausfallen oder unterschiedlich gewertet werden. […] Es ist Platz für Determination, für Symbiosen ebenso wie für parasitäre Beziehungen, für Nullsummenspiele und externe Effekte.“ (Lohrentz 2007: 41)
Die in diesem Zitat angesprochenen Ansätze sind bereits zum Teil sehr intensiv analysiert und diskutiert worden.
Jens R. Derksen

5. Studien als Konstruktion von Aufmerksamkeitsanlässen: theoretische Befunde

Zusammenfassung
Studien bieten Anlässe für Medienberichterstattung. Vergleichende Untersuchungen über den Stand der schulischen Ausbildung wie das Programme for International Student Assessment (PISA) zeigen, welche Themenkarrieren Untersuchungsergebnisse machen können. Klammer schätzt, dass „jährlich mehrere 10.000 Studien […] das menschliche Verhalten und die Einstellungen und Meinungen der Bevölkerung […] untersuchen“ (Klammer 2005: 50). Bislang liegen jedoch nur sehr wenige wissenschaftliche Arbeiten darüber vor, in welchem Umfang Studien zu Gegenständen von Berichterstattung werden und was die Ursachen dafür sind.
Jens R. Derksen

6. Einsatz von Studien in Medien und Medienarbeit: empirische Untersuchung

Zusammenfassung
Die Frage, um die letztlich die gesamte vorliegende Untersuchung kreist, lautet: Liefern Studien sowohl Journalisten als auch PR-Akteuren Anlässe mit Aussicht auf beidseitig funktionale, medienvermittelte Aufmerksamkeit und sind deshalb ein etablierter Gegenstand ihrer Interaktionen? Die Antwort lautet: Medien schreiben und berichten täglich über Studien, in aller Regel unterstützt und häufig angestoßen durch die Medienarbeit der Studienabsender. Diese Praxis hilft beiden Seiten dabei, individuellen und Nutzen für ihre Mutterorganisationen zu realisieren.
Jens R. Derksen

7. Schlussbetrachtung und Ausblick

Zusammenfassung
„[A]uch Zeitnot rechtfertigt nicht die unkritische Übernahme von Studienergebnissen. Denn so nutzen viele Studien in den Medien vor allem den Auftraggebern oder sie füllen nur Zeilen und Sendezeit.“ (Bröckerhoff/Stadtlich 2011: o. S.) Mit diesen Worten endet ein Beitrag des Medienmagazins Zapp über den Umgang mit Studien in den Medien. Der Beitrag bringt viel Wahres zur Sprache und lässt gleichzeitig Vieles ungesagt. Zeitnot ist natürlich ein wichtiger Grund dafür, dass Journalisten die Ergebnisse von Studien häufig unkritischer betrachten und wiedergeben als angebracht wäre. Die vorliegende Untersuchung zeigt aber auch deutlich, dass Zeitnot beileibe nicht der einzige Grund dafür ist.
Jens R. Derksen

Backmatter

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