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08.07.2016 | Stresstest | Nachricht | Onlineartikel

Italiens Banken brauchen Hilfe

Autor:
Christian Kemper

Faule Kredite von rund 360 Milliarden Euro lasten auf den Bilanzen italienischer Geldhäuser. Einem der ältesten Institute droht der Bankrott nach mehr als 500 Jahren im Geschäft.

Die Banca Monte dei Paschi, kurz MPS, braucht dringend frisches Kapital. Ausfallgefährdete Kredite in Höhe von etwa 27,7 Milliarden Euro brutto gefährden die Zahlungsfähigkeit. Davon müssen bis 2018 mindestens zehn Milliarden Euro abgebaut werden, fordert die Europäische Zentralbank (EZB).

Neuer Stresstest steht an

Zudem besteht die Gefahr, dass das im Jahr 1472 in Siena gegründete Institut den aktuellen Stresstest der European Banking Authority (EBA) nicht besteht. Die Ergebnisse werden am 29. Juli 2016 veröffentlicht. Die Börsianer haben die MPS-Aktie bereits deutlich abgestraft. In den vergangenen vier Wochen verlor das Papier rund die Hälfte seines Werts, zwischenzeitlich musste der Handel sogar ausgesetzt werden. 

Auch anderen italienischen Geldhäusern machen die Non Performing Loans (NPL) zu schaffen. Bei der Unicredit stehen Problemkredite von rund 52 Milliarden Euro brutto in den Büchern. Für Entlastung soll eine anstehende Kapitalerhöhung von bis zu zehn Milliarden Euro sorgen. "Wir sind eine solide und liquide Bank", beteuerte Federico Ghizzoni, scheidender Chief Executive Officer der Unicredit, in einem Schreiben an seine Mitarbeiter. Am 11. Juli 2016 übernimmt der französische Investmentbanker Jean-Pierre Mustier den Chefposten bei Italiens größtem Finanzinstitut, dessen wichtigste Ertragsquelle die Hypovereinsbank (HVB) ist. Auf die deutsche Tochter kann Mustier trotz der angespannten Finanzlage seines Hauses daher wohl nicht verzichten.

Was Anlegern im Pleitefall droht

Unterdessen will Italiens Regierungschef Matteo Renzi MPS mit Staatsgeld retten und verhandelt darüber mit der Europäischen Union (EU). Zumindest Kleinanleger sollen geschützt werden. Noch besser wäre es, auch institutionelle Investoren von der Haftungspflicht im Pleitefall zu befreien, so Renzis Wunsch. Doch die Kommissare in Brüssel wollen die Anteilseigner und Gläubiger in die Pflicht nehmen. Sie berufen sich auf die im Mai 2014 verabschiedete EU-Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten. Danach müssen zuerst die Kapitalgeber eines in Schieflage geratenen Finanzinstituts zur Sanierung herangezogen werden. Vorerst soll eine Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro MPS stabilisieren. Dazu will Finanzminister Pier Carlo Padoan einen neuen Rettungsfonds gründen. Der erst vor wenigen Monaten aufgesetzte Atlante-Fonds zur Stabilisierung des gesamten italienischen Bankensektors soll bereits zur Hälfte aufgebraucht sein.

Problem mangelnder Profite nicht gelöst

Faule Kredite in den Bilanzen von Europas Geldhäusern haben eine große Sprengkraft, warnen die Experten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Öffentliche Fonds könnten zu deren Rettung beitragen, wenn sie die faulen Kredite zu klar beschriebenen Konditionen übernehmen. Wettbewerbsrechtliche Bedenken sollten dabei in den Hintergrund treten. Die Vorteile solcher Hilfen für die gesamte Volkswirtschaft dürften überwiegen, heißt es im BIZ-Jahresbericht 2015/16. Doch vor dem Hintergrund der schwachen Profitabilität vieler Institute sei das Problem der ausfallgefährdeten Darlehen damit nicht gelöst.  

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