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30.08.2017 | Stresstest | Nachricht | Onlineartikel

Geldhäuser müssen an ihre stillen Reserven ran

Autor:
Christian Kemper

Der Ertragsschwund in deutschen Banken und Sparkassen bereitet den Aufsehern zunehmend Sorgen. Die anhaltend niedrigen Zinsen zwingen einzelne Institute bereits dazu, an ihre Rückstellungen zu gehen.

Für die kommenden fünf Jahre rechnen die 1.500 kleinen und mittelgroßen Kreditinstitute in Deutschland mit weiter rückläufigen Ergebnissen und Rentabilitätsquoten. Das geht aus der Niedrigzinsumfrage 2017 der Deutschen Bundesbank und der Finanzaufsicht Bafin hervor. „Wir machen uns anhaltend Sorgen“, sagte Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Bundesbank, bei der Ergebnispräsentation Ende August in Frankfurt am Main. Die durch die anhaltend niedrigen Zinsen verursachte Durststrecke sei längst noch nicht vorüber.

Provisionen sollen geringere Zinserträge auffangen

Der Ausbau alternativer Ertragsquellen muss nun dringend voranschreiten, um die schrumpfenden Margen im Zinsgeschäft zu kompensieren. Die von Bundesbank und Bafin befragten Institute rechnen damit, dass ihre Zinsergebnisse in den kommenden fünf Jahren um insgesamt drei Milliarden Euro zurückgehen werden. Dies sollen die Provisionsergebnisse kompensieren können, die um knapp drei Milliarden Euro steigen sollten. Kurzfristig helfe zudem die gute Kapitalausstattung der meisten Geldhäuser dabei, die Effekte aus dem Niedrigzinsumfeld abzufedern, fügte Raimund Röseler, Exekutivdirektor der Bafin, den Umfrageergebnissen hinzu. Zwar müssten einzelne Institute an ihre stillen Reserven gehen, um dem Ertragsschwund entgegenzuwirken. Doch dafür seien die Rücklagen auch da, betonte der Finanzaufseher.

Ein Grund für die Rückgänge der Betriebsergebnisse der Institute ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Daher plädiert die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) dafür, dass die expansive Geldpolitik Schritt für Schritt beendet wird. Dies könne die Ergebnissituation der Geldhäuser entlasten und dazu beitragen, dass sie möglichen Risiken noch besser entgegenwirken können.

Mit der Niedrigzinsumfrage führten Bundesbank und Bafin erneut einen Stresstest bei den Geldhäusern durch, die unter ihre Aufsicht fallen. Wie bereits 2015 prüften sie die Widerstandsfähigkeit von Eigenmitteln gegenüber Zinsänderungs-, Kredit- und Marktpreisrisiken. „Auch nach Stress sind die Institute überwiegend stark kapitalisiert und können die aufsichtlichen Kapitalanforderungen weit übererfüllen“, fasste Röseler das Ergebnis zusammen. Die harte Kernkapitalquote nach Stress betrage über alle Teilnehmer hinweg 13,3 Prozent.  „Rund 4,5 Prozent der teilnehmenden Institute könnten allerdings im Stressfall trotz Berücksichtigung stiller Reserven ihre Kapitalanforderungen aus den Säulen I und II zuzüglich Kapitalerhaltungspuffer nicht erfüllen“, warnt der Bafin-Direktor hinsichtlich der Baseler Eigenkapitalvereinbarungen. Damit seien 68 Banken oder Sparkassen in den kommenden fünf Jahren ausfallgefährdet. Welche konkret betroffen sind, ob sie zu einem bestimmten Sektor oder einer definierbaren Risikogruppe gehören, verriet Röseler allerdings nicht.

Immobiliengeschäft kann Stress verkraften

Unter verschärfter Aufsicht von Bundesbank und Bafin steht auch das Geschäft mit Wohnimmobilien in Deutschland. Analysiert wurde, wie sich ein Preisrückgang vom 20 beziehungsweise 30 Prozent in den kommenden drei Jahren auf die Kapitalaustattung der Kreditinstitute auswirken könnte. Die meisten Institute seien einer Korrektur gewachsen, die harte Kernkapitalquote würde sich insgesamt um 0,54 beziehungsweise 0,9 Prozentpunkte verringern.

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Analyse von stillen Reserven und stillen Lasten

Quelle:
Bilanzanalyse

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

Stresstesting und Kapitalmanagement

Quelle:
Bankenrating

2013 | Buch

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