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06.11.2018 | Stresstest | Kommentar | Onlineartikel

Banken müssen kräftig Gas geben

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Einen Lorbeerkranz gibt es für das Abschneiden der Banken hierzulande beim jüngsten Stresstest der European Banking Authority (EBA) nicht. Zwar gab es Lob von der deutschen Finanzaufsicht Bafin und auch die Kunden halten den Instituten noch die Treue, doch die Banken dürfen dieses Vertrauen nicht verspielen.

"Alle deutschen Banken haben in dem für Deutschland besonders starken Abschwungszenario gezeigt, dass sie widerstandfähig sind", freute sich Raimund Röseler, oberster Bankenaufseher der Bafin, über das Ergebnis des EBA-Stesstests vergangene Woche. Dabei belegen die deutschen Geldhäuser im Club der 48 von der EBA geprüften europäischen Banken aus 15 Ländern nicht gerade Spitzenpositionen. 

EBA-Stresstest ohne Überraschung

Trotz leichter Verbesserungen im Vergleich zu 2016 befinden sich die Nord LB und die Deutsche Bank im Tabellenkeller. Die Deutsche Bank käme im Ernstfall aktuell auf eine harte Kernkapitalquote von 8,14 Prozent. Das ist zwar ein Plus gegenüber dem Resultat von 2016, das bei 7,8 Prozent lag. Dennoch gehört das Geldhaus damit zu den Schlusslichtern. Nur die beiden britischen Banken Barclays und Lloyds sowie die italienische Banco BPM stehen noch schlechter da. Überrascht hat dieses Ergebnis niemanden.

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Ein winziger Lichtblick ist das Ergebnis der Commerzbank. 2016 hielt das Institut mit 7,4 Prozent beim EBA-Stresstest noch die rote Laterne. Nun kommt sie auf eine harte Kernkapitalquote von 9,93 Prozent. Die Institute hätten "ausreichend Puffer an Eigenkapital", sagte der für die Bankenaufsicht verantwortliche Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Dennoch schaffen es die deutschen Banken trotz vieler Anstrengungen nicht, sich von der europäischen Konkurrenz abzusetzen.

Kritiker finden zwar die Methode des EBA-Stresstests verbesserungswürdig. Dazu kommt, dass die Übung nur eines von vielen Instrumenten der Bankenaufsicht ist und das angenommene Szenario für die deutschen Geldhäuser besonders hart war. Gleichwohl sollten die Institute das Ergebnis als finales Signal zum Aufbruch wahrnehmen. Denn obwohl die meisten Bankkunden den klassischen Instituten in Deutschland trotz solcher Ergebnisse treu sind, kann sich eine Mehrheit laut des aktuellen Finweb Barometer 2018 des Beratungshauses Cofinpro grundsätzlich vorstellen, künftig auch Finanz-Services von Nichtbanken zu nutzen.

Produktentwicklung vorantreiben

Wollen die klassischen Banken weiterhin erster Ansprechpartner sein, müssen sie viele Baustellen angehen. Dazu gehört es, die Kosten zu verringern und zugleich die Profitabilität unter anderem durch neue Ertragsquellen zu erhöhen. Dabei dürfte die bloße Einführung von Gebühren für bislang kostenfreie Services wenig hilfreich sein. Vielmehr müssen die Institute neue Produkte entwickeln, die die Bedürfnisse ihrer Kunden decken. Doch neue Produkte brauchen noch immer bis zu zwölf Monate bis zur Marktreife. Für komplexe Angebote mag das aufgrund der strengen Regulierung noch akzeptabel sein, aber schlankere Services oder kundenfreundlichere Tools müssen schneller entwickelt und umgesetzt werden. Und dabei müssen sich die Banken auch Fehler erlauben und aus diesen lernen. Ein Prozess, den viele Fintechs bereits verinnerlicht haben. Bislang hat die Einführung einer solchen Fehlerkultur aber bei vielen Banken noch nicht mal im Ansatz stattgefunden.

Auch ist die Digitalisierung nicht nur Pflichtprogramm, sondern eine Chance, sich etwa über ein eigenes Ökosystem Drittanbietern zu öffnen. Wer hier selbst Infrastrukturen entwickelt, überlässt das Feld nicht anderen Anbietern. Kooperation statt Konkurrenzkampf sollte das Credo lauten, unter anderem bei Nischenangeboten. Dennoch tun sich die deutschen Geldhäuser mit der digitalen Transformation noch immer schwer. Das mag an hohen regulatorischen Anforderungen liegen, aber auch an wenig agilen Strukturen innerhalb der Organisationen, die sich nur langsam bewegen und Änderungen umsetzen.

Innovative Ideen nicht verschenken

Sicher, die Banken bemühen sich, viele dieser strukturellen Lücken zu schließen, arbeiten mit eigenen Innovation Labs und suchen nach Kooperationsmöglichkeiten mit Fintechs. Dennoch gerät die Analyse von Kundenwünschen immer wieder ins Stottern, bleiben gute Ideen auf der Strecke und werden so allzu oft der Konkurrenz überlassen, wie jüngste Beispiele aus dem Zahlungsverkehr im Einzelhandel bestätigen.   

Die eigene Kapitaldecke zu stärken, wie es die Nord LB mit der Suche nach Investoren aktuell tut, oder auf ihr solides Risikoprofil zu verweisen, wie die Deutschen Bank, hilft nicht, das vorhandene Kundenvertrauen langfristig zu erhalten. Die Institute müssen selbst wieder für gute Nachrichten sorgen. Und dafür müssen sie in Zukunft das Gaspedal durchtreten.

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