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12.04.2018 | Strategieentwicklung | Kommentar | Onlineartikel

Der harte Brexit verlangt die strategische Neuausrichtung

Autor: Alexander M. Swoboda

Nur Zölle kalkulieren ist nicht genug: Die Modelle vieler Unternehmen greifen bei der Folgenberechnung des Brexits zu kurz. Ein strategischer Ansatz ist nötig.

Dass der Brexit kommt, ist nahezu sicher. Letztlich bleibt nur die Frage, ob die britische Regierung den Ausstieg möglichst sanft oder knallhart vollzieht – sich also nicht nur vor den Vorgaben und Richtlinien der Europäischen Union (EU) löst, sondern dann beispielsweise als abgekapselte Welthandelsmacht den Zugang zum EU-Binnenmarkt und den uneingeschränkten Zugang zur Zollunion der EU aufgeben würde. 

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Britische Waren und Dienstleistungen könnten bald Zöllen unterliegen, die beispielsweise aus oder in das Vereinigte Königreich (UK) exportierte Autos um zehn Prozent verteuern würden. Es wird somit etwa für Zulieferbetriebe schwieriger, gegenüber lokalen Lieferanten in den UK wettbewerbsfähig zu bleiben. Insgesamt werden auch Importe aus UK teurer. Davon sind auch deutsche Firmen, die in UK produzieren, betroffen, denn sie werden mit Zöllen beim (Re-)Export in die EU konfrontiert. Viele Unternehmen begreifen, dass die neue Realität auch ihr Geschäft beeinflusst. Doch nur den wenigsten ist bewusst, was die vollen Implikationen eines solchen harten Brexit auf deren Kostenstruktur wären. Ohne eine verlässliche Kalkulation ist eine strategische Antwort jedoch nicht möglich. 

Auch Standort-Alternativen und veränderte Produktivität analysieren

Die einfachste Möglichkeit, diese zusätzlichen Kosten zu berechnen ist, grobe Vorkalkulationen oder Schätzungen der entsprechenden Zölle – gegebenenfalls basierend auf dem Wert der Importe aus Ländern ohne Handelsabkommen – zu treffen. Der Austritt aus der Zollunion würde darüber hinaus eine erhebliche Zunahme der Kontrollen von Waren in Häfen und auf Flughäfen bedeuten. Und Länder wie die USA und Australien deuteten bereits an, dass das Erreichen neuer Handelsabkommen mit der EU Vorrang haben würde. Somit stünde Großbritannien vor einem derzeit nicht kalkulierbaren Verlustgeschäft. Viele Unternehmen auf der Insel tragen deswegen bereits den Gedanken der Standortverlagerung in Länder der EU.

Das ist aber keine garantierte Lösung, denn sie greift zu kurz. Für eine korrekte Analyse gilt es, alternative Lieferketten zu bewerten. Eine Standortverlagerung – egal ob im Konzern oder die eines Zulieferers – zieht Investitionen etwa für Stellenab- und Aufbau nach sich und führt zwingend zu sich verändernden Kosten. Neue Maschinen mit unterschiedlichen Abschreibungsdauern, andere Lohnkosten, höhere oder niedrigere Produktivität, sich verändernde Logistikkosten sind zu berücksichtigen. Diese Rechnung muss in unterschiedliche Varianten gemacht werden, um ein Optimum zu finden. Unternehmen werden gefordert sein, Kalkulationen ihrer Produkte und Zukaufteile in unterschiedlichen Szenarien vorzunehmen um die optimale Strategie zu entwickeln. Wir haben täglich mit Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen zu tun – und wir bekommen stetig Rückmeldungen dazu, was mit Kalkulationslösungen möglich ist. Daraus ergibt sich der Trend, dass sich diejenigen Unternehmen zukunftssicher fühlen, die durch kleinteilige Berechnungen ihrer Kosten bereits vor dem Ausstieg Großbritanniens strategisch entscheiden können, um wettbewerbsfähig und bleiben.

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