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12.02.2019 | Suchmaschinenmarketing | Im Fokus | Onlineartikel

Google & Co. wachsen Augen

Autor:
Johanna Leitherer

Nach der Suche per Sprachbefehl steht die nächste Entwicklung in den Startlöchern: Visual Search. Über ein Foto können Suchmaschinen Objekte erkennen und mit Keywords verknüpfen. Was das für E-Commerce und Online-Marketing bedeutet.

Wer eine Wissenslücke schließen oder Bezugsquellen und Kontakte ausfindig machen möchte, blättert nicht mehr im Lexikon oder gar dem Telefonbuch. Vielmehr greifen Verbraucher heute mit all ihren Fragen direkt auf Suchmaschinen und andere Plattformen im Internet zurück. Doch nicht immer fällt es Usern leicht, eine treffsichere Suchanfrage zu formulieren, etwa im Fall von unbekannten Objekten. Apps wie "Google Lens", "Bing Visual Search" oder "Pinterest Lens" bieten daher bereits Möglichkeiten zur visuellen Suche an. 

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Anstatt Keywords händisch oder per Sprachbefehl einzugeben, fotografieren Nutzer dabei das Objekt, zu dem sie weiterführende Informationen erhalten möchten. Dazu können sie sich an bereits vorhandenen Bildern bedienen oder Live-Fotos in ihrer Umgebung aufnehmen. Die daraufhin startende Websuche liefert Ergebnisse zu den Fotomotiven in Echtzeit. Möglich ist das dank künstlicher Intelligenz (KI) und neuronaler Netzwerke, die mittels komplexer Bilderkennungsalgorithmen visuelle Informationen extrahieren, interpretieren und Bilder mit ähnlichem Inhalt zuordnen können (Related Search). 

Großes Marktpotenzial

Kürzlich meldete Google-Mitarbeiterin Aparna Chennapragada im Unternehmensblog, dass Lens nun mehr als eine Milliarde Produkte erkennen könne. Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass diese Zahl eindeutig identifizierbare Objekte umfasst. Ist das Motiv nicht gut zu erkennen oder befindet sich noch kein ausreichendes Vergleichsbildmaterial im Netz, stoßen die Technologien der Anbieter aktuell an ihre Grenzen. Die visuelle Suche steckt also noch in den Kinderschuhen. Nichtsdestotrotz zeichnet sich schon heute eine rapide Entwicklung in diesem Bereich ab, denn die automatisierte Bilderkennung und -auswertung wird immer raffinierter. 

Außerdem ist ein großer Markt anzunehmen, da Konsumenten etwa ihr Mode-Shopping so komfortabel und zeiteffektiv wie möglich optimieren möchten. "Anstatt die Shop-Ansicht zu durchsuchen, machen sie Screenshots von Bildern ihrer Fashion-Favoriten und erwarten, nach diesen auf ihrem Smartphone suchen zu können", bestätigen die Springer-Autoren Julia Lasserre, Christian Bracher und Roland Vollgraf im Buchkapitel "Enabling Visual Search in Fashion e-Commerce Using Studio Images" (Seite 3). Auch die Outfits von Stars oder Influencern auf sozialen Netzwerken lassen sich so einfacher nachkaufen.

Natürliche Foto-Settings statt Studio

Aber nicht nur im Fashion-Bereich, sondern auch in allen anderen Sparten des E-Commerce sind Experten davon überzeugt, dass sich Visual Search zu einer festen Größe etablieren wird. Denn nicht nur Kunden freuen sich, wenn sie bei ihrem Interneteinkauf schnell ans Ziel kommen: Die verkürzte Customer Journey begünstigt Impulskäufe, was Online-Händlern messbaren Nutzen bringt. Zudem lassen sich Bilder besser monetarisieren als beispielsweise Sprache. Damit die eigenen Produktbilder über Google Lens & Co. den visuellen Suchern ausgespielt werden und einen Effekt erzielen, müssen Retailer jedoch ganz neuen Anforderungen gerecht werden. 

War es bislang üblich, Produkte vor weißem Hintergrund abzulichten, so verlangt Visual Search nach natürlichen Foto-Settings in Anlehnung an die Schnappschüsse von Stars und Privatleuten. "Die Aufgabe, Produkte abzurufen, die ähnlich zu den Kleidungsstücken sind, die auf einem "wilden" Bild in unterschiedlicher Qualität und vor nicht einheitlichem Hintergrund dargestellt sind, ist eine entscheidende Fähigkeit für Online-Shops", stellt das Springer-Autorenteam fest. Weiterführende, textliche Produktbeschreibungen bleiben aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung (SEO) damit zwar auch künftig wichtig, aber nicht mehr die alleinige Stellschraube zur Reichweitensteigerung.

SEO-optimierte Bilddaten

Im E-Commerce gilt es künftig also, auch die Bilddaten suchmaschinenfreundlich zu strukturieren, zum Beispiel mithilfe von XML-Sitemaps für Bilder. Diese sind wie eine Auflistung aller Bilder zu verstehen, um den Crawlern der Suchmaschinen wie eine Art Orientierungsplan an die Hand zu legen. Der Zugang zur eigenen Webseite ist damit geebnet, was eine Indexierung durch die Suchmaschinen erleichtert. 

Darüber hinaus ist das Ausfüllen wichtiger Informationen wie dem Title und eine aussagekräftige, alternative Bildbeschreibung (Alt-Tag) wichtig, die bei Ladeproblemen und beim Maus-Overlay ausgespielt wird. Eingaben wie diese sind schon heute wichtig, genau wie ein aussagekräftiger Dateiname, was viele Online-Marketer aber vernachlässigen. Wichtig für die Auffindbarkeit in den Suchmaschinen ist zudem eine hohe Auflösung der Bilder. Content-Marketing muss sich folglich bei der Implementierung der visuellen Suche umfassend neu sortieren. 

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Quelle:
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