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09.11.2016 | Telekommunikationstechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Donald Trump das Internet abschalten könnte

Autor:
Sven Eisenkrämer

Der künftige Präsident der USA hat im Wahlkampf die Idee aufgegriffen, Feinden einfach das Internet abzuschalten. Das ist zwar nicht so einfach, aber machbar, meinen Experten.

Plötzlich ist eine ganze Nation ohne Internetverbindung. Oder gleich ein ganzer Kontinent. Der Feind kann kaum noch kommunizieren, Terroristen ihre Hass-Videos nicht mehr ins Netz stellen. Nichts funktioniert mehr. Das war eine Vision des Republikaners Donald Trump während seines Wahlkampfs. Am liebsten würde der kommende Präsident der USA überall dort, wo seine Nation Krieg führt, einfach den Stecker ziehen.

Der Anruf bei Microsoft-Gründer Bill Gates, den Trump sich gewünscht hat, um quasi per Knopfdruck das Web abzuschalten, würde dazu wohl nicht reichen. Aber dass es grundsätzlich möglich ist, das Web lokal unzugänglich zu machen, das zeigte bereits Anfang 2011 das ägyptische Regime unter Husni Mubarak, als die Regierung rund 3.500 Border-Gateway-Protocol-(BGP)-Routen ins Ausland trennte, also Informationen zur Datenweiterleitung löschte.

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Roland Bless, Privatdozent und Senior-Wissenschaftler am Institut für Telematik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), erklärt gegenüber Springer Professional: "Das Internet hat ja eine sehr verteilte Struktur und ist zum größten Teil privatwirtschaftlich organisiert. Aber es gibt auch Staaten, die vielleicht nur eine einzige Außenanbindung des Internets haben. Dann lassen sich schon Teile des Internets durch Angriffe erheblich beeinträchtigen." Jüngst hätten Cyber-Angriffe mit Datenmengen im Bereich von Terabit-pro-Sekunde gezeigt, was machbar ist, sagt Bless. "Rohe Gewalt" könnte Trumps künftige Untergebene bei NSA, Militär & Co. also zum Ziel führen: "Wenn Sie zum Beispiel mit vielen IoT-(Internet-of-Things)-Geräten massiv irgendwo draufschießen, also massiv Verkehr auf eine Netzanbindung bringen, kann so etwas schon funktionieren."

IT-Schlag könnte Wirtschaft vor Ort handlungsunfähig machen

Sollte den USA durch IT-Experten oder auch durch konventionelles militärisches Eingreifen ein solcher Schlag gelingen, wäre natürlich nicht nur die Kommunikation des ausgemachten Feindes gestört. Vielleicht sogar im Gegenteil: Interne Netzwerke, Funkübertragungen und andere Wege der Kommunikation würden beispielsweise dem so genannten Islamischen Staat (IS) wohl weiter ermöglichen, sich auszutauschen. Stattdessen wäre alles andere einfach abgeschaltet. Die Menschen könnten weder E-Mails abrufen noch versenden, keine Nachrichten lesen, keine Finanzgeschäfte erledigen – die Wirtschaft vor Ort wäre handlungsunfähig.

Der Digitalverband Bitkom, der nach eigenen Angaben 2.400 Unternehmen der digitalen Wirtschaft vertritt – davon 78 Prozent aus Deutschland, neun Prozent aus den USA – sieht das US-Wahlergebnis auch aufgrund jener Äußerungen Trumps kritisch, aber darin auch eine Aufforderung, weltweit die Freiheit des Internets zu fördern.

Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer von Bitkom, sagt: "Die digitale Wirtschaft steht für Grundwerte wie die freie Meinungsäußerung und Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Der Grundsatz des Respekts gerade gegenüber demokratischen Entscheidungen gilt auch mit Blick auf die aus deutscher Perspektive erstaunlichen Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen in den USA. Sie sind ein Signal, die digitale Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen weltweit zu stärken und eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern." Die digitale Wirtschaft werde weiterhin für Freiheit und internationale Vernetzung eintreten, erklärt Rohleder weiter. "Sie wird sich für eine Verbesserung des Bildungswesens und den freien Zugang zu Informationen stark machen. Die besten Mittel gegen diffuse Ängste und Populismus sind eine ausgezeichnete Bildung – und ein eigener klarer Kopf."

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