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24.08.2018 | Strategieentwicklung | Kolumne | Onlineartikel

Ist Zukunftsmanagement Pflicht, Kür oder Beraterunsinn?

Autor:
Heino Hilbig

Die Zukunft kommt. Ob sie allerdings so aussehen wird, wie Zukunftsforscher prognostizieren, weiß niemand. Unabhängig davon müssen Unternehmen ein gezieltes Zukunftsmanagement betreiben, fordert Heino Hilbig.

Vor kurzem warnte wieder einmal ein hochrangiger Politiker vor den Folgen der Digitalisierung. Es sei unbedingt erforderlich, dass Unternehmen sich damit auseinandersetzten, um wettbewerbsfähig zu bleiben – so die gefühlt immer gleiche Schlussfolgerung. Einzig, was die Unternehmen nun genau tun sollten, verriet auch dieser Volksvertreter nicht.

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Kann man sich als Unternehmer – und insbesondere als mittelständisches Unternehmen – gezielt auf die Zukunft vorbereiten? Welche Methoden funktionieren und wo unterliegt man klassischen Denkfehlern bei der Zukunftsplanung?


Wer als Manager oder Unternehmer heute ein funktionierendes Unternehmen führt, hat ohnehin andere Sorgen. Die kurz- und mittelfristige Steuerung des Unternehmens hat da immer Priorität vor theoretischen Spinnereien. Denn mal ganz im Ernst: Was außer ein wenig Optimierung der Betriebsabläufe soll einem erfolgreichen Maschinenbauunternehmen, einem Zementwerk oder einem Obstgroßhändler denn so ein Thema bringen? Die meisten Dinge des täglichen Lebens werden sich schließlich nicht ändern.

Wird die Zukunft wirklich nicht alles ändern?

Wer in diesen Tagen das Gespräch mit Unternehmenslenkern sucht, hört tatsächlich häufig ein verbales Abwinken. "Das trifft uns nicht" oder "das kommt vielleicht irgendwann mal" sind dabei die häufigsten Argumente. Und ehrlich gesagt – wenn man sich die Prognosen mancher selbsternannter Zukunftsforscher ansieht und dies mit Lösungsvorschlägen einiger Berater abgleicht, kann man schnell zu solchen Schlussfolgerungen gelangen.

Und dennoch: Eines ist sicher, Zukunft kommt und wird unser Leben radikal verändern. Aber im Gegensatz zu unseren Vorfahren, die schlicht nicht wussten, dass die Dampfmaschine demnächst erfunden und ihre Zukunft disruptiv erneuern würde, wissen wir heute schon, welche Technologien in den kommenden Jahren die größten Veränderungen bringen werden. Dieses Wissen ist ein großer Vorteil – wenn man ihn denn erkennt und nutzt. Wir können uns und unsere Unternehmen vorbereiten – wir müssen diese Chance nur ergreifen.

Zukunftsmanagement im Unternehmen verankern

Zukunftsmanagement als einen Prozess im Unternehmen zu implementieren ist also keineswegs nur Beraterunsinn, sondern zu mindestens  hilfreich. Wer anfängt sich konkret mit Technologien zu befassen, stellt schnell fest, dass viele Veränderungen eben nicht punktuell, sondern weitreichend sein werden und Seitenthemen betreffen, die wir heute noch nicht einmal absehen können. 

Autonome Fahrzeuge beispielsweise werden nicht nur unser Verständnis vom öffentlichen Nahverkehr völlig verändern, sondern höchstwahrscheinlich auch Einfluss auf Städteplanung, den Besitz von Autos, vielleicht sogar auf Arbeitszeiten und die Berufswahl einiger junger Menschen haben (den Fahrlehrer wird es dann als Beruf in der heutigen Form vermutlich nicht mehr geben). Der Universalübersetzer, den Google letztes Jahr vorgestellt hat wird – noch etwas weiterentwickelt – den einen oder anderen Volkshochschulkurs ebenso leeren wie die Zahl  der Simultanübersetzter reduzieren.

Künstliche Intelligenz, Online-Plattformen, Robotik, aber auch ganz profane gesellschaftliche Veränderungen und Ressourcen-Fragen werden die kommenden Jahre eher kurz- als mittelfristig unsere Art zu leben verändern. Wer also als Unternehmer seine Firma gesund den Nachfolgern übergeben will, tut gut daran, heute die notwendigen Schritte zu tun.

Gibt es verlässliche Zukunftsprognosen und bewährte Methoden?

Ohne Zweifel: Planlos Science Fiction-Filme zu schauen und nur Ja- oder Nein-Entscheidungen über das, was kommen mag zu treffen, ist eindeutig der falsche Weg. Und auch das Studium der zahllosen Prognosen sogenannter Experten hilft nicht wirklich weiter. Denn die Zukunft kann niemand vorhersagen oder mit Software und noch so präzisen Daten errechnen. Überaus unterhaltsame Beispiele für solche Prognosefehler und deren zum Teil katastrophalen Auswirkungen gibt es selbst in der jüngeren Geschichte zuhauf. Und dass Experten in der Vorhersage ungefähr so treffsicher sind wie ein Schimpanse, der mit Pfeilen auf eine Dartscheibe wirft, hat der US-Wissenschaftler Philip Tetlock in einer dreißigjährigen wissenschaftlichen Studie nachgewiesen. 

Was also hilft? Nichtstun mit Sicherheit nicht! Zukunftsmanagement muss als Prozess verstanden werden, der im Unternehmen etabliert werden muss – ähnlich dem Strategieprozess im Marketing oder dem Planungsprozess der Finanzabteilung. Auf leichte, schnelle Lösungen sollte man dabei  ebenso wenig setzen wie auf Basta-Entscheidungen des Managements.

Allerdings – auch das ist wichtig zu wissen: Zukunftsmanagement ist kein Hexenwerk. Wer sich darauf einlässt, kann die grundlegenden Schritte binnen weniger Wochen gehen. Und das ist allemal besser als den Erfolg des eigenen Unternehmens durch Nichtstun zu riskieren.

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