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Über dieses Buch

Das Lehrbuch gibt einen differenzierten, übersichtlichen und verständlichen Überblick über Stand und Probleme des Wissens zu Terrorismus und Terrorismusbekämpfung. Terroristische Gewalt steht weiterhin hoch auf der politischen und medialen Agenda, bleibt jedoch gleichzeitig ein komplexes und schwieriges Phänomen. Entlang zentraler Fragen und Kontroversen bietet das Buch eine einführende Darstellung dazu, was Terrorismus eigentlich ist, welche Gefahr er tatsächlich darstellt, wie er sich erklären lässt und was man dagegen tun kann. Es stellt zentrale Befunde und Herausforderungen heraus und illustriert diese anschaulich mit historischen und aktuellen Beispielen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Auch im zweiten Jahrzehnt nach „9/11“ steht Terrorismus weit oben auf der politischen und medialen Agenda und die wissenschaftliche Suche nach den Ursachen und Konsequenzen des Terrorismus hat sich intensiviert. Die Erforschung dieses komplexen und schwierigen Phänomens bleibt allerdings mit analytischen und normativen Problemen verbunden, die sich nicht ohne Weiteres lösen lassen. Die Einleitung argumentiert, dass intensive Forschung über terroristische Gewalt trotz – oder gar gerade wegen – dieser schwierigen Umstände notwendig ist. Angesichts oftmals emotionalisierter und vereinfachender öffentlicher und politischer Diskurse besteht ihre Aufgabe darin, zu einem differenzierten und verantwortungsvollen öffentlichen Umgang mit dem Thema Terrorismus beizutragen. Dazu ist es wichtig, an tagesaktuellen Debatten, etwa um den islamistisch motivierten Terrorismus in Westeuropa, teilzunehmen. Dieses einleitende Kapitel argumentiert allerdings, dass es auch sinnvoll ist, sich ein Stück weit von aktuellen Geschehnissen zu lösen und sich eingehender mit Terrorismus als einer spezifischen Gewaltstrategie im Kontext komplexer Konfliktgeschehen zu befassen.
Hendrik Hegemann, Martin Kahl

Kapitel 2. Was ist Terrorismus? Eine schwierige Begriffsbestimmung

Kapitel 2 bietet eine Einführung in die Diskussion über den Terrorismusbegriff und identifiziert die wichtigsten Merkmale, die terroristischer Gewalt üblicherweise zugeschrieben werden. Es erläutert, warum es so schwer ist, eine allgemein anerkannte Definition für Terrorismus zu finden, diskutiert zentrale Elemente, die in eine Terrorismusdefinition eingehen könnten, und erörtert Abgrenzungen gegenüber anderen Gewaltformen. Terrorismus ist ein umstrittener Begriff. Während er in Politik und Öffentlichkeit vor allem genutzt wird, um die Illegitimität bestimmter Gewalttaten hervorzuheben, handelt es sich aus sozialwissenschaftlicher Sicht um eine Gewaltstrategie, die von anderen Gewaltformen aufgrund einer Reihe von Merkmalen unterschieden werden kann. Besonders häufig wird Terrorismus mit der Anwendung oder Androhung von Gewalt durch nicht-staatliche Akteure, der Verbreitung von Angst und Schrecken bei einem bestimmten Zielpublikum und dem Streben nach politischer Veränderung in Verbindung gebracht. An einigen Stellen ergeben sich dennoch Grauzonen und Überschneidungen mit anderen Gewaltformen, die sich in verschiedenen Kontexten unterschiedlich gestalten können. Wichtig ist daher vor allem eine zurückhaltende und differenzierte Verwendung des Begriffs, die deutlich macht, warum eine bestimmte Tat als Terrorismus bezeichnet werden kann, und die bewusst macht, dass eine solche Zuschreibung meist erhebliche politische und gesellschaftliche Folgen hat.
Hendrik Hegemann, Martin Kahl

Kapitel 3. Was wollen Terroristen? Terroristische Akteure und ihre Motive

Kapitel 3 untersucht terroristische Gewalt entlang vier zentraler Motive: ethnisch-nationalistische, sozialrevolutionäre, vigilantistische und religiöse Motive. Auch wenn sich diese im Einzelfall überlagern können und die Verfolgung bestimmter Motive einzelne Gruppen und Individuen noch nicht zu Terroristen macht, prägen diese doch die Handlungsweisen entsprechender Gruppen und Akteure mit. Das Kapitel zeigt, wie die politischen Motive terroristischer Gruppen aus bestimmten historischen Kontexten erwachsen, die Auswahl der Mittel bestimmen und das Verhältnis zum gesellschaftlichen Umfeld sowie die Beziehung zu dem Adressaten der Gewalt, meistens ist dies der Staat, beeinflussen. So können bestimmte Ziele eine Beschränkung der Gewalt mit Blick auf die Unterstützung aus dem eigenen gesellschaftlichen Milieu und mögliche Verhandlungen mit dem adressierten Staat erfordern. Trotz seiner transzendentalen Orientierung verfolgt auch der religiös motivierte Terrorismus durchaus politische Ziele und unterliegt entsprechenden Beschränkungen.
Hendrik Hegemann, Martin Kahl

Kapitel 4. (Wie) wandelt sich Terrorismus? Entwicklungen und Erscheinungsformen des „neuen Terrorismus“

Terrorismus ist nicht statisch. Das so bezeichnete Phänomen und die zugehörigen Interpretationen verändern sich über die Zeit dynamisch. Kapitel 4 untersucht die mit dem Terrorismus verbundenen Wandlungsprozesse genauer. Es konzentriert sich dabei auf zwei Aspekte, die in den letzten Jahren eine besondere Rolle gespielt haben. Erstens haben einige Terrorismusforscherinnen und -forscher argumentiert, dass es einen „neuen Terrorismus“ gebe, der sich grundsätzlich vom „alten Terrorismus“ unterscheide und zudem besonders gefährlich sei. Hiermit ist insbesondere der religiös motivierte Terrorismus gemeint. Zweitens ist darauf hingewiesen worden, dass sich auch die Organisationsstrukturen des Terrorismus gewandelt hätten. Demnach finden sich neben hierarchisch organisierten Gruppen mit klarer Struktur und Ideologie nun vermehrt lose verbundene transnationale Netzwerken oder autonom agierende „einsame Wölfe“. Es zeigt sich aber, dass der Unterschied zwischen „altem“ und „neuem“ Terrorismus eher gradueller Natur ist und kein klarer Schnitt zu machen ist. Eine strikte Trennung zwischen „alten“ hierarchischen Gruppen und „neuen“ dezentralen Netzwerken ist nicht durchgehend aufrechtzuerhalten. Treffender ist die Einschätzung, dass sich alle verdeckt operierenden Terrororganisationen durch hybride Strukturen zwischen Netzwerk und Hierarchie auszeichnen.
Hendrik Hegemann, Martin Kahl

Kapitel 5. (Wie) kann man Terrorismus erklären? Die Suche nach Bedingungen und Ursachen

Es gibt nicht die Ursache für den Terrorismus und Untersuchungen zu den Ursachen und Bedingungen terroristischer Gewalt unterliegen schwierigen Problemen und deutlichen Grenzen. Kapitel 5 beleuchtet vorhandene Erklärungsansätze sowie ihre jeweiligen Stärken und Schwächen. Dabei lassen sich grob drei Ebenen unterscheiden, auf denen unterschiedliche Faktoren als wirksam angesehen werden: individuelle Faktoren auf der Mikroebene, strukturelle Faktoren auf der Makroebene und gruppenspezifische Faktoren auf der Mesoebene. Erklärungsansätze auf diesen drei Ebenen weisen jeweils spezifische Lücken auf. In den letzten Jahren ist über die Entwicklung von Prozessmodellen die Frage, warum und wie sich Einzelpersonen oder Kleingruppen „radikalisieren“ in den Vordergrund gerückt. Dieses Konzept ist besonders umstritten, unter anderem da unklar ist, ab wann genau Handlungen und Überzeugungen „radikal“ sind und was daraus folgt. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Hintergründe und konkreten Motive von Individuen und Gruppen, die schließlich zu terroristischer Gewalt greifen, stark variieren und sich kaum in generalisierende Erklärungen fassen lassen. Die Forschungen zu den unterschiedlichen Faktoren zeigen, dass es weder ein typisches individuelles Profil von Terroristen gibt, noch bestimmte soziale Umstände quasi automatisch terroristische Gewalt hervorbringen. In der Forschung ist man angesichts dessen dazu übergegangen herauszuarbeiten, wie verschiedene Faktoren auf unterschiedlichen Ebenen zusammenwirken und welche Mechanismen und Entwicklungsverläufe dazu beitragen können, dass Menschen in manchen Fällen zu terroristischer Gewalt greifen.
Hendrik Hegemann, Martin Kahl

Kapitel 6. Was tun? Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung

Kapitel 6 beschäftigt sich mit der Frage, was Staat und Gesellschaft zur Bekämpfung des komplexen und vielfältigen Phänomens terroristische Gewalt tun können. Weltweit ist eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus ergriffen worden. Welche Maßnahmen bevorzugt werden, hängt unter anderem von unterschiedlichen historischen Erfahrungen und Problemwahrnehmungen ab, aber auch von bestimmten politischen Logiken. Diese ergeben sich vor allem aus der Kombination großer Ungewissheit mit Blick auf mögliche Anschläge und einem hohen – teilweise selbst geschürten – Erwartungsdruck an die Politik. Antiterrorpolitiken können sich in ihrer generellen Ausrichtung sehr stark unterscheiden, etwa darin, ob Terrorismus als eine Form des Krieges oder eine Form schwerer Kriminalität betrachtet wird. Dennoch gibt es gemeinsame Wahrnehmungen und staatenübergreifende Trends. Dieses Kapitel benennt vor allem drei: den Trend zur Versicherheitlichung durch die Darstellung des Terrorismus als ein besonderes Risiko, das außerordentliche Maßnahmen rechtfertigt; die Ausdehnung sicherheitspolitischer Maßnahmen immer weiter in das Vorfeld strafbarer Aktivitäten durch strukturelle und vor allem operationale Prävention; und die Tendenz zur Internationalisierung durch den Ausbau einer Vielzahl grenzüberschreitender Aktivitäten. Kapitel 6 beleuchtet diese Trends und Unterschiede auf drei unterschiedlichen Ebenen: der globalen, der regionalen und der nationalen.
Hendrik Hegemann, Martin Kahl

Kapitel 7. Sicherheit vs. Freiheit? Probleme und Dilemmata der Terrorismusbekämpfung

Eine zentrale Frage der Terrorismusbekämpfung ist, wie die vielen beschlossenen Instrumente und Ansätze in ihrer Gesamtheit zu bewerten sind. Das Kapitel behandelt zwei besonders wichtige Fragestellungen, die auch in der Öffentlichkeit breit diskutiert werden. Der erste Abschnitt widmet sich der Frage nach der Wirksamkeit von Antiterrormaßnahmen. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich damit, wie sich Maßnahmen gegen den Terrorismus auf die demokratische Politikgestaltung und auf liberale Freiheitsrechte auswirken. Während es im ersten Schritt also darum geht, ob mehr Sicherheitsmaßnahmen wirklich mehr Sicherheit bringen, steht im zweiten Schritt die Frage im Mittelpunkt, ob bzw. inwieweit ein mögliches Mehr an Sicherheit die Einschränkung von Freiheitsrechten rechtfertigt. Dabei zeigt sich, dass die Notwendigkeit und Wirksamkeit vieler Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung wissenschaftlich schwer zu beurteilen sind. Staaten und ihre Gesellschaften sollten insgesamt die besondere Konfliktlogik terroristischer Gewalt bedenken und sich nicht auf eine Eskalationsspirale aus Aktion und Reaktion einlassen. Wer dem legitimen Ziel des Schutzes der Bevölkerung gegen die Gefahr des Terrorismus nachgeht und dabei zentrale Rechte der Bürger einschränkt, sollte dies nicht einfach auf Verdacht tun, sondern gezielt und pragmatisch nach konkreten Lösungen suchen und sich einer offenen Debatte über Gefahren sowie Kosten und Nutzen der Maßnahmen stellen, ohne dabei der Sicherheit automatisch Vorrang einzuräumen.
Hendrik Hegemann, Martin Kahl

Kapitel 8. Schlussbemerkungen

Kapitel 8 fasst die wesentlichen Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel zusammen und wagt einen kurzen Ausblick auf den politischen und wissenschaftlichen Umgang mit terroristischer Gewalt. Es fragt dabei unter anderem, wie sinnvoll es in Anbetracht der Komplexität des Phänomens Terrorismus und der Vielfalt der gewählten akademischen Zugänge überhaupt noch ist, von der Terrorismusforschung und dem Terrorismus zu sprechen. Das Buch zeigt aber, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen wichtigen Beitrag zu einer informierten und differenzierten Diskussion leisten können, die vor Klischees, Mythen und Stereotypen schützt. Analysen, die die komplexen und widersprüchlichen Entwicklungen des Phänomens Terrorismus beschreiben, sind hier hilfreicher als „steile Thesen“. Für die Politik legt das Buch die Maxime der Selbstbeschränkung nahe und mahnt dazu, sich stets die besondere Konfliktkonstellation, in der terroristische Gewalt angewendet wird, zu vergegenwärtigen und aus den vorhandenen Erfahrungen zu lernen.
Hendrik Hegemann, Martin Kahl

Kapitel 9. Kommentiertes Literaturverzeichnis

Dieses Kapitel stellt knapp empfehlenswerte Einführungsliteratur zum Thema Terrorismus und Terrorismusbekämpfung vor.
Hendrik Hegemann, Martin Kahl

Backmatter

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