Skip to main content
main-content

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

1. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

Zusammenfassung
Managementkonzepte enthalten immer öfter eine auf die Gestaltung zwischenbetrieblicher — oder allgemeiner: interorganisationaler — Beziehungen gerichtete Komponente. Zwei Beispiele mögen dies illustrieren. Das der fordistischen Massenproduktion gegenübergestellte und zuerst in der japanischen Automobilindustrie praktizierte Konzept der ’lean production’, in das die Strategien führender Automobilhersteller nach Jahrzehnten des Experimentierens mit unterschiedlichen Produktionskonzepten zu konvergieren scheinen (vgl. Womack et al. 1991), empfiehlt den Herstellern eine enge Zusammenarbeit mit Abnehmern und Zulieferern. Ein kooperativer F&E-, Fertigungs- und Absatzverbund soll an die Stelle sowohl des wettbewerbsorientierten ’sourcing’ als auch der vertikalen Integration treten. Das Konzept der Fertigungssegmentierung erlaubt die Realisierung der ’modularen Fabrik’ (vgl. Wildemann 1990a) und setzt unter anderem auf die Organisation der zwischenbetrieblichen Beziehungen unter Zuhilfenahme modernster Informationstechnik und des — ebenfalls der japanischen Managementpraxis entlehnten — Konzepts der Just in Time-Zulieferung (vgl. auch Wildemann 1990b).
Jörg Sydow

2. Eine kurze methodologische Vorbemerkung

Zusammenfassung
Charakteristisches Merkmal von Unternehmungsnetzwerken im allgemeinen und von strategischen Netzwerken im besonderen ist die Art und Weise der zwischen den Netzwerkunternehmungen evolvierenden Interorganisationsbeziehungen. Der organisierte Charakter dieser Beziehungen, der noch im Zuge einer ausführlichen Begriffsexplikation beschrieben werden wird, legt eine (inter-) organisationstheoretische Untersuchung dieses empirischen Phänomens nahe. Markttheorien, insbesondere neoklassischer Provenienz, begreifen Transaktionen zwischen Organisationen als voneinander unabhängige Ereignisse. Gegenseitige Verpflichtungen, Vertrauen, Loyalität, Solidarität, Involvement, Commitment sind ihnen ebenso fremd wie Interorganisationsstrukturen, die sich zur Unterstützung der Koordination ökonomischer Aktivitäten herausbilden. “The existence of such phenomena in empirical economic systems is often viewed as ’imperfection’ in the system or ’irrationality’ on the part of actors” (Cook/Emerson 1984: 9). Diese Phänomene geraten — außer Interorganisationstheorien — erst dem Transaktionskosten-Ansatz in den Blick, der Markt- und Organisationstheorie miteinander verknüpft.
Jörg Sydow

3. Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

Zusammenfassung
Obwohl in der Einführung (Kapitel 1) dieses Teil I die Organisationsform ’Unternehmungsnetzwerk’ schon kurz skizziert wurde, scheint es angesagt, dieses Phänomen zunächst näher zu beschreiben. Denn Unternehmungsnetzwerke sind (scheinbar) noch zu jungen Ursprungs, als daß ihre hinreichende Bekanntheit unterstellt werden kann. Zudem ist es schwierig, dieses flüchtige, komplexe und schwer abzugrenzende Phänomen zu erfassen. Die klassische Vorgehensweise, die eine positivistische Organisationsforschung kennzeichnet und die eine Konfrontation theoretischer Aussagen mit empirischen Daten verlangt, ist aus zwei weiteren Gründen nicht zweckmäßig: Zum einen sind die vorliegenden Theorien zur Erklärung der Evolution und der Organisation solcher Netzwerke nicht ausreichend entwickelt, als daß sie einer empirischen Überprüfung im Sinne eines Hypothesentests unterzogen werden könnten. Zum anderen fehlt es an empirischen Daten.
Jörg Sydow

Unternehmungsnetzwerke: Empirische Evidenz und begriffliche Klärung

1. Empirische Evidenz für die Evolution von Unternehmungsnetzwerken

Zusammenfassung
Der empirische Nachweis der Existenz und mehr noch der zunehmenden Verbreitung von Unternehmungsnetzwerken ist alles andere als einfach, ein exakter Nachweis unmöglich. Die Wirtschaftsstatistik kann über eine so spezifische Organisationsform ökonomischer Aktivitäten keine Auskunft geben. Wirtschaftsstatistische Daten zur Veränderung der Betriebsgrößenstruktur — auch einzelner Branchen — können keinen Aufschluß darüber geben, ob etwa (Groß-) Unternehmungen zunehmend durch Unternehmungsnetzwerke substituiert oder ergänzt werden. Zu vielfältig sind die möglichen Formen, Ursachen und Folgen einer solchen Entwicklung. Das gilt auch für wirtschaftsstatistische Daten, die eine Verlangsamung oder sogar Umkehr des Trends zunehmender wirtschaftlicher Konzentration konstatieren und stattdessen eine zunehmende Anzahl kleinerer und mittlerer Unternehmungen belegen (vgl. für Großbritannien z.B. Shutt/ Whittington 1987, für die USA z.B. Acs/Audretsch 1990 und für Deutschland z.B. Cramer 1990, aber auch Acs/Audretsch 1990). Diese Daten lassen nicht einmal erkennen, ob die zunehmende Anzahl kleinerer und mittlerer Unternehmungen durch Ausgliederung oder Ausgründung aus Großunternehmungen, durch erfolgreiche Anpassung an sich wandelnde Rahmenbedingungen oder High Tech-Neugründungen zurückzuführen ist (vgl. zu diesen Typen kleinbetrieblicher Expansion Fritsch 1990).
Jörg Sydow

2. Unternehmungsnetzwerke: Eine traditionelle Organisationsform mit Zukunft

Zusammenfassung
Die Organisationsform des Unternehmungsnetzwerkes gewinnt — wie gezeigt wurde — an Popularität. Ob im Zuge dieser Entwicklung allerdings die Organisa-tionsform der vertikal tief integrierten und/oder breit diversifizierten Großunternehmung obsolet wird, und kleinere und mittlere Unternehmungen durch Einbindung in ein solches Netzwerk ihren traditionellen Charakter verlieren werden, erscheint zweifelhaft. Aber auch wenn das Unternehmungsnetzwerk nicht notwendigerweise die Organisationsform der Zukunft ist, so ist sie dennoch eine Organisationsform mit Zukunft. Insgesamt dürfte sie die bereits vorzufindende Diversifität organisatorischer Arrangements weiter erhöhen.
Jörg Sydow

3. Zum Begriff des strategischen Netzwerkes

Zusammenfassung
Die referierte Evidenz illustriert die Organisationsform des Unternehmungsnetzwerkes, insbesondere aber die Vielfalt netzwerkartiger Interorganisationsbeziehungen. Nicht alle diese Beziehungen konstituieren allerdings ein Unternehmungsnetzwerk. Die im folgenden zu leistende Begriffsexplikation wird deutlich machen, daß vor allem die in Japan und im Terza Italia identifzierten Konfigurationen als empirische Erscheinungsform dessen gelten können, was hier als Unternehmungsnetzwerk bezeichnet und idealtypisch in strategische und regionale Netzwerke unterschieden wird. Im Mittelpunkt der Begriffsexplikation steht der als strategisches Netzwerk bezeichnete Typus (Kapitel 3.2).
Jörg Sydow

Theoretische Ansätze zur Erklärung der Evolution und Organisation strategischer Netzwerke

1. Anforderungen an eine Theorie zur Erklärung der Evolution und Organisation strategischer Netzwerke

Zusammenfassung
Ein systematischer Überblick über Theorien, die die Evolution und Organisation strategischer Netzwerke erklären oder zumindest verstehen helfen könnten, fehlt sowohl in der angelsächsischen als auch in der deutschen Managementlehre. Mit Ausnahme einiger weniger Beiträge (z.B. Jarillo/Ricart 1987; Jarillo 1988) wird die Untersuchung der Evolution bzw. Organisation strategischer Netzwerke —wenn überhaupt — auf nur einen theoretischen Ansatz bezogen. Dies ist in den allermeisten Fällen der Transaktionskostenansatz.1 Der in diesem Teil beabsichtigte Überblick beginnt deshalb mit einer Darstellung und kritischen Würdigung dieses der Organisationsökonomie zuzurechnenden Ansatzes (Kapitel 2). Im Anschluß wird ein umfassender Überblick über alternative bzw. ergänzende theoretische Ansätze gegeben (Kapitel 3). Die Darstellung und Diskussion dieser Ansätze ist auf ihren Beitrag zur Aufhellung des Phänomens ‘strategischer Netzwerke’ fokussiert.2 Die unvermeidliche Folge ist, daß die Darstellung und Diskussion dieser Ansätze sehr unterschiedlich ausführlich ist. Während nämlich einige Ansätze recht unmittelbar zur Erklärung der Evolution strategischer Netzwerke herangezogen werden können, streifen andere dieses Phänomen nur am Rande bzw. erweisen sich für dessen Erklärung selbst als nur von peripherer Bedeutung.
Jörg Sydow

2. Theoretische Einfalt: Der Transaktionskostenansatz

Zusammenfassung
Strategische Netzwerke sind eine (sozio-) ökonomische Institution. Aus dieser Feststellung rührt die originäre Zuständigkeit des Transaktionskostenansatzes, der sich als eine Theorie ökonomischer Institutionen (institutional economics) versteht. Tatsächlich wird der Transaktionskostenansatz nicht nur in der Betriebswirtschaftslehre breit rezipiert, sondern auch explizit auf netzwerkartige Arrangements ökonomischer Institutionen bezogen (erst neuerdings auch von Williamson selbst). Derzeit wird die Evolution strategischer Netzwerke mit keinem Ansatz häufiger und intensiver untersucht als mit dem Transaktionskostenansatz. Diese Tatsache rechtfertigt es, zum einen auf diesen Ansatz ausführlicher als auf alle anderen einzugehen. Zum anderen rechtfertigt sie, die mit der ausführlichen Darstellung und Diskussion dieses Ansatzes verbundene Warnung vor einer theoretischen ’Einfalt’ bei der Analyse eines derartig komplexen Phänomens wie das des strategischen Netzwerkes.
Jörg Sydow

3. Theoretische Vielfalt: Das Spektrum ‘verwendeter’ Ansätze

Zusammenfassung
Im Gegensatz zum Transaktionskostenansatz widmen sich andere ökonomische sowie politische, politökonomische und interorganisationstheoretische Ansätze dem Aspekt der Externalisierung und dem Aspekt der Vernetzung nicht gleichgewichtig zu, wie es eine Theorie zur Erklärung der Evolution und Organisation strategischer Netzwerke erwarten ließe. Schon aus diesem Grund sind von diesen Ansätzen im Einzelfall vielleicht überzeugendere, auf jeden Fall jedoch noch partikularistischere Erklärungen zu erwarten.
Jörg Sydow

4. Zwischenresumée: Substrat für eine eklektische Theorie strategischer Netzwerke und Theoriedefizite

Zusammenfassung
Bevor ein Zwischenresumée aus der Darstellung und Diskussion der bisher zur Erklärung der Evolution und Organisation strategischer Netzwerke herangezogenen Theorien gezogen wird, sollen die Ansätze entsprechend ihrer epistomologischen und ontologischen Annahmegefüge, kurz: ihrer paradigmatischen Orientierungen geordnet werden. Hierzu kann der populäre, bereits in der Einleitung (s. Teil I, Kapitel 2) vorgestellte Ordnungsrahmen von Burrel/Morgan (1979) herangezogen werden, der organisationstheoretische Paradigmen anhand von zwei Dimensionen unterscheidet.
Jörg Sydow

Strategisches Management von und in strategischen Netzwerken

1. Zur theoretischen Konzeption des strategischen Managements

Zusammenfassung
Eine einheitliche Auffassung davon, was unter einer Strategie zu verstehen ist, hat sich bisher nicht durchgesetzt. Der Begriff der Strategie erweckt die bereits im Zusammenhang mit der Definition des strategischen Netzwerkes referierten Assoziationen wie Langfristigkeit, Rationalität, Wichtigkeit, Proaktivität, Selektivität, Linearität, Komplexität, Intention und Kohärenz.1 Eine Strategie wird allgemein als Vermittlungsinstanz zwischen der Organisation und ihrer Umwelt angesehen (vgl. z.B. Child 1972; Bourgeois 1980; Ansoff 1984). Entweder wird mit Hilfe von Strategien, wie insbesondere von Kontingenz- und Konsistenzansätzen sowie dem populationsökologischen Ansatz (s. Teil III, Kapitel 3.45, 3.48 bzw. 3.43) gefordert, die Organisation der Umwelt angepaßt. Oder aber es wird zusätzlich, im Sinne eines Effektivitätskonzepts, das neben ’environmental responsiveness’ auf ’environmental effectiveness’ abzielt, die Umwelt der Organisation angepaßt (vgl. Ackoff/Emery 1972; Metcalfe 1976). Eine Anpassung der Umwelt an die Organisation proklamieren zum Beispiel der Resource-Dependenz-Ansatz sowie der Community Ecology-Ansatz (s. Teil III, Kapitel 3.42 bzw. 3.43).
Jörg Sydow

2. Organisation und Selbstorganisation von strategischen Netzwerken: Basis für ein strategisches Management

Zusammenfassung
Eine theoretisch anspruchsvolle Konzeption, die das letztgenannte Theoriedefizit im Prinzip überwindet, ist von Wissenschaftlern entwickelt worden, die die neuere Systemtheorie auf Fragen des strategischen Managements von Unternehmungen übertragen. Kirsch (1984) entwirft — auf Basis seiner Idee einer “geplanten Evolution” konsequent ein evolutionäres Konzept des strategischen Managements und für Staehle (1990: 571) stellt sich strategisches Management letztlich als “Management der Evolution” dar. Beide Begriffe sind hybrid, indem sie jeweils zwei gegensätzliche Elemente in sich vereinen (vgl. Neuberger 1990: 231, der sich auf den Begriff der ’systemischen Führung’ bezieht): Planung, Steuerung, Management, Gestaltung und damit letztlich (Fremd-) Organisation auf der einen Seite, Spontanität, Evolution, Systemisches und damit impliziert Selbstorganisation auf der anderen Seite.
Jörg Sydow

3. Evolution und Organisation von strategischen Netzwerken als Ausdruck eines strategischen Managements

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden unter Anwendung der bisher entwickelten Aspekte einer eklektischen Theorie der Evolution strategischer Netzwerke und in Anknüpfung an das im folgenden zu erläuternde Konzept der kollektiven Strategie (Kapitel 3.1) weitere konzeptionelle Ausführungen zur Strukturierung strategischer Netzwerke gemacht (Kapitel 3.2). Dabei wird auf konkrete Kontingenz- und Konsistenzanforderungen Bezug genommen, die die Organisation strategischer Netzwerke im Zusammenspiel mit den erörterten Kognitionen und mikropolitischen Interessen bedingen (Kapitel 3.3). Schließlich werden erste Überlegungen zur Dynamik bzw. Eigendynamik strategischer Netzwerke angestellt (Kapitel 3.4).10
Jörg Sydow

4. Veränderte Rollenanforderungen an Manager in strategischen Netzwerken

Zusammenfassung
Global betrachtet, besteht die Funktion von Managern in strategischen Netzwerken darin, solche Netzwerke im Spannungsfeld von Kontingenz und Konsistenz, von Flexibilität und Legitimität zu organisieren. Der Managementbedarf strategischer Netzwerke ist im Vergleich mit dem anderer dezentraler Konzepte der Unternehmungsführung kaum quantitativ abzuschätzen. Auf der einen Seite erfordern die — sich im Zeitablauf zudem wandelnden — Eigeninteressen der Netzwerkunternehmungen, die verantwortlich sind für die Fragilität und die hohe Eigendynamik strategischer Netzwerke, erhebliche Integrationsanstrengungen. Auf der anderen Seite erleichtert die größere Wirksamkeit mancher auf Voice zielender Integrationsinstrumente angesichts der für strategische Netzwerke charakteristischen latenten Exit-Drohung die Integration. Auf jeden Fall aber sollte, so auch Bleicher (1989), der Managementbedarf kooperativer Arrangements nicht unterschätzt werden.
Jörg Sydow

Schluß

1. Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

Zusammenfassung
Ein strategisches Netzwerk ist definiert worden als eine auf die Realisierung von Wettbewerbsvorteilen zielende, polyzentrische, gleichwohl von einer oder mehreren Unternehmungen strategisch geführte Organisationsform ökonomischer Aktivitäten zwischen Markt und Hierarchie, die sich durch komplex-reziproke, eher kooperative denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist abhängigen (Netzwerk-) Unternehmungen auszeichnet. Die Evolution und Organisation strategischer Netzwerke erfolgt prinzipiell im Wege der Quasi-Internalisierung und/oder der Quasi-Externalisierung von Funktionen. Strategische Netzwerke sind Ausdruck sowohl intentionaler Handlungen, die auf eine systemische Rationalisierung zielen, als auch emergenten Verhaltens. Beides, Handeln und Verhalten, manifestiert sich in Interorganisationsstrukturen (sowie in einer Interorganisationskultur). Diese ’Strukturierung’ im weitesten Sinne entscheidet über die Positionierung des Netzwerks im Wettbewerb, über seine strategische Flexibilität und Legitimität, und nicht zuletzt über die Stabilität des strategischen Netzwerkes, das als Organisationsform immer auch ein soziales, nicht nur auf ökonomischen Transaktionen, sondern auch auf persönlichen Austauschbeziehungen beruhendes Netzwerk ist.
Jörg Sydow

2. Implikationen für die weitere Forschung

Zusammenfassung
Die Beantwortung dieser und weiterer Fragen setzt zum Teil eine Umorientierung der theoretisch-konzeptionellen Arbeit, vor allem aber auch eine mehr mikroskopisch-prozeßorientierte empirische Erforschung dieser Organisationsform voraus. Die theoretischen und methodischen Implikationen erstrecken sich aber nicht nur auf die weitere Untersuchung der Evolution und Organisation von Unternehmungsnetzwerken. Vielmehr hat sie auch Implikationen für die Managementforschung allgemein.
Jörg Sydow

Backmatter

Weitere Informationen