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Über dieses Buch

Die harten Wettbewerbsbedingungen im liberalisierten Strom-/Gasmarkt führen immer wieder zu Insolvenzen von Energieanbietern (Lieferanten), die bei zahlreichen Gläubigern hohe finanzielle Schäden verursachen. Eine große Betroffenheit zeigt sich bei den Verteilnetzbetreibern, deren Lieferantenbeziehung auf besonderen energiewirtschaftlichen Vorgaben beruht und bestehende Ansätze der Betriebswirtschaft zur risikobewussten Gestaltung der Lieferantenbeziehung nicht einfach übertragen lässt. Kerstin Eiselbrecher entwickelt ein strategisches Risikomanagementmodell, das den Verteilnetzbetreibern unter Beachtung der energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen und speziell ausgewählter Risikofaktoren einen praxisgerecht gestalteten Risikomanagementprozess mit Handlungsempfehlungen zur frühzeitigen Erkennung/Bewertung, Handhabung und Überwachung des Lieferantenrisikos aus Insolvenzen und Anfechtungen an die Hand gibt. Durch die zentrale Position der Verteilnetzbetreiber in der Supply Chain der Energieversorgung kann ihr Handeln auch dem Risiko weiterer mit den Lieferanten verbundener Marktpartner entgegenwirken.

Dr. Kerstin Eiselbrecher promovierte nebenberuflich bei Frau Prof. Dr. Iris Hausladen am Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für IT-gestützte Logistik an der HHL Leipzig Graduate School of Management. Sie verfügt über eine langjährige Berufserfahrung in der Energieversorgung und referierte auf Tagungen zum Forderungsmanagement der Verteilnetzbetreiber. Schon während ihres Studiums an der Technischen Universität München, Deutschland und der University of Canterbury, Neuseeland widmete sie sich energiewirtschaftlichen Fragestellungen. Ihren wissenschaftlichen Fokus legt sie auf die Verknüpfung energiewirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Elemente sowie die Verbindung von Theorie und Praxis.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einführung

Zusammenfassung
Im Jahr 1998 leitete Deutschland die Liberalisierung seines Strom- und Gasmarkts ein. Mit der Integration des Wettbewerbs haben die Verbraucher nun die Möglichkeit, ihren Strom- und Gasanbieter (Lieferant) frei zu wählen. Zugleich ist jedoch auch die Gefahr von Lieferanteninsolvenzen in den Energiemarkt eingezogen, welche ein erhebliches finanzwirtschaftliches Risiko für die Marktpartner und insbesondere für die Verteilnetzbetreiber bergen. Am Beispiel der Insolvenzen der Energielieferanten TelDaFax und FlexStrom, die laut Medien durch die hohe Zahl der Gläubiger als größte Insolvenzverfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte gelten, werden die aus Lieferanteninsolvenzen resultierenden immensen Verluste der Marktpartner aufgezeigt sowie die praktische Relevanz eines strategischen Risikomanagements für und auf der Stufe der Verteilnetzbetreiber verdeutlicht. Zur zielgerichteten Bearbeitung dieser Themenstellung wird die Ausgangssituation und Problemstellung aufbereitet sowie die als relevant eingestufte wissenschaftliche Literatur auf Lösungsbeiträge untersucht. Die zur Erreichung des Hauptziels eines strategischen Risikomanagementmodells für Verteilnetzbetreiber gewählte Vorgehensweise wird erläutert und die Forschungskonzeption begründet.
Kerstin R. Eiselbrecher

Kapitel 2. Theoretischer Bezugsrahmen

Zusammenfassung
Der theoretische Bezugsrahmen vermittelt die zur Entwicklung eines strategischen Risikomanagementmodells für Verteilnetzbetreiber erforderlichen energiewirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Wesentliche Inhalte sind die Aufarbeitung der Historie der Energieversorgung sowie die Erläuterung der Spezifika, Marktrollen und der besonderen Art der Verteilnetzbetreiber-Lieferanten-Beziehung in der Kette der liberalisierten Stromversorgung. Darauf aufbauend wird das durch den diskriminierungsfreien Netzzugang entstandene Risiko der Marktpartner im Kontext der Supply Chain detailliert betrachtet und für die Verteilnetzbetreiber spezifiziert. Als Rahmen zum bewussten Umgang mit Risiken wird das in der Betriebswirtschaft etablierte Konzept des Risikomanagements vorgestellt sowie die Berechtigung und Zielsetzung eines strategischen Risikomanagements auf der Stufe der Verteilnetzbetreiber begründet.
Kerstin R. Eiselbrecher

Kapitel 3. Metamodell zum strategischen Risikomanagement für Verteilnetzbetreiber

Zusammenfassung
Mit der Entwicklung eines Metamodells zum strategischen Risikomanagement für Verteilnetzbetreiber werden die energiewirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Erkenntnisse miteinander verknüpft und die Grundlage zur Ableitung eines theoretisch fundierten und praxisadäquaten Modells zur Anwendung der Verteilnetzbetreiber geschaffen. Neben der Definition der Modellelemente und Einbettung des Risikomanagements in den energiewirtschaftlichen Rahmen stellt die empirische Untersuchung vergangener Lieferanteninsolvenzen und Anfechtungen einen wesentlichen Bestandteil der Modellierung dar. Basierend auf den dadurch erhobenen und für die Verteilnetzbetreiber als relevant eingestuften Risikofaktoren werden unter Berücksichtigung der definierten Rahmenbedingungen zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten für den im Metamodell integrierten Risikomanagementprozess abgeleitet. Ebenso werden Überlegungen zur Integration und organisatorischen Verankerung bei den Verteilnetzbetreibern angestellt.
Kerstin R. Eiselbrecher

Kapitel 4. Empirische Untersuchung in der Praxis der Verteilnetzbetreiber

Zusammenfassung
Die Sicherstellung einer praxisgerechten Modellgestaltung erfordert den Einbezug von Vertretern der zukünftigen Anwendergruppe. Im Rahmen von leitfadengestützten Interviews werden die derzeitigen Risikomanagementaktivitäten, Methodenkompetenzen, bestehenden Erfahrungen und Anforderungen an das Risikomanagement von fünf Verteilnetzbetreibern erhoben. Mittels des RISK MATURITY MODEL von HILLSON (1997) werden die Reifegrade der jeweiligen Risikomanagementausprägung dieser Verteilnetzbetreiber ermittelt und mit der Bildung des durchschnittlichen Reifegrads eine Bezugsgröße zur Modellgestaltung geschaffen. Neben den zu beachtenden Anforderungen und Wünschen der Verteilnetzbetreiber nehmen der durchschnittliche Reifegrad und die Praxisbewertung der im Metamodell definierten Elemente einen hohen Stellenwert ein, um später das Detailmodell unter Berücksichtigung der bestehenden Risikomanagementaktivitäten und Kompetenzen ableiten zu können.
Kerstin R. Eiselbrecher

Kapitel 5. Modell des strategischen Risikomanagements zur Anwendung in der Praxis

Zusammenfassung
Aus der Synthese von Theorie und Praxis wird das Modell zum strategischen Risikomanagement der Verteilnetzbetreiber zur risikobewussten Gestaltung der Lieferantenbeziehung abgeleitet. Dazu erfolgt die Definition der Modellelemente, die auf dem Abgleich des Metamodells mit den Angaben und plausibilisierten Methodenbewertungen der Praktiker basieren. Unter Bezugnahme auf den durchschnittlichen Reifegrad und unter Berücksichtigung der bestehenden Vorgehensweisen und Kompetenzen lassen sich gezielte (Handlungs-)Empfehlungen für die Verteilnetzbetreiber zur Umsetzung des strategischen Risikomanagements in der Praxis formulieren. Damit zeigt das Modell den Verteilnetzbetreibern im Ergebnis ein strukturiertes Vorgehen auf, das es ihnen innerhalb der energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen und ausgewählter Risikofaktoren ermöglicht, das Vorliegen dieser Risikofaktoren zu erkennen, die Risikoausprägung der einzelnen Lieferanten zu bewerten und entsprechende Maßnahmen zur Reduzierung der Forderungsausfälle aus Insolvenzen und Anfechtungen sowie zur Risikoüberwachung zu ergreifen. Mit Hinweisen zur Integration und IT-gestützten Anwendung im Unternehmen wird das Ziel verfolgt, die Implementierung zu fördern. Zur Überprüfung der praktischen Eignung wird eine Bewertung des Modells vorgenommen und auf die Wirtschaftlichkeit zur Anwendung des Risikomanagements in der Praxis eingegangen.
Kerstin R. Eiselbrecher

Kapitel 6. Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick

Zusammenfassung
Die wesentlichen Erkenntnisse und Ergebnisse auf dem Weg zum strategischen Risikomanagementmodell der Verteilnetzbetreiber werden in diesem Kapitel zusammengefasst. Es werden die erforderlichen Schritte zur Einführung des Risikomanagements in die Praxis dargelegt sowie der weitere Forschungsbedarf und das Supply Chain Risikomanagement in der Kette des liberalisierten Energiemarkts als anzustrebende Zukunftsvision der Risikomanagementforschung aufgezeigt.
Kerstin R. Eiselbrecher

Backmatter

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