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10.08.2015 | Technische Informatik | Im Fokus | Onlineartikel

Software sagt Verkehrsstörungen voraus

Autor:
Andreas Burkert
3 Min. Lesedauer

Logistikunternehmen müssen mitunter auf die Minuten genau planen. Doch jede Vorhersage wird bei hohem Verkehrsaufkommen ad absurdum geführt. Nun aber soll eine intelligente Software alle verkehrsrelevanten Daten Internet analysieren und genauste Prognosen liefern.

Die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen lassen sich nur mithilfe einer leistungsfähigen Logistik meistern. Davon zumindest ist Wolfgang Lehmacher überzeugt. In seinem Buch „Globale Herausforderungen und logistische Antworten“ mahnt er, dass aus diesem Grund Logistik-Unternehmen ihre Rolle bewusster und aktiver wahrnehmen und innovative Lösungen entwickeln müssen. Allerdings werden sie es ohne die Informatik nicht schaffen. Immerhin müssen gewaltige Mengen an Daten analysiert werden.

Nun haben Forscher des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) haben ein System für Logistik-Unternehmen entwickelt, das erstmals interne Informationen mit verkehrsrelevanten Daten aus dem Internet verknüpft – in Echtzeit. Mit der Lösung von Anne Baumgraß, Andreas Meyer und Marian Pufahl können Daten nicht nur unmittelbar verarbeitet, sondern auch zur Vorhersage von Ereignissen genutzt werden. Grundlage für das System sind moderne Complex Event Processing-Technologien (CEP), welche die aktuellsten, sich ständig verändernden Informationen aus dem Unternehmen sowie aus dem Internet zusammenführen und blitzschnell auswerten.

Verkehrsstörung sicher prognostizieren

Die Planer erfahren zum Beispiel sofort, ob und wie lange sich ein LKW in einem Stau befindet und in welchem Maß sich dadurch der ganze Transportweg verzögert. „Eines der bislang größten Probleme ist, dass bestehende Systeme erst dann Auskunft über Verspätungen geben, wenn diese bereits eingetreten sind, LKWs also im Stau stehen“, erklärt Baumgraß. Das nun vorgestellte Programm hingegen ermöglicht es sogar, eine Verkehrsstörung zu prognostizieren, bevor diese tatsächlich eintritt.

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„Im Verkehr wirken oftmals viele Variablen zusammen. Wir sind beispielsweise mit Blick auf den Eurotunnel zwischen Frankreich und England mittlerweile in der Lage, von hohen Windstärken aus zu schlussfolgern, ob Fähren ausfallen und dadurch mit Staus im Tunnel zu rechnen ist. Dadurch können Routen frühzeitig optimiert werden“, so Meyer. Witterungsverhältnisse, Straßensperrungen, Demonstrationen, verzögerte Be- und Entladezeiten sowie selbst schlecht funktionierende Kräne am Hafen stellen keine unerwarteten Hindernisse mehr dar, sondern können präzise eingeplant werden.

Verkehrsstörungen kosten mitunter 50 Millionen Euro

Die jungen HPI-Forscher reagieren damit auf immer globalere Lieferketten, die den häufigen Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln mit sich bringen. Das steigert die Zahl von Unterbrechungen auf den Transportwegen. Pufahl sieht hier klare Vorteile der neuen Lösung aus Potsdam: „Bisher kann es leicht passieren, dass ein Planer in den Niederlanden nichts von Verzögerungen mitbekommt, die in Spanien verursacht wurden. Unsere Plattform ermöglicht es unter anderem, dass die Kommunikation zwischen den vielen Schnittstellen erleichtert wird“. Mithilfe der effizienteren Planung von Transportstrecken sind finanzielle Schäden leichter zu abzuwenden. Bei Verkehrsstörungen können sich diese laut Studien im Extremfall mitunter auf mehr als 50 Millionen Euro belaufen. Zudem ist durch die intelligente Vermeidung von Leerfahrten und Unterbrechungen auch mit gravierenden CO2-Einsparungen zu rechnen

Entstanden ist die Idee im Rahmen der Forschung am HPI-Fachgebiet von Professor Mathias Weske für das EU-Projekt „GET Service“ (Green European Transportation). Es fördert die Entwicklung effizienterer, CO2-optimierter Transporte. Mit dem Projekt haben die drei Nachwuchswissenschaftler in diesem Jahr bereits erfolgreich am Brandenburger Senior Coaching Service Wettbewerb (Sonderpreis) sowie am Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (3. Platz) teilgenommen. Die Logistikbranche hat das Potenzial bereits erkannt: Ab 1. Oktober 2015 startet ein Pilotprojekt mit einem Transportunternehmen. Im Herbst 2016 soll die Plattform dann international unter dem Namen „Synfioo“ an den Markt gehen.

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