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2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

7. Subnationale Case Studies: Wie wird Gold zur Konfliktressource?

verfasst von : Dr. Dorothea Hamilton

Erschienen in: Andengold

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

Der Werdegang eines Rohstoffs (Gold) zu einer Konfliktressource wird in den folgenden Kapiteln anhand der Fallregionen Cauca (Kolumbien) und La Libertad (Peru) vorgestellt. Beide Departamentos liegen in einer von der jeweiligen bewaffneten Gruppe vormals kontrollierten peripheren Region und sind seit der Kolonialzeit für ihre Goldvorkommen bekannt. Dabei sollen die beiden Kernfragen, welchen Einfluss Ressourcen auf den Konflikt hatten und welchen der Konflikt auf den Umgang mit den Ressourcen, am Beispiel des Goldes untersucht werden.
Fußnoten
1
„Jahrhunderte voller Gewalt kennt der Cauca, wo die spanische Kolonialisierung jede Art der Auflehnung auslöschte, um alles zu plündern, was vor ihren Augen Wert hatte; zurück ließen sie einen dunklen Abdruck von Genozid, Sklaventum, Diskriminierung und Ausbeutung.
[Heute] versprechen sie Entwicklung, Wohlergehen, Demokratie und soziale Gerechtigkeit für alle, zertreten und verarmen dabei das Leben Vieler, um einige Wenige zu bereichern. Sie nutzen Angst und Gewalt, um ihre Pläne durchzuführen. Es ist die gleiche Strategie wie in allen Zeiten: Krieg führen, um Land zu entreißen.
 
2
“In Kolumbien kreuzen sich Flüsse voller Blut mit Flüssen voller Gold”
 
3
Der Wissenschaftler Andrés Guhl der Universidad de los Andes wies in einem Gespräch darauf hin, dass die tatsächliche Bevölkerungszahl, vor allem der ländlichen Bevölkerung, weitaus größer geschätzt werden muss, da die Volkszählung in Gebieten, die durch die FARC kontrolliert wurden, nicht korrekt durchgeführt werden konnten.
 
4
Insgesamt wurden seit 2016 je nach Zählung zwischen 181 und 335 Menschen- und UmweltaktivistInnen ermordet und weitere Anschläge vereitelt. Es wird geschätzt, dass 500 weitere Personen akut bedroht werden.
 
5
“als ich klein war, ging ich mit meiner Oma zum Fluss und lernte Gold zu waschen (…). Die Leute von hier bekommen etwa 3 Gramm [Gold] in der Woche, es ist wenig, denn für das Gramm bekommt man 80 000 Pesos, (…) aber es reicht dann für etwas zu Essen.”
 
6
„Das als legal getarnte Gold“
 
7
Da es sich bei den Daten um „sensible Daten“ handelt, sind diese, anders als in Peru, nicht über offizielle Seiten des Minenministeriums verfügbar und beruhen auf nicht aktuellen Untersuchungen Ditter.
 
8
An dieser Stelle sei zudem vermerkt, dass der Autor Bolaños nach der Publikation seiner Artikel zu Goldabbau im Cauca diesen aufgrund von Drohungen verlassen musste.
 
9
“Im Cauca tarnen sich Kriminelle als Kleinbergleute”
 
10
Das zitierte Dokument mit den offiziellen Förderdaten nach Municipio wurde mittlerweile dem öffentlichen Zugriff entnommen, liegt der Verfasserin aber vor.
 
11
„Wir entschieden uns, uns nicht gegen sie [die Bergleute] zu wehren, weil es ein Übel war, was die Bewohner akzeptierten. Sie sagten: “Compañeros, lasst die Maschinen durch”- “Aber wisst ihr, welchen Schaden sie anrichten werden?” – “Aber compañeros, wir müssen essen!”“
 
12
“Das Dorf wurde durch Gewalt geschädigt und sie [die Bergleute] töteten einige Menschen hier und erschossen sich gegenseitig. (…) Es kam auch viel Prostitution und wir waren damit nicht einverstanden.”
 
13
Dies basiert auf dem Goldpreis von Dezember 2017, der bei ca. 90 000 kolumbianischen Pesos (ca. 33 US-Dollar) lag.
 
14
„Die Leute sagen, „Wie kann es sein, dass eine Maschine zu solchen Orten gelangt, ohne dass es jemand merkt?“, aber sie sind sehr professionell, sie haben ihre Anwälte, die dafür sorgen, dass die Maschinen als legal durchgehen“
 
15
„Bergbau ist eine rechtmäßige Tätigkeit, das Problem ist, wenn er außerhalb des Gesetzes erfolgt und enorme soziale Probleme verursacht; dann muss der Staat Möglichkeiten entwerfen, um den Bergbau spontan zu entwickeln“
 
16
Ein Beispiel für diese exkludierenden Mechanismen innerhalb der Untersuchungsländer wird in dem folgenden Briefausschnitt der Verfasserin vom 13.12.2017 an einen befreundeten Ethnologen deutlich:
„Habe gestern an einer Weiterbildung über den gesetzlichen Rahmen des Bergbaus teilgenommen, die für Polizisten und lokale Autoritäten bestimmt und vom Energieministerium organisiert war. Am 2. Tag kamen zwei Kleinbergleute aus Rosas, die erst mit mir erst reingelassen wurden, um dann von der Veranstalterin gebeten zu werden den Raum wieder zu verlassen. Auf meine Nachfrage warum sie nicht teilnehmen dürften antwortet sie, dass es sich um eine Weiterbildung für “Autoritäten” handle. Auf die Frage, warum ich dabei sein dürfte sagte sie, die Veranstaltung sei nicht angemessen für die Kleinbergleute und sie könnten die Inhalte auch nicht verstehen und hätten ganz andere Fragen.“
 
17
“Der Naya-Fluss blieb davon [vom illegalen Bergbau] verschont, dort erlaubte die Bevölkerung keinen Bergbau mit schweren Baggern, er wird nur mit kleinen Maschinen und Motorpumpen gearbeitet, die den Grund des Flusses mit Filtern saugen, schwere Maschinen wurden nicht genutzt, weil die Bevölkerung es nicht zuließ”
 
18
„Dieser [illegale Fluss]bergbau kam als Alternative zur Subsistenz, (…) einen Teil nutzen wir für unseren Krieg. Es war sehr profitabel (…) es waren ungefähr 10 % der Produktion.“
 
19
„Viele Gebiete werden jetzt von bewaffneten Gruppen besetzt, die sich „revolutionäre Guerilla“ nennen, aber es ihren Eigenschaften nach nicht sind. Es sind Gruppen, die sich gebildet haben, um sich über illegale Aktivitäten wie den Drogenhandel und der Bergbau zu finanzieren. (…) Das Gold wird von bewaffneten Gruppen genutzt und sie bewaffnen sich extra deswegen, um diese Ressourcen zu kontrollieren“
 
20
„-Und wenn unter ihrem Land 10 kg Gold vergraben wären, würde Sie sagen „lass es da“?“ –„Lass es da. Ich denke, es wäre Geld, das kommt und geht. Ich würde sagen, selbst wenn es Gold gäbe, verbessert das nicht die Produktion meiner Erde, es würde sich nicht lohnen die Erde zu zerstören für ein paar Pesos (…) es ist einfacher Lebensmittel zu produzieren und sein Geld so zu verdienen als das Land zu zerstören und hinterher gar nichts mehr zu haben.“
 
21
„Für uns ist jede Art von Bergbau illegal“
 
22
Das Opferregister liegt in handschriftlicher Form vor und durfte nur zur Ansicht und Digitalisierung verwandt werden. Dabei war dem Vorsitzenden der Gesellschaft der Opfer von großer Bedeutung persönliche Daten zu anonymisieren. Die Daten wurden digitalisiert und so weit möglich ergänzt, da sie nicht einheitlich dokumentiert waren.
 
23
Eine in vielen Teilen Lateinamerikas übliche Praktik des Militärs verdächtige Personen zunächst zu foltern, zu töten und anschließend undokumentiert in Massengräbern zu verscharren.
 
24
“- und hatten sie [die Mitglieder des PCP-SL] auch einen Bezug zu den Minen?
-Nein, keinen. Nach ihren Überzeugungen kämpften sie für die Gleichheit aller Menschen, es war ihnen also egal ob du in der Mine arbeitest”
 
25
“Eine halbe Meile von Huamachuco befindet sich ein konisch geformter Berg, der „El Toro“ [der Stier] genannt wird, weil die Menschen glauben in seinen Tälern einen Stier zu erkennen. Der Reichtum dieses Berges ist enorm, es findet sich 24 karätiges Gold, daneben Silber, Kupfer und andere Legierungen, deren Fülle ausgebeutet werden könnte.”
 
26
“Aus der Mineralader, an der ich arbeitete, holten sie Kupfer, aber auch Gold, Silber und Wolfram und von diesen drei zahlten sie nichts an den Staat.”
 
27
Berechnung nach Tab. 7.7
 
28
“Das Minenfieber [sorgte dafür] (…), dass der informelle Bergbau ungeordnet gewachsen ist”
 
29
“Diese Illegalen, es sind Hunderte, sie erscheinen mal hier mal da, diese Narcotrafikanten, sie benutzen Gewalt und es ist sehr schwierig sie zu kontrollieren.”
 
30
“es gibt Gouverneure, Kongressabgeordnete und Regionalpolitiker auf Provinz- und Distriktebene, die in den illegalen Bergbau verwickelt sind, deshalb gehört diese Aktivität zu der extraktivistischen Ausweitung der letzten 25 Jahre.”
 
31
“Die Region La Libertad produziert am meisten Gold, aber die Vorteile sind nicht bemerkbar.”
 
32
Von den 381 befragten Personen waren 47,3 % weiblich, 81,1 % gaben an, in einer Stadt zu wohnen, 55,1 % in der Stadt Huamachuco, 17,1 % in einem Huamachuco zugehörigen Dorf, 6,9 % kamen aus einer anderen Provinz in La Libertad, 3,4 % aus einem anderen Ort in Peru und 8,57 % aus der Stadt Trujillo. Die graphische Darstellung der demographischen Daten befindet sich im Annex V. Insgesamt gaben 23,3 % an, jemanden in der Familie zu haben, der im formellen Bergbau arbeitet und 14,6 % im informellen Bergbau.
 
33
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Minister hergekommen ist und sie [die Bergleute] haben ihn nicht reingelassen, sicherlich würden sie nicht mal Kucynski [ehemaliger Präsident Perus] reinlassen. Mit anderen Worten, sie bewaffnen sich und lassen niemanden vorbei, wie du sagst, eine aufständische Gruppe, aber in klein.“
 
34
Auf der Straße von Trujillo nach Huamachuco sind mindestens 5 mobile Polizeistationen, die Fahrzeuge anhalten. Bei den Befragungen wurde die Erfahrung gemacht, dass diese Bestechungsgelder von Personen einfordern, die offensichtlich mehr Geld haben als der Durchschnitt.
 
35
“Hier ist alles teurer geworden, vom Bauland bis zum Mittagsmenu, häufig ist es um mehr als 50 % gestiegen”
 
36
Diese lokale Inflation wurde noch nicht quantitativ belegt. Zukünftige Studien sollten an Dienstleistungen wie Restaurants, Friseuren oder Übernachtungen diese Thesen quantitativ für Orte mit und ohne Bergbau testen.
 
37
“es gibt Familien, die dort [in der Nähe der Minen] leben, die nicht weggezogen sind, andere verkaufen ihr Land und ziehen weg, aber die Leute, die bleiben, gehen in Konflikt mit den Bergbauunternehmen, es gibt zwar Abgaben auf dem Provinzniveau aber die Dörfer und Familien werden nicht berücksichtigt (…). Und sie führen regelmäßig Straßenbesetzungen durch.”
 
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“Man sagt, dass der informelle Bergbau mehr verunreinigt, das stimmt, sie verunreinigen beim Prozess mehr und der formelle Bergbau weniger; aber in der absoluten Menge verunreinigt der formelle Bergbau 100 Mal mehr”
 
39
Während der Feldforschung konnte auch die Verfasserin Lungenprobleme feststellen, was letztlich zur Verkürzung des Gesamtaufenthaltes führte.
 
40
„Wie viele Tote es da [am Cerro de Toro] gegeben hat? Tote, von denen wir nichts wissen“
 
41
„Die Konfrontation fand an diesem Sonntag um 3 Uhr morgens zwischen Mitgliedern der Ronda Campesina von Coigobamba mit Personen, die vermutlich von der Bergbaugesellschaft Los Andes Golden Peru SAC am Cerro El Toro angeheuert wurden, die das Eigentum der oben genannten Gesellschaft bewachen sollen, um die informelle und illegale Bergleute auszumerzen, die in dieser Gebiet tätig sind, statt“
 
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„In den Hochgebirgen, in denen die Kondore fliegen, arbeiten die Bergleute Tag und Nacht (…) und riskieren ihr Leben für die Zukunft Perus. Kommt schon, Bergleute Brüder. (…) Kämpft weiter für ein besseres Morgen, indem ihr euer Leben für den Fortschritt Perus riskiert. Kommt schon, Bergleute, Brüder. (…) Jedes Opfer hat eine Belohnung, mit deiner Anstrengung wird Peru wachsen.“
 
43
„La Libertad: Gruppe von Mitgliedern der Selbstschutztruppen hat Straßensperre durchgeführt – sie fordern, dass die Bergbautätigkeit den Fluss Moche nicht mehr verunreinigt“
 
Metadaten
Titel
Subnationale Case Studies: Wie wird Gold zur Konfliktressource?
verfasst von
Dr. Dorothea Hamilton
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-38065-6_7